Apps der Autohersteller: Connectivity Kostenfalle Auto-Apps

von Caspar Winkelmann 20.11.2018

Mehrere hundert Euro jährlich für Apps der Autohersteller: Wer die Funktionsfülle moderner Multimediasysteme längerfristig nutzen will, wird teils mit enormen Folgekosten konfrontiert. Das zur Connectivity wissen!

Smartphone-Kopplung, Remote-Access-App oder WLAN-Hotspot – die Preislisten zu Apps vieler Autohersteller lesen sich inzwischen wie Broschüren von Mobilfunk-Anbietern. Manche Multimediasysteme haben eine solche Funktionsfülle, dass sie ein Laptop ersetzen können und das Auto zum rollenden Büro wird. BMW bietet etwa im 5er Zugriff auf den eigenen Mail-Account, ein Online-Fahrtenbuch sowie einen Concierge-Service, der etwa Hotelreservierungen übernimmt. Die meisten Dienste sind laut Hersteller für einen gewissen Zeitraum kostenfrei. Informationen zu den Folgekosten, die dann entstehen, wenn Funktionen oder Dienste verlängert werden, findet man nur spärlich. So ist in der Preisliste des 5er nur von einer "kostenpflichtigen Verlängerung" die Rede. Und: Alle Apps verlängern sich automatisch, wenn der Kunde sie nicht rechtzeitig vor Ablauf der kostenfreien Nutzungsdauer kündigt. Das können mehrere hundert Euro für einen Zeitraum von ein bis drei Jahren sein. Käufer eines jungen Gebrauchtwagen mit onlinefähigem Multimediasystem sollten sich gerade deshalb genau über die Connectivity, die Verlängerung von Diensten und die möglichen Kündigungsfristen informieren.

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Apps der Autohersteller: Funktionsumfänge und Kosten unterschiedlich

Wie groß die Bandbreite der Apps von Autoherstellern ist, zeigen diese Beispiele: Marken wie Hyundai beschränken sich derzeit auf ein Navigationssystem mit Stauinformationen in Echtzeit. Karten-Updates werden hier bis zehn Jahre nach Produktionsende kostenlos aufgespielt. Skoda bietet sogar "ein Autoleben lang" das neueste Kartenmaterial an. Opel verlangt für jedes Karten-Update dagegen 149 Euro. Unterschiede gibt es auch bei der Häufigkeit von Navi-Aktualisierungen: So liefert Audi beim großen Navi in zweieinhalb Jahren fünf Updates kostenfrei, während die Systeme anderer Hersteller nur jährlich aktualisiert werden. Wer Musik streamen oder Apps nutzen möchte, muss häufig sein Smartphone per Bluetooth beziehungsweise Apple CarPlay oder Android Auto koppeln. Die Kosten für den Datenverbrauch werden direkt über den Mobilfunkvertrag abgerechnet. Für die Datenübertragung via integrierter SIM-Karte bezahlt man dagegen meist direkt beim Hersteller. Dieser hat wiederum einen Vertrag mit einem Mobilfunkanbieter. Allerdings gibt es auch Systeme – etwa bei Jaguar –, für die der Kunde selbst eine SIM-Karte bereitstellen muss. Diese wird dann im Fahrzeug eingesetzt. Der große Vorteil ist, dass sich der Kunde selbst einen Provider aussuchen und damit ein besonders günstiges Angebot wählen kann. Viele Marken haben inzwischen auch Remote-Apps im Angebot, die den Fernzugriff auf Fahrzeuginfos und -funktionen erlauben. Der Fahrer kann vom heimischen Sofa aus den Ölstand kontrollieren oder die Klimaanlage für die nächste Fahrt einstellen.

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Audi
Für das Mittelklassemodell A4 etwa beinhaltet das Navigationssystem MMI plus ein fünfmaliges Karten-Update im halbjährlichen Rhythmus. Anschließend werden pro Update 229 Euro fällig. Integrierte Online-Dienste wie Verkehrs-, Wetter- oder Parkplatzinformationen können drei Jahre lang umsonst genutzt werden, eine Verlängerung kostet für ein Jahr 145 Euro, für zwei Jahre sind es 250 Euro. Die Datenverbindung erfolgt über eine integrierte SIM-Karte. Die Musikstreaming-Dienste Napster und Webradio sind als Bestandteil der MMI connect App an Bord und werden via Smartphone aus dem Netz gestreamt.

BMW
Hat der 5er das Navigationssystem Professionell an Bord, liefert BMW drei Jahre lang kostenfreie Karten-Updates. Danach werden pro Aktualisierung 99,95 Euro fällig. "BMW Online" erlaubt drei Jahre lang kostenlos den Zugriff auf Nachrichten, Wetterinfos oder das eigene Mail-Postfach – Verlängerung: ein Jahr für 40 Euro. Über das Online-Entertainment streamt man ein Jahr kostenfrei Musik, anschließend fordert BMW eine jährliche Gebühr von 220 Euro. Den Callcenter-Service gibt’s für drei Jahre für 250 Euro. Weitere Funktionen wie Online-Fahrtenbuch (ab 9 Euro) oder Remote-Fahrzeug-App (ab 80 Euro) verursachen ebenfalls Folgekosten.

Citroën
Die Connected Navigation Services für den C3 beinhalten Infos zu Wetter, Kraftstoffpreisen oder Parkmöglichkeiten. Sie sind drei Jahre umsonst und kosten anschließend 60 Euro für ein Jahr oder 130 Euro für drei Jahre. Weitere Online-Funktionen werden nicht angeboten.

Ford
Beim SYNC 3-System mit integrierter Navigation lassen sich kostenfrei Karten-Updates aufspielen. Eine Online- und Telefonanbindung wird nur per Smartphone ermöglicht. Über die App Ford Pass können Features wie Kraftstoffpreise genutzt werden – ohne dass Zahlungen anfallen. Zudem steht kostenfrei ein Callcenter-Service zur Verfügung.

Hyundai
Bis zehn Jahre nach Produktionsende erhält der i30 ohne Aufpreis Navi-Updates. Per Smartphone kann zudem auf Echtzeit-Stauinfos zugegriffen werden. Weitere Online-Dienste gibt es nicht.

Jaguar
Das Touch Pro Festplatten-Navi wird kostenlos aktualisiert, eine Online-Verbindung per Smartphone oder SIM-Karte aufgebaut. Echtzeit-Stauinfos, Parkplatzanzeige oder Apps sind drei Jahre umsonst. Preise für eine Verlängerung nennt Jaguar derzeit nicht.

Mazda
Navigations-Updates sind für jeden Mazda drei Jahre kostenlos, pro Update werden danach 113 Euro fällig. Dienste wie Echtzeitstauinfos gibt es nach einer Testphase (60 Tage) für 93 Euro jährlich.

Mercedes
Updates für das Comand Online Navisystem sind drei Jahre kostenfrei, Preise für weitere Aktualisierungen geben die Stuttgarter nicht an. Echtzeit-Stauinfos kosten nach drei Jahren für denselben Zeitraum 139 Euro. Für die Verlängerung des Concierge-Service (drei Jahre umsonst) muss man 149 Euro zahlen, die Fahrzeug-App kostet jährlich 39 Euro.

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Opel
Kartenaktualisierungen für das Navi 900 IntelliLink (Insignia) gibt es für 149 Euro. Die Nutzung des WLAN-Hotspots ist für drei Monate oder drei Gigabyte Datenvolumen kostenfrei, danach kann das Vodafone Tages- oder Monatspaket für 1,99 bis 34,99 Euro gebucht werden. Für Fahrzeug-App und Callcenter-Services ruft Opel nach zwölfmonatiger kostenfreier Nutzung 99,50 Euro/Jahr auf.

Renault
Drei Jahre lang wird das Navi von Mégane oder Koleos aktualisiert, weitere Updates kosten für drei Jahre 149 Euro. Online-Konnektivität samt Stauinfos und diversen (teils zahlungspflichtigen) Apps ist ebenfalls drei Jahre kostenlos, danach werden 169 Euro für drei weitere Jahre Nutzungsdauer fällig.

Seat
Mapcare für 120 Euro beinhaltet drei Jahre lang Karten-Udates für das Navi von Ateca und Co. Die in Kürze erscheinende Fahrzeug-App soll keine (Folge-)Kosten verursachen.

Skoda
Ein Autoleben lang stellen die Tschechen umsonst Updates für das Navisystem zur Verfügung. Verbindungen, die über eine integrierte SIM-Karte erfolgen (Info Hotline etc.), verursachen 14 Jahre lang keine Folgezahlungen. Der Remote-Access via Fahrzeug-App kostet nach einem Jahr 60 Euro für weitere zwölf Monate, Online-Dienste zu Verkehrsinfos oder Google Earth sind drei Jahre frei, anschließend sind es 70 Euro jährlich.

Toyota
Beim Touch & Go Plus-Navi (Toyota CH-R) sind drei Jahre lang Karten-Updates, Google Street View, Parkplatzsuche und Stauinfos kostenfrei inklusive. Die Preise für Verlängerungen fallen verschieden aus: 2,99 Euro für einzelne Apps, 69 Euro für eine Kartenaktualisierung

Volkswagen
Für jedes Navigationssystem bietet VW kostenlose Kartenaktualisierungen an – bis fünf Jahre nach Produktionsende. Car-Net Guide & Inform liefert etwa Online-Verkehrsinfos und ist je nach Navisystem zwölf bis 36 Monate umsonst (Verlängerung: 135 Euro für zwei Jahre). Eine Fahrzeug-App ermöglicht bis drei Jahre kostenlos den Fernzugriff auf Fahrzeugdaten oder die Parkposition. Danach berechnet VW für zwei Jahre 95 Euro.

Volvo
Für das Sensus Navisystem bietet Volvo zeitlich unbegrenzt kostenlose Updates an. Eine mobile Datenverbindung erfolgt via Smartphone oder SIM-Karte. Die Sicherheitsfeatures von Volvo OnCall sind ohne Aufpreis, für die Fahrzeug-App oder den WLAN-Hotspot wird nach drei Jahren kostenfreier Nutzung 37 Euro verlangt.

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