Spurhalteassistent im Auto – Fluch oder Segen? Wenn der Sicherheitsassistent zur Gefahr wird

von Klaus Uckrow 22.10.2018

Der Spurhalteassistent ist ein elektronischer Helfer, der das Leben des Autofahrers leichter und vor allem sicherer machen soll. Doch macht er das wirklich oder bringt er die Insassen damit in Gefahr? 

Eines steht fest: Die Zukunft soll auch mit Sicherheitsassistenten sicher werden. Verkehrsbehörden und Autohersteller haben sich auf ihre Fahnen geschrieben, die Zahl der Unfallopfer drastisch zu senken. Ab 2020 soll zum Beispiel in einem neuen Volvo kein Insasse mehr bei einem Unfall sterben, heißt es beim schwedischen Sicherheitspionier. Die deutschen Anbieter, allen voran Mercedes, haben das Thema auch schon lange erkannt. Und japanische Autobauer wie Allradspezialist Subaru setzen ebenfalls auf Sicherheit. Alle sind sich einig: Der Weg ins Paradies der Unfallfreiheit führt zweifelsfrei über die Entmündigung des Autofahrers. Nicht dass sie mich falsch verstehen: Sinnvolle Assistenzsysteme verhindern Auffahrunfälle und Abbiege-Crashs, schützen Fahrradfahrer und Fußgänger. Dafür nehmen wir sogar den ein oder anderen Fehlalarm mit unmotivierter Vollbremsung in Kauf. Wirklich nervig wird es dann beim nächsten Schritt: dem autonomen Fahren, bei dem endlich die größte Gefahrenquelle – und zwar das menschliche Wesen am Steuer – aus dem Verkehr gezogen ist. Einen Vorgeschmack geben uns heute schon die Stauassistenten und besonders die weit verbreiteten Spurhalteassistenten. Mal piept oder rasselt es einfach nur, mal vibriert es im Sitz, wenn man sich, ohne rechtzeitig den Blinker zu betätigen, der Fahrspurbegrenzung nähert. Mehr zum Thema: Assistenzsysteme lösen Stress aus

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Sind Spurhalteassistenten Fluch oder Segen?

Neuere Modelle greifen sogar aktiv ins Lenkgeschehen ein: Mal spürt man nur sanften Gegendruck im Lenkrad, bei anderen einen energischen Eingriff, der schon eine beherzte Gegenreaktion des Fahrers erfordert. Bei bestimmten Spurhaltesystemen ist die elektrische Lenkung sogar permanent mit dem Mittighalten des Fahrzeugs beschäftigt, sodass man als Fahrer kein Gefühl mehr dafür hat, was die Vorderräder gerade so treiben. Richtig ärgerlich und der Sicherheit wenig förderlich sind aktive Spurhalteassistenten mit selbstständigem Bremseingriff: Nähert man sich einer durchgezogenen Begrenzungslinie, erfolgt zum Beispiel bei neueren Mercedes wie der S-Klasse in der Basisversion ein einseitiger Bremseingriff, um das Fahrzeug in der Spur zu halten. Sicher gut gemeint, aber nicht immer sinnvoll: Sportliche Fahrer kann das etwa beim Anfahren einer Kurve böse überraschen. Wer das Fahrerassistenzpaket bucht, dem kann auch bei Annäherung an die unterbrochene Mittellinie eine einseitige Bremsung drohen – wenn das System Gegenverkehr ortet oder die Nebenspur belegt ist. So eine Schrecksekunde ist besonders bei hohem Tempo gefährlich, der Assistent arbeitet bis 200 km/h. Da hilft nur noch, das ganze System rechtzeitig zu deaktivieren.

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