Wertverlust Diesel-Pkw: Restwert-Entwicklung Diesel-Neuwagen werden immer unbeliebter

von Alexander Koch 04.06.2018
Inhalt
  1. Restwertentwicklung: Diesel-Pkw immer unbeliebter
  2. Wertverlust Diesel-Pkw: Private Autokäufer setzen auf Benzin
  3. Experte: Diesel-Prämie ist wirkungslos
  4. Zulassungszahlen von Diesel-Pkw brechen ein
  5. Restwert-Verluste bei Diesel-Pkw befürchtet
  6. Wie sieht Diesel-Zukunft der Hersteller aus?
  7. Wie hoch ist der Wertverlust beim Diesel-Auto?
  8. Wie kann man Wertverlust entgegenwirken?

Der Wertverlust von Diesel-Pkw und das Misstrauen gegenüber der Selbstzünder führt zu einem Einbruch der Neuzulassungen. Und: Die Restwert-Entwicklung von Dieselfahrzeugen beschäftigt auch die Autohändler: 22 Prozent nehmen keine gebrauchten Diesel mehr an. Die Details im Überblick! 

Aufgrund des Wertverlusts von Diesel-Pkw werden Selbstzünder immer unbeliebter. Die Anzahl neu zugelassener Dieselfahrzeuge ging im Mai 2018 im Vergleich zum Vorjahresmonat laut Kraftfahrt-Bundesamt um 27 Prozent zurück. Insgesamt betrug der Diesel-Anteil aller zugelassenen Neuwagen mit 31,3 Prozent bei weniger als einem Drittel. 64 Prozent der Neuzulassungen waren Benziner. Im Mai 2017 lag der Anteil der neu Diesel-Neuzulassungen noch bei 40,4 Prozent. Der Wertverlust von Diesel-Pkw macht auch Autohändlern in Deutschland schwer zu schaffen. Vor allem auf dem Gebrauchtwagenmarkt hat sich die Lage noch einmal deutlich verschlechtert. 87 Prozent der Händler können Diesel-Gebrauchtwagen nur noch mit höheren Abschlägen verkaufen. 22 Prozent nehmen überhaupt keine Diesel-Gebrauchtwagen mehr in Zahlung, um einem Wertverlust entgegenzuwirken. Das geht aus aktuellen Zahlen des Dieselbarometers der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) hervor.

Thematik zur blauen Plakette (Diesel-Fahrverbote) im Video:

 
 

Restwertentwicklung: Diesel-Pkw immer unbeliebter

Gründe für die Angst vor einem Wertverlust von Diesel-Pkw sind der Abgasskandal und drohende Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge in Städten, die seit der Urteilsverkündung des Bundesverwaltungsgerichts (27. Februar 2018) auch rechtlich möglich sind. Das Gericht hatte erklärt, dass Verbraucher einen möglichen Wertverlust zum Wohle der Allgemeinheit in Kauf nehmen müssen. Dass im Zuge der Diskussionen über Fahrverbote das Vertrauen in den Dieselmotoren gelittet hat, zeigen auch die Januar-Verkaufsstatistiken der Selbstzünder: Mit rund 89.000 Stück war laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) nur noch jedes dritte Fahrzeug ein Diesel. "Die Unsicherheit über die Zukunft des Dieselmotors führt zu einer deutlichen Hinwendung zum Benziner", erklärt Reinhard Zirpel, Präsident des Verbands der Internationalen Kraftfahrzeughersteller. Dass die Kunden wegen eines drohenden Wertverlusts bei Diesel-Pkw zurückhaltender geworden sind, zeigt der Dieselanteil bei den Privatverkäufen. Bei Volkswagen lag dieser im Januar 2015 noch bei 33,5 Prozent, während im Februar 2018 nur noch 17,1 Prozent der privaten Käufer zu Selbstzündern griffen. Analog die markenübergreifende Entwicklung: Hier sackte der Anteil im gleichen Zeitraum von 33,4 auf 18,0 Prozent ab.

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Wertverlust Diesel-Pkw: Private Autokäufer setzen auf Benzin

Der Wertverlust von Diesel-Pkw spiegelt sich auch in der Mobilitätsstudie wieder, die der TÜV-Verband (VdTÜV) veröffentlicht hat: Nur noch sechs Prozent der Bundesbürger würden sich beim Autokauf für ein Dieselfahrzeug entscheiden. Damit liegen sie in der Gunst hinter den E-Fahrzeugen (13,6 Prozent), Fahrzeugen mit Hybridantrieb (19,4 Prozent) und den Benzinern (48,1 Prozent). "Das Vertrauen in die Dieseltechnologie befindet sich im freien Fall," erklärt Joachim Bühler, Geschäftsführer des VdTÜV. Betrug im Jahr 2015 der Anteil der Selbstzünder an den Neuzulassungen noch 48 Prozent, lag er 2017 bei 38,8 Prozent. Nach dem Urteil zu den Fahrverboten waren im März 2018 nur noch 31 Prozent aller Neuzulassungen mit einem Dieselmotor angetrieben. "Der Vertrauensverlust für den Dieselantrieb kann fatale Folgen haben", warnt Bühler. "Wir werden effiziente und vergleichsweise saubere Verbrennungsmotoren noch viele Jahre als Brückentechnologie benötigen." Eine wichtige Verbesserung sind bereits die auf EU-Ebene eingeführten Tests bei der Typengenehmigung neuer Fahrzeugmodelle unter realen Bedingungen. Der TÜV-Verband fordert aber darüber hinaus die Einführung eines Digitalchecks bei der regelmäßigen Hauptuntersuchung. "Es kann nicht sein, dass Manipulationen an Abgasnachbehandlungssystemen bei den regelmäßigen Prüfungen nicht aufgedeckt werden können, weil dafür die gesetzlichen Rahmenbedingungen in Deutschland fehlen", erklärt Bühler.

 

Experte: Diesel-Prämie ist wirkungslos

Als "wirkungslos" bezeichnet Automobil-Forscher Ferdinand Dudenhöffer die herstellerübergreifend eingeführten Diesel-Prämien, die die Angst vor dem Kauf eines Selbstzünders eher schüren würden. Ein weiterer Grund liegt laut Studienleiter Ferdinand Dudenhöffer im Wertverlust von Diesel-Pkw. Gerade weil auch die modernen Euro-6-Diesel in Abgastests ein Vielfaches der erlaubten Stickoxid-Mengen überschritten, befürchten die Käufer einen möglichen Wertverfall. Letztlich kauften Neuwagenkunden mit Euro-6-Dieseln "die Katze im Sack", erklärt Dudenhöffer, nicht zuletzt wegen drohender Fahrverbote in Großstädten. Die einzige Möglichkeit, den Abwärtstrends aufzuhalten, sieht er in einem "Euro 6 Plus"-Zertifikat, mit dem die Hersteller garantieren die Grenzwerte der Autos auch im Normalbetrieb einzuhalten. Doch der ADAC rät dringend davon ab, seinen Diesel-Pkw übereilt unter Wert zu verkaufen, denn dafür sei die Lage noch zu unklar. Fahrverbote würden laut ADAC auf lokale Strecken beschränkt, außerdem bestehe die Möglichkeit, dafür auf den öffentlichen Nahverkehr umzusteigen. Wer seinen Diesel hingegen verkaufen möchte, sollte warten, bis genügend Modelle der Euro-6d-TEMP-Norm entsprechen. Und für Autofahrer in ländlicheren Gebieten spielen Fahrverbote sowieso noch keine Rolle, so der Autoclub weiter.

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Zulassungszahlen von Diesel-Pkw brechen ein

Besonders überraschend ist die Abkehr vom Diesel und der Wertverlust von Diesel-Pkw jedoch nicht, so warnte der ADAC erste Ende Juni 2017 vor Dieselkäufen: "Unsere Empfehlung ist, mit einem Neuwagenkauf eventuell noch zu warten, bis im Herbst Modelle mit dem Standard Euro 6d auf den Markt kommen", sagte der ADAC-Vizepräsident Ulrich Klaus Becker in einem Interview mit "Der Zeit". Auch der Auto Club Europa (ACE) rät zur Vorsicht und ein Modell mit der neuen Abgasnorm Euro 6d zu wählen. Bei Gebrauchtwagen empfiehlt der ACE, kein Auto mit Euro 5 oder niedriger zu kaufen. Der ADAC beklagt, dass die von den Autoherstellern verursachten Probleme nun von den Autobesitzern ausgebadet werden müssen. Demnach erreichen den ADAC tägliche Hunderte, manchmal Tausende Anfragen von Mitgliedern, die nicht wissen, wie man sich nun verhalten solle. Denn wer sich vor ein, zwei Jahren ein Diesel-Auto gekauft hat, der spürt jetzt schon die finanziellen Einbußen. Und der ADAC befürchtet bei älteren Modellen einen anhaltenden Werteverlust.

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Restwert-Verluste bei Diesel-Pkw befürchtet

Die bisherigen Restwert-Prognosen bestätigen das Bild, dass die Diesel-Käufer derzeit haben: So nimmt der Bundesverband freier Kfz-Händler an, dass Diesel-Pkw in Zukunft stark an Wert verlieren und die Preise um 10 bis 20 Prozent sinken. Gerade Diesel-Fahrzeuge, die bis September 2015 gebaut wurden und damit teilweise noch der Euro-5-Norm entsprechen, sind von akutem Wertverlust bedroht. Denn die geplanten Fahrverbote richten sich vor allem gegen Diesel unter Euro 6. Neben dem Wertverlust ist auch an anderer Stelle bemerkbar, dass Selbstzünder bei den Käufern an Beliebtheit einbüßen. Die Neuzulassungen von Dieselfahrzeugen sind seit Monaten auf Talfahrt. Laut DAT-Barometer gaben 58 Prozent der Händler an, weniger Diesel-Neuwagen an Gewerbekunden verkauft zu haben. Außerdem  hat sich die Standzeit eines Dieselautos auf den Höfen der Autohändler deutlich verlängert. Während sie im März 2016 noch bei durchschnittlich 85 Tagen lag, stehen Diesel-Autos derzeit etwa 103 Tage bei den Verkäufern. Die Preise bleiben zwar gleich, aber dadurch verdient der Händler letztendlich weniger an einem verkauften Fahrzeug. Und gerade wenn 2018 die auf drei Jahre angelegten Leasing-Rückläufer aus dem Jahr 2015 zu den Händlern zurückkommen, könnte es in Sachen Wertverlust bei Diesel-Pkw spannend werden. Denn diese entsprechen teilweise noch der Euro-5-Norm, wodurch es zu einem saftigen Wertverlust kommen könnte, der dann vor allem die Autohäuser trifft. 57 Prozent der Händler geben deutlichere Nachlässe auch auf Diesel-Neuwagen, 61 Prozent bilden Rückstellungen für drohende Verluste.
Elektromobilität, der wichtigste Baustein, um die europäischen Klimaschutzziele zu erreichen. Seine CO2-Emissionen sind um bis zu 15 Prozent niedriger als die eines vergleichbaren Benziners."

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Wie sieht Diesel-Zukunft der Hersteller aus?

Entgegen der Gerüchte um Wertverlust und mangelnder Zukunftsfähigkeit von Diesel-Fahrzeugen, bauen viele Hersteller weiter auf die Selbstzünder. Zwar stellt VW – vermutlich auch aufgrund der letzten Ereignisse – die Zukunft des Dieselmotors im Konzern noch infrage, aber bei der Konkurrenz aus dem Süden sieht das anders aus. So steckte Mercedes zum Beispiel erst vor kurzem eine hohe Summe in die Weiter- und Neuentwicklung seiner Verbrennungsmotoren. Auch BMW hat vor gut einem Jahr nochmal an vielen Motoren gefeilt. Einige Forscher wie Matthias Wissmann, der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie, gehen sogar davon aus, dass die Diesel-Technologie zum Erreichen moderner Klimaschutzziele unverzichtbar ist: "Der moderne Euro-6-Diesel ist, neben der

 

Wie hoch ist der Wertverlust beim Diesel-Auto?

Besonders drastische Prognosen behaupten der Wertverlust bei Diesel-Pkw könnte in Zukunft bis zu 20 Prozent höher ausfallen, als bisher. Doch das ist bis jetzt noch nicht absehbar. Vor dem Urteil durch das Bundesverwaltungsgericht hielten Diesel-Autos nach drei Jahren nach wie vor über die Hälfte ihres Restwertes (55,7 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahr war der Restwert sogar um 0,5 Prozentpunkte gestiegen.

 

Wie kann man Wertverlust entgegenwirken?

Zum einen gelten beim Werterhalt natürlich die gleichen Ansätze wie bei jedem anderen Gebrauchtwagen auch: Regelmäßige Inspektionen, Instandhaltung und gute Pflege sind das A und O, um den eines Autos zu steigern. Wer seinen Diesel für die Zukunft fit machen möchte, kann in Erwägung ziehen, ihn per SCR-Katalysator auf Euro 6 umzurüsten.

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