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Opel-Tuning radikal: Irmscher GT i40 und 7 Turbo

Extreme Roadster auf Opel-Basis

Unverfälschte Roadster der Extraklasse: Irmscher 7 Turbo und GT i40, unterwegs auf dem Hockenheimring. Die beiden Roadster sind ich ähnlicher, als man denkt

Auf Türen wurde komplett verzichtet, die Beine verschwinden in einem engen Tunnel. Ob es für die sinnvolle Erfüllung des Begriffs „Windschutzscheibe“ reicht, ist fraglich, und das kleine Lenkrad stammt wahrscheinlich aus einem Go-Kart. Den Irmscher 7 Turbo als puristisch zu bezeichnen, ist eine ziemliche Untertreibung. Obwohl er einige Annehmlichkeiten mehr zu bieten hat als sein berühmtes Vorbild von 1957, der Lotus Seven, darf der Irmscher getrost als Herausforderung für die servoverwöhnte Kundschaft von heute gelten.

Im zweiten offenen Irmscher, dem GT i40, fühlt man sich eher in einen Wellnesstempel versetzt. Plötzlich sind die kleinen Wohlfühlfaktoren des Autofahreralltags wieder da: Klimaanlage, ein großzügiger Innenraum und Türen, die bis zur Schulter reichen.

Das Stoffverdeck faltet sich ordentlich unter eine Hutze hinter den Sitzen, das exklusive Leder mit Karbonstruktur und roten Ziernähten schmeichelt nicht nur den Augen. Aber auch hier ist etwas anders. Spätestens beim Umdrehen des Zündschlüssels wird klar: Unter der langen Haube müht sich kein Serien-Vierzylinder-Turbo ab. Da wütet ein fetter V8, entliehen aus der Corvette C6.

Opel GT mit 480 PS starkem Corvette-V8

Der 480 PS starke Irmscher GT i40 ist ein Einzelstück, gebaut anlässlich des 40jährigen Firmenjubiläums. Eine Kleinserie könnte nur bei Kundeninteresse zustande kommen, bei 20 bis 30 Autos sollte sich die Entwicklung lohnen.

Da aber der Opel GT als Basis dem Rotstift der GM-Finanzjongleure zum Opfer gefallen ist, dürfte es bei der exklusiven Einzelanfertigung aus Remshalden bleiben. Für das überflüssig gewordene GT-Serientriebwerk hatte Irmscher sofort Verwendung. Der Zweiliter-Turbo mit 265 PS befeuert jetzt den Seven. Dort sitzt er zwischen Vorderachse und Spritzwand perfekt platziert und hat mit dem 725-Kilo-Roadster leichtes Spiel.

Im Gegensatz zum voraussichtlich etwa 77.000 Euro teuren Jubi-GT ist der 7 Turbo schon für rund 65.000 Euro zu haben – fahrfertig montiert. Getreu der Lotus-Tradition können begnadete Schrauber aber auch einen Bausatz erstehen und zahlreiche Wochenenden in der heimischen Garage mit der Vollendung des Roadsters verbringen. Den Basisbausatz ohne Motor gibt es ab 19.700 Euro.

Ob aber die zuständige Irmscher-Hotline verzweifelte, im Ernstfall womöglich auch ehekrachgefährdete Heimwerker bis spät in die Nacht betreut, bleibt offen. Doch um es vorweg zu nehmen: Das Ergebnis ist die Mühe wert. Wer Auge in Auge mit den hohen Grashalmen am Straßenrand in der rasenden Alu-Wanne unterwegs ist, hat alle Hände voll zu tun. Mit einem Leistungsgewicht von 2,7 kg/PS bewegt sich der Irmscher 7 Turbo auf dem Niveau eines Porsche 911 GT2. Allerdings hockt der Porsche-Pilot nicht nahezu im Freien, nur wenige Zentimeter über dem Asphalt direkt vor der Hinterachse und muss auch nicht ohne jegliche elektronische Helferlein auskommen.

Was Irmscher als „unverfälschtes Fahrerlebnis“ bezeichnet, kommt dem oft erwähnten Ritt auf der Kanonenkugel schon sehr nahe. Im Motodrom von Hockenheim schießt der Seven bei jedem Gasbefehl nach vorn, akustisch untermalt von dem fauchenden Turbomotor. Jedes Gaswegnehmen beantwortet das Wastegate (Überdruckventil) mit einem lautstarken Abblasen. Das hat etwas von einem Rallyeauto. Viel Zeit, sich auf die kleinen Rundinstrumente im minimalistischen Cockpit zu konzentrieren, bleibt nicht. Es genügt zu wissen, wo die eng beieinander stehenden Pedale sind, dass der kurze Schaltknauf sowie das 280-Millimeter-Lenkrad kräftiges Zupacken verlangen und dass es praktisch keinen Grenzbereich gibt. Ach ja, Bremsen ohne ABS erfordert wesentlich mehr Gefühl im Fuß, sonst stehen vor jeder Kurve alle vier Räder rauchend und holen sich Bremsplatten.

Der Irmscher 7 Turbo folgt der Lotus-Tradition: leicht und schnell
Der Irmscher GT i40 wirkt gegen seinen ungestümen kleinen Bruder wie eine Burg, lässt sich aber ähnlich spielerisch handhaben. Um den sechs Liter großen V8 unter die Haube zu bringen, mussten Teile der Vorderachse umgebaut werden. Ein zusätzlicher Ölkühler und der riesige Ansaugschlund sitzen direkt im Fahrtwind hinter der Kühlermaske.

Die Modifizierungen am Motor selbst reichen weit über eine Neuprogrammierung der Steuerelektronik hinaus: Bearbeitete Zylinderköpfe mit geglätteten Ansaugkanälen, eine scharfe Nockenwelle mit längeren Überschneidungszeiten beim Gaswechsel in den acht Brennräumen und eine handgefertigte Auspuffanlage bringen den Corvette-Motor auf 480 PS. Nebenbei fallen satte 570 Newtonmeter Drehmoment an. Wie beim Seven sitzt auch hier der Motor hinter der Vorderachse und beeinflusst so die Gewichtsverteilung nicht allzu negativ.

Das Leistungsgewicht kann sich ebenso sehen lassen: Mit 2,9 kg/PS bewegt auch er sich im Supersportwagenbereich. Klar, dass unter diesen Umständen die serienmäßige Opel-GT-Hinterachse, die Differenzialsperre und beide Antriebswellen gequält aufschreien würden. Speziell gefertigte Antriebswellen und ein stärker dimensioniertes Sperrdifferenzial stellen sich dem Drehmomentansturm entgegen.

Der Effekt der gekonnten Transplantation ist gewaltig. Der i40 verwöhnt nicht nur die Ohren mit klassischen V8-Klängen, er spricht auch spontan auf jede Gaspedalbewegung an. Die montierten 19-Zoll-Räder mit vergleichsweise schmalen 245er-Reifen mühen sich, die Kraft in vehementen Vorwärtsdrang umzusetzen.

Die Betonung liegt hier allerdings auf dem Begriff „Mühen“. Zudem ermöglicht das deaktivierte ESP einen ungehemmten Kraftfluss an die Hinterachse. Die Mini-Corvette lässt sich jederzeit zum Drift bitten und zögert nicht einen Moment, diesem Verlangen nachzukommen. Dabei benimmt sich die Irmscher-Entwicklung nicht wie ein wilder, unzähmbarer Stier, sondern wie ein präzise abgestimmter Sportroadster. Erkennbares Talent für schnelle Kurvenfahrten und ein ansprechender Restkomfort ergänzen sich.

Normalität? Nein. Beide Roadster stehen für besondere Augenblicke
Schnelle Kurven sind auch im Irmscher 7 Turbo kein Problem, zumal das gesamte Fahrverhalten an einen Formel-Rennwagen erinnert. Die Haftgrenze der 16-Zöller zu erkunden, erfordert Mut und darüberhinaus auch Geschick am Volant.

Das laue Lüftchen hinter der kleinen Scheibe steigert sich ab 80 km/h kontinuierlich bis zu einem ausgewachsenen Orkan. Die Höchstgeschwindigkeit von 235 km/h hat somit eher wenig Sinn – es raubt einem ohne Dach schlichtweg den Atem. Tempo 275 im GT i40 bleibt ebenfalls besser ein theoretischer Wert, Roadstergenuss sieht anders aus.

Mit den beiden außergewöhnlichen Zweisitzern etablierte Konkurrenten ärgern, hat dagegen enormen Charme. Die Irmscher-Roadster stehen auf keiner allgegenwärtigen „Must-have“-Liste für aufstrebende Jung-Akademiker, sollten aber unbedingt aufgenommen werden. Der Überraschungseffekt an Bord ist groß, die erlebten Augenblicke hinter dem Lenkrad ziehen zahlreiche Erzählminuten nach sich. Und dabei ist es egal, ob die Rede vom stürmischen Irmscher 7 Turbo oder vom exklusiven GT i40 ist.
Holger Eckhardt

Inhaltsübersicht

Autos im Test

Opel Irmscher GT i40

PS/KW 480/353

0-100 km/h in 4.20s

Hinterrad, 6 Gang manuell

Spitze 275 km/h

Preis 77.000,00 €

Opel Irmscher 7 Turbo

PS/KW 264/194

0-100 km/h in 4.70s

Hinterrad, 5 Gang manuell

Spitze 235 km/h

Preis 64.900,00 €