Wie ein König aus Frankreich Bugatti 57 C

05.06.2009

Die Bugatti der Baureihe Type 57 zählen zu den edelsten und aufregendsten Automobilen. Schon eine kurze Begegnung mit Chassisnummer 830 zeigt, warum das so ist

Eckdaten
PS-kW160 PS (118 kW)
0-100 km/hk.A.
Höchstgeschwindigkeit170 km/h
Preis62.000,00€

Es ist ein Stück Geschichte, von Sammlern als Kostbarkeit gehandelt, aber nicht als solche zu erkennen. Ein unscheinbares Papier, vergilbt, mit eingerissenen Ecken, mit Schreibmaschine getippt.

So schmucklos kommt das Deckblatt der Bedienungsanleitung eines der begehrtesten Klassiker daher. Sie ist nur 14 Seiten stark. Die ersten beiden widmen sich den allgemeinen Daten des Autos, die folgenden enthalten einen Schmierplan, Hinweise zur Einstellung von Bremsen, Kupplung oder Zündung sowie einen Schaltplan der eher spärlichen Elektrik. Nichts deutet darauf hin, dass der Bugatti Type 57 eines der teuersten, höchstentwickelten und schnellsten Serienautos seiner Zeit war. Und eines der erfolgreichsten Modelle der französischen Edelschmiede obendrein. Immerhin entstanden zwischen 1934 und 1940 geschätzte 710 Exemplare.

Dieser Bugatti Type 57 hatte in den 70 Jahren seit 1939 nur drei Besitzer

Die allerwenigsten haben die vergangenen rund 75 Jahre so unbeschadet und unberührt überstanden wie das Exemplar auf diesen Seiten. Seit seiner Auslieferung im April 1939 hat es nur drei Besitzer gesehen, und jeder besaß so viel automobile Sensibilität, den Wagen nicht zu restaurieren, sondern jeweils nur so viel wiederherstellen zu lassen, wie unbedingt nötig schien.

Die Patina von sieben Jahrzehnten in wohlgepfl gtem Zustand verleiht diesem Bugatti 57 eine selbstverständliche, unaufdringliche Würde, die sprachlos macht, wenn man zum ersten Mal vor ihm steht. Vermutlich wäre nach einer Restaurierung die Lackierung glänzender, der Chrom satter und das Leder ohne Risse. Aber die vielen nicht erzählten Geschichten, die in den Rosshaarpolstern der Sitze, dem matten Glanz des Armaturenbretts und dem rauen Alu der Bremstrommeln schlummern sind viel wertvoller.

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Wenn man alle Geschichten nacherzählen wollte, bräuchte man gewiss mehr Platz als alle redaktionellen Seiten dieser AUTO ZEITUNG. Man könnte von der turbulenten Historie der inzwischen 100 Jahre alten Marke Bugatti erzählen, vom Patron Ettore, der das Tagesgeschäft seinem kaum 20 Jahre alten Sohn Jean überließ. Jean wiederum, nicht weniger genial als sein Vater und übrigens in Köln geboren, entwickelte nicht nur zusammen mit den Bugatti-Ingenieuren den Type 57. Er entwarf auch Karosserien von atemberaubender Schönheit und verstand es zudem, die Rennwagen des Hauses mit angemessenem Tempo zu bewegen. Sein Tod 1939 – in einem 57-Rennwagen – war wohl der traurigste Tag dieser 100 Jahre.

1934 kam die erste Version des 57 auf den Markt, lieferbar mit vier Werkskarosserien: dem Viertürer Galibier, dem Cabriolet Stelvio sowie den Coupés Ventoux und Atalante. Natürlich konnte man auch einfach ein rollendes Chassis ordern und es beim Carrossier seines Vertrauens einkleiden lassen. Technisch war der Type 57 ohnehin auf der Höhe der Zeit.

Sein 3,3-Liter-Reihen-Achtzylinder leistete 135 PS, spätere Versionen mit Kompressor kamen bis über 200 PS. Mit 150 bis 200 km/h war man im Reigen der Supersportwagen ganz vorn dabei. Der seidenweich laufende Achtzylinder war ein so großer Wurf, dass der Grand Prix-Renner Type 59 und die siegreichen Le-Mans-Sportwagen 57 „Tank“ vom gleichen Motor angetrieben wurden. Der Kompressormotor mit 160 PS ist auch in diesem Exemplar mit der Fahrgestellnummer 57 830 eingebaut. Wie alle Bugatti Motoren – denn der Patron legte größten Wert auf ästhetisches Aussehen der Technik – ist auch der 3,3-Liter-Achtzylinder ein wahres Monument:ein glattflächiger Block, die obenliegenden Nockenwellen in ebenso glatten Gehäusen, alle Kabel und Leitungen sauber verlegt.

Die Motornummer 99 C weist das Triebwerk als jenes aus, mit dem Fahrgestellnummer 57 830 das Werk verließ. Matching Numbers nennt der Fachmann diesen Zustand. Fotos und Dokumente erzählen vom weiteren Lebenslauf. Eine Rechnung aus den frühen 50ern zeigt, dass Erstbesitzer Maurice Solvay beim Händler in Paris für Reparaturarbeiten an Kühler, Kupplung, Bremsen und Anlasser etwas über 400 000 Francs bezahlte, also etwa 3000 Mark. Mithin einen Betrag, der damals zum Neukauf eines Kleinwagens gereicht hätte.

Als Erbe eines Chemiekonzerns hatte Solvay keine finanziellen Sorgen

Das hat Monsieur Solvay wohl ebenso wenig Kopfschmerzen bereitet wie die rund 90 000 Francs, die sein Auto 1939 gekostet haben dürfte. Zum Vergleich: Ein Peugeot 402 der gehobenen Mittelklasse war zu dieser Zeit für rund 20 000 Francs zu haben. Als Erbe eines Chemiekonzerns hatte Solvay keine finanziellen Nöte. Irgendwie rettete er seinen Bugatti über den Krieg. Was wiederum genug Stoff für viele Geschichten böte. Jedenfalls hat er den 57 geliebt, denn bis zum Verkauf 1958 legten die beiden rund 10 000 gut dokumentierte Kilometer zurück.

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Bilder zeigen den Bugatti mit dem selben Pariser Nummernschild, das er heute trägt, wohl ein paar Jahre später, auf einem namenlosen Flugplatz mit einem Forschungsflugzeug des Typs Hurel-Dubois HD 34, und ein verblasstes Farbfoto aus den 70ern findet ihn in einem verwunschen zugewachsenen Schlosspark mit einer jungen Dame. Der heutige, dritte Besitzer stellte den Type 57 im Berliner Meilenwerk aus. Erreichen kann man ihn über die Firma Thiesen. Falls er das Auto und die Fotos überhaupt verkaufen will.

Fazit

Technische Daten
Motor 
ZylinderAchtzylinder-Reihenmotor
Hubraum3257
Leistung
kW/PS
1/Min

118/160
5000 U/min
Max. Drehmom. (Nm)
bei 1/Min
null
k.A.
Kraftübertragung 
Fahrwerk 
Bremsenv: Trommeln
h: Trommeln
Messwerte
Gewichte (kg) 
Leergewicht (Werk)1500
Beschleunigung/Zwischenspurt 
0-100 km/h (s)k.A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)170
Verbrauch 
Testverbrauchk.A.
EU-Verbrauchk.A.
Reichweitek.A.
Abgas-Emissionen 
Kohlendioxid CO2 (g/km)k.A.

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