USA prüfen Einfuhrzölle: 25 Prozent auf Autos Lösung im Autozoll-Streit?

von Alexander Koch 09.07.2018
Trump will deutsche Autobauer in USA "stoppen"
US-Präsident Donald Trump beklagt zu viele ausländische Autos in den USA und erwägt hohe Einfuhrzölle. © autozeitung.de © autozeitung.de
Inhalt
  1. Lösung im Streit um US-Einfuhrzöllen auf ausländische Autos?
  2. US-Präsident droht mit Strafzöllen
  3. Höhere Zölle kosteten Deutschland 5 Mrd. Euro
  4. Trump nimmt deutsche Autobauer ins Visier

Deutet sich eine Lösung im Streit um Einfuhrzöllen der USA in Höhe von bis zu 25 Prozent auf im Ausland gebaute Autos an? Der deutsche US-Botschafter Richard Grenell schlägt vor, dass EU und USA auf Autozölle komplett verzichten.

Ein Hoffnungsfunken im Streit um mögliche Einfuhrzölle der USA in Höhe von bis zu 25 Prozent auf im Ausland gebaute Autos: Bei einem Treffen des US-Botschafter Richard Grenell mit Daimler-Chef Dieter Zetsche, BMW-Vorstand Harald Krüger und VW-Chef Herbert Diess soll Grenell einen Lösungsvorschlag gemacht haben. Sowohl USA als auch Europa sollten komplett auf Autozölle verzichten, wie unter anderem das Handelsblatt berichtet. Allerdings sei solch eine Einigung nur durch ein Industriezollabkommen zu erreichen, das Frankreich derzeit blockiere. SPD-Chefin Andrea Nahles kritisierte die Einmischung des US-Botschafters und appellierte an die US-Regierung, man möge bitte den politischen Wege über die Handelsminister einhalten. Zuvor hatte Autokonzern General Motors US-Präsident Donald Trump gemahnt: Der Strafzoll berge Risiken, die auch in den USA der Wettbewerbsfähigkeit schaden und zu Jobverlusten führen könnten. Auch der Lobbyverband Auto Alliance, zu dem neben GM auch Branchengrößen wie Ford, Toyota oder Volkswagen zählen, hatte vor hohen Kosten für Verbraucher gewarnt. "Zölle auf Autos und Autoteile erhöhen die Preise für Kunden, sie vermindern die Auswahl und laden Handelspartner zu Vergeltungsmaßnahmen ein", hieß es in dem Appell. Autobauer BMW wiederum hat in einem Schreiben an US-Handelsminister Wilbur Ross von Importzöllen auf Autos abgeraten. "Die heimische Produktion von Automobilen hat keinen ersichtlichen Zusammenhang mit der nationalen Sicherheit der USA", schreibt das Unternehmen in einer Stellungnahme, die der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX vorliegt. Die Erhebung von Zöllen sei nicht dazu geeignet, das Wirtschaftswachstum der USA zu erhöhen und dadurch die Wettbewerbsfähigkeit anzukurbeln. Akademische Forschungsergebnisse zeigten vielmehr, dass freier Handel in vielerlei Hinsicht vorteilhaft für Länder sei.

News Ford F-150
USA: Die meistverkaufen Autos 2015  

Ford F-Series, Silverado & Co

 

Lösung im Streit um US-Einfuhrzöllen auf ausländische Autos?

US-Präsident Präsident Donald Trump droht im Handelsstreit mit der EU mit Einfuhrzöllen von bis zu 25 Prozent auf im Ausland gebaute Autos. Das Handelsministerium habe im Auftrag Trumps eine entsprechende Untersuchung unter der Fragestellung eingeleitet, ob die Auto-Einfuhren Belange der Nationalen Sicherheit der USA berühren. Hohe Zölle für Autos und Fahrzeugteile würden neben Japan in besonderem Maße die deutschen Premium-Autobauer treffen. Handelsminister Wilbur Ross informierte in der Sache auch Verteidigungsminister James Mattis, wie aus einer am Mittwoch, 23. Mai 2018, in Washington verbreiteten Mitteilung des Handelsministeriums hervorgeht. Eine solche Prüfung kann mehrere Monate dauern. "Es gibt Hinweise darauf, dass Importe aus dem Ausland jahrzehntelang unsere heimische Autoindustrie ausgehöhlt haben", wird Ross in der Mitteilung zitiert. Die Frage sei, ob die Importe die Binnenwirtschaft schwächten und damit auch die Nationale Sicherheit berührten. Wird die Nationale Sicherheit berührt, haben Strafzölle eine größere Chance, ein mögliches Klageverfahren bei der Welthandelsorganisation WTO zu überstehen. In den vergangenen 20 Jahren seien die Importquote bei Personenwagen von 32 Prozent auf 48 Prozent gewachsen, teilte das Ministerium weiter mit. Zwischen 1990 und 2017 sei die Beschäftigung bei den US-Autobauern um 22 Prozent gesunken, obwohl die Amerikaner mehr Autos kauften als früher. Dies könne die Innovationskraft und die Fähigkeit der technischen Entwicklung des Landes beeinträchtigen. Bislang erheben die USA 2,5 Prozent Einfuhrzoll auf im Ausland gebaute Autos, die EU kassiert umgekehrt bei US-Einfuhren mit bis zu 10 Prozent deutlich mehr.

 

US-Präsident droht mit Strafzöllen

Die deutsche Autoindustrie bangt wegen der angekündigten Prüfung höherer Einfuhrzölle auf ausländische Autos um die Zukunft ihres wichtigen Marktes und Produktionsstandorts USA. Dass Präsident Donald Trump Handelsminister Wilbur Ross um eine entsprechende Untersuchung gebeten habe, betrachte man aufmerksam und mit Sorge, teilte der Branchenverband VDA am Donnerstag, 24. Mai 2018, mit. "Eine Erhöhung der Zollschranken sollte vermieden werden", betonte die Interessenvertretung der Autobauer. Die Unternehmen hätten sich "stets weltweit für den gegenseitigen Abbau von Zöllen und für Freihandelsabkommen ausgesprochen". Außerdem seien die tatsächlichen Handelsströme in der Autoindustrie anders als der Eindruck, den die handelspolitischen Äußerungen Trumps nahelegten: Der Export von Fahrzeugen aus Deutschland in die Vereinigten Staaten sinke seit vielen Jahren, wohingegen die deutschen Autobauer in ihren US-Werken immer mehr Autos fertigten und dann in alle Welt verkauften. Seit 2013 habe man die Produktion an den amerikanischen Standorten um 180.000 auf 804.000 Wagen erhöht. Die Zahl der in den USA beschäftigten Mitarbeiter sei um 5700 auf 36.500 gewachsen, berichtete der VDA. Bei Zulieferern seien weitere 80.000 Menschen angestellt. Der Autoexport aus Deutschland in die USA sei dagegen seit 2013 um ein Viertel auf 494.000 Fahrzeuge gesunken.

 

Höhere Zölle kosteten Deutschland 5 Mrd. Euro

Höhere Einfuhrzölle auf ausländische Autos durch die USA würden Deutschland nach Berechnung des ifo-Instituts fünf Milliarden Euro kosten. "Kein Land hätte höhere absolute Verluste durch einen solchen Zoll zu befürchten als Deutschland", sagte Gabriel Felbermayr, Leiter des ifo-Zentrums für Außenhandel, am Donnerstag, 24. Mai 2018. Die amerikanischen Autokäufer müssten mit rund 20 Prozent höheren Preisen für Import-Autos rechnen. BMW, Daimler, VW und andere Autohersteller mit Werken in den USA "würden unter höheren Produktionskosten leiden, könnten aber höhere Preise durchsetzen", heißt es in der ifo-Studie. Der US-Fiskus würde mehrere Dutzend Milliarden Euro Zoll einnehmen, und die USA könnten ihre Wirtschaftsleistung um 5,7 Milliarden Euro erhöhen. Japan und Korea, ebenfalls wichtige Auto-Exporteure in die USA, kämen auf Verluste von 4,3 und 2,3 Milliarden Euro, rechnete Felbermayr vor. Mexiko und Kanada müssten Einbußen von 3,7 und 3,2 Milliarden Euro hinnehmen, das seien 3,9 und 2,3 Promille der jeweiligen Wirtschaftsleistungen. In Europa wären kleinere Zulieferländer relativ am stärksten betroffen. Die USA hatten im vergangenen Jahr Autos und Teile für 360 Milliarden Dollar importiert. Präsident Donald Trump lässt jetzt die Erhöhung der Importzölle von 2,5 auf 27,5 Prozent prüfen.

Neuheiten Mercedes X-Klasse (2017)
Mercedes X-Klasse (2017): Video  

Das ist der neue Mercedes-Pickup

 

Trump nimmt deutsche Autobauer ins Visier

Mit der jüngsten Diskussion um mögliche Einfuhrzölle in Höhe von bis zu 25 Prozent auf ausländische Autos nimmt US-Präsident Donald Trump mal wieder die deutschen Autobauer ins Visier. Der Grund: Ihm fahren in seiner Heimat zu viele deutsche Autos von Audi, BMW, Mercedes & Co. herum. Gleichzeitig seien ihm US-Konzerne auf deutschen Straßen zu wenig vertreten. Der "Spiegel" zitierte Trump unter Berufung auf Teilnehmer mit den Worten: "Schauen Sie sich die Millionen von Autos an, die sie in den USA verkaufen. Fürchterlich. Wir werden das stoppen." Betrachtet man die Fakten, zeigt sich, dass der US-Präsident nicht anhand belastbarer Zahlen argumentiert. So wurden im Jahr 2016 von insgesamt 17,5 Millionen verkauften Fahrzeugen in den USA laut VDA etwa 1,33 Millionen von deutschen Herstellern abgesetzt. Der Marktanteil deutscher Autohersteller liegt auf dem US-Markt demnach bei rund sieben Prozent. Amerikanische Hersteller wie GM (17,3 Prozent) oder Ford (14,8 Prozent) liegen hier vorne. Im Gegensatz dazu erlangten US-Hersteller in Deutschland 2017 einen Marktanteil von 18,8 Prozent bei Pkw und leichten Nutzfahrzeugen. "Wie so oft argumentiert der US-Präsident nicht auf der Lage von Fakten, sondern schafft sich seine Urteile durch alternative Fakten – etwa, wie viele Autos er gerade auf einer Straße in New York sieht", meint Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer.

Tags:

Wir kaufen dein Auto

Jetzt bewerten & verkaufen

Copyright 2018 autozeitung.de. All rights reserved.