Wirtschaft: Der Pick-up-Markt im Blick Letzte Chance

Wirtschaft: Weltweit boomt der Markt für Pick-ups. Doch die deutschen Hersteller haben das Segment bisher meist ignoriert. Die Gewinne streichen Amerikaner und Japaner ein

Die deutschen Autohersteller genießen weltweit einen hervorragenden Ruf. Sie können Sportwagen, Luxuslimousinen sowie erfolgreiche Kompaktwagen bauen. Und seit einigen Jahren auch ausgesprochen gute SUV. Doch Pick-ups? Welche gibt es da überhaupt? Hier müssen die Deutschen bis auf einen Hersteller passen. Vielleicht liegt das Desinteresse an dem Segment daran, dass Pick-ups in Europa eine Seltenheit sind. Doch verlässt man den Alten Kontinent, sind die praktischen Lademeister überall auf der Welt anzutreffen.

 

Wirtschaft: Pick-ups weltweit erfolgreich

In den USA liegt ihr Marktanteil mittlerweile bei 13,8 Prozent. Zum Vergleich: In Deutschland entfallen auf die Mittelklasse mit den Bestsellern VW Passat, Mercedes C-Klasse und BMW 3er lediglich 12,5 Prozent. Um 147.000 Exemplare ist der Markt in den USA im Vorjahr gewachsen. Unter den drei meistverkauften Fahrzeugen in den Staaten fanden sich 2014 nur Pick-ups.

Der aktuell zweitgrößte Markt für die Pritschenwagen ist Brasilien. Obwohl der Fahrzeugabsatz am Zuckerhut 2014 um 9,4 Prozent schrumpfte, konnten die Pick-ups um 4,2 Prozent auf über 455.000 Stück zulegen. Aber nirgendwo sind die Lademeister so beliebt wie in Thailand: Satte 42,3 Prozent aller Neuzulassungen entfallen auf die Pick-ups. Generell erfreuen sich die robusten Pritschenwagen vor allem in den Wachstumsmärkten in Asien, Südamerika und Afrika immer größerer Beliebtheit. Doch nicht nur zahlenmäßig verändert sich das Segment.

Der Anteil privat genutzter Pick-ups wächst stetig. Und auch gewerbliche Käufer legen immer mehr Wert auf Pkw-typische Ausstattungen und Eigenschaften. Diese Veränderung lässt sich besonders deutlich am Siegeszug der Doppelkabine ablesen. Noch zur Jahrtausendwende wurden die meisten privat verkauften Pick-ups mit Einzelkabinen ausgeliefert. Heute ist jedoch die Doppelkabine die dominierende Karosserieform. Sie bietet zusätzlich zur Ladefläche Platz für bis zu fünf Personen. Damit werden die Pick-ups zur kernigen Alternative zu den populären, aber immer weichgespülteren SUV.

Allerdings ist der weltweite Pick-up-Markt zweigeteilt: In Nordamerika dominieren die um die sechs Meter langen „Full Size“-Pick-ups. Unter ihren Hauben arbeiten große und leistungsstarke V6- und V8-Benziner. Zudem sind sie häu g mit vielen Komfort-Extras ausgestattet. Es überrascht nicht, dass vor allem US-Konzerne die Verkäufe der Pick-ups in Nordamerika beherrschen. An der Spitze der Bestseller liegen die Ford F-Serie, der Chevrolet Silverado und der Dodge Ram.

Der Rest der Welt fährt jedoch lieber die sogenannten „Midsize“-Pick-ups, die um die fünf Meter lang sind. Diese werden meist von Dieselmotoren oder Vierzylinder-Benzinern angetrieben. Auf dem Markt der mittelgroßen Pick-ups geben seit den 1980er-Jahren die japanischen Hersteller den Ton an. So ist der Toyota Hilux in vielen Ländern Asiens und Afrikas der Bestseller. Weitere beliebte Modelle sind der Nissan Navara und der Mitsubishi L200. Lediglich der Ford Ranger kann den Japanern in manchen Märkten die Stirn bieten, etwa in Australien oder Südafrika. Und in Brasilien ist der einheimische Fiat Strada stark.

Ein lohnendes Geschäft, denn Pick-ups sind gute Gewinnbringer: Die Technik der Modelle muss einfach und robust sein. Daher halten sich ihre Entwicklungskosten in Grenzen. Außerdem haben Pick-ups längere Modellzyklen als normale Autos: So wurde etwa die letzte Generation des Toyota Hilux zehn Jahre lang gebaut. Der letzte VW Golf bekam dagegen bereits nach vier Jahren einen Nachfolger.

Da wundert es schon, dass die Deutschen den Markt den Amerikanern und Japanern überlassen. Lediglich VW hält bisher dagegen. Doch der seit 2010 produzierte Amarok hat es nur in Mitteleuropa zum Marktführer gebracht. In Argentinien liegt er auf Platz drei, in Brasilien sogar nur auf Rang acht. Besser schneidet dort der VW Saveiro ab. Der kleine Pick-up bringt es auf 83.033 Verkäufe. Er wird jedoch deutlich vom Fiat Strada geschlagen.

Aber jetzt will Mercedes den boomenden Markt mit einem Premium-Pick-up aufrollen. Noch vor 2020 soll das „Midsize“-Modell starten. Möglich macht das die Kooperation mit Renault-Nissan. Der Mercedes wird auf dem neuen Nissan Navara basieren und von den Japanern in Argentinien und Spanien gebaut. Ein gewagter Schachzug, denn der mittelgroße Premium-Pick-up zielt auf Südamerika, Afrika, Australien und Europa. Für die USA jedoch, den größten Pick-up-Markt mit den reichsten Kunden, ist das Modell zu „klein“.

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