Auto kaufen & anmelden trotz Coronavirus: Ratgeber Autokauf trotz Corona

von Tim Neumann 06.05.2020
Inhalt
  1. Auto kaufen & zulassen trotz Coronavirus
  2. So ein Auto online kaufen
  3. Trotz Coronavirus: Auto kaufen bei privaten Anbietern
  4. Coronavirus: Auto zulassen schwierig, aber nicht unmöglich
  5. Auto online gekauft: So läuft die Rückgabe
  6. Hintergrund: So geht es Autohändlern in der Coronakrise
  7. Gefahr durch Online-Vertrieb für kleine Autohändler

Auto kaufen und anmelden während der Coronavirus-Pandemie? War schwierig, doch seit dem 20. April 2020 dürfen Autohändler wieder ihre Filialen öffnen. Jedoch erfordern die Hygiene-Vorschriften neue Lösungen.

Wer im Frühjahr 2020 darüber nachgedacht hat, ein neues Auto zu kaufen, konnte Stunden im Konfigurator verbringen, sich umfassend informieren – aber keinen Kauf tätigen, weil die Händler wegen des Coronavirus geschlossen hatten. Seit dem 20. April 2020 dürfen die Autohändler ihre Verkaufsräume aber wieder öffnen, wenn sie die vorgegebenen Maßnahmen zum Gesundheitsschutz einhalten.

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Auto kaufen & zulassen trotz Coronavirus

Auch wenn es vorübergehend nicht möglich war, über einen stationären Händler inklusive Besuch im Autohaus ein Auto zu kaufen, konnte trotz Coronavirus weiterhin ein Auto gekauft werden. Laut Arthur Kipferler von der Strategieberatung Beryll böten viele etablierte Händler bereits Formen des Online-Verkaufs an, bei denen sich Kunden bei ihnen im Netz über Lagerfahrzeuge, Modelle mit Tageszulassungen und junge Gebrauchte sowie Leasingrückläufer informieren konnten. Vielfach schlössen sich etwa auch Verhandlungen mit dem Verkäufer via E-Mail an. "Wer also ein Auto braucht und nicht ins Autohaus gehen will, findet auch ohne die neuen Plattformen einen Weg, beim konventionellen Händler ohne physischen Kontakt einzukaufen", so Kipferler weiter.

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So ein Auto online kaufen

Schon vor der Coronavirus-Pandemie tummelten sich Portale wie Autohaus24.de, MeinAuto.de oder CarWow im Netz: Von aktuell 16 Anbietern verkaufen neun Online-Unternehmen momentan ausschließlich Neuwagen, bei den anderen können die Kunden auch Gebrauchte bekommen. In der Regel nutzen Interessenten dabei den Konfigurator auf der Webseite, über den ein Fahrzeug individuell zusammengestellt werden kann. Außerdem erhalten Käufer dort sämtliche Informationen über Rabatte, wie Automobilwissenschaftler Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Sankt Gallen weiß. Der jeweilige Vermittler leitet den Auftrag im Anschluss an den Markenhändler weiter. Der wiederum schickt dem Kunden seinen Kaufvertrag zu und liefert nach Unterzeichnung und Bezahlung das Fahrzeug samt Papieren und Zulassung aus. "Derzeit liegen die Rabatte bei den 30 meistverkauften Neuwagen über Internetvermittler bei 20 Prozent", so Dudenhöffer, der die Preise monatlich vergleicht. Das bedeutet zwar nicht, dass es generell günstiger ist, ein Auto im Internet zu kaufen. Eine bequeme und sichere alternative in Zeiten des Coronavirus ist es aber allemal.

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Trotz Coronavirus: Auto kaufen bei privaten Anbietern

Auch der Autokauf bei privaten Anbietern ist trotz der Ausbreitung des Coronavirus grundsätzlich weiterhin möglich. Zumindest, solange sich Interessent und Verkäufer nur zu zweit treffen – natürlich unter der Berücksichtigung aller hygienischen Voraussetzungen samt Einhaltung des Mindestabstands von 1,5 Metern.

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Coronavirus: Auto zulassen schwierig, aber nicht unmöglich

Wer trotz des Coronavirus ein Auto gekauft hat, steht meist aber direkt vor der nächsten Herausforderung: Mitunter kann es derzeit nämlich auch zum Problem werden, das neu gekaufte Auto zuzulassen. Viele Zulassungsstellen sind auch weiterhin entweder dürftig besetzt oder gar nicht erst geöffnet. Daher sollten sich Käufer zunächst telefonisch erkundigen, ob ein Termin zur Zulassung des Autos überhaupt möglich ist. Ansonsten ist in den meisten Fällen auch die Online-Zulassung via i-Kfz über die Webseiten der Bundesländer oder der Zulassungsstellen vor Ort möglich. Eine andere Möglichkeit stellt die Genossenschaft PremiumZulasser, ein Netzwerk selbstständiger Zulassungsbetriebe, dar. Das kostenpflichtige Angebot von PremiumZulasser ermöglicht wegen des Coronavirus auch Privatpersonen Zugriff auf seinen Zulassungsservice. Auch so kann das Auto gänzlich ohne persönlichen Kontakt zugelassen werden.

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Auto online gekauft: So läuft die Rückgabe

Sollte das online gekaufte Auto dem neuen Besitzer aus irgendwelchen Gründen doch nicht gefallen, kann er oder sie binnen 14 Tagen ohne Angabe von Gründen vom Kauf zurücktreten. Wichtig ist dabei, dass Käufer ihre Absicht schriftlich erklären. Der Rücktritt vom Kauf ist allerdings nur möglich, wenn der Vertragsabschluss tatsächlich aus der Ferne – also etwa per Mail oder auf einer Onlineplattform – stattgefunden hat. Vorsicht: Schon wenn ein Käufer etwa einen per Mail empfangenen Kaufvertrag unterschrieben per Post zurückschickt, handelt es sich nach einer Entscheidung des Landgerichts Osnabrück aber nicht mehr um ein Fernabsatzgeschäft. Und: Speziell auf Kundenwunsch konfigurierte Autos fallen nicht unter das Rückgaberecht. Wurde der online gekaufte Wagen bereits im Straßenverkehr gefahren, handelt es sich bei der Rückgabe um einen Gebrauchtwagen, so dass der Händler einen möglichen Wertverlust vom Neuwagenpreis abziehen darf. 

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Hintergrund: So geht es Autohändlern in der Coronakrise

Ganze 33 Tage hat der Lockdown durch das Coronavirus im Autohandel schließlich gedauert. Das klingt zwar nicht besonders lang, doch Albträume bemessen sich nach ihrer Intensität und nicht nach ihrer Dauer. So brachen die Neuzulassungen im März um rund minus 38 Prozent deutlich ein. Die Händler blieben auf über 130.000 neuen Fahrzeugen sitzen. Auch der Gebrauchtwagenmarkt bekam den Verkaufs-Stopp mit einem Viertel weniger Besitzumschreibungen zu spüren. Aber selbst nach der Wiedereröffnung der Autohäuser ist ein Ansturm auf die Fahrzeuge fraglich: Kurzarbeitergeld, fehlende Aufträge für Selbstständige und die ungewisse Dauer der Corona-Krise sorgen dafür, dass viele Deutsche ihren Autokauf verschieben. Daher rechnen Experten für das Gesamtjahr mit einem Verkaufs-Rückgang um zehn bis 20 Prozent – im Extremfall rund 720.000 Neuwagen weniger. Was noch schwerer wiegt: Der Automarkt war immer ein grenzüberschreitendes Geschäft. So konnten viele Händler während der Dieselkrise schwer verkäufliche Selbstzünder bequem nach Süd- und Osteuropa absetzen. Doch da wütet das Coronavirus noch schlimmer als in Deutschland. Da die Kosten für jedes unverkaufte Auto pro Tag bei rund 28 Euro liegen, musste etwa ein Händler mit 300 Fahrzeugen bis zum 20. April 2020 über 277.000 Euro Verlust verbuchen.

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Gefahr durch Online-Vertrieb für kleine Autohändler

Ein schwerer Schlag. Vor allem, da die durchschnittliche Umsatzrendite im Autohandel in den letzten wirtschaftlich guten Jahren nur zwischen einem und zwei Prozent lag. Solche Werte wären bei Autokonzernen schon Grund zur Klage. Gerade kleine Händler haben kaum Rücklagen, um die Krise abzufedern. So wird sich der Konsolidierungsprozess im Autohandel weiter verstärken: Existierten im Jahr 2000 noch 47.000 Betriebe, waren es im Vorjahr nur noch 36.600 – ein Rückgang um 22 Prozent. Es gibt jedoch auch Lichtblicke: Da die Werkstätten offen blieben, wurden Inspektionen, Reparaturen und Reifenwechsel weiter durchgeführt. Und in der Werkstatt haben die Autohäuser eine deutlich höhere Gewinnmarge als im Fahrzeugverkauf. Gefahr droht dagegen von anderer Seite: Viele Autohersteller tasten sich in Zeiten von Corona an den Online-Direktvertrieb heran. Sie schielen auf Tesla: Die Amerikaner verkaufen ihre Autos ganz ohne Händler. Doch die deutschen Kunden sind noch zurückhaltend, was den reinen Online-Autokauf betrifft. Zudem ist die digitale Inzahlungnahme des Altfahrzeugs oft ein Problem. Auch die Händler selbst probieren den Verkauf über das Internet, allerdings sind die meisten Betriebe dafür zu klein und im Netz zu unbekannt. Ohne die Hilfe und die gleichzeitige Abhängigkeit von Autoportalen wie mobile.de oder Neuwagenvermittlern wie Meinauto.de können sie im Internet nicht bestehen.

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