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GTÜ-Chef Robert Köstler: Interview "Wir sind ein 360-Grad-Dienstleister"

Stefan Miete 18.11.2022

Der Chef der GTÜ Gesellschaft für Technische Überwachung, Robert Köstler, spricht im Interview über neue Geschäftsfelder, Sicherheit beim Gebraucht-Kauf und Führerschein-Prüfungen.

Herr Köstler, die Zeiten im Automobilgeschäft sind rauer geworden, denken wir an Covid-19 oder die Folgen des Ukraine-Konflikts. Spürt auch die GTÜ Gegenwind?
Natürlich waren die vergangenen Jahre für uns wie für unsere Partner und Kunden eine echte Herausforderung, und die aktuelle Situation mit dem Krieg in der Ukraine ist es auch. Und zwar vielschichtig: etwa trotz der Pandemie immer eine ausreichende Personaldecke bereitzustellen oder auf eine Fülle neuer Vorschriften zu reagieren, beispielsweise bei den Prüfmitteln oder der Hygiene. Das hat uns manche schlaflose Nacht bereitet. Die diversen Lieferkettenproblematiken sowie die derzeitige inflationsbedingte Kostenentwicklung aufgrund des andauernden Krieges zehren gleichfalls an unseren Nerven wie – wahrscheinlich noch schlimmer – an denen jedes Werkstatt- oder Autohausbesitzers. Auch interessant: Unsere Produkttipps auf Amazon

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Robert Köstler, Chef der GTÜ Gesellschaft für Technische Überwachung, im AUTO ZEITUNG-Interview

Tempo steht für Taschentücher, Pril für Spülmittel. Stört es Sie, wenn jemand TÜV als Synonym für die Hauptuntersuchung verwendet, die es ja bei Ihnen und anderen Prüfgesellschaften ebenfalls gibt? 
An der Kurzbezeichnung "TÜV" für die Hauptuntersuchung haben wir uns noch nie gestört. Im Gegenteil: Die Position des TÜV hat uns immer angespornt, uns am Markt jedes Jahr schneller, innovativer und näher am Kunden zu positionieren. In den vergangenen 30 Jahren funktionierte das ja exzellent. Ohne einen starken Mitbewerber gibt es meist keine echten Innovationen und Verbesserungen für den Kunden. Markterhebungen zeigen, dass viele Kunden die GTÜ mit Kompetenz und exzellentem Service verbinden. 

Wie sieht die GTÜ aktuell in Zahlen aus? 
Mit mehr als 1000 Partnerbüros und über 5000 Sachverständigen sowie Prüfingenieuren sind wir in der Lage, unseren Kunden flächendeckend alle modernen Dienstleistungen anbieten zu können. Und wir haben eine Struktur, die es uns erlaubt, agil zu bleiben, um allen auf Augenhöhe maßgeschneiderte, flexible Lösungen exakt so zusammenzustellen, wie sie vor Ort benötigt werden. 

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An welcher Position steht die GTÜ derzeit im klassischen Prüfgeschäft, also bei den Hauptuntersuchungen? 
Weiterhin in der Position des Marktführers unter den freiberuflichen Überwachungsorganisationen. Wir stehen hinter Dekra und TÜV Süd an dritter Stelle noch vor TÜV Nord oder TÜV Rheinland. Dass unsere Strategie richtig war und ist, sehen wir beispielsweise daran, dass die TÜV-Organisationen in den vergangenen Jahren ebenfalls voll auf den Zug der "Freiberuflichkeit" aufgesprungen sind. Aber wir wollen dabei natürlich weiterhin die Lokomotive sein. Neben der Hauptuntersuchung haben wir über die Jahrzehnte viele weitere Geschäftsbereiche mit unseren Kunden weiterentwickelt. 

Welche sind das? 
Ein aktuelles Beispiel ist unser Produkt Evaluate Mobility, das klassische Fahrzeugbewertungen auf ein neues und erheblich schnelleres Niveau hebt, ohne dabei auf fragwürdige Videofernbegutachtungen zu setzen. Wir nutzen zudem modernste Prüfgeräte in unserem Prüfmittelservice, mit denen wir sehr schnell und einfach nahezu alle am Markt befindlichen Bremsenprüfstände prüfen können. Uns treibt immer die Frage um: Wie können wir gemeinsam mit Werkstätten und Endkunden eine noch bessere Dienstleistung bieten? Und wir finden immer wieder neue Antworten darauf. 

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Peilen Sie weitere neue Geschäftsfelder an? 
Die GTÜ hat sich als 360-Grad-Dienstleister aufgestellt und bietet ein vollumfängliches Serviceangebot. Ein ganz junges Beispiel ist unsere Kooperation mit Aviloo. Dadurch sind wir in der Lage, innerhalb kurzer Zeit den Batteriezustand von Elektro-Fahrzeugen zu bewerten. Weitere Kooperationen bestehen im Bereich Schadenmanagement. Dabei rücken die digitale Schadenakte und die individuelle Beratung sowie Anpassung auf die jeweiligen Belange der Kunden in den Vordergrund. Weiterhin wollen wir Gebrauchtwagenbewertungen noch stärker unterstützen. Das geht zum Beispiel mit unserer Hardware GTÜ Connect. Mit Hilfe dieses Tools können Fahrzeugdaten ausgelesen und für die Bewertung herangezogen werden. Ein Pilotprojekt läuft dazu bereits bei "Wir kaufen Dein Auto.de". 

Neuwagen sind derzeit Mangelware. Wie wirkt sich der dadurch ausgelöste Gebrauchtwagen-Boom auf das Geschäft aus? Profitieren Sie und Ihre Prüfpartner:innen von der erhöhten Nachfrage? 
Die Anzahl der Besitzumschreibungen ist seit letztem Jahr rückläufig, das wirkt sich natürlich auch auf die Auftragslage bei unseren Prüfpartnern etwa bei Bewertungen für den An- und Verkauf sowie bei den Wertgutachten aus. Der Bedarf verhält sich parallel zum Markt. Durch die Coronaverschiebung in 2020 ist im ersten Halbjahr 2022 auch ein Rückgang bei den amtlichen Fahrzeuguntersuchungen zu verzeichnen. Zudem bleibt der Markt durch die insgesamt geringeren Zahlen von Fahrzeugzulassungen im ersten Halbjahr 2022 angespannt.

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Der alljährliche GTÜ-Gebrauchtwagen-Report gibt Aufschluss, worauf Käufer:innen bei Autos aus Vorbesitz achten müssen. Werden unsere Autos eher besser oder schlechter? 
Man kann nicht allgemein sagen, dass Fahrzeuge heute besser oder schlechter sind. Die Quote von Pkw mit erheblichen Mängeln in der Hauptuntersuchung liegt seit Jahren bei rund 20 Prozent. Die klassischen Verschleißmängel an Reifen, Bremsen oder Fahrwerksteilen treten nach wie vor auf. Zwar sind die Komponenten heute deutlich fortschrittlicher, jedoch sind die Fahrzeuge meist wesentlich schwerer, weisen eine erheblich höhere Motorleistung auf und erreichen höhere Geschwindigkeiten und Belastungen. Das fördert den Verschleiß. Korrosion ist kein so großes Thema mehr, dafür sorgt sicherlich eine ausgereiftere Produktionstechnik. Doch es gibt neue Felder. So treten etwa durch die größere Zahl von Fahrerassistenzsystemen und die zunehmende Digitalisierung von Fahrzeugen und Fahrfunktionen zunehmend Systemdatenmängel an elektronischen Komponenten auf. 

Kann ein fundiertes Gutachten den Wert eines Klassikers erhöhen? 
Das kann ein wichtiger Effekt sein – die Erstellung von Gutachten für historische Fahrzeuge ist eine weitere Kernkompetenz unserer GTÜ-Classic-Partner. Ein solches Gutachten ist eine verlässliche Basis für den Wert eines historischen Modells, und der Besitzer erhält so eine gewisse Sicherheit: zum Beispiel über die enthaltene Dokumentation der Fahrzeughistorie. Diese kann wertsteigernd wirken und wird im hochpreisigen Segment sogar vorausgesetzt. Aber nicht immer geht es bei solchen Gutachten um eine Wertsteigerung. Versicherungen verlangen sie auch für die entsprechende Einstufung des Fahrzeugs. Darüber hinaus empfehlen wir ein Gutachten gleich, wenn man einen Oldtimer kauft, idealerweise noch vor dem Vertragsabschluss, was bei seriösen Verkäufern kein Problem ist. Es stellt den Wert zu diesem Zeitpunkt fest und ist zugleich eine Verbraucherschutzmaßnahme, denn es sorgt für Transparenz und bietet Sicherheit. 

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Der Camping-Boom hält an, Gebrauchtkäufer:innen sind oft überfordert, weil sie das Basisfahrzeug und außerdem den Aus- und Aufbau beurteilen müssen. Was sollten Interessent:innen tun? 
Wer den Kauf eines gebrauchten Camping-Fahrzeugs in Erwägung zieht, dem empfehlen wir immer den Kontakt zu einem unserer GTÜ-Partner. Denn die Bewertung von gebrauchten Camping-Fahrzeugen ist durchaus komplex. Serienfahrzeuge haben häufig im Nachgang individuelle Anpassungen der Besitzer erhalten. Dazu kommen umfangreiche elektronische Systeme sowie eine Gasanlage. Unsere Gebrauchtwagenbewertung beschreibt den aktuellen Zustand und setzt ihn in Relation zum Kaufpreis. Zusätzlich bieten wir einen Camping-Ratgeber an, den Kunden bei den GTÜ-Partnern kostenlos erhalten können. Interessenten gebrauchter Wohnmobile können aber auch auf unsere knapp 800 Prüfstellen und über 1000 Sachverständigenbüros zugehen, kompetente Ansprechpartner stehen hilfreich zur Seite. 

Ab dem 1. Januar 2023 gilt eine neue verpflichtende Messmethode für Dieselfahrzeuge. Die dafür notwendigen Prüfgeräte sind dem Vernehmen nach allerdings Mangelware. Was läuft da schief? 
Die vergangenen Jahre waren für die Industrie alles andere als einfach. Durch die vielschichtigen Corona-Schutzmaßnahmen und den nun immer noch andauernden Ukraine-Konflikt sind viele elektronischen Bauteile nicht oder nur schwer zu beschaffen. Dies erschwert den Geräteherstellern die Produktion solcher Geräte in entsprechenden Stückzahlen, was wahrscheinlich dafür sorgen wird, dass eine flächendeckende Auslieferung der benötigten Geräte zum erforderlichen Starttermin nicht möglich ist. Der 1. Januar 2023 steht nach wie vor, jedoch bleibt abzuwarten, wie eine Übergangslösung aussehen kann, die ein Höchstmaß der Umweltkonformität von Kraftfahrzeugen sicherstellt. 

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Bleiben wir zum Abschluss bei der Politik. Im Koalitionsvertrag sind Änderungen im sogenannten Fahrerlaubniswesen geplant, das stärker digitalisiert werden soll. Zudem soll das Monopol bei der Fahrerlaubnisprüfung unter Wahrung geltender Qualitätsstandards aufgehoben werden. Betrifft das auch die GTÜ? 
Selbstverständlich würden wir mit unseren kompetenten Sachverständigen in Zukunft gern ebenfalls Fahrerlaubnisprüfungen durchführen. Wir sind der Meinung, dass ein qualitätsgesicherter Wettbewerb Wartezeiten und damit Kosten reduziert. Das ist sicherlich ganz im Sinne der Fahrlehrer und Fahrschüler, die direkt davon profitieren.

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