Wertverlust Diesel-Pkw: Restwert-Entwicklung Diesel im Verkauf weiter unter Druck

von AUTO ZEITUNG 03.04.2018
Inhalt
  1. Wertverlust Diesel-Pkw: Private Autokäufer setzen auf Benzin
  2. Zulassungszahlen von Diesel-Pkw brechen ein
  3. Restwert-Verluste bei Diesel-Pkw befürchtet
  4. Wie sieht Diesel-Zukunft der Hersteller aus?
  5. Wie hoch ist der Wertverlust beim Diesel-Auto?
  6. Wie kann man Wertverlust entgegenwirken?

Beim Wertverlust von Diesel-Pkw scheiden sich die Geister: Der ADAC rät von Panikverkäufen zwar ab, private Autokäufer sehen das Thema allerdings kritisch. In jüngsten Zahlenaufstellungen verliert der Diesel bei Neuwagenkäufern immer mehr an Zuspruch.

Seit der Urteilsverkündung des Bundesverwaltungsgerichts (27. Februar 2018) ist die Angst vor einem hohen Wertverlust von Diesel-Pkw groß, denn Fahrverbote als Mittel für die Einhaltung von Luftreinhalteplänen sind seitdem rechtens. Fahrverbote für Diesel mit Euro 5 und schlechter kommen demnach definitv. Das Gericht hat zudem erklärt, dass Verbraucher einen möglichen Wertverlust zum Wohle der Allgemeinheit in Kauf nehmen müssen. Dass im Zuge der Diskussionen über Fahrverbote das Vertrauen in den Dieselmotoren gelittet hat, zeigen auch die Januar-Verkaufsstatistiken der Selbstzünder: Mit rund 89.000 Stück war laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) nur noch jedes dritte Fahrzeug ein Diesel. "Die Unsicherheit über die Zukunft des Dieselmotors führt zu einer deutlichen Hinwendung zum Benziner", erklärt Reinhard Zirpel, Präsident des Verbands der Internationalen Kraftfahrzeughersteller. Dass die Kunden bei Diesel-Pkw zurückhaltender geworden sind, zeigt der Dieselanteil bei den Privatverkäufen. Bei Volkswagen lag dieser im Januar 2015 noch bei 33,5 Prozent, während im Februar 2018 nur noch 17,1 Prozent der privaten Käufer zu Selbstzündern griffen. Analog die Entwicklung markenübergreifend: Hier sackte der Anteil im gleichen Zeitraum von 33,4 auf 18,0 Prozent ab. Als "wirkungslos" bezeichnet Automobil-Forscher Ferdinand Dudenhöffer die herstellerübergreifend eingeführten Diesel-Prämien, die die Angst vor dem Kauf eines Selbstzünders eher schüren würden.

Thematik zur blauen Plakette (Diesel-Fahrverbote) im Video:

 
 

Wertverlust Diesel-Pkw: Private Autokäufer setzen auf Benzin

Ein weiterer Grund liegt laut Studienleiter Ferdinand Dudenhöffer in möglichen Verlusten beim Restwert. Gerade weil auch die modernen Euro-6-Diesel in Abgastests ein Vielfaches der erlaubten Stickoxid-Mengen überschritten, befürchten die Käufer einen möglichen Wertverfall. Letztlich kauften Neuwagenkunden mit Euro-6-Dieseln "die Katze im Sack", erklärt Dudenhöffer, nicht zuletzt wegen drohender Fahrverbote in Großstädten. Die einzige Möglichkeit, den Abwärtstrends aufzuhalten, sieht er in einem "Euro 6 Plus"-Zertifikat, mit dem die Hersteller garantieren die Grenzwerte der Autos auch im Normalbetrieb einzuhalten. Doch der ADAC rät dringend davon ab, seinen Diesel-Pkw übereilt unter Wert zu verkaufen, denn dafür sei die Lage noch zu unklar. Fahrverbote würden laut ADAC auf lokale Strecken beschränkt, außerdem bestehe die Möglichkeit, dafür auf den öffentlichen Nahverkehr umzusteigen. Wer seinen Diesel hingegen verkaufen möchte, sollte warten, bis genügend Modelle der Euro-6d-TEMP-Norm entsprechen. Und für Autofahrer in ländlicheren Gebieten spielen Fahrverbote sowieso noch keine Rolle, so der Autoclub weiter.

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Zulassungszahlen von Diesel-Pkw brechen ein

Besonders überraschend ist die Abkehr vom Diesel jedoch nicht, so warnte der ADAC erste Ende Juni 2017 vor Dieselkäufen: "Unsere Empfehlung ist, mit einem Neuwagenkauf eventuell noch zu warten, bis im Herbst Modelle mit dem Standard Euro 6d auf den Markt kommen", sagte der ADAC-Vizepräsident Ulrich Klaus Becker in einem Interview mit "Der Zeit". Auch der Auto Club Europa (ACE) rät zur Vorsicht und ein Modell mit der neuen Abgasnorm Euro 6d zu wählen. Bei Gebrauchtwagen empfiehlt der ACE, kein Auto mit Euro 5 oder niedriger zu kaufen. Der ADAC beklagt, dass die von den Autoherstellern verursachten Probleme nun von den Autobesitzern ausgebadet werden müssen. Demnach erreichen den ADAC tägliche Hunderte, manchmal Tausende Anfragen von Mitgliedern, die nicht wissen, wie man sich nun verhalten solle. Denn wer sich vor ein, zwei Jahren ein Diesel-Auto gekauft hat, der spürt jetzt schon die finanziellen Einbußen. Und der ADAC befürchtet bei älteren Modellen einen anhaltenden Werteverlust. Grund: In letzter Zeit häuften sich die Nachrichten über Einschränkungen für Diesel-Pkw, beispielsweise durch die mögliche Einführung einer blauen Plakette. Hinzu kommt das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zu Diesel-Fahrverboten in vielen deutschen Großstädten.

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Restwert-Verluste bei Diesel-Pkw befürchtet

Die bisherigen Restwert-Prognosen bestätigen das Bild, dass die Diesel-Käufer derzeit haben: So nimmt der Bundesverband freier Kfz-Händler an, dass Diesel-Pkw in Zukunft stark an Wert verlieren und die Preise um 10 bis 20 Prozent sinken. Gerade Diesel-Fahrzeuge, die bis September 2015 gebaut wurden und damit teilweise noch der Euro-5-Norm entsprechen, sind von akutem Wertverlust bedroht. Denn die geplanten Fahrverbote richten sich vor allem gegen Diesel unter Euro 6. Neben dem Wertverlust ist auch an anderer Stelle bemerkbar, dass Selbstzünder bei den Käufern an Beliebtheit einbüßen. Die Standzeit eines Dieselautos auf den Höfen der Autohändler hat sich im Verlauf des vergangenen Jahres deutlich verlängert. Während sie im März 2016 noch bei durchschnittlich 85 Tagen lag, stehen Diesel-Autos derzeit etwa 98 Tage bei den Verkäufern. Die Preise bleiben zwar gleich, aber dadurch verdient der Händler letztendlich weniger an einem verkauften Fahrzeug. Und gerade wenn 2018 die auf drei Jahre angelegten Leasing-Rückläufer aus dem Jahr 2015 zu den Händlern zurückkommen, könnte es in Sachen Wertverlust spannend werden. Denn diese entsprechen teilweise noch der Euro-5-Norm, wodurch es zu einem saftigen Wertverlust kommen könnte, der dann vor allem die Autohäuser trifft.

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Wie sieht Diesel-Zukunft der Hersteller aus?

Entgegen der Gerüchte um Wertverlust und mangelnder Zukunftsfähigkeit von Diesel-Fahrzeugen, bauen viele Hersteller weiter auf die Selbstzünder. Zwar stellt VW – vermutlich auch aufgrund der letzten Ereignisse – die Zukunft des Dieselmotors im Konzern noch infrage, aber bei der Konkurrenz aus dem Süden sieht das anders aus. So steckte Mercedes zum Beispiel erst vor kurzem eine hohe Summe in die Weiter- und Neuentwicklung seiner Verbrennungsmotoren. Auch BMW hat vor gut einem Jahr nochmal an vielen Motoren gefeilt. Einige Forscher wie Matthias Wissmann, der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie, gehen sogar davon aus, dass die Diesel-Technologie zum Erreichen moderner Klimaschutzziele unverzichtbar ist: "Der moderne Euro-6-Diesel ist, neben der Elektromobilität, der wichtigste Baustein, um die europäischen Klimaschutzziele zu erreichen. Seine CO2-Emissionen sind um bis zu 15 Prozent niedriger als die eines vergleichbaren Benziners."

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Wie hoch ist der Wertverlust beim Diesel-Auto?

Besonders drastische Prognosen behaupten der Wertverlust beim Diesel könnte in Zukunft bis zu 20 Prozent höher ausfallen, als bisher. Doch das ist bis jetzt noch nicht absehbar. Vor dem Urteil durch das Bundesverwaltungsgericht hielten Diesel-Autos nach drei Jahren nach wie vor über die Hälfte ihres Restwertes (55,7 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahr war der Restwert sogar um 0,5 Prozentpunkte gestiegen.

 

Wie kann man Wertverlust entgegenwirken?

Zum einen gelten beim Werterhalt natürlich die gleichen Ansätze wie bei jedem anderen Gebrauchtwagen auch: Regelmäßige Inspektionen, Instandhaltung und gute Pflege sind das A und O, um den eines Autos zu steigern. Wer seinen Diesel für die Zukunft fit machen möchte, kann in Erwägung ziehen, ihn per SCR-Katalysator auf Euro 6 umzurüsten.

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