USA prüfen Einfuhrzölle: 25 Prozent auf Autos (Update) Autozoll-Pläne vom Tisch?

von Alexander Koch 26.07.2018
Trump will deutsche Autobauer in USA "stoppen"
US-Präsident Donald Trump beklagt zu viele ausländische Autos in den USA und erwägt hohe Einfuhrzölle. © autozeitung.de © autozeitung.de
Inhalt
  1. US-Einfuhrzölle auf ausländische Autos: Aktuell keine Umsetzung
  2. Zollstreit: Treffen zwischen EU und USA erfolgreich
  3. Kritik an Plänen für US-Strafzölle
  4. Höhere Zölle kosteten Deutschland 5 Mrd. Euro
  5. Trump nimmt deutsche Autobauer ins Visier

Die US-Pläne für Einfuhrzölle in Höhe von bis zu 25 Prozent auf im Ausland gebaute Autos scheinen erst einmal vom Tisch zu sein. Darauf einigten sich die EU und die US-Regierung nach Gesprächen in Washington. Das sind die neuesten Informationen!

Einfuhrzölle in Höhe von 25 Prozent auf Autos in die USA scheinen nach einem Treffen von US-Präsident Trump und Spitzenvertretern der EU zumindest vorerst vom Tisch zu sein. Dies bestätigte der Präsident der EU-Komission Jean-Claude Juncker nach intensiven Gesprächen mit Trump in Washington am 25. Juli 2018. Solange verhandelt werde, soll es keine zusätzlichen Abgaben geben. Möglicherweise wendet das den drohenden Handelskrieg ab. Im Gegenzug zu dem Verzicht auf die Erhebung von Einfuhrzöllen auf im Ausland produzierte PKW sagt die EU zu, die Einfuhr von Sojabohnen und Flüssiggas aus den USA zu erleichtern. Im Streit um mögliche Einfuhrzölle der USA formierte sich vorab verstärkt Widerstand aus der Wirtschaft. Zusätzliche Zölle würden einen tiefen Einschnitt in die Verflechtung zwischen den Unternehmen bedeuten und Arbeitsplätze in den USA gefährden, sagte Bernhard Mattes, Präsident des deutschen Branchenverbands bei einer Anhörung des amerikanischen Handelsministeriums am Donnerstag, 19. Juli 2018, in Washington. Holger Engelmann, Vorstandsvorsitzender des deutschen Automobilzulieferers Webasto, bedeuteten Einführzölle auf im Ausland gebaute Autos Mehrbelastungen von bis zu 18 Millionen US-Dollar. Das würde Restrukturierungsmaßnahmen bei den sechs Standorten nin den USA für Produktion und Vertrieb von Autodächern und Klimaanlagen wahrscheinlich machen. Auch Vertreter der US-amerikanischen Autoindustrie und -Händler verurteilten die Pläne für Einfuhrzölle auf im Ausland gebaute Autos von US-Präsident Donald Trump nahezu einstimmig. Autos würden sich verteuern und Gewinne gedrückt, was Folgen für Beschäftigung und Investitionen in den USA hätte.

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US-Einfuhrzölle auf ausländische Autos: Aktuell keine Umsetzung

Ob im Konflikt mit Handelspartnern wie der EU zusätzliche Einfuhrzölle auf im Ausland gebaute Autos erhoben werden, ist laut Handelsminister Wilbur Ross noch nicht klar. Es sei "eindeutig zu früh", um den Ausgang der entsprechenden Untersuchung vorherzusagen, erklärte er bei einer Anhörung in Washington. Das Handelsministerium hat im Auftrag Trumps eine Untersuchung unter der Fragestellung eingeleitet, ob die Auto-Einfuhren Belange der Nationalen Sicherheit der USA berühren. Hohe Zölle für Autos und Fahrzeugteile würden neben Japan in besonderem Maße die deutschen Premium-Autobauer treffen. "Es gibt Hinweise darauf, dass Importe aus dem Ausland jahrzehntelang unsere heimische Autoindustrie ausgehöhlt haben", wird Ross in einer Mitteilung an Verteidigungsminister James Mattis vom 23. Mai 2018 zitiert. Die Frage sei, ob die Importe die Binnenwirtschaft schwächten und damit auch die Nationale Sicherheit berührten. Wird die Nationale Sicherheit berührt, haben Strafzölle eine größere Chance, ein mögliches Klageverfahren bei der Welthandelsorganisation WTO zu überstehen. In den vergangenen 20 Jahren seien die Importquote bei Personenwagen von 32 Prozent auf 48 Prozent gewachsen, teilte das Ministerium weiter mit. Zwischen 1990 und 2017 sei die Beschäftigung bei den US-Autobauern um 22 Prozent gesunken, obwohl die Amerikaner mehr Autos kauften als früher. Dies könne die Innovationskraft und die Fähigkeit der technischen Entwicklung des Landes beeinträchtigen. Bislang erheben die USA 2,5 Prozent Einfuhrzoll auf im Ausland gebaute Autos, die EU kassiert umgekehrt bei US-Einfuhren mit bis zu 10 Prozent deutlich mehr.

 

Zollstreit: Treffen zwischen EU und USA erfolgreich

Um nach Lösungen im Streit um Einfuhrzölle auf im Ausland gebaute Autos zu suchen, reisten Malmström und EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker am Mittwoch, 25. Juli 2018, zu US-Präsident Trump. Nach Angaben aus EU-Kreisen wollen sie ihm unter anderem Verhandlungen über ein sogenanntes plurilaterales Sektorabkommen zur Liberalisierung des grenzüberschreitenden Autohandels vorschlagen. Dieses würde neben den EU-Staaten und den USA weitere Länder wie Japan, China, Südkorea und Mexiko einbeziehen. Zuvor hatte es auch schon ein Treffen des US-Botschafter Richard Grenell mit Daimler-Chef Dieter Zetsche, BMW-Vorstand Harald Krüger und VW-Chef Herbert Diess und einen Lösungsvorschlag gegeben. Sowohl USA als auch Europa sollten komplett auf Autozölle verzichten, wie unter anderem das Handelsblatt berichtet. Allerdings sei solch eine Einigung nur durch ein Industriezollabkommen zu erreichen, das Frankreich derzeit blockiere. SPD-Chefin Andrea Nahles kritisierte die Einmischung des US-Botschafters und appellierte an die US-Regierung, man möge bitte den politischen Wege über die Handelsminister einhalten.

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Kritik an Plänen für US-Strafzölle

Die deutsche Autoindustrie bangt wegen möglicher Einfuhrzölle auf ausländische Autos um die Zukunft ihres wichtigen Marktes und Produktionsstandorts USA. "Eine Erhöhung der Zollschranken sollte vermieden werden", betonte die Interessenvertretung der Autobauer. Die Unternehmen hätten sich "stets weltweit für den gegenseitigen Abbau von Zöllen und für Freihandelsabkommen ausgesprochen". Außerdem seien die tatsächlichen Handelsströme in der Autoindustrie anders als der Eindruck, den die handelspolitischen Äußerungen Trumps nahelegten: Der Export von Fahrzeugen aus Deutschland in die Vereinigten Staaten sinke seit vielen Jahren, wohingegen die deutschen Autobauer in ihren US-Werken immer mehr Autos fertigten und dann in alle Welt verkauften. Seit 2013 habe man die Produktion an den amerikanischen Standorten um 180.000 auf 804.000 Wagen erhöht. Die Zahl der in den USA beschäftigten Mitarbeiter sei um 5700 auf 36.500 gewachsen, berichtete der VDA. Bei Zulieferern seien weitere 80.000 Menschen angestellt. Der Autoexport aus Deutschland in die USA sei dagegen seit 2013 um ein Viertel auf 494.000 Fahrzeuge gesunken. Auch Autokonzern General Motors hatte US-Präsident Donald Trump gemahnt: Der Einfuhrzölle der USA in Höhe von bis zu 25 Prozent auf im Ausland gebaute Autos berge Risiken, die auch in den USA der Wettbewerbsfähigkeit schaden und zu Jobverlusten führen könnten. Auch der Lobbyverband Auto Alliance, zu dem neben GM auch Branchengrößen wie Ford, Toyota oder Volkswagen zählen, hatte vor hohen Kosten für Verbraucher gewarnt. "Zölle auf Autos und Autoteile erhöhen die Preise für Kunden, sie vermindern die Auswahl und laden Handelspartner zu Vergeltungsmaßnahmen ein", hieß es in dem Appell. Autobauer BMW wiederum hat in einem Schreiben an US-Handelsminister Wilbur Ross von Importzöllen auf Autos abgeraten. "Die heimische Produktion von Automobilen hat keinen ersichtlichen Zusammenhang mit der nationalen Sicherheit der USA", schreibt das Unternehmen in einer Stellungnahme, die der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX vorliegt. Die Erhebung von Zöllen sei nicht dazu geeignet, das Wirtschaftswachstum der USA zu erhöhen und dadurch die Wettbewerbsfähigkeit anzukurbeln. Akademische Forschungsergebnisse zeigten vielmehr, dass freier Handel in vielerlei Hinsicht vorteilhaft für Länder sei.

 

Höhere Zölle kosteten Deutschland 5 Mrd. Euro

Höhere Einfuhrzölle auf ausländische Autos durch die USA würden Deutschland nach Berechnung des ifo-Instituts fünf Milliarden Euro kosten. "Kein Land hätte höhere absolute Verluste durch einen solchen Zoll zu befürchten als Deutschland", sagte Gabriel Felbermayr, Leiter des ifo-Zentrums für Außenhandel, am Donnerstag, 24. Mai 2018. Die amerikanischen Autokäufer müssten mit rund 20 Prozent höheren Preisen für Import-Autos rechnen. BMW, Daimler, VW und andere Autohersteller mit Werken in den USA "würden unter höheren Produktionskosten leiden, könnten aber höhere Preise durchsetzen", heißt es in der ifo-Studie. Der US-Fiskus würde mehrere Dutzend Milliarden Euro Zoll einnehmen, und die USA könnten ihre Wirtschaftsleistung um 5,7 Milliarden Euro erhöhen. Japan und Korea, ebenfalls wichtige Auto-Exporteure in die USA, kämen auf Verluste von 4,3 und 2,3 Milliarden Euro, rechnete Felbermayr vor. Mexiko und Kanada müssten Einbußen von 3,7 und 3,2 Milliarden Euro hinnehmen, das seien 3,9 und 2,3 Promille der jeweiligen Wirtschaftsleistungen. In Europa wären kleinere Zulieferländer relativ am stärksten betroffen. Die USA hatten im vergangenen Jahr Autos und Teile für 360 Milliarden Dollar importiert. Präsident Donald Trump lässt jetzt die Erhöhung der Einfuhrzölle der USA in Höhe von bis zu 25 Prozent auf im Ausland gebaute Autos prüfen.

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Trump nimmt deutsche Autobauer ins Visier

Mit der jüngsten Diskussion um mögliche Einfuhrzölle in Höhe von bis zu 25 Prozent auf ausländische Autos nimmt US-Präsident Donald Trump mal wieder die deutschen Autobauer ins Visier. Der Grund: Ihm fahren in seiner Heimat zu viele deutsche Autos von Audi, BMW, Mercedes & Co. herum. Gleichzeitig seien ihm US-Konzerne auf deutschen Straßen zu wenig vertreten. Der "Spiegel" zitierte Trump unter Berufung auf Teilnehmer mit den Worten: "Schauen Sie sich die Millionen von Autos an, die sie in den USA verkaufen. Fürchterlich. Wir werden das stoppen." Betrachtet man die Fakten, zeigt sich, dass der US-Präsident nicht anhand belastbarer Zahlen argumentiert. So wurden im Jahr 2016 von insgesamt 17,5 Millionen verkauften Fahrzeugen in den USA laut VDA etwa 1,33 Millionen von deutschen Herstellern abgesetzt. Der Marktanteil deutscher Autohersteller liegt auf dem US-Markt demnach bei rund sieben Prozent. Amerikanische Hersteller wie GM (17,3 Prozent) oder Ford (14,8 Prozent) liegen hier vorne. Im Gegensatz dazu erlangten US-Hersteller in Deutschland 2017 einen Marktanteil von 18,8 Prozent bei Pkw und leichten Nutzfahrzeugen. "Wie so oft argumentiert der US-Präsident nicht auf der Lage von Fakten, sondern schafft sich seine Urteile durch alternative Fakten – etwa, wie viele Autos er gerade auf einer Straße in New York sieht", meint Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer.

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