Coronavirus bedroht Motorsport: Formel 1 & Formel E Coronavirus bedroht den Motorsport

von Gregor Messer 10.06.2020
Inhalt
  1. Motorsport und Coronavirus: Formel-1-Teams mit Finanzproblemen
  2. Formel E mit geballten Abschlussrennen
  3. Die Jahre nach dem Coronavirus für Motorsport problematisch
  4. Trotz Saisonplanung ist die DTM in der Existenzkrise
  5. Porsche denkt über neue Rennserien nach

Das Coronavirus hat nicht nur Formel 1 und Formel E, sondern den gesamten Motorsport zum Erliegen gebracht. Lockerungen lassen die Serien jetzt in die Saison starten. Doch welche Meisterschaften haben die Kraft zum Überleben?

Endlich, endlich wieder Motorsport: Seit den Coronavirus-Lockdowns Mitte März stand der Rennsport still. Umfangreiche Hygiene-Regeln, strenges Social Distancing und konsequentes Testen aller Beteiligten tragen dazu bei, dass ab Ende Juni 2020 wieder die Motoren heulen dürfen. Allen voran die in der Formel 1. Das Multi-Milliarden Business braucht genauso dringend den Saisonstart wie alle anderen Serien. Über 2800 Rennen in höheren Klassen wurden 2019 weltweit ausgetragen. Das war 2020 nicht anders geplant. Jetzt wird das gesamte Programm in die zweite Saisonhälfte gepresst – soweit das noch möglich ist. Die Formel 1 hat nun einen ersten Kurzkalender für die ersten acht Rennen verkündet. Noch weiß keiner, wie es danach weitergeht. Die Königsklasse startet am 5. Juli und am 12. Juli 2020 in Österreich. Es folgt ein Trip nach Budapest, wo am 19. Juli 2020 gefahren wird. Dann geht es zurück nach England: Zwei Rennen stehen in Silverstone am 2. und am 9. August 2020 an. Formel-1-Rechteinhaber Liberty Media konnte der britischen Regierung eine Sondererlaubnis für die wichtige britische Motorsport-Industrie abringen. Nur eine Woche nach Silverstone geht es nach Barcelona, dann am 30. August 2020 nach Spa und von dort direkt nach Monza zum italienischen Grand Prix am 6. September 2020. Reisebeschränkungen könnten Übersee-Trips nach Amerika oder nach Asien und in die Arabischen Emirate vereiteln. Auch der Hockenheimring steht dann bereit. Mindestens 15 der ursprünglich 21 geplanten Rennen braucht die Formel 1, um die volle Summe der Fernsehgelder einzustreichen. Mehr zum Thema: Das sind die Hygiene-Regeln für Touristenfahrten auf dem Nürburgring

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Motorsport und Coronavirus: Formel-1-Teams mit Finanzproblemen

Die Corona-Krise hat Organisationen und Verbände auf allen Ebenen gefordert. Außer den drei Top- Teams Mercedes, Ferrari und Red Bull balancieren praktisch alle weiteren Teams am finanziellen Abgrund. Williams steht sogar zum Verkauf. McLaren muss 1200 Mitarbeiter entlassen, die meisten aus dem Sportwagenwerk, 70 aus der Formel 1. Der Industrielle und Teameigner Gene Haas aus den USA hinterfragt sein Formel-1-Engagement. Und die FIA reagierte längst: Das neue Formel-1-Reglement wird auf 2022 vertagt. Mehr noch: Die für 2021 anvisierte Budget-Deckelung auf nur noch 175 Millionen Dollar Jahresetat wurde drastisch eingekürzt. 2021 müssen die Teams mit 145 Millionen Dollar auskommen, 2022 sind es 140 Millionen, 2023 nur noch 135 Millionen. Die Frage bleibt: Wie viele strauchelnde Teams werden nicht einmal diese Budgets auftreiben können? Alle Teams haben zugestimmt. Zuletzt auch Ferrari: Den Italienern mit rund 1000 Mitarbeitern in der Chassis-Abteilung und rund 500 in der Motorengruppe fehlt der Hang zur Effizienz. Nur äußerst harter Sparzwang ermöglicht der Formel 1 ein Überleben mit allen Teams. Für 2021 wird die Technik nahezu identisch bleiben, 20 Komponenten sind homologiert – darunter Getriebe, Chassis und Aufhängungen.

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Formel E mit geballten Abschlussrennen

Die Formel E befand sich mitten in der Saison, als das Coronavirus zuschlug. Nach der mehrmonatigen Pause, die durch eine virtuelle Rennserie verkürzt wurde, dürfen auch die elektrischen Boliden bald wieder auf die Strecke. Aktuell stehen alle Zeichen auf einem geballten Saisonfinale mit vier bis sechs Rennen auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof in Berlin im August 2020. Wie auch die vielen anderen für 2020 angesetzten Rennveranstaltungen würde es ohne Zuschauer und unter scharfen Hygiene-Bestimmungen stattfinden. Aber lieber ein adäquater Saisonabschluss für die Formel E, als ein vorzeitiger Abbruch, wie er in vielen anderen Sportarten wegen des Coronavirus aktuell durchgeführt wird. Um die Zukunft muss sich die elektrische Rennserie indes nicht sorgen: Mit der zunehmenden Elektrifizierung des Straßenverkehrs springen immer mehr Hersteller und Sponsoren auf das vielversprechende Marketing-Gerüst auf.

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Die Jahre nach dem Coronavirus für Motorsport problematisch

Wie der Coronavirus den Motorsport bis weit hinunter in den Breitensport verändern wird, lässt sich derzeit noch kaum sagen. Der Deutsche Motor Sport Bund (DMSB) genehmigte 2019 336 Veranstaltungen für Automobile und Motorräder mit rund 2800 Einzelrennen – bis zum Kart-Slalom für Kids. Etwa 36.000 Motorsportler beziehen beim DMSB jährlich ihre Fahrerlizenz. Die Befürchtung, dass es künftig weniger werden, ist ebenso groß wie berechtigt. Was dem DMSB klar geworden ist: Die Saison 2020 ist nicht das große Problem. Dafür waren die meisten Verträge bereits fixiert. Sie warten nun auf ihre Erfüllung. Eher die Jahre danach. "Ich bin optimistisch", sagt Peter Mücke, Teamchef im ADAC-GT-Masters, der sich auf den Saisonstart am 30. Juli 2020 auf dem Lausitzring freut. Mücke, der auch Nachwuchsteams in der Formel 4 betreibt, ist sich sicher: "Die Basis-Serien für die Ausbildung junger Fahrer werden auch künftig weiterexistieren. Wir sehen den Bedarf dazu, wir haben Talente aus aller Welt unter Vertrag." Auch für den weltweiten GT3-Sport befürchtet Mücke keine Probleme: "Diese Kategorie wird ohnehin immer stärker als Marketing-Plattform genutzt."

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Trotz Saisonplanung ist die DTM in der Existenzkrise

Dafür sieht kaum ein Insider eine Chance für die DTM. Nach dem Ausstieg von Audi Ende der Saison fehlen derzeit Perspektiven. "Dass die DTM stirbt, liegt nicht an Corona", hält Teamchef Mücke fest. Immerhin hat die Serie jetzt einen neuen Kalender veröffentlicht: neun Veranstaltungen in drei Ländern. Der Saisonstart erfolgt am ersten August-Wochenende 2020 in Spa-Francorchamps, die Saison endet Anfang November 2020 in Hockenheim. "Niemand hat derzeit eine vollumfängliche Antwort, wie es nach Corona weitergehen wird", sagt Pascal Zurlinden. Der Leiter Werks-Motorsport bei Porsche meint: "Letztlich werden alle Serien, die vor dem Coronavirus gesund waren, überleben. Langfristig wird alles ähnlich bleiben. Das hat man schon in anderen Krisen erlebt – im Lauf der Zeit wird sich auch der Motorsport wieder stabilisieren." Doch Anfang Juni 2020 wurde, wie aus heiterem Himmel, der Stopp des Werksprogramms mit dem 911 RSR in der US-IMSA-Serie beschlossen. Dort ist Porsche in der GT LM-Klasse Titelverteidiger. Die Werksunterstützung in der GT3-Klasse GT D ist davon nicht betroffen. Schließlich sind die USA der wichtigste Absatzmarkt für den 911. Zudem läuft der 911-Werkseinsatz in der Langstrecken-WM weiter. Vielleicht ist der IMSA-Ausstieg auch nur ein Adieu auf Zeit, hofft man bei Porsche. Jedenfalls ist es der schnelle Beitrag der Motorsport-Abteilung, die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie abzufedern.

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Porsche denkt über neue Rennserien nach

Ungeachtet dessen evaluiert Porsche weiter die Machbarkeit einer neuen, stark kostenreduzierten LMPh-Kategorie. Bis Ende 2020 will man in Weissach eine Beschlussvorlage fertig haben, was deutlich macht: Rennsport-Klassiker wie Le Mans werden immer Konjunktur haben. "Motorsport wird es immer geben", versichert Zurlinden, "bei uns gehört er zur Serienentwicklung dazu. Er ist in unserer DNA." Derweil hatte man beim DMSB frühzeitig eine Arbeitsgruppe gebildet, um die gesamten Planungen für eine Zeit nach dem Coronavirus zu gestalten. "Jeder ist froh, wenn es Ende Juni wieder losgeht", heißt es aus Frankfurt. Aber was passiert in Zukunft? Der DMSB macht sich große Gedanken um die Kleinen, auch angesichts einer Wirtschaftskrise: Bergrennsport, Slalom, Kart, all die Serien, die als pures Hobby betrieben werden. Porsche-Mann Zurlinden bleibt gespannt: "Das Wichtigste bei allem ist – es darf keine zweite Corona-Infektionswelle geben."

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