Winterreifen-Test: 14 Reifen der Größe 205/55 R 16 H im Vergleich Eisige Zeiten

In der Größe 205/55 R 16 H testen wir die neuen Profile von Dunlop, Goodyear, Nokian, Pirelli und Semperit gegen die wichtigsten Konkurrenten

Der Sommer war, gelinde gesagt, bescheiden. Die Sonne ließ uns meistens im Stich, und die richtig warmen Tage kann man an zwei Händen abzählen. Bleibt zu hoffen, dass der Winter etwas wolkenloser wird. Eines steht aber fest: Ab jetzt wird es immer kälter. Weil man auch in diesem Jahr ab Oktober mit Winterreifen unterwegs sein sollte, gilt es, sich möglichst früh für ein Profil zu entscheiden und dann nichts wie hin zum Reifenhändler – denn deren Terminkalender sind bald voll und die Reifenlager leer. Damit Sie bei der Reifenwahl genügend Zeit haben, präsentieren wir Ihnen schon jetzt unseren Winterreifentest.

 

WINTERREIFENTEST: INTENSIVE TESTFAHRTEN

Den haben wir zwischen Januar und März in Schweden, Finnland, Frankreich, Luxemburg und Deutschland produziert. Um sowohl in den subjektiven als auch in den objektiven Kategorien möglichst präzise Ergebnisse zu bekommen, setzten wir uns insgesamt mehr als zwei Wochen lang mit 14 verschiedenen Reifen in der populären Dimension 205/55 R 16 H (bis 210 km/h) auseinander. Insgesamt 18 Stationen durchliefen alle Gummis, inklusive der Rollwiderstands-Messungen, die auf dem Prüfstand durchgeführt wurden.

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Gegen die aus dem letzten Jahr bekannten Profile von Bridgestone (leicht modifiziert), Continental, Firestone, Michelin und Vredestein treten 2011 die Neuentwicklungen Dunlop SP Winter Sport 4D, Goodyear UltraGrip 8, Nokian WR D3, Pirelli Snowcontrol Serie III und Semperit Speed-Grip 2 an. Außerdem sind mit dem Apollo Acelere Winter aus Indien und dem GT Radial Champiro Winterpro aus Indonesien zwei Reifen aus dem niedrigen Preissegment mit von der Partie, die man bis dato kaum kennt. Wie die etablierten Marken setzen auch diese auf ein V-Profil, dass schon den letztjährigen Neuheiten von Michelin und Bridgestone Verbesserungen brachte.

 

WINTERREIFEN: PREISE ANGEZOGEN

Auffällig im Vergleich zu 2010 ist, dass die Preise deutlich gestiegen sind. Kostete beispielsweise ein Satz des Premiumreifens TS 830 von Continental Anfang vergangenen Jahres noch rund 265 Euro, muss man jetzt im Schnitt mit rund 460 Euro rechnen. Allerdings lohnt es sich, immer zu vergleichen. Wer nicht das erstbeste Angebot nimmt, sondern intensiv sucht und auch nach Rabatten fragt, kann eine Menge Geld sparen. Grundsätzlich ist es vernünftig, für einen Winterreifen etwas mehr Geld in die Hand zu nehmen, wie unsere Testergebnisse zeigen. Drei der in den Top Fünf vertretenen Profile kosten 450 Euro und mehr pro Satz, Semperit und Nokian liegen zwischen 395 und 405 Euro.

Der neue Semperit Speed-Grip 2 ist es auch, der in diesem Test einen sensationellen zweiten Platz belegt. Im Schnee, auf nasser Fahrbahn und trockener Piste liegt er nie an der Spitze, überzeugt aber unter allen Bedingungen mit seinem hohen Grip-Niveau.

GOODYEAR GANZ VORN
Vor ihm liegt nur das neueste Produkt aus dem Hause Goodyear, der UltraGrip 8. Mit zackigem Profil ist er im Schnee ganz vorn mit dabei. Einzig die Werte beim Rollwiderstand lassen noch Raum für Verbesserungen. Auf Nässe liegt er mit seinem Verwandten, dem Dunlop SP Winter Sport 4D, gleichauf. Der belegt Endrang vier und entpuppt sich nicht nur als sehr fahrsicherer, sondern auch als erfreulich dynamisch ausgelegter Reifen.

Kurz vor der Ablösung steht der TS 830 von Conti. Der wurde 2010 Winterreifen-Testsieger auf dem vorderradgetriebenen Ford Focus und musste sich dieses Jahr auf dem 3er-BMW beweisen. Obwohl er nur den fünften Rang belegt, braucht er sich aber nicht zu verstecken: Vor allem bei Nässe fährt er mit dem Erstplatzierten UltraGrip 8 auf Augenhöhe und schneidet im Rollwiderstand besser ab als bisher.

Ein Highlight in diesem Testfeld ist auch der nagelneue Nokian WR D3. Dem Finnen merkt man seine Herkunft an, denn auf Schnee sind die Wettbewerber in diesem Test gegen ihn chancenlos. In vier von fünf Prüfungen holt der Nokian die maximale Punktzahl. Weil Nokian bei Schneematschuntersuchungen eine Vorreiterrolle spielt, führten wir diese Disziplin bei den finnischen Spezialisten durch. Überraschenderweise schnitt das eigene Produkt aber ausgerechnet hierbeinicht so gut ab wie erwartet.

Deutlich besser zeigte sich bei dieser Prüfung der Snowcontrol Serie III von Pirelli. Auch seine dynamischen Qualitäten auf Nässe stellte der Italiener unter Beweis. Im Becken fürs Längsaquaplaning schwimmt er aber verhältnismäßig früh auf und liegt auf einem Niveau mit dem GT Radial und dem Firestone – knapp hinter Semperit und Nokian.

GUT UND GÜNSTIG?
Indien und Indonesien legen sich bei der Reifenentwicklung ins Zeug, denn der Markt für günstige Reifen ist groß. Doch preiswert muss nicht gleich gut sein, dass beweist unser Test. Der Apollo Acelere Winter (ca. 300 Euro) zeigte beim Bremsen aus 100 km/h auf trockener Strecke die beste Performance und erfreute mit durchweg akzeptablen Handlingzeiten. Luft nach oben bleibt aber in Sachen Fahrsicherheit und Aquaplaning. Abgeschlagen liegt der GT Radial Champiro Winterpro (ca. 320 Euro) aus Indonesien ganz hinten.

Welcher Winterreifen zu welchem Einsatzgebiet am besten passt, lässt sich aus den detaillierten Ergebnissen in der Tabelle (Seite 140 bis 141) ableiten. Auch in diesem Jahr haben wir wieder die besten Profile mit dem Prädikat „Empfehlenswert“ ausgezeichnet.
Paul Englert, Martin Urbanke

REIFENTEST: REIFENGRÖSSE 205/55 R 16 H - PASSEND FÜR:

> ALFA ROMEO Giulietta
> AUDI A4 (B7), TT (8N)
> BMW 3er
> CITROËN C4
> FIAT Bravo, Stilo
> FORD Focus, C-MAX
> HONDA Civic
> HYUNDAI i30
> KIA Soul, cee’d, Venga
> MAZDA 3, 5, 6 (bis '07)
> MERCEDES B-, C-Klasse
> OPEL Astra, Zafira, Vectra
> PEUGEOT 307, 308
> RENAULT Mégane, Scénic
> SKODA Octavia
> SUBARU Impreza
> TOYOTA Auris
> VW Golf, Touran, Beetle

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