Wiesmann MF5 Roadster mit 507 PS Wiesmann MF5 Roadster

27.08.2010

Auch im neuesten Roadster mit dem Gecko im Wappen macht ein Triebwerk der Bayerischen Motorenwerke die Musik: der 507 PS starke V10-Zylinder

Eckdaten
PS-kW507 PS (373 kW)
Antrieb7 Gang Automatik
0-100 km/h3.9 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit310 km/h
Preis189.500,00€

Für all jene beneidenswerten Menschen, die mit dem Gedanken spielen, sich einen exquisiten Roadster der Firma Wiesmann zuzulegen, haben wir einen guten Tipp. Denn bei einer Auswahl von 400 verschiedenen Lederarten und 33 000 (!) unterschiedlichen Lacken kann die Zusammenstellung des Wunsch-Fahrzeugs ungewollt zur Lebensaufgabe werden. Hier unsere Empfehlung: Bestellen Sie kein Radio, denn Sie werden es sowieso nicht einschalten. Den Ton im brandneuen Wiesmann MF5 Roadster gibt das Zehnzylinder-Triebwerk an, das bereits in den BMW-Modellen M5 und M6 für ein motorisches Erlebnis der Extraklasse sorgt.

Der mit allen Raffi nessen des modernen Motorenbaus gesegnete Hochdrehzahlmotor erlebt im dank Aluminium-Monocoque und GFK-Haut nur 1320 Kilogramm schweren Der neue Wiesmann Roadster MF5 auf der IAA 2009 nun seinen zweiten Frühling. Befreit von der mehr als 1,7 Tonnen wiegenden Last, die bereits der leichtere der beiden bayerischen Sportler, der BMW M6, auf die Waage bringt, kann der frei ansaugende Hochleistungsmotor im Wiesmann sein volles Potenzial noch viel überzeugender ausspielen.

Fast könnte man meinen, der famose Zehnzylinder antizipiert die Bewegungen des Gasfußes, so blitzartig werden Beschleunigungswünsche in brachialen Vortrieb umgesetzt. Dabei stürmt die Nadel des Tourenzählers mit unaufhörlichem Drang der maximalen Drehzahl von 8250 Umdrehungen pro Minute entgegen. Ist zudem der unscheinbare Sport-Schalter in der Mittelkonsole gedrückt, flutet die Elektronik alle Rohre und gibt die volle Leistung frei: Statt zuvor 400 sorgen nun satte 507 Pferdestärken für Leistung im Übermaß.

Wählt man zudem die schnellste der fünf möglichen Schaltgeschwindigkeiten des SMG-Getriebes und folgt der Devise „pedal to the metal“, wird aus dem lässigen Cruiser endgültig ein heißblütiger Sportwagen. Erfolgen die Gangwechsel der sieben Fahrstufen in Normalstellung noch erstaunlich geschmeidig, wechselt die Hydraulikeinheit die Gänge in der schnellsten Schaltstufe innerhalb von nur 65 Millisekunden und sorgt gleichzeitig für Schläge, die einen nicht nur um die Haltbarkeit der eigenen Knochen, sondern vor allem um die der Getriebemechanik fürchten lässt. Dabei hat der Fahrer die Wahl, ob ihm die sieben Gänge automatisch serviert werden oder er selbst eingreift und die Übersetzungen mittels der beiden Schaltpaddels wechselt. Das bereitet im MF5 ein besonderes Vergnügen, weil die Gangwechsel unmittelbar nach dem Zupfen der Paddels erfolgen. Dadurch hat der Pilot wirklich das Gefühl, der Taktgeber zu sein.

Ebenso nachhaltig wie die Motor-Getriebe-Einheit prägt die ultradirekte Lenkung den Charakter des Zweisitzers aus Dülmen. Ihre Auslegung ist allerdings ein zweischneidiges Schwert. Einerseits verleiht sie dem extrem unübersichtlichen Luftikus eine bestechende Handlichkeit und geringe Lenkwinkel, auf der anderen Seite wirkt der Wiesmann speziell bei höheren Geschwindigkeiten und heftigem Anbremsen sehr nervös. Auch wenn das serienmäßige ESP stets im Hintergrund wacht, verlangt der Wiesmann höchste Aufmerksamkeit. Anders als man es von einem reinrassigen Sportwagen wie dem Der neue Wiesmann Roadster MF5 auf der IAA 2009 erwartet, fällt die Lenkung sehr leichtgängig aus und geizt zudem mit Rückmeldung darüber, was sich zwischen Reifen und Straße gerade abspielt. Haben die extrem viel mechanischen Grip aufbauenden Michelin Pilot Sport Cup-Reifen erst einmal die richtige Arbeitstemperatur erreicht, ermöglichen sie atemberaubende Kurvengeschwindigkeiten. Nicht zuletzt deshalb wäre etwas mehr Feedback wünschenswert, um sich gefühlvoller an den schmalen Grenzbereich herantasten zu können.

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Wer die gewaltigen Reifen – hinten 325/30 ZR 19, vorn 265/35 ZR 19 – sieht, die die gewiss nicht kleinen Radhäuser bis auf eine Handbreit ausfüllen, muss zunächst einmal mit dem Schlimmsten rechnen. Wer jedoch meint, unter diesen Voraussetzungen Euro-Münzen beim Überfahren anhand der Prägung bestimmen zu können, sieht sich angenehm überrascht. Gerade in Anbetracht der fahrdynamischen Performance geht der Leichtbausportler mit seinen Insassen durchaus nachgiebig um.

Von Nachgiebigkeit zu sprechen, wäre beim Chassis dagegen vollkommen fehl am Platz. Das geklebte und genietete Aluminium- Monocoque erweist sich als extrem steif. Selbst bei der rasanten Hatz über kurvige und wellige Landstraßen ist der Karosserie kein Knistern oder Zittern zu entlocken. Die Außenhaut besteht aus glasfaserverstärktem Kunststoff, wodurch das Leergewicht auf schlanke 1320 Kilogramm gedrückt werden konnte. Auch die Gewichtsverteilung kommt dem Ideal von 50 zu 50 Prozent sehr nahe und gleichzeitig dem bestechend spontanen Einlenkverhalten zugute.

Nicht nur beim Fahren recken andere Verkehrsteilnehmer die Hälse, wenn sie die in Ferrari Rosso Corsa lackierte Flunder erblicken. Bereits im Stand liefert der MF5 eine Show, die dem Auftritt der Modelle aus Maranello in keiner Weise nachsteht. Der Wiesmann hat alles, wovon Fahrer eines reinrassigen offenen Zweisitzers träumen: eine endlos lange Motorhaube, eine tiefe Sitzposition knapp vor der Hinterachse, kurze Überhänge und ein schwarzes Stoffdach, mit dem er auch angezogen äußerst sexy wirkt. So sieht ein waschechter Roadster aus, wenn man ihn sich – wie im Falle der Gebrüder Martin und Friedhelm Wiesmann – nach seinen eigenen Vorstellungen zusammenbaut.

Im Innenraum geht die imposante Vorstellung nahtlos weiter. Auch hier sind den Wünschen des Kunden – von der Farbe der Ledernähte über die der Lautsprecherabdeckungen bis hin zur Lackierung des Felgeninnenbetts – keine Grenzen gesetzt. Allerdings merkt man auch an einigen Stellen, dass es sich bei Wiesmann um einen Kleinserien-Hersteller handelt. So sind die Pedale und dadurch auch die Beine des Fahrers im schmalen Fußraum nach links versetzt. Und nach hinten lässt sich der Sportwagen ebenso schlecht einsehen wie nach vorn, wo sich die mächtigen Kotflügel auftun und besonders Piloten, die kleiner als 1,65 Meter sind, die Sicht erschweren. Über jeden Zweifel erhaben zeigt sich jedoch die Verarbeitungsqualität – bei Weitem keine Selbstverständlichkeit für ein Fahrzeug aus einer Manufaktur. Abgesehen von den Lüftungsdüsen, die auch in jedem Dacia die Luft verteilen, macht der Innenraum einen sehr hochwertigen Eindruck.

Und wie teuer ist so viel Exklusivität? Der Grundpreis von 189 500 Euro lässt sich mit einigen Extras – wie im Falle unseres Testwagens – mühelos über die 220.000er-Marke treiben. Das wird wohl dafür sorgen, dass es auch in Zukunft ein ganz besonderes Vergnügen ist, einen Der neue Wiesmann Roadster MF5 auf der IAA 2009 fahren zu dürfen.
Alexander Lidl

Technische Daten
Motor 
ZylinderV10-Zylinder, 4-Ventiler
Hubraum4999
Leistung
kW/PS
1/Min

373/507
7750 U/min
Max. Drehmom. (Nm)
bei 1/Min
520
6100 U/min
Kraftübertragung 
Getriebe7 Gang Automatik
Fahrwerk 
Bremsenv: innenbelüftete und gelochte Scheiben
h: innenbelüftete und gelochte Scheiben
Bereifungv: 265/35 ZR 19
h: 325/30 ZR 19
Messwerte
Gewichte (kg) 
Leergewicht (Werk)1320
Beschleunigung/Zwischenspurt 
0-100 km/h (s)3.9
Höchstgeschwindigkeit (km/h)310
Verbrauch 
Testverbrauchk.A.
EU-Verbrauchk.A.
Reichweitek.A.
Abgas-Emissionen 
Kohlendioxid CO2 (g/km)k.A.

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