Wertverlust Diesel-Pkw: Restwert-Entwicklung Diesel-Zulassungen entwickeln sich rückläufig

von Lena Reuß 09.10.2017
Inhalt
  1. Zulassungszahlen von Diesel-Pkw brechen ein
  2. Restwert-Verluste bei Diesel-Pkw befürchtet
  3. Debatte um blaue Plakette und Dieselfahrverbot
  4. Wie sieht Diesel-Zukunft der Hersteller aus?
  5. Wie hoch ist der Wertverlust beim Diesel-Auto?
  6. Wie kann man Wertverlust entgegenwirken?

Mit der Diskussion um Diesel-Fahrverbote stellt sich bei vielen Autofahrern die Angst um einen Wertverlust bei ihrem Diesel-Pkw ein. Die aktuellen Zulassungszahlen untermauern die Befürchtung und auch der ADAC warnt vor Dieselkäufen. Wie es aktuell um den Restwert der Selbstzünder bestellt ist, verraten wir hier.

Abgasskandal und drohende Fahrverbote haben das Vertrauen in den Diesel-Motor erschüttert und schüren die Ängste der Verbraucher vor einem hohen Wertverlust bei Diesel-Pkw. Diese Angst zeigt sich auch in den September-Verkaufsstatistiken der Selbstzünder: Mit 105.520 Stück wurden lauf Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) 21,3 Prozent weniger Diesel-Pkw zugelassen als im Vorjahr. Bei den Neuzulassungen war nur noch jedes dritte Fahrzeug (36,3 Prozent) ein Diesel. Das ganze Jahr 2017 könnte das schlechteste Diesel-Jahr seit 2009 werden, dem Jahr der Abwrackprämie, das einen Diesel-Anteil der Zulassungen von nur 31 Prozent hatte. In den ersten neun Monaten dieses Jahres fiel der Anteil der Ölbrenner auf 40,3 Prozent (Vorjahr: 46,5 Prozent). "Die Unsicherheit über die Zukunft des Dieselmotors führt zu einer deutlichen Hinwendung zum Benziner", erklärt Reinhard Zirpel, Präsident des Verbands der Internationalen Kraftfahrzeughersteller. Dass die Kunden bei Diesel-Pkw zurückhaltender geworden sind, zeigt auch einer Untersuchung des CAR-Instituts an der Universität Duisburg-Essen. Demzufolge entschieden sich im April 2017 nur noch 23,8 Prozent der Privatkunden für ein Diesel-Fahrzeug. Der Grund liegt laut Studienleiter Ferdinand Dudenhöffer in möglichen Verlusten beim Restwert. Gerade weil auch die modernen Euro-6-Diesel in Abgastests ein Vielfaches der erlaubten Stickoxid-Mengen überschritten, befürchten die Käufer einen möglichen Wertverfall. Letztlich kauften Neuwagenkunden mit Euro-6-Dieseln "die Katze im Sack", erklärt Dudenhöffer, nicht zuletzt wegen drohender Fahrverbote in Großstädten. Die einzige Möglichkeit den Abwärtstrends aufzuhalten sieht er in einem "Euro 6 Plus"-Zertifikat, mit dem die Hersteller garantieren die Grenzwerte der Autos auch im Normalbetrieb einzuhalten.

Thematik zur blauen Plakette (Diesel-Fahrverbote) im Video:

 
 

Zulassungszahlen von Diesel-Pkw brechen ein

Besonders überraschend ist die Abkehr vom Diesel jedoch nicht, so warnte der ADAC erste Ende Juni 2017 vor Dieselkäufen: "Unsere Empfehlung ist, mit einem Neuwagenkauf eventuell noch zu warten, bis im Herbst Modelle mit dem Standard Euro 6D auf den Markt kommen", sagte der ADAC-Vizepräsident Ulrich Klaus Becker in einem Interview mit "Der Zeit". Der ADAC-Vize beklagt, dass die von den Autoherstellern verursachten Probleme nun von den Autobesitzern ausgebadet werden müssen. Demnach erreichen den ADAC tägliche Hunderte, manchmal Tausende Anfragen von Mitgliedern, die nicht wissen, wie man sich nun verhalten solle. Denn wer sich vor ein, zwei Jahren ein Diesel-Auto gekauft hat, der spürt jetzt schon die finanziellen Einbußen. Und der ADAC befürchtet bei älteren Modellen einen anhaltenden Werteverlust. Grund: In letzter Zeit häuften sich die Nachrichten über Einschränkungen für Diesel-Pkw, beispielsweise durch die mögliche Einführung einer blauen Plakette. Hinzu kommt die Debatte um Diesel-Fahrverbote in vielen deutschen Städten. Natürlich fürchten nicht wenige Autobesitzer jetzt den hohen Wertverlust ihres Diesel-Autos und das schlägt sich bereits in den Neuwagen-Käufen nieder.

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Restwert-Verluste bei Diesel-Pkw befürchtet

Die bisherigen Restwert-Prognosen bestätigen das Bild, dass die Diesel-Käufer derzeit haben: So nimmt der Bundesverband freier Kfz-Händler an, dass Diesel-Pkw in Zukunft stark an Wert verlieren und die Preise um 10 bis 20 Prozent sinken. Gerade Diesel-Fahrzeuge, die bis September 2015 gebaut wurden und damit teilweise noch der Euro-5-Norm entsprechen, sind vom Wertverlust bedroht. Denn die geplanten Fahrverbote richten sich vor allem gegen Diesel unter Euro 6. Auf den Gebrauchtwagenmarkt hat die Angst vor dem Restwert-Verlust bei Diesel-Pkw noch nicht so stark ums ich gegriffen: Aktuelle Daten des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) belegen, dass die Zahl der Besitzumschreibungen bei Diesel-Autos für März 2017 mit 237.737 etwas höher liegt als im Vorjahresmonat (225.694). Auch ein extremer Preisverfall bei Diesel-Pkw ist hier bisher ausgeblieben. Aktuell bringt ein drei Jahre alter Selbstzünder einer Untersuchung der Deutschen Automobil Treuhand GmbH zufolge durchschnittlich noch einen Restwert von 55,7 Prozent des Neupreises. Das ist sogar etwas mehr als im Jahr zuvor: 2016 bekamen Fahrzeughalter 55,2 Prozent des Kaufpreises für ihren alten Diesel.

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Debatte um blaue Plakette und Dieselfahrverbot

Trotzdem ist die Debatte um Fahrverbote und die blaue Plakette beim Restwert für Diesel-Pkw erkennbar: Unmittelbar bevor das Stuttgarter Diesel-Fahrverbot diskutiert wurde, lag der durchschnittliche Restwert eines drei Jahre alten Diesel-Pkw noch bei 56 Prozent. Direkt im Anschluss fiel der Durchschnitts-Preis auf das aktuelle Niveau. Neben dem Wertverlust ist auch an anderer Stelle bemerkbar, dass Selbstzünder bei den Käufern an Beliebtheit einbüßen. Die Standzeit eines Dieselautos auf den Höfen der Autohändler hat sich im Verlauf des vergangenen Jahres deutlich verlängert. Während sie im März 2016 noch bei durchschnittlich 85 Tagen lag, stehen Diesel-Autos nun etwa 98 Tage bei den Verkäufern. Die Preise bleiben zwar gleich, aber dadurch verdient der Händler letztendlich weniger an einem verkauften Fahrzeug. Und gerade wenn 2018 die auf drei Jahre angelegten Leasing-Rückläufer aus dem Jahr 2015 zu den Händlern zurückkommen, könnte es in Sachen Wertverlust spannend werden. Denn diese entsprechen teilweise noch der Euro-5-Norm, wodurch es zu einem saftigen Wertverlust kommen könnte, der dann vor allem die Autohäuser trifft. Bisher ist jedoch noch kein Diesel-Fahrverbot endgültig beschlossen, denn auch in Stuttgart ist man mittlerweile etwas zurückgerudert, sodass Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) eingeräumt hat, die Pläne noch einmal zu überdenken.

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Wie sieht Diesel-Zukunft der Hersteller aus?

Entgegen der Gerüchte um Wertverlust und mangelnder Zukunftsfähigkeit von Diesel-Fahrzeugen, bauen viele Hersteller weiter auf die Selbstzünder. Zwar stellt VW – vermutlich auch aufgrund der letzten Ereignisse – die Zukunft des Dieselmotors im Konzern noch infrage, aber bei der Konkurrenz aus dem Süden sieht das anders aus. So steckte Mercedes zum Beispiel erst vor kurzem eine hohe Summe in die Weiter- und Neuentwicklung seiner Verbrennungsmotoren. Auch BMW hat vor gut einem Jahr nochmal an vielen Motoren gefeilt. Einige Forscher wie Matthias Wissmann, der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie, gehen sogar davon aus, dass die Diesel-Technologie zum Erreichen moderner Klimaschutzziele unverzichtbar ist: "Der moderne Euro-6-Diesel ist, neben der Elektromobilität, der wichtigste Baustein, um die europäischen Klimaschutzziele zu erreichen. Seine CO2-Emissionen sind um bis zu 15 Prozent niedriger als die eines vergleichbaren Benziners."

 

Wie hoch ist der Wertverlust beim Diesel-Auto?

Besonders drastische Prognosen behaupten der Wertverlust beim Diesel könnte in Zukunft bis zu 20 Prozent höher ausfallen, als bisher. Doch das ist bis jetzt noch nicht absehbar. Aktuellen Statistiken zufolge halten Diesel-Autos nach drei Jahren nach wie vor über die Hälfte ihres Restwertes (55,7 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahr ist der Restwert sogar um 0,5 Prozentpunkte gestiegen.

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Wie kann man Wertverlust entgegenwirken?

Zum einen gelten beim Werterhalt natürlich die gleichen Ansätze wie bei jedem anderen Gebrauchtwagen auch: Regelmäßige Inspektionen, Instandhaltung und gute Pflege sind das A und O, um den eines Autos zu steigern. Wer seinen Diesel für die Zukunft fit machen möchte, kann in Erwägung ziehen, ihn auf Euro 6 umzurüsten.

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