Winterreifen 195/65 R 15 T Safety First

15.07.2009

Vierzehn aktuelle Winterreifen der populären Dimension 195/65 R 15 T müssen in aufwändigen Versuchsreihen beweisen, was sie wirklich können. Wir sagen, welche dieser Pneus die höchsten Sicherheitsreserven bieten

Vollbesetzt mit Frau, Kindern und der Schwiegermutter verwandelt sich ein schlichter Opel Zafira 1.8 in einen familiären Werttransporter. Wer will da schon an der Sicherheit sparen? Schließlich würde man auch sonst alles dafür tun, dass die Lieben möglichst wohlbehütet aufgehoben sind. Dabei soll natürlich trotz aller Verantwortung auch der Fahrspaß nicht zu kurz kommen.

Nun hat der Opel bereits ein serienmäßiges ESP an Bord, das winterlichen Rutschpartien vermeintlich den Schrecken nimmt. Lohnt es sich da überhaupt noch, in gute Reifen zu investieren? Gleicht die sensible Regelelektronik nicht ohnehin alle Unterschiede aus? Bei weitem nicht. Auch das beste ESP ist nur so gut wie die damit kombinierten Reifen. Nicht nur, dass die Schleuderbremse bei rutschigen Profilen früher und öfter eingreifen muss, es gibt auch riesige Unterschiede in der Regelgüte. Und auf einen kürzeren oder längeren Bremsweg nimmt die Stabilitätskontrolle so gut wie keinen Einfluss. Hier zählt allein der Grip der Reifen.

Zum Vergleich lassen wir neben den Premium-Pneus von Bridgestone, Conti, Dunlop, Good-year, Michelin und Pirelli auch die günstigeren Markenreifen von Firestone, Fulda, Kléber und Vredestein sowie die Discount-Produkte von Barum, Falken, Marangoni und Pneumant antreten. Dabei liegen zwischen dem teuersten Reifen und dem billigsten nur etwa 70 Euro - pro Satz. In dieser Dimension müssen also auch die Premium-Hersteller knapp kalkulieren. Lohnt sich da noch der Griff zu den Preisbrechern? Oder anders gefragt: Wie viel Hightech und Know-how steckt bei diesen Preisen überhaupt in den Profilen der Top-Marken?

Zwei Versager bei Schnee-Tests
Doch nun haben wir genug Fragen gestellt. Es wird Zeit für Antworten. Bei den Testfahrten auf den speziell präparierten Schnee-Strecken fallen zwei Kandidaten unangenehm auf: der Falken und der Michelin. Beide bieten auf Schnee und Eis zu wenig Grip und zeigen ein instabiles Fahrverhalten. Der Barum Polaris 2 erfordert trotz ESP von seinem Fahrer eine geübte Hand, weil er tendenziell zum Übersteuern neigt.

Und das so stark, dass er trotz Regelung um die Kurven driftet. Das macht ihn zwar schnell, erfordert jedoch eine unnötig riskante Fahrweise. Sicher ist das nicht. Der Fulda Kristall Montero 2 offenbart ebenfalls eine Schwachstelle: Er baut den geringsten Vortrieb im Testfeld auf, entschädigt aber mit seiner gutmütigen Art. Ansonsten liegen die Winterprofile in den Schnee-Versuchen erfreulich dicht beisammen und unterscheiden sich nur in Details.

Auch die Bremswege differieren lediglich um 1,5 Meter (Michelin 26,5 Meter, Vredestein 25,0 Meter). Dennoch: Wer einen wirklich guten Schnee-Reifen sucht, findet bei Conti, Dunlop, Pirelli und Vredestein die besten Partner. Auch der Marangoni Meteo HP schlägt sich sehr gut: Er erzielt den Höchstwert in der Zugkraftmessung - der Paradedisziplin für Winterreifen schlechthin. Sein Fahrverhalten erreicht dagegen nicht das hohe Niveau der Spitzenprodukte.

Große Unterschiede bei Nässe
Nun ist es vergleichsweise leicht, einen Reifen zu konstruieren, der mit möglichst vielen Griffkanten (Lamellen) und einer weichen Gummimischung für gute Haftung auf verschneiten Straßen sorgt. Die eigentliche Kunst besteht darin, die Mischung und Profilgestaltung so zu konzipieren und aufeinander abzustimmen, dass die Pneus auch bei Nässe und Trockenheit optimal greifen. Und darauf verstehen sich lange nicht alle Reifen-Produzenten gleichermaßen gut.

Bei Regenwetter trennt sich dementsprechend schnell die Spreu vom Weizen. So hat der Marangoni auf bewässerter Straße Mühe zu bremsen, und auch sein Fahrverhalten ist weder besonders sicher noch agil. Kléber und Firestone zeigen noch größere Defizite in der Fahrsicherheit.

Zudem hat der Kléber Krisalp HP noch mehr Schwierigkeiten im Aquaplaning-Becken, und der Firestone Firehawk bremst noch schlechter als der Marangoni.

Der Barum Polaris 2 markiert in beiden Prüfungen den Negativ-Rekord im Testfeld. Doch der Falken Eurowinter schießt den Vogel ab: Selbst mit der serienmäßigen Fahrdynamikregelung hat der Fahrer des Opel Zafira auf regennasser Piste Probleme, den Kurs zu halten. Nicht nur, dass der Pneu zu wenig Seitenführung aufbaut, der Wechsel vom Haften zum Rutschen erfolgt abrupt und ungleichmäßig.

Das schlägt sich auch in der Rundenzeit nieder, die sehr deutlich hinter den Werten der Wettbewerber liegt. Gleiches gilt für die Kreisbahn-Disziplin. Außerdem erfolgen die Regeleingriffe des ESP so grob wie bei keinem anderen Testpneu und verursachen zusätzlich Unruhe im Fahrwerk.

Die Sieger auf Nässe heißen Conti, Goodyear und Vredestein. Was die objektiven Ergebnisse von Aquaplaning- und Bremstest allerdings nicht zeigen, ist die Überlegenheit des Vredestein. Er lässt sich selbst nahe der Haftgrenze noch spielerisch leicht und absolut sicher dirigieren, setzt jeden Impuls des Fahrers spontan und exakt um und erzielt dabei durchweg höhere Kurvengeschwindigkeiten als der Rest des Feldes. Im Regen fährt der Snowtrac 2 subjektiv in einer eigenen Liga.

Beinahe auf Sommerreifenniveau
Die höchsten Belastungen erfährt ein Reifen auf trockenem Asphalt. Besonders für die feinteiligen Lamellen-Profile stellt die Fahrt auf griffiger Straße eine technische Herausforderung dar. Denn wenn der Pneu zu weich konstruiert ist, ist er nicht präzise genug und löst sich rasch in seine Bestandteile auf. Auch beim Bremsen sind zu weiche Profil-Blöcke von Nachteil, weil sie sich im Extremfall zu sehr verformen.

Aber: Je stabiler der Pneu ist, desto weniger taugt er unter winterlichen Bedingungen. Es gilt also erneut, den optimalen Kompromiss zwischen den gegensätzlichen Entwicklungszielen zu finden. Eine Aufgabe, die Pirelli und Vredestein mit Bravour erledigt haben. Der Michelin Alpin in der dritten Generation absolviert die Tests auf trockener Straße zwar ebenfalls mit sehr guten Resultaten - jedoch zu Lasten der Wintereigenschaften. Die Performance, die diese drei Pneus im Trockenen bieten, liegt durchaus auf dem Niveau von Sommerreifen. Die Reifen aus dem Hause Conti, Fulda und Goodyear erreichen zwar nicht ganz die Leistung dieser Spitzengruppe, überzeugen aber ungeachtet dessen bei den Trocken-Tests. Dabei verpasst der Fulda eine noch bessere Platzierung nur wegen seiner bescheidenen Bremsverzögerung.

Ablösung für das Siegerprofil


» Bilder und Ergebnisse des Winterreifen-Tests

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