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Skoda Superb OHV: Zeitreise mit Goldstück

Unterwegssein in einem Skoda Superb. Normalerweise stellt man sich da auf eine angenehme Reise ein, auf ergonomisch, effizient und geschliffen zurückgelegte Meilen sowie auf tiefenentspanntes Ankommen. Der große Skoda ist ein elegantes Auto, eine Understatement-Persönlichkeit mit subtiler Finesse – raffiniert, aber vollkommen uneitel. 

Begeisterte La-Ola-Wellen am Straßenrand, gerührt mit dem Schneuztuch winkende Passanten und euphorisiert hupende Verkehrsteilnehmer gehören da nun einmal nicht zu den Erwartungen, die man während einer Fahrt im Superb hegt. Aber heute ist das anders: Goldglänzend wie die Offenbarung eines Glücksengels gleitet dieser Superb dahin. Eine enorme Motorhaube schwebt voran, immer der chromglänzenden Zierleiste nach, die weit vorn in der Aerodynamik- Version eines Skoda-Emblems mündet: geflügelter Pfeil, windschlüpfig eingeschmiegt in eine schlanke Chromnase.

Mächtige Kotflügel mit aufgesetzten Chromsicken begleiten vorn eine majestätische Haube über beinahe US-amerikanischem Kühlergrill-Donnerwetter und umrahmen hinten ein kraftvolles Heck. Herrlich ausdruckslos blicken die großen Rundscheinwerfer nach vorn, während sich am anderen Fahrzeugende zwei kleine Heckleuchten fürchten. Vorn episch lang, hinten knackig kurz – so sahen in den 1940ern und 1950ern Autos aus, mit denen Staat zu machen war. Auch bei Skoda. Man lernt eben nie aus.

Die tschechische Marke ist in unserem automobilen Koordinatensystem nicht unbedingt für staatstragende Blech-Opulenz bekannt, doch jetzt bekommen wir Nachhilfe: Im Oktober 1934 präsentierte Skoda den ersten Superb und „prächtig“ – oder lateinisch „superbus“ – war dieser Technologieträger mit seinem 55 PS starken, seitengesteuerten 2,5-Liter-Sechszylinder, Zentralrohrrahmen, Einzelradaufhängung und hydraulischen Bremsen ganz bestimmt.

Vor allem aber auch erfolgreich: Rund 600 Exemplare des ersten Superb wurden verkauft. Vom 85 PS starken Nachfolger mit kopfgesteuertem 3137-Kubikzentimeter-Reihensechszylinder baute Skoda bis 1939 lediglich 113 Fahrzeuge. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg, zwischen 1946 und 1949, ging es mit der Superb-Produktion weiter. In Mladá Boleslav wurden in diesem Zeitraum 158 Superb gefertigt – elf mit Karosserien ab Werk, 103 Exemplare gingen zu verschiedenen Karossiers, weitere 44 motorisierte Chassis fuhren notdürftig verkleidet auf eigener Achse ins mehr als 120 Kilometer entfernte Werk Kvasiny – darunter auch das Modell mit der Motornummer 81587.

Am 2. September 1948 wurde das fertige Fahrzeug an seinen Käufer übergeben, ihm stand eine besonders unterhaltsame und noble Karriere bevor: Als Dienstwagen der „Gemeinsamen Hotel- und Unterkunftsanstaltsverwaltung“ in Karlsbad, also sozusagen der Tourismusbehörde, durfte der metallicgolden glänzende Skoda Superb 3000 OHV mondän repräsentieren, Kurgäste delikat umschmeicheln, den zarten Schmelz gepflegten Wohlseins verbreiten. Ganz sein Ding. Rund 20 Jahre verrichtete der Superb OHV in Karlsbad anmutig und beflissen seinen Dienst, nach einem erfüllten Autoleben ging er in Rente.

Das Skoda-Werksmuseum in Mladá Boleslav bot sich bereitwillig an, dem Pensionär den Lebensabend zu versüßen – hatte sich mit dem alten Knaben aber nicht unbedingt ein pflegeleichtes Instant-Ausstellungsstück geholt: Teile fehlten, die Sitzpolsterungen waren fragwürdig, der Zustand: abgetragen. Aber das darf man nach zwei Jahrzehnten im Dienst des schönen Lebens ja auch mal sein.

 

20 Jahre Dienst, dann Museumsruhe. Restaurierung ab 2017

Für Skoda wurden die folgenden Jahre dann ebenfalls eher turbulent, das Leben einer Automarke im langsam ausklingenden Sozialismus war kein Kuraufenthalt. Doch Skoda startete durch, legte eine beispiellose Karrie hin und gehört mittlerweile zu den Stars mit nachhaltigem Sympathiebonus. 2017 rückte der verwitterte Superb OHV aus Karlsbad endgültig in den Fokus des Skoda-Museums, die Restaurierung dieses großartigen Exemplars mit seiner ganz speziellen Geschichte wurde konsequent angegangen:

Man kroch dem Wagen unters Blech und ins Werksarchiv, fertigte eine akribische Bestandsaufnahme, stöberte nach Technik und Material – dann ging es an die Beschaffung der notwendigen Teile. Ziel der Restaurierung war ein möglichst strahlender Originalzustand, weniger hat dieses Goldstück nicht verdient. Das Ergebnis ist von anrührender Schönheit: Interieur mit dramatisch auflackierter Holzoptik, sanfte Stoffe, satter Chromglanz, geheimnisvoll schimmernde Instrumente, griffiges Leder, milchiges Bakelit an Lenkrad und Bedienelementen – und natürlich der goldene Lack. Ein automobiler Traum.

Sanft murmelnd legt der große Reihensechszylinder los, zieht den mächtigen Wagen mit souveräner Lässigkeit voran und beginnt seine Geschichte zu erzählen. Eine, für die man keine Worte braucht …

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