Abwrackprämie: Keine Prämie für Autokauf Wohl keine neue Kaufprämie

von Christina Finke 14.09.2020
Inhalt
  1. Autokauf von Verbrennern: Wohl keine neue Prämie
  2. Große Koalition: Keine neue Abwrackprämie für Verbrenner
  3. Studie zu Autokauf: Bürger dagegen neue Prämien
  4. Forscher: Auswirkungen von Abwrackprämien untersucht

Nachdem sich die Politik im Juni 2020 gegen eine Abwrackprämie entschieden hatte, ist nun auch eine neue Prämie zum Autokauf moderner Benzin- und Dieselautos unwahrscheinlich(er) geworden. Das ist der Stand!

 

Autokauf von Verbrennern: Wohl keine neue Prämie

Eigentlich war es schon entschieden: Es solle keine erneute Abwrackprämie geben, um den Absatz der Autoindustrie in der Corona-Krise wieder anzukurbeln. Im Vorfeld des "Autogipfels" am 8. September 2020 aber diskutierte die Politik über eine neue Prämie zum Autokauf von neuen Benzin- und Dieselautos. Vor allem die CSU legte sich für Verbrenner-Prämien ins Zeug. Der Hintergrund: Die gesteigerte E-Auto-Prämie wirkt zwar, der Anteil der Elektroautos an den gesamten Neuzulassungen liegt dennoch nur bei 6,4 Prozent. Das weitaus meiste Geschäft machen die Autohersteller nach wie vor mit dem Verkauf von Benzinern und Dieselautos, deren Verkaufszahlen aber sinken. Gleichzeitig sind viele Autobauer vom Erfolg der höheren Prämien überrascht worden, sodass es für zahlreiche E-Autos lange Lieferzeiten gibt. Dafür werden Autos mit Verbrennungsmotoren auf "Halde" produziert, die nun vom Hof müssten. Damit dies passiert, wünschten sich insbesondere Vertreter der CSU eine Prämie für den Autokauf von Verbrennern. Nach dem besagten Autogipfel aber erscheinen neue Prämien zum Autokauf von Verbrennern denkbar unwahrscheinlich. Stattdessen setzen Politik und Automobilbranche auf indirekte Unterstützung und Maßnahmen, die den schwierigen Wandel in der deutschen Schlüsselindustrie voranbringen sollen. Mit Blick auf die akuten Verkaufseinbrüche, die besonders Zulieferer unter Druck bringen, soll eine Arbeitsgruppe untersuchen, ob und wie ein "marktwirtschaftliches Konzept" entwickelt werden könnte. Es geht um eine Stärkung des Eigenkapitals betroffener Firmen.

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Große Koalition: Keine neue Abwrackprämie für Verbrenner

Die große Koalition hat sich Anfang Juni 2020 auf ein riesiges Konjunkturpaket geeinigt, sich in diesem Zuge aber gegen eine neue Abwrackprämie für abgasarme Benziner und Dieselautos entschieden. Das 130 Milliarden Euro schwere Programm soll dabei helfen, eine schwere Rezession infolge der Corona-Krise abzuwenden. Die Pläne für eine etwaige Prämie zum Autokauf von Verbrennern waren zuvor heftig diskutiert worden. Schließlich stemmte sich die SPD-Spitze in den Verhandlungen mit CDU und CSU vehement dagegen. Stattdessen gibt es deutlich höhere Prämien für Elektro- und Hybridautos: Die Förderung des Bundes für die bestehende "Umweltprämie" steigt rückwirkend seit dem 3. Juni befristet bis Ende 2021 für E-Fahrzeuge mit einem Nettolistenpreis von bis zu 40.000 Euro von 3000 auf 6000 Euro. Dazu kommt die Förderung der Hersteller. Die Nachfrage nach Benzinern und Dieselautos soll stattdessen mit der niedrigeren Mehrwertsteuer angekurbelt werden. Die große Koalition hatte sich überraschend auf eine befristete Senkung des Mehrwertsteuersatzes von 19 auf 16 Prozent (bzw. von 7 auf 5 %) vom 1. Juli an bis zum 31. Dezember 2020 geeinigt.

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Studie zu Autokauf: Bürger dagegen neue Prämien

Eine Umfrage von Marktforscher Infratest dimap für den "ARD-Deutschlandtrend" Anfang Mai 2020 zeigt: 63 Prozent der Bundesbürger lehnen eine mögliche Abwrackprämie für Neufahrzeuge ab. 22 Prozent der 1003 Befragten befürworteten einen staatlichen Kaufanreiz für klimafreundliche Autos. Lediglich zwölf Prozent stimmten für eine Prämie für den Autokauf. Die Umfrage zeigte auch, dass Anhänger aller im Bundestag vertretenen Parteien mehrheitlich "Nein" zu einer Abwrackprämie sagen.

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Forscher: Auswirkungen von Abwrackprämien untersucht

Wirtschaftsforscher des ifo-Instituts haben die Diskussion zum Anlass genommen, die Auswirkungen solcher Prämien für den Autokauf genauer unter die Lupe zu nehmen. Dafür haben die Experten 15 datengestützte Untersuchungen zu Abwrackprämien in Deutschland, Spanien, den USA und weiteren Ländern ausgewertet. Das Ergebnis: Solche Prämien kurbeln zwar kurzfristig die Pkw-Verkäufe an, mittelfristig werden aber kaum mehr Fahrzeuge abgesetzt. "Die Abwrackprämien haben in der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 zumindest kurzzeitig den Autoabsatz belebt, das ist sicher belegt“, sagte Studienleiter Felix Rösel in Dresden. "Auf die Party folgt jedoch der Kater." Dem Experten zufolge zeigten fast alle Studien, dass viele Verbraucher damals aufgrund der Prämie einfach Autokäufe vorgezogen hätten, die ohnehin geplant waren. "Unter dem Strich geben die meisten Studien keinen Hinweis, dass durch die Prämien mehr Autos verkauft werden", so Rösel weiter. Darüber hinaus weisen die Forscher des ifo-Instituts darauf hin, dass Prämien beim Autokauf unbeabsichtigte Nebenwirkungen für andere Branchen haben könnten. "Wer den Autokauf vorzieht, hat in dem Moment weniger Geld für Möbel", sagt  Rösel. So könne das Plus der Autobranche schnell zum Minus anderer Sektoren werden. Auch die Auswirkungen für die Umwelt seien nicht eindeutig belegt. Während der CO2-Ausstoß in den USA durch die Abwrackprämie sank, da vor allem kleine und sparsame Autos gefördert wurden, konnten in Deutschland und Europa keine Kraftstoff- und CO2-Einsparungen nachgewiesen werden.

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