Zylinderabschaltung: VW erprobt neue Spritspar-Technik Spritsparen mit ZAS

23.09.2011

Theoretisch ist die Zylinderabschaltung nichts Neues. Doch bisher gab es so etwas nur bei großen Acht- und Zwölfzylindermotoren. VW will sie jetzt als Großserientechnik beim neuen 1.4 TSI-Vierzylinder mit 140 PS einsetzen. Serienstart: Frühjahr 2012. Technik-Chef Dr. Ulrich Hackenberg erklärt: „Uns kam es darauf an, den Vierzylinder so zu gestalten, dass er auch dann, wenn er als Zweizylinder arbeitet, laufruhig und komfortabel ist.“ Ob das gelungen ist und wie es funktioniert, konnten wir in Wolfsburg selbst erfahren. Doch der Reihe nach.

Das Prinzip ist simpel: Die Kraft aus vier Zylindern benötigt man eigentlich nur zum Anfahren und unter Volllast, also voll bepackt bergauf, bei maximaler Beschleunigung oder bei schnellem Autobahntempo. Bei Teillast reicht dagegen die Kraft aus zwei Zylindern völlig aus. Durch das einfache „Mitlaufen“ verbrauchen die anderen zwei eigentlich unnötigerweise Kraftstoff.

 

Zylinderabschaltung spart 0,4 Liter Kraftstoff

Für einen effizienten Motorlauf müssten also zwei Zylinder immer dann abgeschaltet werden, wenn sie nicht gebraucht werden. „Und genau das tun wir“, sagt Dr. Jens Hadler, Leiter Aggregateentwicklung. Für die Deaktivierung der Zylinder zwei und drei wird die Ventil-Betätigung einfach lahmgelegt. Dafür entwickelten die Wolfsburger das AVS-System (Audi Valvelift System) weiter und statten es mit einem Doppel-Aktuator aus. Dieser kann in einem Bruchteil eines Wimpernschlags (40 Millisekunden) die Ventilbetätigung abschalten. Ladungswechselverluste bleiben aus, der Wirkungsgrad des Motors verbessert sich durch die so genannte Lastpunktverschiebung der befeuerten Zylinder eins und vier.

In Zahlen: Auf dem Rollen-Prüfstand nach EU-Zyklus verbraucht ein Polo mit ZAS 0,4 l/100 km weniger Kraftstoff. „Bei individueller Fahrt im Stadtverkehr kann die Einsparung durchaus mehr als einen Liter betragen“, versichert Hadler. Die Abschaltung geschieht nur im Drehzahlbereich zwischen 1400 und 4000 Touren. Auf die Zylinder-Deaktivierung im Leerlauf konnten die Techniker verzichten, weil dieser 1.4 TSI-Motor stets mit einer Start-Stopp-Funktion kombiniert ist – und sich im Stand sowieso abschaltet.

Mehr Auto-News: Der kostenlose Newsletter der AUTO ZEITUNG

Fahreindruck: In unserem Vorserien-Auto weist eine Kontroll-Leuchte auf den momentanen Zweizylinder-Status hin. Gut so, denn zu hören ist eigentlich nichts. Nur durch ein weit entfernt klingendes Grummeln erkennen geschulte Ohren, dass die Verbrennung mit einem geänderten Zündabstand läuft. Dr. Rüdiger Szengel, Leiter Ottomotorenentwicklung bei VW, verrät: „Ein spezieller Resonator am Lufteinlass, der wie eine dreiflutige Orgelpfeife aufgebaut ist, kaschiert das Ansauggeräusch.“ In jedem Drehzahlbereich bleibt der Motor erstaunlich leise und vibrationsarm. Aktiv ist die Zylinderabschaltung, wenn ein Drehmoment zwischen 25 und 75 Newtonmetern abverlangt wird. „Und das entspricht immerhin einem 70-prozentigen Fahranteil im Großstadtverkehr“, sagt Szengel.

Besonders stolz ist Chef-Entwickler Hadler auf die kompakte Technik. Die komplette Zylinderabschalt-Automatik befindet sich im Zylinderkopfdeckel. Weder am Zylinderkopf noch an der Abgasnachbehandlung mussten Änderungen für die ZAS vorgenommen werden. So bleiben auch die Kosten für diese intelligente Spartechnik überschaubar, doch den Preis nennt VW noch nicht. Nur soviel: Der Motor mit Zylinderabschaltung wird Polo, up! und Golf das Spritsparen lehren, später folgen weitere Modellreihen.
Holger Ippen

AUTO ZEITUNG

Zmarta Autokredit
Autokredit

Jetzt den günstigsten Autokredit finden

Tags:
Copyright 2017 autozeitung.de. All rights reserved.