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BMW 730d/Mercedes S 350 d: Vergleichstest

Leichtfüßiger 7er fordert S-Klasse

Luxuslimousinen mit Dieselmotor sind so ziemlich die eleganteste Form von sparsamem Dahingleiten. Im Test misst sich der neue BMW 730d mit dem Mercedes S 350 d.

Die deutsche Luxusklasse ist Diesel-Gebiet. Insbesondere BMW 7er-Kunden entscheiden sich hierzulande zu über 70 Prozent für die Luxuslimousine mit Selbstzünder unter der Haube, während sich nur 47 Prozent der Mercedes S-Klasse-Klientel für den Diesel begeistern. Unser Test klärt, ob der neue, 265 PS starke BMW 730d mit seinem Reihensechszylinder-Turbodiesel auch im direkten Vergleich mit dem S 350 d die Nase vorn hat. Ein fürstliches Raumangebot ist in der Luxusklasse oberstes Gebot – beide Limousinen erfüllen diesen Anspruch standesgemäß. Im Fond finden die Passagiere der S-Klasse zwar etwas mehr Raum vor, beim BMW deshalb von Enge zu sprechen, wäre aber falsch. Auch der 7er bietet hinten mehr als genügend Platz. Unser Testwagen Mercedes S 350 d ist jedoch einen Hauch luftiger geschnitten und darf nebenbei auch rund 80 Kilogramm mehr Zuladung schultern. Im Gegenzug gelingt dem 730d die Verbindung von Mensch und Maschine besser: Zum einen sorgen perfekte Einstellmöglichkeiten von Sitz und Lenkrad für optimale Kontrolle des Fahrzeugs. Zum anderen verfügt der 7er BMW derzeit über das beste Bediensystem: Die Kombination aus Touchscreen, Dreh-Drück-Steller und Gestensteuerung kommt allen Vorlieben entgegen, und die hinterlegten Menüstrukturen sind auch ohne vorheriges Studium der Betriebsanleitung intuitiv nachvollziehbar.

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Neuer BMW 7er um einiges leichter als Mercedes S-Klasse

In der Mercedes S-Klasse verästeln sich einzelne Pfade deutlich komplexer, zudem verteilen sich die Funktionen auf das zentral von der Mittelkonsole aus steuerbare Comand-Online-System sowie auf die über Lenkradtasten aufrufbaren Optionen im Infodisplay. Aus dem Vollen schöpfen beide Testwagen bei der Sicherheitsausstattung. Nahezu alle derzeit angebotenen Funktionen sind serienmäßig oder gegen Aufpreis verfügbar. Das extrem weit und hell leuchtende Laser-Fernlicht (1200 Euro) gibt es allerdings nur für den neuen 7er. Der BMW zeigt zudem das Quäntchen mehr Liebe zum Detail bei Verarbeitung und Qualität. Bester Fahrkomfort beginnt bei den Sitzen. Sowohl die S-Klasse als auch der 7er sind mit optionalen Komfortsitzen ausgerüstet. Die des BMW bieten eine Massagefunktion, eine gelungene Kontur, zahlreiche Einstellmöglichkeiten und eine wohltuende Klimatisierung. Adaptive Seitenpolster und eine variierbare Wärme-Verteilung der Sitzheizung gibt es allerdings nur in der S-Klasse. Im Fond wiederum sorgt die besser konturierte Rückenlehne des BMW 730d bei den Passagieren für mehr Wohlbefinden. Dank guter Geräuschdämmung gleiten beide Test-Kontrahenten angenehm leise auch mit hohen Geschwindigkeiten über den Asphalt. Der BMW ist wie die Mercedes S-Klasse ab Werk mit einer Luftfederung und adaptiven Dämpfern ausgestattet. Erst sehr schlechte Straßenoberflächen mit harten Kanten und tiefen Fugen verdeutlichen das bessere Ansprechverhalten des Bayern im Vergleich zum hier und da stößig agierenden Schwaben.

Mercedes S 350 d im Kostenkapitel knapp vor BMW 730d

Dass sich über 70 Prozent der 7er-Kunden für den Dreiliter-Diesel entscheiden, hat seinen guten Grund: Der Selbstzünder verbindet gute Laufkultur mit fülliger Leistungscharakteristik und günstigem Verbrauch. Dem getesteten 730d genügen 5,9 Sekunden, um aus dem Stand auf Tempo 100 zu sprinten. Der nur sieben PS schwächere Mercedes S 350 d hängt hier schon fast eine Sekunde hinterher. Bis 200 km/h addiert sich der Vorsprung des BMW auf 2,5 Sekunden. Beim 7er passt in diesem Test alles zusammen: Die samtweich und schnell schaltende Achtstufen-Automatik von ZF findet immer die passende Übersetzung und ist perfekt auf die Kraftentfaltung des bulligen und drehwilligen Sechszylinders abgestimmt. Der Antriebseinheit der S-Klasse agiert spürbar träger. Insbesondere spontane Gasbefehle werden erst verzögert in Vortrieb umgesetzt. Dass der Mercedes nicht so leichtfüßig in Schwung kommt und zudem mit 8,7 Litern auf 100 Kilometern über einen Liter mehr verbraucht als sein Testgegner, liegt nicht zuletzt am üppigen Leergewicht: Der 730d wiegt dank Verbundbauweise aus Aluminium, hochfesten Stählen und Karbon 120 Kilogramm weniger als der S 350 d.

Wartung im BMW 7er die ersten fünf Jahre kostenfrei

Das geringe Gewicht hat nicht nur positiven Einfluss auf die Fahrleistungen und den Komfort, sondern auch auf das Handling der bayrischen Limousine, die sich ausgesprochen präzise über kurvige Pisten dirigieren lässt. Dabei übermittelt die Allrad-Aktivlenkung des BMW 730d stets ein glasklares Feedback von der Vorderachse und setzt die Wünsche des Fahrers ohne Verzögerung in Richtungswechsel um. Die gute Traktion, der breite Grenzbereich und das fein regelnde Stabilitätssystem runden das gelungene Gesamtbild ab. Schließlich krönt der BMW seine gute Vorstellung in diesem Kapitel mit den besseren Verzögerungswerten aus Tempo 100 bis zum Stillstand bei sowohl kalter als auch warmer Bremsanlage. Der schwere Test-Mercedes gibt sich generell zurückhaltender. Mit über 100 kg Mehrgewicht auf der Vorderachse schiebt der S 350 d zudem stärker über die Vorderräder zum Kurvenaußenrand, was ein stärkers Eingreifen der elektronischen Regelsysteme zur Folge hat. Dass Qualität ihren Preis hat, wird beim neuen BMW 7er deutlich. Dass aber bereits sein Grundpreis 147 Euro über dem der S-Klasse liegt, ist neu. Zuzüglich aller testrelevanten Optionen erhöht sich die Differenz auf üppige 4660 Euro. Zudem bietet BMW nicht die Garantiebedingungen an wie Mercedes für die S-Klasse – immerhin ist die Wartung für den 7er in den ersten fünf Jahren kostenfrei. Da aber auch die Versicherungseinstufungen für den S 350 d günstiger ausfallen, gewinnt die S-Klasse zumindest das Kostenkapitel.

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Technische Daten BMW 7er Mercedes S-Klasse
Version 730d S 350 d
Motor R6-Zylinder, 4-Ventiler, Turbodiesel V6-Zylinder, 4-Ventiler, Turbodiesel
Hubraum 2993 cm³ 2987 cm³
Leistung 195 kW/265 PS bei 4000 /min 190 kW/258 PS bei 3400 /min
Getriebe, Antrieb 8-Stufen-Automatik, Hinterrad 9-Stufen-Automatik, Hinterrad
0 - 100 km/h 5,9 sec 6,8 sec
Höchstgeschw. 250 km/h 250 km/h
Verbrauch 7,5 l D/100 km; 8,7 l D/100 km
Bewerteter Preis 91.590 Euro 86.930 Euro

Michael Godde
Fazit

Mit dem BMW 730d haben die Münchner einen Volltreffer gelandet. Die neue Karosseriearchitektur mit innovativer Karbontechnik zahlt sich aus. Der im Vergleich zum Mercedes S 350 d leichtere 7er bietet die besseren Fahrleistungen, den niedrigeren Verbrauch, den geschmeidigeren Komfort und ist sehr souverän verarbeitet. Allerdings hat das Gesamtpaket zuzüglich aller Optionen dann auch seinen Preis. Dass die S-Klasse das günstigere Angebot in diesem Vergleichstest der Luxuslimousinen ist, überrascht, hilft ihr aber in der Summe nicht. Dem Mercedes fehlen die Leichtigkeit im Handling, die der 7er an den Tag legt, und eine ähnlich exzellente Motor-Getriebe-Abstimmung.