Wolfgang Niedecken: Mit dem BAP-Chef unterwegs im Skoda Superb Wahre Größen

14.01.2012

Wolfgang Niedecken, der Chef der Kölner Rockband BAP, braucht Autos mit viel Stauraum. Deshalb kommt für ihn nur ein Skoda Superb Combi in Frage

Irgendetwas stimmt hier nicht. Zu meiner Linken aalt sich silberglänzend der Rhein in der Morgensonne. Direkt vor mir schmiegt sich ein stolzes Anwesen in den Hang, umgeben von einer mannshohen Mauer. Ein großes Gittertor versperrt mir den Aufgang zur Villa. Dort oben im Windfang vor der Haustür hängt das Corpus Delicti, das mich zweifeln lässt, ob ich hier richtig bin – eine bayrische Flagge, und das mitten in Köln.

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Unsicher drücke ich den Klingelknopf, Sekunden später geht die Tür auf. Kölns musikalisches Wahrzeichen, der berühmteste Wuschelkopf Wolfgang Niedecken, zerstreut meine Zweifel. Mit breitem Grinsen blickt er auf die bayrische Flagge. „Keine Angst, ich bin nicht zu den Bayern konvertiert“, begrüßt er uns. „Meine Frau hatte gestern Geburtstag, die stammt aus Bayern, und die Gäste kamen alle verkleidet. Ein Kostümfest mitten im Jahr finden die in Köln immer klasse.“

DANK DIALEKT DEN DURCHBRUCH GESCHAFFT
Trotz Party bis in die Nacht – es ist erst zehn Uhr früh – ist der BAP-Boss topfit und gut drauf. Das Klischee, dass Rockstars um 16 Uhr nachmittags mit der Sonnenbrille aufstehen und um 18 Uhr die Jalousien herunterlassen, straft Niedecken Lügen. Bei ihm ist alles irgendwie anders. Während die übrigen deutschen Rockurgesteine wie Udo Lindenberg Deutsch und die Scorpions Englisch singen, gibt der Chef der Band BAP etwas von sich, das im Internet ein Engländer in einem Musikportal so beschreibt: „Es macht nichts, wenn du kein Deutsch kannst, du würdest es eh nicht verstehen – auch die Deutschen, die richtig sprechen gelernt haben, verstehen es nicht. Denn es klingt ganz anders.

Es ist eine Art Dialekt.“ So also wird die kölsche Mundart von Ahnungslosen beschrieben. Dabei sind es vor allem die kölschen Texte, mit denen BAP seit 35 Jahren weit über den Rhein hinaus Erfolge feiert, sodass ihnen nur wenige hierzulande das Wasser reichen können. Allein zehn Nummer-Eins-Alben hatte die Band in den deutschen Charts. „Die goldenen Schallplatten habe ich nie richtig gezählt“, zuckt Niedecken mit den Achseln. Dazu gesellen sich Single-Hits wie „Kristallnacht“, „Müsliman“ oder der Evergreen „Verdamp lang her“. Lässig steuert der Musiker den großen Skoda Superb Combi durch das Kölner Verkehrsgewühl.

Der Sänger und Gitarrist ist einer der Kulturköpfe von Skoda. „Stauraum ist ein wichtiger Aspekt in der Familie Niedecken, deshalb kommt für uns nur noch ein Caravan in Frage, und der Superb hat Raum ohne Ende“, bringt Niedecken seine Sympathien für den großen Tschechen auf den Punkt. Besonders hinten liebt der BAP-Boss die Beinfreiheit. „Auf der Tour arbeite ich immer im Fond und mache meinen Papierkram. Mit ausgesucht haben das Auto aber meine Töchter, die 17-Jährige hat Beine bis zum Himmel und liebt ebenfalls Platz – und hinten rein packen wir oft Bilder, danach Verstärker und dann fällt oft der Satz: Du musst ja immer deine scheiß Gitarre mitnehmen.“

DIE BEATLES UND BOB DYLAN BESTIMMTEN SEIN SCHICKSAL
Niedecken kann erzählen – wer ihm zuhört, weiß, warum er auch Texte schreiben kann. Anfangs hat der inzwischen 60-Jährige Malerei studiert. Doch dann elektrisierten ihn in den 60er-Jahren die Stones, vor allem aber die Beatles. Zu diesem Zeitpunkt hörte man in Deutschland Schlager, Kirchenmusik oder Pfadpfindersongs, und die Erwachsenen lauschten Dixieland, was für die Kiddies damals auch nichts war. „Als die Beatles kamen, war das für die heutigen Kids unvorstellbar. Plötzlich kamen diese Typen und machten ein Ding, das man noch nie erlebt hatte.

Da gab es kein Orchester im Hintergrund, offensichtlich machten die das alles selbst. Dann gründeten wir eine Schülerband, da wollte jeder dabei sein. Erst war ich Trommler, dann Bassist. Dann kamen wir dahinter, dass Musik damit zusammenhängt, wer welches Instrument vielleicht besser könnte.“ Man merkt dem Kölner an, dass er sich gern an diese Zeit erinnert. Mit sonorer Stimme weiß er eine Pointe nach der anderen zu erzählen. Er ist nicht nur Sänger und Bandleader, sondern auch Entertainer. „Jeder war damals in einer Schülerband“, so Niedecken weiter. „Wer völlig unmusikalisch war, hat halt den VW-Bus gefahren, Plakate geklebt oder Anlagen geschleppt. Und wenn du in einer Band spieltest, hattest du bei den Mädels größere Chancen, das war auch nicht schlecht“, fährt sich Niedecken grinsend durchs Haar.

Dann brachte irgendwann der Sänger der damaligen Band die Single „Like a Rolling Stone“ von Bob Dylan mit. Niedecken war damals etwa 15 Jahre alt. „Ich wusste sofort, ich will genau das. Wir besorgen uns einen neuen Bassisten, und das mit dem Singen mache ich, beschlossen wir damals.“ Und im Lauf der Zeit bemerkte der Kölner, wo seine Stärken als Musiker lagen. Er war nie der Virtuose auf der Gitarre, das stundenlange Üben war nicht sein Ding. „Ich bin eher der klassische Rhythmusgitarrist und merkte schnell, dass ich der Einzige in der Band war, der Leute drei Stunden allein unterhalten konnte.“

Doch besonders zeichnet den deutschen Bob Dylan, wie er von manchen bezeichnet wird, das Songschreiben aus. Längst hat er sich als sensibler Texter mit gutem Gespür für kritische, aber auch emotionale Texte einen festen Platz im deutschen Rock-Olymp erschrieben. „Die Boy-meets-Girl-Dinger waren auf die Dauer – naja …“ Neben der Musik gilt seine große Leidenschaft dem Fußball. So ist der Songtitel „Warum tue ich mir das eigentlich an?“ auf seinem neuen Album dem 1. FC Köln gewidmet. „Es gibt drei Dinge, die kannst du dir nicht aussuchen in deinem Leben: Mutter, Vater und den Verein, mit dem du leiden musst“, philosophiert der Fan des 1. FC Köln. Besonders scheint es ihm zu gefallen, wenn im Lokalderby gegen Bayer Leverkusen die Kölner die Oberhand behalten.

„Da haben wir doch in dieser Saison die Pillendreher 4:1 platt gemacht“, klatscht Niedecken immer noch vor Freude in die Hände. Seine Fußballbegeisterung begann schon in seiner frühen Kindheit, und die damaligen Stars des 1. FC Köln waren seine großen Helden: „Als ich als kleiner Kerl das erste Mal Hans Schäfer traf, glaubte ich, ich lernte Tarzan kennen. Heute sind wir längst befreundet.“ Doch sind Fußball und Musik für ihn wiederum nicht zu trennen. Wenn er vor dem Fernseher sitzt und Fußballspiele verfolgt, hat er immer seine Gitarre dabei. „Was glaubst du, wie viele Songs ich bei langweiligen Fußballspielen geschrieben habe? Wolfsburg gegen Hoffenheim – wer braucht das?“ Niedecken zuckt gelangweilt mit den Achseln. „Jeder Fußballfan hat doch auch Vereine, für die er wenig übrig hat.“

SEIT JAHREN ENGAGIERT SICH DER BAP-BOSS FÜR AFRIKA
Wir sind zu Fotoaufnahmen auf einem Parkplatz am Rhein angekommen. Ein paar Jungs von der Kölner Müllabfuhr machen mit ihrem Wagen dort gerade Vesperpause. Niedecken, einer der bekanntesten Kölner, bleibt auch hier selbstverständlich nicht unerkannt. Der Fahrer möchte gern ein Autogramm von ihm, aber Niedecken hat keine Autogrammkarten dabei. Doch entspannt weiß er zu improvisieren. „Habt ihr einen Zettel, dann schreib ich euch was drauf.“ Wir öffnen die Heckklappe des Skoda Superb, um seine Gitarre herauszuholen.

„Ich komme gerade aus dem Ostkongo, der Gitarrenkoffer ist noch gar nicht aufgemacht, vielleicht kommt da noch ein Vieh raus.“ Seit Jahren beschäftigt sich Niedecken mit Hilfsprojekten für Afrika. Er sammelt nicht nur Geld, er ist auch oft vor Ort, um dem schwarzen Kontinent Hilfe zu leisten. „Das Leid gerade auch im Ostkongo ist für uns hier absolut unvorstellbar.“ Der BAP-Boss nimmt seine Gibson-Konzert-Gitarre aus dem Koffer und setzt sich für uns hinten in den Kofferraum, um ein paar Takte seiner Songs zu spielen.

Wolfgang Niedecken unplugged am Rhein ist auch nicht schlecht, denke ich bei mir. Der Skoda Superb fungiert dabei als kleinster Konzertsaal der Welt. Gibt es etwas, was den BAP-Chef an Autos außer einem großen Raumangebot besonders reizt? „Bei Autos gilt bei mir das Gleiche, was ich auch von der Kunst fordere: Die Form muss immer der Funktion folgen. Autos, die nur auf Design setzen und unpraktisch sind, sind nicht mein Ding – ich war noch nie bereit, Unsummen für ein Fahrzeug auszugeben. So gesehen könnte BAP auch für eine Skoda Abkürzung stehen: Bezahlbares Auto-Phänomen.“
Volker Koerdt

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