Wirtschaft: Jeep mit steigendem Absatz auf Wachstumskurs Auf dem Weg nach oben

15.10.2014

In den letzten Jahren kletterte Jeep von einem Absatzrekord zum anderen. Doch das soll erst der Anfang sein

Ein Jeep ist schwieriges Gelände gewohnt. So meistert der Grand Cherokee Felsen und Steigungen ebenso gut wie sein Urahn vor über 60 Jahren. Kein Wunder, hat die Marke Jeep in der Vergangenheit doch schon einige Höhen und Tiefen erlebt. Insgesamt sieben Konzerne wechselten sich im Lauf der Geschichte als Besitzer der Amerikaner ab. Nicht selten geriet Jeep gemeinsam mit ihnen an den Rand des wirtschaftlichen Abgrunds – doch immer wieder rettete der gute Name die Marke, der vielen Kunden in der ganzen Welt als Synonym für Geländewagen gilt.

 

Wirtschaft: Verbesserte Modelle fördern den Jeep-Absatz

Die letzte große Bewährungsprobe liegt erst fünf Jahre zurück: Wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise musste Chrysler 2009 Insolvenz anmelden. Nur Milliardenzahlungen der US-Regierung retteten den Konzern. Diese Turbulenzen trafen auch die Marke Jeep. Die weltweiten Verkäufe brachen innerhalb von zwei Jahren um rund die Hälfte ein.

Im wichtigen Heimatmarkt USA sank der Absatz des Grand Cherokee von über 213.000 Exemplaren im Jahr 2005 auf nur noch 50.300 Fahrzeuge im Krisenjahr. Die Produktion des erst 2006 eingeführten Spitzenmodells Commander musste sogar ganz eingestellt werden. Doch bereits im Jahr der Krise wurden die Grundlagen für den schnellen Wiederaufstieg der Amerikaner gelegt.

Ab Juni 2009 übernahm Fiat unter Führung von Sergio Marchionne schrittweise den am Boden liegenden Chrysler-Konzern. Und mit dem schnellen Wiederaufstieg des US-Automarktes erholten sich auch die Verkäufe von Jeep. Seitdem ist die Marke auf der Überholspur unterwegs: 2013 konnte Jeep zum zweiten Mal in Folge einen weltweiten Absatzrekord vermelden.

In den letzten vier Jahren stiegen die Verkäufe um beeindruckende 116,6 Prozent. Auch in diesem Jahr setzt sich die Erfolgsgeschichte weiter fort: So erzielt Jeep etwa in den USA, Kanada und Australien neue Absatzrekorde. Im Heimatmarkt liegen die Offroad-Spezialisten  aktuell sogar vor den Volumenmarken Kia und Dodge – und weit vor VW. Und in Australien gehört der Grand Cherokee zu den 15 meistverkauften Fahrzeugen.

In den letzten Jahren war neben dem Grand Cherokee vor allem der Wrangler für das starke Wachstum der Marke verantwortlich. Die dritte Generation des Klassikers gibt es erstmals auch als Viertürer mit längerem Radstand. Damit wird der Wrangler für viele Kunden – vor allem in Amerika – wieder interessant: Lag der Absatz des Vorgängermodells in den USA stets unter 90.000 Exemplaren, fanden 2013 über 155.000 Wrangler einen Käufer.

Auch das Sorgenkind Compass entwickelte sich unter der Fiat-Regie erfreulich. Mit der Überarbeitung von 2011 verlor das kompakte SUV sein rundlich-pausbäckiges Äußeres und rückte optisch näher an den größeren Grand Cherokee heran. Mit Erfolg: Die Verkäufe in den USA kletterten von 11.700 Compass in 2009 auf rund 53.000 im letzten Jahr.

Auch die vierte Generation des Cherokee brach 2013 radikal mit dem kantigen Design des Vorgängers. Optisch entfernte sich der Jeep damit vom Geländewagen hin zum Lifestyle-SUV. Die sportliche Front mit den spitzen Scheinwerfern und dem abknickenden Kühlergrill soll vor allem jüngere Kunden  ansprechen. Erstes Ergebnis: Das Durchschnittsalter der Jeep-Käufer in den USA sank bereits 2013 um ganze zwei Jahre. Und die Marke hat schon den nächsten Pfeil im Köcher: Mit dem Renegade startet im Oktober 2014 das erste Mini-SUV.

Fiat-Chrysler-Chef Sergio Marchionne möchte mit dem Modell das weltweit stark wachsende Segment der kleinen Offroader bedienen. Der Renegade ist nicht nur der kleinste Jeep, sondern auch das erste Modell der Marke, das außerhalb von Nordamerika gefertigt wird: Im italienischen Melfi läuft es gemeinsam mit dem Plattformspender Fiat 500X vom Band. Die Jahresproduktion liegt bei maximal 150.000 Einheiten.

Der Renegade ist ein wichtiger Baustein in den Plänen von Sergio Marchionne. Denn der Vorstandsvorsitzende von Fiat-Chrysler hat mit Jeep viel vor: Die Marke soll ihre weltweiten Verkäufe in den nächsten Jahren auf 1,5 Millionen Exemplare verdoppeln. Doch dafür muss Jeep neue Märkte erobern. Um in China weiter Fuß zu fassen, planen die Amerikaner ab 2015 eine gemeinsame Produktion mit der Guangzhou Automobile Group.

Auch in Indien wird man die Modelle mit dem typischen Kühlergrill bald entdecken: Der Verkauf auf dem Subkontinent soll 2015 beginnen. Und noch dieses Jahr startet die Produktion des Renegade im brasilianischen Pernambuco. Es scheint so, als müsste Jeep in den nächsten Jahren eine gewaltige Steigung meistern.

Markus Bach

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