Winterreifen-Test: Runflat-Reifen der Größe 195/55 R 16 H Frustschutzmittel

03.08.2011

Runflat-Reifen stellen im Pannenfall die Freude am Fahren sicher. Am Beispiel des 1er-BMW: Sind diese Pneus winterfest, oder bleiben konventionelle M+S-Gummis bei Schnee und Eis die erste Wahl?

Sämtliche Modelle der BMW 1er- und 3er-Reihe rollen serienmäßig auf so genannten Runflat-Reifen, die selbst bei völligem Druckverlust noch bis zu 200 Kilometer mit Tempo 80 durchhalten sollen. Eine gute Sache. Doch wie steht’s mit Winterreifen? Taugen die Pneus mit Notlaufeigenschaften uneingeschränkt für den Einsatz bei frostigen Temperaturen? Sind sie womöglich wasserscheu, oder verkraften sie forcierte Fahrweise auf trockenem Asphalt nur mit Mühe? All diesen Fragen gehen wir mit unserem großen Winterreifen-Test auf den Grund, in dem vier konventionelle Winterspezialisten im Format 195/55 R 16 H gegen vier gleich große M+S-Profile mit Notlaufeignung antreten.

Nicht nur auf Schnee getestet
Da winterliche Straßenverhältnisse hierzulande aber nicht nur Eis und Schnee bereit halten, unterziehen wir die Probanden einem ausführlichen Prozedere auf künstlich beregneten Teststrecken, untersuchen ihre Leistungsfähigkeit auf griffigem, trockenem Asphalt und unternehmen aufwändige Fahrversuche im winterlichen Nordeuropa, wo wir speziell präparierte Kurse und Schneeflächen zur Verfügung haben.

Schnee- und Regenprofis
Wer sich oft über stark verschneite Steigungsstrecken bewegen muss oder will, ist mit dem Pirelli Snowsport W 210 RFT erstklassig beraten. Kein anderer Pneu lässt sich so zielsicher durch den Schnee dirigieren. Zudem überzeugt dieser Gummi mit den kürzesten Bremswegen und dem griffigsten Profil. Ebenfalls sehr gut im Schnee: der Dunlop und der Conti - jeweils in der Runflat-Version. Bei regennasser Fahrbahn trumpfen erneut der Conti und der Dunlop auf. Diesmal sind es jedoch die Standard-Varianten ohne Notlaufeigenschaften, die die meisten Zähler einheimsen. Die Runflat-Ableger der beiden Marken belegen den dritt- und viertbesten Platz und demonstrieren somit die hohe Kompetenz der Marken in puncto Nassgriff. Die Pirelli-Pneus können diesbezüglich nicht mithalten und markieren mit und ohne Runflat-Kennzeichnung einen Platz am Schluss des Feldes.

Stärken bei Trockenübungen
Wenn weder Schnee noch Regen die Haftung der Räder auf dem Asphalt mindern, dominiert der Goodyear Eagle Ultra Grip A EMT das Feld, während er sonst nur mühsam mit den Leistungen der Rivalen mithalten kann. Auch der preisgünstige Nokian WR profitiert von griffigen Verhältnissen. Zwar setzt er selbst dann keine Bestmarken, offenbart aber zumindest keine solchen Schwächen wie auf verschneiter Piste, wo er wenig spurstabil durch die weiße Pracht pflügt.

Ausgewogen durch den Winter
Der Gesamtsieger dieses Reifentest heißt Pirelli Snowsport W 210 RFT. Dieser Reifen kann sich in erster Linie mit seinen überlegenen Wintereigenschaften gegen das Feld seiner Wettbewerber durchsetzen. Das zweitbeste Test-Resultat erringt der Continental Winter Contact TS 810 SSR, was er vor allem seiner ausgewogenen Charakteristik verdankt. Er belegt in allen drei Wertungskapiteln einen der vorderen Ränge und überzeugt unter alle Umständen mit gutmütigen und berechenbaren Reaktionen, selbst wenn sich der Fahrer der Haftgrenze bis auf ein Minimum genähert hat.

Sieger und Verlierer
Pünktlich zum Verkaufsstart der aktuellen Winterreifen hat die Entwicklungsabteilung von Conti in Hannover sogar noch einmal nachgelegt und das Profil des TS 810 SSR weiter optimiert. Erklärtes Ziel der Ingenieure war es, das Handling sowie die Fahrstabilität auf trockener Strecke gegenüber der von uns bereits Anfang des Jahres getesteten Version weiter zu erhöhen. Unter den konventionellen Winterreifen markieren ebenfalls Conti und Pirelli die Spitze, diesmal allerdings in umgekehrter Reihenfolge. Erneut ist es der ausgewogene Charakter, der dem TS 810 S zum Sieg in seiner Gruppe verhilft, auch wenn er auf verschneiten Passagen nicht vollends überzeugen kann. Der Pirelli Sottozero hingegen brilliert wiederum bei winterlichen Bedingungen und zeigt auf regennasser Fahrbahn Schwächen - besonders im Aquaplaning.

Runflat: Nicht nur im Notfall sicher
Vergleicht man die Resultate der beiden Testgruppen miteinander, so wird deutlich, dass Runflat-Reifen im Wintereinsatz keineswegs eine Kompromisslösung bedeuten. Vielmehr erweisen sich die M+S-Profile mit Notlaufeigenschaften als optimale Besohlung für den BMW 1er. Das liegt einerseits daran, dass die Pneus konstruktiv weder Wasser, Schnee noch griffige Beläge fürchten müssen, wie unsere objektiven Messungen belegen. Andererseits harmonieren die etwas steifer aufgebauten Pneus natürlich deswegen so gut mit dem kompakten Münchener, weil sein gesamtes Fahrwerk von vornherein auf den Einsatz von Runflat-Pneus ausgelegt wurde. Es gibt also eigentlich keine Veranlassung, mit dem jetzt anstehenden Wechsel von Sommer- auf Winterreifen auf die Runflat-Technologie zu verzichten. Denn sowohl die Leistungsfähigkeit der Gummis als auch der Vorteil einer sicheren Weiterfahrt im Pannenfall sprechen für die Notlauf-Pneus, und der Mehrpreis von rund 80 Euro pro Satz ist sicherlich gut angelegt.

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