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Audi SQ5 plus/Porsche Macan GTS: Test

SQ5-Diesel gegen Benziner-Macan

Diesel oder Benziner im Power-SUV? Der Vergleichstest zwischen Audi SQ5 plus und Porsche Macan GTS klärt nicht nur die Frage nach dem passenden Antrieb.

Audi legt kräftig nach: Der SQ5 braucht im Kampf gegen den Porsche Macan GTS Leistung. Zwar gibt es in China und Nordamerika den SQ5 auch mit einem 354 PS starken V6-Kompressor Benziner, der den 360 PS des Macan Paroli bieten könnte. In Deutschland allerdings bietet Audi den Top-Q5 nur mit Diesel an. Kein Wunder, dass man in Ingolstadt nun kräftig an der Leistungsschraube gedreht hat. Und so stellt sich der neue SQ5 plus mit strammen 340 PS und monumentalen 700 Newtonmeter Drehmoment dem nächsten Duell. Wie unterschiedlich man den Antriebsstrang eines Power-SUV konfigurieren kann, zeigen Audi SQ5 plus und Porsche Macan GTS deutlich: Die Ingolstädter setzen auf den bulligen Antritt eines Diesels, während die Mannschaft aus Zuffenhausen die Drehfreude eines Benziners bevorzugt. Der Porsche begeistert mit seinem extrem breit nutzbaren Drehzahlband, hoher Drehfreude und aggressivem Ansprechverhalten im Sportmodus. Der Audi hingegen wirft die ganze Wucht seiner 700 Newtonmeter in die Waagschale. Dass der V6-Biturbodiesel dabei ausgesprochen bissig auf Gasbefehle reagiert und auch locker bis über 5000 Touren dreht, zeigt, dass man bei Audi weiß, wie man einem Selbstzünder Beine macht. Aber auch wenn sich die beiden Antriebe komplett anders anfühlen – bei den Fahrleistungen zeigen sie Einigkeit. Zwar kommt der GTS besser vom Fleck und entscheidet den Prestige-Sprint von null bis Tempo 100 mit 4,6 Sekunden klar für sich. Aber je schneller es wird, umso gnadenloser legt der SQ5 plus zu. Bis Tempo 200 hat er seinen Rückstand wieder ausgeglichen. Die Leistungskur hat sich gelohnt. Dass der Verbrauch da nicht besonders gering ausfällt, versteht sich von selbst. Dennoch geht der Audi mit 10,5 Liter Diesel pro 100 Kilometer genügsamer zu Werke als der Porsche, der für die gleiche Distanz 13,1 Liter Super Plus benötigt. Zudem fällt die Reichweite des Macan mit nur 573 km trotz seines großen 75-Liter-Tanks (ohne Aufpreis) deutlich geringer aus.

Bildergalerie: Porsche Macan GTS vs. Audi SQ5

Der Audi SQ5 lässt Porsche Macan GTS hinter sich

Auch wenn Audi kräftig Leistung nachgelegt hat und beim Allradantrieb des SQ5 plus erstmals die nach hinten fließende Kraft mit einem elektronisch gesteuerten Sportdifferenzial an der Hinterachse aktiv auf die Räder verteilt, ist er auf dem Handlingparcours gegen den Macan GTS chancenlos. Der Porsche fasziniert mit einem ausgesprochen verbindlichen Einlenkverhalten und einer Kurvenstabilität auf Sportwagenniveau. Seine Lenkung ist außerdem kommunikativer als das mitunter etwas zu synthetisch agierende Pendant des Audi. Der Ingolstädter lässt sich zwar ebenfalls locker um den kurvigen Parcours dirigieren, aber er neigt dazu, in engen Kurven über die Vorderräder zu schieben. Das ist dem GTS fremd. Der Macan hält auch mit Volldampf aus engen Kehren heraus stoisch den vorgegebenen Kurs. Sein Allradantrieb verteilt die Kraft eine Spur dynamischer an die ebenfalls mit einem elektronisch gesteuerten, aktiven Sperrdigferenzial versehene Hinterachse. Dass der GTS am Ende der Runde trotz nahezu gleicher Fahrleistungen dennoch fast drei Sekunden Vorsprung hat, liegt auch an seinen üppigen 21-Zoll-Rädern mit 295er-Reifen an der Hinterachse – Audi begnügt sich mit 255er-Pneus. Die 8033 Euro teure Karbon-Keramik-Bremsanlage hätte sich Porsche allerdings sparen können: Die Verzögerungswerte sind nur geringfügig besser als die des SQ5. Und die gute Dosierbarkeit zeigen auch Macan-Modelle mit der serienmäßigen Bremsanlage.

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Der Porsche Macan GTS ist leichtfüßig wie ein Panther

Porsche schafft den Spagat zwischen maximaler Performance und gelungenem Komfort dank des aufpreispflichtigen Luftfederfahrwerks (2630 Euro) inklusive einstellbarer Dämpfer ausgesprochen souverän. Der Macan GTS spricht auf Kanten und Fugen trotz seiner üppigen Bereifung leichtfüßig an, bringt nach langen Wellen die Karosserie schnell wieder zur Ruhe und verzichtet – selbst wenn er eine sportliche Note pflegt – auf unnötige Härte. Der SQ5 rollt mit seinem serienmäßigen S-Sportfahrwerk spürbar hölzernerm ab. Schläge und Wellen sorgen für viel Bewegung m Aufbau und stören vor allem auf langen Strecken. Der teilweise brummige Unterton des bulligen Selbstzünders trägt ebenfalls nicht zum entspannten Reisen bei. Entschädigt wird der Audi-Pilot dafür mit hervorragenden Sportsitzen, die Seitenhalt und Komfort gleichermaßen bieten.

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In Audi und Porsche dominieren hochwertige Materialien

Die eng anliegenden Sitze des Porsche gefallen zwar mit sehr gutem Seitenhalt, dürften aber etwas mehr Bewegungsfreiheit bereitstellen. Den sportlichen Anspruch dokumentiert Porsche beim Macan auch optisch. Dessen Silhouette fällt deutlich geduckter aus als die aufrechte Karosserie des Audi. Einbußen beim Raumangebot bleiben da im Porsche nicht aus. Vor allem im Fond sitzen die Passagiere mit wesentlich stärker angewinkelten Knien tiefer im Fahrzeug. Durch das recht schräg auslaufende Heck ist auch das Ladevolumen etwas kleiner. Vorn gibt es im GTS dagegen nichts zu meckern: Die tiefe Sitzposition kompensiert das flacher verlaufende Dach. Der breite Mitteltunnel schränkt die Beinfreiheit allerdings spürbar ein. Dafür glänzt das Zuffenhausener SUV mit einer umfangreichen Sicherheitsausstattung. Bei ihm sind Kurven- und Abbiegelicht oder der Spurhalteassistent bereits standardmäßig an Bord, während sie für den Audi Aufpreis kosten oder schlicht nicht erhältlich sind. Ohne Fehl und Tadel sind in beiden Fällen die Güte der Materialien und die grundsolide Verarbeitung. Auch wenn der leistungsgesteigerte SQ5 plus mindestens 68.200 Euro kostet, ist er im Vergleich zum 73.400 Euro teuren Macan GTS immer noch preiswerter. Rechnet man die für den Test relevanten Extras hinzu, ergibt sich gar ein Preisvorteil von über 18.500 Euro. Auch die restlichen Unterhaltskosten sprechen eindeutig für den Audi.

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Technische Daten Audi SQ5 Plus Porsche Macan GTS
Zylinder/Ventile pro Zylin. V6/4; Biturbodiesel V6/4; Biturbo
Nockenwellenantrieb Kette Kette
Hubraum 2967 cm³ 2997 cm³
Leistung
bei
250 kW/340 PS
4100 - 4300 /min
265 kW/360 PS
6000 /min
Max. Drehmoment
bei
700 Nm
1500 - 2550 /min
500 Nm
1650 – 4000 /min
Getriebe 8-Stufen-
Automatik
7-Gang,
Doppelkupplung
Antrieb Allrad,
permanent
Allrad,
permanent
0 - 100 km/h 4,9 s 4,6 s
Höchstgeschw. 250 km/h (abger.) 256 km/h
Grundpreis 68.200 Euro 73.400 Euro
Platzierung 1 2
Michael Godde
Fazit

Die Ingolstädter haben mit dem Audi SQ5 plus anständig nachgelegt. Die Kombination aus massiv anschiebendem V6-Diesel, knackigem Handling und viel Platz bringt ihn in diesem Vergleichstest bereits weit nach vorn. Dass er diesen dann auch gewinnt, liegt in erster Linie an seinem deutlich günstigeren Verbrauch. Der Porsche Macan GTS bringt Sportwagen-Feeling in die biedere SUV-Mittelklasse. Er verwöhnt mit einem herrlich feinnervigen Antrieb und einer fantastischen Fahrdynamik. Selbst beim Fahrkomfort kann der Zuffenhausener überzeugen. Der hohe Preis und der Verbrauchsnachteil seines Benziners kosten ihn jedoch den Sieg.