VW Golf II: Modelle, Daten und Hintergründe 30 Jahre Erfolgsgeschichte

24.03.2014
Inhalt
  1. GTI 16V - DER KLUGE KOPF
  2. GTI - DER ERBFOLGER
  3. VW GOLF LIMITED - KRACHER IN KLEINSERIE

Beim VW Golf II übertraf sich Volkswagen mit immer neuen Variationen für das meistverkaufte Auto des Landes. Wir zeigen die Meilensteine

 

GTI 16V - DER KLUGE KOPF

Als der VW Golf 1974 erschien, war die große Frage unter Fachleuten, ob dieses Fahrzeug an die Erfolge des legendären Käfer würde anknüpfen können. Er konnte, wie wir inzwischen wissen. Aber es dauerte seine Zeit. Erst mit dem Golf IV überschritt Volkswagen die vom Käfer vorgegebene magische Schwelle von mehr als 21 Millionen Stück.

Trotzdem war schon die erste Baureihe mit der internen Bezeichnung Typ 17 ein Riesenerfolg. Das von Giugiaro entworfene Design legte den Grundstein für eine ganz neue Generation von Kompaktwagen und verkaufte sich fast sieben Millionen Mal. Die auf der Frankfurter IAA im September 1983 vorgestellte zweite Generation übernahm das Konzept mit quer eingebautem Frontmotor, Vorderradantrieb, Einzelradaufhängung, an einer Verbundlenkerachse geführten Hinterrädern und einer Schrägheck-Karosserie, deren Kofferraum sich durch Umklappen der Rücksitze beträchtlich vergrößern ließ.

Zusätzlich war der Radstand um 75 Millimeter verlängert worden. Und die zierliche Form des Vorgängers wich einem aerodynamisch verbesserten Design. Letzteres gefiel aber nicht jedem. Zum Ende der Baureihe bilanzierte VW später: „Den einen war der neue zu modern, den anderen ähnelte er zu sehr dem alten Golf.“

Dann gab es da noch ein weiteres Problem: Die Konkurrenz hatte den GTI inzwischen voll im Visier. Mehr noch, Konkurrenten wie der Erzrivale Opel Kadett GSI  waren fahrdynamisch sogar an ihm vorbeigezogen. Also musste eine stärkere Version her. Überlegungen, hierfür einen Turbolader zu verwenden, wurden jedoch  wieder verworfen angesichts des zu erwartenden hohen Spritverbrauchs.

Die kluge Lösung fand man schließlich am Zylinderkopf: Durch 16 statt bisher acht Ventile, angetrieben von zwei Nockenwellen statt bisher einer, ließ sich der Gasdurchsatz um gut 20 Prozent steigern. Am Ende standen so 139 PS (ab 1986 m. Kat, 129 PS) zur Verfügung. Im Test der AUTO ZEITUNG reichte das für eine Spitzengeschwindigkeit von 206 km/h und eine Beschleunigung von null auf 100 in 8,2 Sekunden. Werte, mit denen der GTI von 1985 an wieder standesgemäß motorisiert war. Und das, obwohl der Mehrverbrauch des GTI 16V gegenüber dem 8-Ventil-GTI nicht mal einen Liter ausmachte. Die Konkurrenz aus Rüsselsheim war fürs Erste geschlagen, denn der 150 PS starke GSI 16V kam erst deutlich später. Die Aufkle-ber mit der Zeile „Tschüß GTI“ verschwanden wieder.

In der Praxis spürte der Golf-Fahrer zunächst gar nicht so viel von den 27 Mehr-PS, jedenfalls unterhalb von 3000 Umdrehungen. Bei Überholvorgängen aus 60 km/h im vierten Gang war sogar der schwächere Bruder schneller. Wer die Drehzahlnadel allerdings bis 6400 trieb, war der King. Aufpreis für den Spaß: 2380 Mark.

 

GTI - DER ERBFOLGER

Wie beim Golf I hieß auch beim Golf II das Topmodell GTI. Als es 1984 kam, war sein Triebwerk schon bekannt. Denn bereits ein Jahr zuvor, im Frühjahr 1983, hatte die Maschine im GTI I Premiere gefeiert: ein 1,8 Liter großer Vierzylinder mit 112 PS bei 5500 Umdrehungen. Auf dem Papier besaß der Motor nur zwei PS mehr gegenüber dem alten 1.6er.

Und weil das Fahrzeuggewicht mit vier Türen um hundert Kilo über dem des ersten GTI lag, war die Beschleunigung nicht besser – in den Augen der Fans eine Enttäuschung. Auch die Höchstgeschwindigkeit stieg nicht nennenswert an. Dafür bot der GTI II deutlich mehr Innenraum und mehr Komfort, zum Beispiel durch ein niedri-geres Geräuschniveau. Das Fahrwerk lag zehn Millimeter tiefer als beim Vorgänger, dazu kamen vorn und hinten Stabilisatoren.

Und dank des aufwändig geformten Kunststofftanks stieg sein Fassungsvermögen von mageren 40 auf 55 Liter. Die größte Leistung des GTI II war es vielleicht, dass er mit seiner rundum viel moderneren Konstruktion den Weg bereitete für die folgenden stärkeren Modelle dieser Baureihe. Erst mit ihnen kam später die alte GTI-Fahrfreude wieder spürbar auf die Straße.

Der Schmerz saß tief. Seit Opel seinen Kadett GSI 16V  ins  Rennen geschickt hatte, war der Golf entthront: Selbst in der stärksten Ausführung GTI 16V hatte er das Nachsehen in der Vollgasabteilung der Kompaktklasse. Mit 224 km/h Spitze zeigte ihm der Opel die eckigen Heckrohre seines Auspufftopfes, ehe er auf der Auto-bahn uneinholbar entschwand.

Das sollte sich ändern, als VW 1989 auf der IAA ein neues Spitzenmodell vorstellte: den GTI G60. Die Zusatzbezeichnung stand für ein neues Kapitel in der Geschichte aufgeladener Ottomotoren. Mittels eines mechanisch angetriebenen Spiralladers schafften es die VW-Ingenieure, einem 1800-Kubik-Triebwerk die Durchzugskraft eines 2,5-Liter-Motors zu entlocken. Bereits nach 0,4 Sekunden, nachdem der Fahrer Gas gegeben hatte, baute dieser schneckenför-mige Lader seinen vollen Druck auf. Also praktisch verzögerungsfrei.

Die Zahl 60 stand übrigens für den Lader-Durchmesser in Millimetern. Vor dem Golf GTI kam bereits der Corrado in den Genuss dieser neuen Technik. Zwar war der Opel auch ohne Lader im Topspeed dank besserer Aerodynamik immer noch fünf km/h schneller als der Golf, aber im direkten Vergleich punktete der Wolfsburger mit der kultivierteren Leistungsentfaltung. Gegenüber dem GTI 16V begeisterte er zudem mit einer deutlich besseren Elastizität, denn das maximale Drehmoment lag nun schon bei 3800 Umdrehungen an (statt bei 4000).

Erfreulich auch, dass sich zusammen mit stärkeren Stabilisatoren, härteren Federn und einer daran angepassten Stoßdämpferabstimmung ein vorbildliches  Handling ergab. Der Golf hob zwar nach wie vor in engen Kurven gerne spektakulär das kurveninnere Rad an, wenn der Fahrer das Gas lupfte, doch das blieb meist gut beherrschbar und sah schlimmer aus, als es sich anfühlte.

Gute Nerven brauchte der Fahrer dagegen an der Tankstelle. Denn selbst wenn Volkswagen sich zuvor den Turbo verkniffen hatte um Sprit zu sparen, so war doch auch der G-Lader-GTI alles andere als ein Kostverächter. Drei Liter mehr als der 16V-Sauger genehmigte sich die G60-Variante, unterm Strich 12,8 Liter, so ermittelte 1990 die AUTO ZEITUNG.

Das war happig, wurde aber noch übertroffen, wie der Rückblick auf den Golf Limited beweist.Im Innenraum dagegen blieb weit-gehend alles beim Alten. Soll heißen: gepflegte Langeweile. Das Cockpit: gut bedienbar, aber nicht sehr ansehnlich. Die Sitze: komfortabel, aber mit ihrem Achtziger-Jahre-Karo irgendwie nicht mehr frech, sondern bemüht jugendlich.

Einen Akzent setzten dagegen die hübschen BBS-Alu-Räder, die es ab 1990 sogar serienmäßig gab. Derweil verwirrten immer neue Sondereditionen die Käufer  der schwächeren Golf-Varianten mit Namen wie Atlanta, Bistro, Boston, Flash, Flair oder Function, um nur einige wenige zu nennen. So wäre es beinahe untergegangen, dass zum Ende der Bauzeit des Golf II noch einmal ein neues Topmodell herauskam: der Golf GTI G60 Syncro mit Allradantrieb. Die logische Konsequenz nach der Erfindung des G-Laders hingegen – nämlich die Kombination mit der 16-Ventil-Technik – blieb eigenartigerweise aus. Zumindest in der Großserie.

Apropos, zwischenzeitlich hatte es VW geschafft, weit mehr als 6,3 Millionen Golf II zu bauen. Längst führte man die Zulassungsstatistik souverän an. Nicht weniger erstaunlich ist die Tatsache, dass 1990 bereits über eine Million GTI verkauft waren. Damit hatte der Golf einer ganzen Generation seinen Stempel aufgedrückt.

 

VW GOLF LIMITED - KRACHER IN KLEINSERIE

Ein echter Golf, der nicht aus Wolfsburg stammt? Doch, so was gibt es. Wenn auch nur 71 Mal. Sein Name: Golf Limited. Jedes einzelne Exemplar ist in Handarbeit zusammengebaut worden – in der Ikarusallee in Hannover. Dort residiert seit Langem die VW-Tochtergesellschaft Volkswagen Motorsport GmbH.

Deren Leiter hieß in den Achtzigern Klaus-Peter Rosorius, und er wollte zeigen, was sich aus dem 1,8-Liter-Motor des GTI 16V rausholen lässt. Dazu baute er den neuen G-Lader an plus Ladeluftkühler. Aus Sorge, es könnte an Traktion mangeln, ergänzte er noch den Allradantrieb aus dem Syncro. Schließlich galt es, 210 PS und 247 Newtonmeter auf die Straße zu bringen.

Am Ende ging das Ding ging wie die Hölle: 6,7 Sekunden auf 100. Mit Äußerlichkeiten hingegen hielt sich Rosorius nicht lange auf. Außer einer tiefen Spoilerlippe und einer eigenartigen blauen Umrandung im Kühlergrill hatte der Golf Limited nicht viel zu bieten. Auf den ersten Blick sah er aus wie ein schlecht gepimpter CL. Dafür gab’s innen gediegenes Leder. Schade, dass dieser Super-Golf so selten blieb.

Hier geht's zum 2. Teil unseres Specials 30 Jahre VW Golf II

TECHNIK
   

GTI 16V
GTI
Antrieb R4-Zylinder; vorn quer eingebaut; 4-Ventiler;
zwei oben liegende Nockenwellen, Zahnriemenantrieb; Gemischbildung: Benzineinspritzung; Bohrung x Hub: 81,0 x
86,4 mm; Hubraum: 1781 cm3; Verdichtung: 10,0:1; Leistung: 102 kW/139 PS bei 6100/min; max. Drehmoment: 168 Nm bei 4600/min; Fünfganggetriebe manuell; Mittelschaltung; Vorderradantrieb
R4-Zylinder; vorn quer eingebaut; 2-Ventiler; eine oben liegende Nockenwelle, Zahnriemenantrieb; Gemischbildung: Benzineinspritzung; Bohrung x Hub: 81,0 x 86,4 mm; Hubraum: 1781 cm3; Verdichtung: 10,0:1; Leistung: 82 kW/112 PS bei 5500/min; max. Drehmoment: 155 Nm bei 3100/min;
Fünfganggetriebe manuell; Mittelschaltung; Vorderradantrieb
Aufbau
+Fahrwerk
Selbsttragende Ganzstahlkarosserie mit zwei oder vier Türen; Radaufhängung vorn: Querlenker, Stabi; hinten: Verbundlenkerachse, Stabi; v./h. McPherson-Federbeine/Federn, Dämpfer; Zahnstangenlenkung; Bremsen: rundum: Scheiben, vorn innenbel.; Reifen: v./h. 185/60 VR 14; Stahl-Räder: v./h. 6J x 14 Selbsttragende Ganzstahlkarosserie mit zwei oder vier Türen; Radaufhängung vorn: Querlenker, Stabi; hinten: Verbundlenkerachse, Stabi; v./h. McPherson-Federbeine/Federn, Dämpfer; Zahnstangenlenkung; Bremsen: rundum: Scheiben, vorn innenbel.; Reifen: v./h. 175/70 HR 13; Stahl-Räder: v./h. 5,5J x 13
Eckdaten L/B/H: 3980/1680/1405 mm; Radstand: 2475 mm; Spurweite v./h.: 1427/1422 mm; Leer-/Gesamtgewicht: 1030/1430 kg; Tankinhalt: 55 l; Bauzeit: 1985 bis 1991; Stückzahl: 186.549; Preis (1986): 25.595 Mark L/B/H: 3980/1680/1405 mm; Radstand: 2475 mm; Spurweite v./h.: 1427/1422 mm; Leer-/Gesamtgewicht: 980/1430 kg; Tankinhalt: 55 l; Bauzeit: 1984 bis 1991; Stückzahl: 415.170; Preis (1984): 21.525 Mark
MESSWERTE1    
0-100 km/h 8,2 s 9,2 s
Höchstgesch. 206 km/h 189 km/h
Verbrauch 9,8 l/100 km 9,1 l/100 km
  ¹ AZ Ausgabe 7/1986 ¹ AZ Ausgabe 14/1984
Marktlage GTI 16V GTI
Zustand 2 7500 Euro 6500 Euro
Zustand 3 4300 Euro 3500 Euro
Zustand 4 1100 Euro 900 Euro
Entwicklung leicht steigend leicht steigend
Definition der Zustandsnoten
TECHNIK
   

GTI G60
LIMITED
Antrieb R4-Zylinder; vorn quer eingebaut, 2-Ventiler; Spirallader (G60) mit Ladeluftkühler; eine oben liegende Nockenwelle, Zahnriemenantrieb; Gemischbildung: Benzineinspritzung; Bohrung x Hub: 81,0 x 86,4 mm; Hubraum: 1781 cm3; Verdichtung: 8,0:1; Leistung: 118 kW/160 PS bei 5800/min; max. Drehmoment: 225 Nm bei 3800/min; Fünfganggetriebe manuell; Mittelschaltung; Vorderradantrieb R4-Zylinder; vorn quer eingebaut;4-Ventiler, Spirallader (G60) mit Ladeluftkühlung; zwei oben liegende Nockenwellen, Zahnriemenantrieb; Gemischbildung: Benzineinspritzung; Bohrung x Hub: 81,0 x 86,4 mm; Hubraum: 1781 cm3; Verdichtung: 8,8:1; Leistung: 153 kW/210 PS bei 6400/min; max. Drehmoment: 247 Nm bei 5000/min; Fünfgang-Getriebe manuell; Mittelschaltung; Allradantrieb
Aufbau
+Fahrwerk
Selbsttragende Ganzstahlkarosserie mit zwei
oder vier Türen; Radaufhängung vorn: Querlenker, Stabi; hinten: Verbundlenkerachse, Stabi, ABS; v./h. McPherson-Federbeine/Federn,
Dämpfer; Zahnstangenlenkung; Bremsen: rundum: Scheiben, vorn innenbel.; Reifen: v./h. 195/50 R 15; Alu-Räder: v./h. 6,5J x 15
Selbsttragende Ganzstahlkarosserie mit vier Türen; Radaufhängung vorn: Querlenker, Stabi; hinten: Verbundlenkerachse, Stabi, ABS; v./h. McPherson-Federbeine/Federn, Dämpfer; Zahnstangenlenkung; Bremsen: rundum: Scheiben, vorn innenbel.; Reifen: v./h. 195/50 R 15; Alu-Räder: v./h. 6,5J x 15
 
Eckdaten L/B/H: 4040/1700/1415 mm; Radstand: 2475 mm; Spurweite v./h.: 1433/1428 mm; Leer-/Gesamtgewicht: 1080/1530 kg; Tankinhalt: 55 l; Bauzeit: 1989 bis 1991; Stückzahl: 19.455; Preis (1989): 35.650 Mark L/B/H: 3985/1680/1395 mm; Radstand: 2475 mm; Spurweite v./h.: 1433/1428 mm; Leer-/Gesamtgewicht: 1270/1640 kg; Tankinhalt: 55 l; Bauzeit: 1989; Stückzahl: 71; Preis (1989): 68.500 Mark
MESSWERTE1    
0-100 km/h 8,3 s 6,7 s
Höchstgesch. 219 km/h 230 km/h
Verbrauch 12,8 l/100 km 14,6 l/100 km
  ¹ AZ Ausgabe 7/1990 ¹ AZ Ausgabe 9/1990
Marktlage GTI G60 LIMITED
Zustand 2 9600 Euro 22.000 Euro
Zustand 3 6000 Euro 15.000 Euro
Zustand 4 2400 Euro k.A.
Entwicklung leicht steigend steigend
Definition der Zustandsnoten

Gerrit Reichel

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