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Skoda Geschichte: Aus Tschechien in die Welt

Für Skoda ist 2020 ein besonderes Jahr. Gleich zwei Jubiläen können die Tschechen feiern: Vor 125 Jahren wurde die Firma in Mladá Boleslav gegründet – und vor 115 Jahren stellten die Tschechen ihr erstes Auto vor.

„Skoda zählt damit zu den ältesten noch produzierenden Automobilherstellern der Welt“, sagt Skoda-Chef Bernhard Maier. „Der Mut und der Erfindergeist unserer Gründer sind Verpflichtung und Ansporn, das Unternehmen in eine prosperierende Zukunft zu führen.“

Heute umfasst das weltweite Skoda-Programm neun Baureihen – vom elektrischen Citigo bis zum luxuriösen Superb. Doch nicht nur das Angebot hat sich deutlich vergrößert: Aktuell fertigt Skoda in 13 Fabriken in sieben Ländern. China ist mittlerweile zum größten Markt vor Deutschland aufgestiegen. Im Heimatland Tschechien liegt Skoda heute mit über 30 Prozent Marktanteil klar an der Spitze. Vor 125 Jahren hätten die beiden Firmengründer Václav Klement und Václav Laurin von einer solchen Entwicklung noch nicht einmal zu träumen gewagt.

Alles begann mit einem Beschwerdebrief: Der Buchhändler Václav Klement hatte sich ein Fahrrad der Marke Seidel & Naumann aus Dresden gekauft. Doch das Zweirad war von mangelhafter Qualität, der Rahmen verzogen. Klement bat in einem Brief auf Tschechisch um die Reparatur des Rads und fügte den Garantieschein bei. Die Antwort verletzte Klement tief: Falls man ein Anliegen habe, so solle man dies in einer verständlichen Sprache vorbringen. Der in seinem Stolz gekränkte Tscheche gründete daraufhin in der ersten Dezember-Woche 1895 in Mladá Boleslav eine eigene Fahrradfabrik.

Sein Partner: der talentierte Mechaniker Václav Laurin. Die junge Firma feierte in Österreich-Ungarn schnell Erfolge – Tschechien gehörte damals zur Donaumonarchie. Keine vier Jahre später begann Laurin & Klement auch mit der Produktion von Motorrädern. Als nächstes folgte der Schritt zum Automobil: 1905 präsentierte Laurin & Klement mit der Voiturette Typ A das erste Modell der Marke. Ihr wassergekühlter V2-Motor leistete ganze sieben PS. Mit 3600 Kronen kostete der Wagen jedoch deutlich weniger als die Fahrzeuge von Benz, Daimler und Co.

 

Expansion bis zum Weltkrieg

Der Verkaufserfolg des kleinen Typ A führte schnell zu einer Ausweitung der Produktpalette: 1907 gab es bereits neun verschiedene Modelle. Fünf Jahre später übernahm Laurin & Klement die Reichenberger Automobilfabrik und stieg zum größten Autoproduzenten Österreich-Ungarns auf. Die Firma aus Mladá Boleslav exportierte in fast alle europäischen Länder sowie nach Russland, Südamerika, ja sogar nach Japan.

Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs stoppte 1914 die Expansion – die Produktion bei Laurin & Klement wurde auf Rüstungsgüter umgestellt. Das Ende des Krieges sah 1918 auch den Zusammenbruch Österreich-Ungarns, die Firma fand sich in der neu gegründeten Tschechoslowakei wieder. Doch die Wirtschaft lag dort – wie überall in Europa – am Boden. Zwar nahm Laurin & Klement den Bau von Fahrzeugen wieder auf, doch die Firma musste sich verändern, wollte sie als Autoproduzent eine Zukunft haben.

Der Aufbau einer modernen Fließbandproduktion erforderte allerdings große Investitionen. So schloss sich Laurin & Klement 1925 schließlich mit den Skoda-Werken aus Pilsen zusammen. Der Name des bereits 1859 gegründeten Maschinenbau- und Rüstungsunternehmens stammte vom
Industriellen Emil Skoda. Auf den Autos waren zunächst beide Bezeichnungen zu finden, ab 1929 wurden sie nur noch unter dem Namen Skoda verkauft.

Ein Jahr später startete in Mladá Boleslav endlich die Fließbandproduktion: Nun konnten bis zu 85 Autos am Tag hergestellt werden. Im gleichen Jahr wurde Skoda Auto aus dem Großkonzern ausgegliedert, blieb jedoch eine hundertprozentige Tochter. 1934 brachte Skoda mit den Modellen Popular, Rapid und Superb eine neue Generation von Autos mit modernem Zentralrohrrahmen auf den Markt. Der Popular wurde zum Bestseller und durchbrach die Marke von 20.000 verkauften Exemplaren. Auch sportlich feierte man Erfolge: 1936 erzielte Skoda den zweiten Platz bei der Rallye Monte Carlo. Doch die glänzenden 30er-Jahre fanden ein dunkles Ende: Knapp vor dem Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 besetzte Deutschland seinen östlichen Nachbarn, Skoda kam unter militärische Verwaltung.

 

Zerstört, besetzt und verstaatlicht

Kurz darauf wurde der gesamte Konzern der Reichswerke Hermann Göring AG zugeschlagen. Neben der Herstellung ziviler Fahrzeuge und einzelner Wafenteile produzierte Skoda im Zweiten Weltkrieg Kübel- und Geländewagen sowie den Radschlepper Ost, der schwere Kanonen und Anhänger zog. Sein Konstrukteur: ein gewisser Ferdinand Porsche. Ausgerechnet am Tag des Waffenstillstands 1945 wurde das Skoda-Werk noch bombardiert. Mysteriös: Die angreifenden Flugzeuge trugen keinerlei Hoheitszeichen.

Das anschließende Feuer zerstörte weite Teile der Produktionshallen und die Konstruktionsbüros. Nachdem die Rote Armee Mladá Boleslav besetzte hatte, wurde das geschundene Werk verstaatlicht. Bereits im Juni 1945 nahmen die Arbeiter die Produktion wieder auf. Als Nationalunternehmen in der kommunistischen Tschechoslowakei musste Skoda den Lastenwagenbau 1947 abgeben. Doch die Autokonstrukteure ließen sich von der sozialistischen Mangelwirtschaft der Nachkriegsjahre nicht bremsen: Der 1952 präsentierte Skoda 1200 verfügte über eine moderne Pontonkarosserie in Ganzmetall- Bauweise.

Drei Jahre später erschien der 440 Spartak, der einen Viertakt-Frontmotor mit vier Zylindern besaß. 1959 überarbeiteten die Ingenieure den 440, der fortan unter dem Namen Octavia verkauft wurde. Die eleganten Cabrio-Ausführungen des Modells trugen die Bezeichnung Felicia. Diese Fahrzeuge sollten für lange Zeit die letzten Skoda mit Frontmotor bleiben. Denn bereits 1956 war die Entscheidung für die Entwicklung eines tschechischen Volkswagens gefallen, der vier Türen, Heckmotor und Heckantrieb bekommen sollte.

Aber politische und wirtschaftliche Zwänge verzögerten die Realisierung, sodass die Serienproduktion des 1000 MB erst 1964 starten konnte. Im Heck befand sich der weltweit erste in Serie produzierte Aluminium-Druckguss-Motor. Dafür errichtete Skoda die modernste Gießerei Europas. Der 1000 MB wurde 1969 durch den S 100 und dessen stärkere Version S 110 abgelöst. Auf deren Basis entstanden in den 70er-Jahren schicke Coupés wie der 110 R und der 130 RS. Mit Letzterem war Skoda auch erfolgreich im Rallyesport unterwegs – 1977 holte der 130 RS bei der Rallye Monte Carlo einen Doppelsieg in seiner Klasse.

 

Zwei Revolutionen prägen Skoda

Diese Erfolge konnten allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass das technische Konzept der Skoda-Fahrzeuge international nicht mehr wettbewerbsfähig war. Doch während die meisten anderen Autohersteller des Ostblocks in ihrer technischen Entwicklung stehen blieben, wagte Skoda in den 80ern eine Revolution: Mit dem 1987 präsentierten Favorit gelang die Umstellung auf ein modernes Fahrzeugkonzept mit Frontmotor, Vorderradantrieb und kompakter Karosserie samt Heckklappe. Die Tschechen trauten sich auch, Hilfe aus dem westlichen Ausland anzunehmen: So stammte die schnörkellose Gestaltung vom italienischen Designer Nuccio Bertone.

Keine zwei Jahre nach dem Marktstart des Favorit kam es in der Tschechoslowakei zu einem politischen Umbruch – der Samtenen Revolution. Wie überall im Ostblock wurde das kommunistische Regime durch eine demokratische Regierung abgelöst. Diese suchte nach einem ausländischen Partner, um Skoda zu marktwirtschaftlichen Bedingungen wettbewerbsfähig zu halten. Dazu führte die Regierung Gespräche mit BMW, General Motors, Renault und Volkswagen. Schließlich erhielt VW den Zuschlag – Skoda wurde das jüngste Mitglied der Konzernfamilie.

Der Favorit wurde 1994 durch den Felicia ersetzt, bei dem bereits einige Motoren und viele andere Teile aus dem VW-Konzernregal stammten. Doch der wirkliche Neustart in die Zukunft gelang Skoda erst 1996 mit dem Octavia, der auf der Plattform des Golf basierte. Das Modell legte den Grundstein für den internationalen Durchbruch der Marke. Die zweite Säule des Erfolgs wurde der 1999 gestartete Fabia. Im Jahr 2014 durchbrachen die Tschechen die Marke von einer Million verkauften Fahrzeugen pro Jahr. Drei Jahre später startete mit dem Kodiaq eine große SUV-Offensive. Und 2019 präsentierte Skoda mit dem Superb iV den ersten Plug-in-Hybrid und mit dem Citigo-e iV das erste reine Elektroauto der Marke. Václav Klement und Václav Laurin hätten ihre Freude gehabt.

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