Wiesmann Roadster MF4-S Wiesmann Roadster MF4-S

11.04.2011

Der Wiesmann Roadster MF4-S ist ein Meister der Täuschung. Außen auf Retro getrimmt, steckt unter der schicken Haut die Antriebstechnik des aktuellen BMW M3

Eckdaten
PS-kW420 PS (309 kW)
AntriebHinterrad, 7-Gang-Doppelkupplung
0-100 km/h4.4 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit300 km/h
Preis143.200,00€

Es gibt Momente im Leben eines Motor-Journalisten, in denen einem klar wird, dass der eingeschlagene berufliche Weg die richtige Entscheidung war. Vergessen sind die Unannehmlichkeiten, die der Job bisweilen mit sich bringt und Außenstehende oftmals übersehen. Zum Beispiel dass man buchstäblich ständig auf Achse ist und sein Leben als unfreiwilliger Hoteltester fristet. Doch die Fahrt mit einem Wiesmann gehört zu jenen Erlebnissen, die einen für alle Mühen entschädigen.

Der Weg zum Wiesmann führt ins Münsterland, genauer gesagt nach Dülmen. Im 50000-Einwohner-Ort – fernab jeder Autoindustrie – haben die Gebrüder Wiesmann ihre Manufaktur errichtet. Die Architektur des Neubaus ist tatsächlich dem Wappentier der Firma, dem Gecko, nachempfunden. Wie magnetisch klebt die flinke Echse an Wänden und Decken – die Verbindung zu den Sportwagen im Retrolook ist bestimmt kein Zufall.

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In der Manufaktur wartet die neueste Schöpfung des Hauses, der Wiesmann Roadster MF4-S. Die Sonne scheint vom Münsterländer Himmel herab, und dem Freilufterlebnis der besonderen Art steht nichts im Wege.

Ich nehme auf dem nur eine Handbreit über dem Boden montierten Schalensitz Platz und blicke auf ein Meer aus rotem Leder. In der Mittelkonsole finden sich – dem Fahrer zugeneigt – Tacho und Drehzahlmesser, darüber sitzt eine kleine Uhrensammlung, die über allerlei Flüssigkeitsstände informiert. Hinter dem roten Lederlenkrad im Kart-Format wartet die digitale Ganganzeige. Wer den Wiesmann fährt, dem dienen eingelegter Gang und Soundkulisse als Geschwindigkeitsindex.

Famoser Achtzylinder

Also Startknopf gedrückt, und der aus dem aktuellen BMW M3 entliehene V8-Hochdrehzahlmotor erwacht. Noch etwas unrund und mit erhöhter Leerlaufdrehzahl liefert er bereits im Stand eine Soundkulisse, die eindeutig nach Rennsport klingt. Gemächlich rollen wir vom Hof. Das Doppelkupplungsgetriebe (DKG) beherrscht geschmeidiges Anfahren und geschmeidige Gangwechsel ebenso wie blitzschnelles und ruckfreies Hochschalten unter Volllast.

Gottlob liegen die Zeiten des automatisierten Schaltgetriebes hinter uns, das den Gangwechsel in der schnellsten Stufe so brachial vollzog, das man um das Genick der Passagiere fürchten musste. Schnell hat der V8-Sauger seine Betriebstemperatur erreicht und schnurrt zufrieden vor sich hin. Doch jetzt möchte ich spüren, was die 420 Pferde mit dem nur 1235 Kilogramm schweren Roadster veranstalten.

Mit einem Leistungsgewicht von 2,94 kg/PS lässt der MF4-S die übergewichtigen Cabrio-Versionen von BMW M3 und Porsche 911 Turbo (4,36 bzw. 3,52 kg/PS) weit hinter sich und stößt in die Sphären eines Ferrari F430 Spider (2,74 kg/PS) vor. Also zweimal am linken der beiden Schaltpaddels gezupft, und mit herrlichen Zwischengasstößen schaltet das Getriebe zwei Gänge herunter.

Das Gaspedal voll durchgetreten, und der scheinbar von allen Massenträgheiten befreite Kurzhuber reißt die Drehzahlmessernadel schlagartig nach oben. Erst bei 8400 Touren wird dem Treiben ein Ende gesetzt. Ein begeisterndes Schauspiel, das sich Gang für Gang wiederholt.

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Auf kurvigen Landstraßen geht’s durchs Münsterland – ein Geläuf wie geschaffen für den MF4-S. Ich hatte mir vorgenommen, die Metapher des einem Gecko gleich auf der Fahrbahn klebenden Wiesmann nicht zu strapazieren. Doch was soll ich sagen: Das Bild passt. Denn im Gegensatz zum weiterhin erhältlichen Vorgänger MF3 befi ndet sich unter der aus glasfaserverstärktem Kunststoff bestehenden Karosserie nun anstelle eines Gitterohrrahmens ein sehr steifes Aluminium-Monocoque.

Neues Fahrwerk

Auch beim Fahrwerk hat sich einiges getan. An Vorder- und Hinterachse kommen jetzt Doppelquerlenker zum Einsatz, die zusammen mit dem um fast 22 Zentimeter längeren Radstand dafür sorgen, dass sich der MF4-S bei forscher Gangart wesentlich gutmütiger verhält und auch bei hohem Tempo stets auf dem eingeschlagenen Kurs bleibt.

Dem Fahrkomfort haben die zusätzlichen Zentimeter ebenfalls gutgetan, Bodenwellen verarbeitet die Feder- Dämpfer-Kombination erstaunlich geschmeidig. Dennoch sollte der Fahrer nicht vergessen, dass 420 PS ihr bisweilen böses Spiel an der Hinterachse treiben und diese bei vollem Leistungseinsatz gern mal seitlich ausschlägt.

Deshalb kann man selbst Puristen nur dazu raten, die geradezu unverschämten 2820 Euro für die optionalen Helferlein ESP und ABS zu zahlen. Bei einem Grundpreis von über 143 000 Euro spielt das aber auch keine große Rolle mehr. Alexander Lidl

Technische Daten
Motor 
ZylinderV8-Zylinder, 4-Ventiler
Hubraum3999
Leistung
kW/PS
1/Min

309/420
8300 U/min
Max. Drehmom. (Nm)
bei 1/Min
400
3900 U/min
Kraftübertragung 
Getriebe7-Gang-Doppelkupplung
AntriebHinterrad
Fahrwerk 
Bereifungv: 245/35 ZR 20
h: 285/30 ZR 20
Messwerte
Gewichte (kg) 
Leergewicht (Werk)1235
Beschleunigung/Zwischenspurt 
0-100 km/h (s)4.4
Höchstgeschwindigkeit (km/h)300
Verbrauch 
Testverbrauchk.A.
EU-Verbrauchk.A.
Reichweitek.A.
Abgas-Emissionen 
Kohlendioxid CO2 (g/km)k.A.

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