Leben ohne Auto: Prämie fürs Abschaffen Neue Prämie fürs Autoabschaffen

von Victoria Zippmann 29.06.2021

Wer in Denzlingen bei Freiburg sein Auto abschafft, erhält 500 Euro. Diese etwas andere Prämie soll das Leben ohne Auto attraktiver machen.

Prämien im Zusammenhang mit Autos kennen wir eigentlich nur als Kaufanreiz. Anders ist es in der Gemeinde Denzlingen bei Freiburg, die nun 500 Euro auslobt, wenn Bürger:innen ihr Auto abschaffen. Wer seinen Verbrenner abmeldet und sich dazu verpflichtet, in den nächsten drei Jahren ohne Auto zu leben, also kein neues anzumelden, erhält die einmalige Prämie. Bürgermeister Markus Hollemann möchte damit motivieren, auf Bus und Bahn umzusteigen und versteht die 500 Euro als Zuschuss zu einer Jahreskarte für den öffentlichen Nahverkehr. Diese gibt es in der Region für 630 Euro. Auch die Anschaffung eines E-Bikes ließe sich mit der Prämie unterstützen. Hintergrund der Aktion ist das im April 2021 selbsterklärte Klimaziel von Denzlingen: Die rund 13.600 Einwohner:innen sollen bis 2035 in einer klimaneutralen Gemeinde wohnen. "Obwohl wir bislang noch keine Werbung machen für das Programm, haben in den letzten Wochen schon dutzende Autofahrer ihre Fahrzeuge abgemeldet", berichtet Klimaschutzkoordinatorin Lena Hartmann-Kist über den ersten Erfolg, mit einer Prämie das Leben ohne Auto attraktiver zu machen. Mehr zum Thema: Verbot von Benzin- und Dieselautos

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Auto abschaffen: Prämie für Leben ohne Auto

Die Lebensrealität in Deutschland aber ist eine andere: Tatsächlich steigt die Zahl der Autos auf den Straßen immer weiter an. Auch durch die Corona-Pandemie sind viele Menschen wieder auf ein eigenes Auto umgestiegen, um möglichst kontaktfrei von A nach B zu kommen. In Städten bringen die Automassen das Verkehrssystem an seine Grenzen. Eine Prämie dafür, das eigene Auto abzuschaffen, ist deshalb auch bei der Organisation Changing Cities hoch im Kurs, wie das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtet. Die Organisation schlägt eine Verzichtsprämie von 1100 Euro pro Jahr vor. Damit wären die Kosten für eine Jahreskarte des Nahverkehrs in Berlin samt Umland gedeckt. Kerstin Stark von Changing Cities spricht sich zudem gegen eine E-Auto-Prämie aus: "Ein Auto durch ein ebenso platzfressendes Auto zu ersetzen, bringt uns in den Städten überhaupt nicht weiter." Die Prämie solle jeder erhalten, der ohne Auto lebt und denen die Entscheidung erleichtern, die schon länger darüber nachdenken, das Auto abzuschaffen. Michael Müller-Görnert, verkehrspolitischer Sprecher des Umweltverbands VCD, ist sich derweil noch nicht sicher, ob "Prämien für die Autoabschaffung der richtige Ansatz sind". Man müsse zunächst in den Nahverkehr investieren.

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