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Dodge Challenger SRT8: Muscle-Car im Test

Dodge Challenger SRT8

Ihr Lebensraum schmilzt dahin, ihr Bestand auch. Doch das haben sie nicht verdient: Automobile Saurier wie der Dodge Challenger SRT 8 mit Big Block V8 lassen ihre Fahrer spüren warum

Eckdaten
PS-kW431 PS (317 kW)
AntriebHinterrad, 5-Stufen Automatik
0-100 km/h5.40 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit268 km/h
Preis49.900,00 €

Man ertappt sich jedesmal aufs Neue beim Blick in den Rückspiegel. Nein, man kann sich einfach nicht sattsehen am Hüftschwung der Schulterlinie kurz vor dem Hinterrad. Erinnerungen werden wach an James Kowalski alias Barry Newman, der im Roadmovie „Fluchtpunkt San Francisco“ den Ur-Challenger binnen 15 Stunden von Denver nach San Francisco bringen will, inklusive Gratis-Ärger mit der Polizei.

Begleitet wird er dabei über den Äther von Radio-Disjockey „Super Soul“, der ihn als „letzten amerikanischen Helden“ feiert. Das war 1971. Heute steht der wiederbelebte Mythos des „Challenger“ (Herausforderer) als Retromobil auf dem Redaktionsparkplatz. Von zeitgenössischem Downsizing keine Spur: 1.902 Kilo Leergewicht verteilen sich auf gut fünf Meter Länge und fast zwei Meter Breite. Offiziell wird der Dodge nicht importiert. Wer sich jedoch beim Chrysler-Händler einfindet, kann einen Einzelimport für 49.900 Euro organisieren lassen, Vollausstattung inklusive (siehe Datenblatt).

Wählbar ist nur die Lackierung: Die Farben Silber, Schwarz oder Orange gibt es ohne Aufpreis. Zugute kommt dem Dodge die Ex-Verwandtschaft zwischen der Muttermarke Chrysler und Daimler. So basiert der Challenger SRT technisch auf dem Chrysler 300C, dessen Achsen und Fünfgangautomatik einst in der Mercedes E-Klasse Dienst taten. Der Antrieb ist hingegen uramerikanisch: ein 6,1 Liter großer Stoßstangen-V8, der zur Erhöhung des Wirkungsgrades und der Leistung sein Kraftstoff-Luftgemisch in hemisphärischen (halbkugelförmigen) Brennräumen zündet. 431 PS weist der Fahrzeugschein aus. Der Drehmomentgipfel in Höhe von 569 Newtonmetern ist bei 4800 /min erreicht.

HOHES CRUISING-POTENZIAL
Fahrlässig eingesetzt, reicht die Leistung auch heute noch für Gratis- Ärger mit der Ordnungsmacht, denn die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 268 km/h. Aber das muss ja nicht sein, auch wenn die Typenbezeichnung „SRT8“ darauf hinweist, dass der V8-Dodge von der hauseigenen Tuning-Abteilung „Street Racing Technologies“, kurz SRT, stammt. Im Cruising-Modus lässt es sich mit dem Challenger herrlich entspannt dahingleiten, immer dem Horizont hinter der ellenlangen Motorhaube entgegen.

Relaxen unterwegs klappt vorzüglich, denn bei 1.200 Touren schaufelt der Motor aus den Tiefen seines gusseisernen Blocks bereits 400 Nm, bei 3.200 /min sind es knapp 500 Nm, mit denen der satt wummernde V8 Zwerchfell und Seele massiert. Mehr als 2.000 /min sind im Alltag selten nötig. So kann man mit wenig Gaspedalbewegung viel Strecke zurücklegen, auch wenn es bergauf geht. Steigungen ignoriert der V8 nämlich nahezu völlig – dem Hubraum sei Dank.

Per Kickdown wechselt der V8 nicht nur die Fahrstufe, sondern auch die Tonlage. Bissig wie ein gereiztes Reptil schießt der Challenger zornig hämmernd voran. Bei knapp über 6.000 Umdrehungen rückt die Automatik die nächste Fahrstufe ein, begleitet von einem kurzen Glucksen aus dem Auspuff. Der Sprint von null auf 100 km/h ist nach 5,4 Sekunden erledigt, die 200-km/h-Marke fällt nach 17,7 Sekunden. Ein Porsche Panamera 4S braucht hierfür immerhin 1,3 Sekunden länger.

Ja, wir haben sie erwartet, die Frage nach dem Verbrauch. Doch allen Vorurteilen zum Trotz: Der SRT8 begnügte sich in diesem Test mit akzeptablen 14,6 Liter Super auf 100 Kilometern. Ein 407 PS starker BMW 750i brauchte hier 0,3 Liter mehr. Auf der Landstraße reichen dem Dodge laut Bordcomputer sogar nur 11,5 Liter. Kommen wir zu den übrigen Fahreigenschaften. Das sportlich abgestimmte Fahrwerk ist von der straffen Sorte, was das Ansprechverhalten angeht. Mitverantwortlich hierfür dürften die serienmäßigen 20-Zöller sein.

Die Hinterachse teilt mitunter kräftige Schläge aus, wovon vor allem die im engen Fond des Zweitürers reisenden Passagiere betroffen sind. Ansonsten lässt es sich auch auf Langstrecken gut aushalten. Auf kurvigen Landstraßen kommt der Fahrer ans Arbeiten, was hauptsächlich an der etwas gefühllosen und mit großen Lenkwinkeln operierenden Lenkung liegt. In Kurven realisiert der im kanadischen Brempton gefertigte Ami hohe Querbeschleunigungen, bevor das ESP auf den Plan tritt.

Und mit abgeschaltetem Schleuderschutz kann der Fahrer bei Bedarf im Drift jederzeit kräftige, filmreife Rauchsäulen produzieren. In puncto Bremsen aus Tempo 100 bis zum Stand vernichtet die Brembo-Anlage Bewegungsenergie effektiv – und damit auch jegliche Vorurteile über die Bremsen amerikanischer Autos. Werte um die 35 Meter sind ein Wort. So schreibt der Challenger SRT8 den Mythos der amerikanischen Muscle-Cars fort – auch wenn er hierzulande ein Exot bleibt.

Fazit

Der Dodge Challenger SRT8 ist eine gelungene Neuinterpretation des Muscle-Car-Themas: von barocker Üppigkeit und nicht gerade dienstwagentauglich, aber für die Samstagnacht auf der Flaniermeile mit großem Show-Faktor gesegnet. Er gehört in die Garagen von Menschen mit einem Faible für Amis – und unter Artenschutz gestellt.

Elmar Siepen

Inhaltsübersicht

Autos im Test

Dodge Challenger SRT8

PS/KW 431/317

0-100 km/h in 5.40s

Hinterrad, 5-Stufen Automatik

Spitze 268 km/h

Preis 49.900,00 €