Zwei Kleine unter 10.000 Euro Klein-Künstler

30.03.2011
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Hierzulande fast verpönt, in Asien eine Kunstform: Der Bau von Budget-Kleinwagen in XXS. Daihatsu Sirion und Kia Picanto mit kleinen Basis-Benzinern im Duell

In der verheißungsvollen Klasse unter 10.000 Euro sind einige Spar-Varianten unterwegs: Egal ob kostengünstig produzierte und smart reanimierte Old School-Technik à la Dacia Logan oder knausrig konfigurierte Kleinwagen vom Format eines VW Fox – Pfiff, hoher Nutzwert und Dumpingpreise sind kaum auf einmal zu haben.

Die kleinen asiatischen Lebenskünstler vom Schlag eines Daihatsu Sirion oder Kia Picanto stellen sich im Spar-Segment mit citytauglich-kompakten Abmessungen trotz viertüriger Karosserien zielsicher auf.

Kompromisse verlangen die Asia-Zwerge aber dennoch. Denn wer wirklich unter der magischen 10.000er-Grenze bleiben will, muss genügsam sein: kein ESP, kein Radio, keine Klimaanlage. Für starke 11.000 bis 12.500 Euro sind die kleinen Wundertüten dann etwas besser gefüllt. Beim Kauf heißt es also: scharfer Blick in die Preisliste und korrekt kalkulieren.

 

Karosserie

Man sieht es dem Daihatsu bereits von außen an: Der Japaner ist etwas größer als sein koreanischer Gegenspieler. Seine quadratische Form macht sich durch leicht bessere Platzverhältnisse in Cockpit und Fond bemerkbar. Auch sein Kofferraum ist ein wenig größer als das einkaufstaschengroße Gepäckabteil des rundlicheren Kia Picanto. Und: Beim Einstieg in den Fond fallen die größeren Türen des Sirion positiv auf – besonders für großgewachsene Passagiere wird der Einstieg ins Heck des Kia zur Einfädel-Nummer.

Aber auch beim Einpacken von Kleinkindern auf im Fond verschnallte Kindersitze (beide Autos mit Isofix serienmäßig) verschafft einem der Daihatsu Sirion etwas mehr Handlungsspielraum. Besonders bei lebhaftem Nachwuchs ein nicht zu unterschätzender Vorteil

Allerdings verschenkt der Sirion diesen Punktevorsprung durch seine etwas schlechtere Sicherheitsausstattung: ESP – und damit auch einen Bremsassistenten – bietet Daihatsu nicht einmal per Aufpreis an. Kia zieht sich hier mit dem optionalen ESP (400 Euro) geschickter aus der Affäre. Gerade für Wenigfahrer oder Fahranfänger sind ESP und Bremsassistent höchst sicherheitsrelevant. Daihatsu spart also an einer bedenklichen Stelle, und bei der Anschaffung eines Kia gehört ESP unbedingt auf die Einkaufsliste.

KarosserieMax. PunkteKia Picanto 1.1Daihatsu Sirion 1.0
Raumangebot vorn1004750
Raumangebot hinten1003032
Übersichtlichkeit704040
Bedienung/ Funktion1007779
Kofferraumvolumen1007
Variabilität1003535
Zuladung/ Anhängelast802224
Sicherheit1503625
Qualität/ Verarbeitung200115120
Kapitelbewertung1000402412

 

Fahrkomfort

Der entscheidende Komfort-Nachteil des Daihatsu steckt unter der Motorhaube: Zwar sprechen die gemessenen Geräuschpegel eher für den Daihatsu, sein rau klingender Dreizylinder nervt aber besonders auf Langstrecken.

Allerdings verbucht er leichte Vorteile im Abrollkomfort für sich, während der Kia auf harten Bodenwellen ungeniert durchschlägt und Regenwasser oder Rollsplitt laut rauschend in den Radkästen hören lässt.

Um das zu relativieren: Ein echtes Komfortwunder ist keiner der beiden. Kurze Radstände, kaum Dämmung sowie knappe Federwege machen die beiden Zwerge zu akzeptablen Stadtautos, auf Landstraßen oder Langstrecken fordern sie Nehmerqualitäten.

In Sachen Funktionalität profitiert der Daihatsu leicht von seiner etwas höher gesetzten Radio-Klima-Einheit, dafür sind die schlicht gestalteten Instrumente des Kia besser abzulesen.

FahrkomfortMax. PunkteKia Picanto 1.1Daihatsu Sirion 1.0
Sitzkomfort vorn1506870
Sitzkomfort hinten1003538
Ergonomie1508485
Innengeräusche502639
Geräuscheindruck1004240
Klimatisierung501110
Federung leer2007072
Federung beladen2005558
Kapitelbewertung1000391412

 

Motor und Getriebe

Der kernige Dreizylinder des Daihatsu Sirion macht sich durch heiser röhrenden Sound bemerkbar und glänzt nach einer kleinen Anfahrschwäche durch ausgeprägte Drehzahlgier. Das kann richtig Spaß machen, fällt aber kaum durch bestechende Fahrleistungen auf.

Besonders die Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h wird im Sirion nur mit kilometerlangem, absolut steigungsfreiem Autobahn-Anlauf erreicht. Und: Die drehzahlgierige Auslegung des Daihatsu könnte ein signifikant besseres Getriebe vertragen. Hakelige Schaltvorgänge und der zu weit vorn platzierte, sich verwindende Schalthebel machen keinen Spaß.

Der Kia wirkt subjektiv temperamentvoller, sein Getriebe schaltet sich auch objektiv wesentlich besser. Allerdings muss er sich durch seine Minderleistung mit etwas schlechteren Fahrleistungen geschlagen geben. Wett macht er dies durch seinen um rund 0,8 Liter besseren Verbrauch. Mit fast sieben Litern verbraucht der Daihatsu für diese Klasse zu viel.

Motor und GetriebeMax. PunkteKia Picanto 1.1Daihatsu Sirion 1.0
Beschleunigung1509195
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit1502430
Getriebeabstufung1007565
Kraftentfaltung503626
Laufkultur1005738
Verbrauch325211202
Reichweite25910
Kapitelbewertung1000503466

 

Fahrdynamik

Hier schlägt die große Stunde des Kia Picanto: Er ist deutlich flinker zu bewegen als der Daihatsu, wuselt engagiert durch den Slalom, gefällt durch eine präzisere Lenkung und – dank optionaler Scheibenbremsen hinten – eine bessere Standfestigkeit mit warmen Bremsen.

Der Kia läuft aber auch besser geradeaus als der überdies seitenwindempfindlichere Daihatsu und kann durch sein aufpreispflichtiges ESP in puncto Fahrsicherheit zusätzlich weiter punkten.

FahrdynamikMax. PunkteKia Picanto 1.1Daihatsu Sirion 1.0
Handling1504
Slalom1004721
Lenkung1004835
Geradeauslauf504030
Bremsdosierung301412
Bremsweg kalt1504446
Bremsweg warm1506454
Traktion1003540
Fahrsicherheit1508860
Wendekreis202119
Kapitelbewertung1000405317

 

Umwelt und Kosten

Dass der Kia zu einem günstigeren Einstiegspreis zu haben ist, bringt ihm viele Zähler ein. Bei auch nur schwach ausgeprägten Komfort-Wünschen ist aber Kopfrechnen angesagt: Klimaanlage, CD-Radio und Zentralverriegelung mit Fernbedienung sind nur mit der gleich 2375 Euro teureren Cool-Ausstattung zu haben. Der Daihatsu kostet 9990 Euro und steht hier für Sparfüchse etwas besser da. Er ist sowohl etwas besser ausgestattet – allerdings nicht mit ESP zu haben – als auch etwas freier konfigurierbar.

Die Unterhaltskosten und der Wertverlust sind bei beiden Konkurrenten auf ähnlichem Niveau – mit leichten Vorteilen für den Kia. Zudem verbraucht der Koreaner auch noch deutlich weniger als sein Konkurrent. Die Kostenwertung geht also an den Picanto.

Kosten/UmweltMax. PunkteKia Picanto 1.1Daihatsu Sirion 1.0
Bewerteter Preis675442421
Wertverlust504444
Ausstattung256
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung502123
Werkstattkosten201514
Steuer1099
Versicherung403633
Kraftstoff554442
Emissionswerte258787
Kapitelbewertung1000698679

 

Fazit

Ein in vielen Kriterien knappes Rennen, bei dem der Sieger eigentlich auch vom persönlichen Geschmack der Kundschaft gekürt wird: Der Daihatsu Sirion ist etwas geräumiger und komfortabler – insofern diese Attribute am unteren Ende der automobilen Skala überhaupt benutzt werden können. Der neue Kia Picanto bereitet mehr Fahrspaß. Und der Kia liegt auch – ganz rational betrachtet – durch seine Sparsamkeit und Fahrsicherheit vorn.

Gesamtbewertung

Max. PunkteKia Picanto 1.1Daihatsu Sirion 1.0
Summe500023992286
Platzierung12

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