Audi Q3/Hyundai Tucson/Infiniti Q30/VW Tiguan: Test Der Tiguan muss sich beweisen

24.10.2016

Im Vergleichstest muss sich der VW Tiguan (2016) gegen Audi Q3, Hyundai Tucson und Infiniti Q30 behaupten. Alle vier Kompakt-SUV treten mit Benziner und Allradantrieb an.

Kompakt-SUV wie Audi Q3, Hyundai Tucson, Infiniti Q30 und VW Tiguan werden gerne als Selbstzünder gekauft, aber auch die Benziner haben ihre Berechtigung – gerade für SUV-Fans mit eher niedrigeren Jahreskilometerleistung. In diesem Vergleichstest stellt sich der neue VW Tiguan 2.0 TSI mit 180 PS, 7-Gang-DKG und Allradantrieb 4Motion drei scharfen Konkurrenten und muss zeigen, ob er auch die Herzen Fahrspaß-orientierter Kunden erobern kann. Zum Vergleich stellen sich der mit gleichem Motor ausgerüstete Audi Q3 2.0 TFSI quattro, der 177 PS starke Hyundai Tucson 1.6 Turbo 4WD und der Infiniti Q30 2.0t AWD mit 211 PS. Basierend auf dem Mercedes GLA, versteht sich der unkonventionelle Premium-Crossover als besonders dynamische Alternative zu den etablierten und deutlich höher bauenden Kraxlern der Konkurrenz.

VW Tiguan im Video:

 

VW Tiguan im Test gegen Q3, Tucson und Q30 an

Die wuchtig auftretenden Allradler Hyundai Tucson und VW Tiguan bieten in diesem Vergleich die mit Abstand großzügigsten Innenräume. Der Audi Q3 und erst recht der Infiniti Q30 stellen weder vorn noch hinten ähnlich viel Platz für ihre Passagiere zur Verfügung. Ähnliches gilt für die Kofferräume. Vor allem das Gepäckabteil des Tiguan ist mit 615 bis 1655 Liter Stauraum für nahezu alle normale bis anspruchsvollere Transportaufgabe geeignet, zumal er mit einer Zuladung von 569 Kilogramm auch die größte Masse an Gepäck mit auf die Reise nehmen darf. Zudem trumpft der solide verarbeitete VW in Sachen Variabilität groß auf. So bietet er als einziger in diesem Test eine verschiebbare Rückbank sowie eine umlegbare Beifahrersitzlehne. Darüber hinaus verfügt der VW über das modernste Cockpit, das sich auf Wunsch mit einem digitalen Kombiinstrument sowie einem Head-up-Display ausrüsten lässt. Letzteres ist jedoch ein eher vernachlässigbares Extra, da die ausfahrbare Scheibe, auf die das System die Informationen projiziert, nur unwesentlich höher im Sichtfeld des Fahrers liegt als das Kombiinstrument. An der Bedienung sowie der Sicherheitsausstattung gibt es hingegen nichts zu kritisieren. In beiden Disziplinen ist der VW, der als einziger mit einem Stauassistenten oder einem Anhänger-Rangierassistenten zu haben ist, nicht zu schlagen.

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Audi Q3 merkt man das Alter an

Ebenfalls eine sehr gute Bedienbarkeit weist der Hyundai Tucson auf. Sämtliche Schalter sind eindeutig beschriftet, und auch das Infotainment nervt nicht mit unübersichtlichen Menüs. Einziger kleiner Kritikpunkt: Die Drehregler der Multimedia-Einheit ragen nur wenig aus der Blende heraus, was deren Handling etwas erschwert. Nichts zu bemängeln gibt es dafür an der Verarbeitungsgüte. Anhand der sehr ordentlichen Machart wird sichtbar, mit welch riesigen Schritten die Koreaner  auf die Konkurrenz aufholen. Dem seit 2011 angebotenen Audi Q3 merkt man das Alter im Innenraum allmählich an. Die eigentümlich hohe Sitzposition sowie das angestaubte MMI-Bediensystem geben dezente Hinweise darauf, dass der Ingolstädter nicht mehr das taufrischeste Kompakt-SUV ist. In Sachen Materialanmutung und Verarbeitung macht dem Q3 aber immer noch keiner etwas vor. Doch auch der Infiniti Q30 ist innen durchaus edel gemacht und verwöhnt seine Fahrgäste mit schicken Materialien und sorgfältiger Verarbeitung. Dazu trägt der Q30 seine Verwandtschaft zum GLA unverhohlen zur Schau. So finden sich im Japaner einige aus der A-Klasse beziehungsweise dem GLA bekannte Bedienelemente wieder. Die Steuerung der Multimedia-Einheit über einen zentralen Dreh-Drück-Steller ist jedoch eine Infiniti-eigene Lösung, die nach kurzer Eingewöhnung locker von der Hand geht. Auch erfreulich: Die serienmäßige Sicherheitsausstattung ist umfangreich und beinhaltet unter anderem einen Spurhalteassistenten, einen Notbremsassistenten sowie LED-Scheinwerfer mit adaptiver Kurvenfunktion.

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Test: VW Tiguan und Hyundai Tucson mit viel Komfort

Der VW Tiguan bestreitet den Test mit dem optionalen adaptiven Dämpfersystem DCC, das für 1045 Euro bestellt werden kann. Eine durchaus sinnvolle Investition, denn damit überspielt der neue Bestseller alle Arten von Unebenheiten mühelos. Beeindruckend ist ferner, wie groß die Reserven der Federung bei voller Beladung sind. Eine Empfehlung sind ferner die zur Ausstattung Highline gehörenden Top-Komfortsitze, die überaus bequem gepolstert sind. Allerdings könnte die Lehne der Tiguan-Rückbank mehr Kontur aufweisen – so, wie es etwa beim Hyundai Tucson der Fall ist. Doch dies ist bei weitem nicht der einzige Vorzug des Koreaners, der zudem trotz konventioneller Feder-/Dämpfer-Elemente einen sehr guten Federungskomfort bietet. Der Asiate liegt auf der Autobahn ruhig und satt. Fahrbahnschäden pariert seine Federung mit großer Gelassenheit. Dazu beruhigt sich die Karosserie des Hyundai Tucson nach Anregungen blitzartig wieder. Allerdings stößt er mit maximal zulässiger Beladung eher an seine Grenzen als etwa der VW Tiguan oder der Audi Q3. Dafür verwöhnt der Tucson seine Fahrgäste mit Oberklasse-Klimatisierungsoptionen, darunter etwa eine Sitzheizung für die Fondpassagiere oder eine Belüftung der Vordersitze. Den besten Sitzkomfort in Reihe eins offeriert dennoch der Audi Q3, dessen optionale Sportsitze nicht nur sehr bequem gepolstert sind, sondern den Körper bei schneller Kurvenfahrt wirkungsvoll abstützen. Wie der Tiguan ist auch der Ingolstädter Testwagen mit adaptiven Dämpfern unterwegs. Damit erreicht das kompakte Premium-SUV ähnliche Federungseigenschaften wie der VW – auch wenn es grundsätzlich eine Spur straffer abgestimmt ist. Der Infiniti Q30 fällt im Bereich Federungskomfort hingegen hinter die Konkurrenz zurück. Freundlich ausgedrückt: Das Fahrwerk lässt die Passagiere zu keinem Zeitpunkt darüber im Unklaren, wie es um die Beschaffenheit der Fahrbahnoberfläche bestellt ist. Auch beim Sitzkomfort müssen gerade auf den hinteren Plätzen leichte Abstriche gemacht werden. Den Vordersitzen – abermals eine Leihgabe von Mercedes – fehlt es zudem im oberen Rückenbereich an Seitenhalt.

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Testkandiat Infiniti Q30 mit gutem Handling

Als der talentierteste Stürmer des Quartetts erweist sich der Infiniti Q30, der mit einem 211 PS starken Vierzylinder-Turbo samt Siebengang-DKG ausgerüstet ist. Vor allem über die Landstraßenmarke von 100 km/h hinausgehend fährt er einen Vorsprung auf seine Verfolger heraus. Und da der Infiniti mit 238 km/h den höchsten Topspeed erreicht, ist ihm der Sieg im Motor-Kapitel nicht mehr zu nehmen. Dahinter sortieren sich der Audi Q3 und der neue VW Tiguan ein, die beide vom gleichen 2,0 Liter großen Turbo-Vierzylinder mit 180 PS befeuert werden. Der Tiguan profitiert von seinem günstigeren Verbrauch. Zusammen mit dem Infiniti erweist er sich als das genügsamste SUV im Test. 9,0 Liter verbrennen die beiden auf 100 Kilometer. Der Audi konsumiert auf derselben Distanz einen halben Liter mehr Kraftstoff. Beim Beschleunigen muss sich der Tiguan jedoch seinem Konzernbruder knapp geschlagen geben. Und auch die Endgeschwindigkeit liegt neun km/h unter der des Q3. Der im Stand flüsterleise laufende Vierzylinder-Turbo des Hyundai Tucson muss zwar mit 1,6 Liter Hubraum auskommen, der Leistungsnachteil gegenüber dem Audi und VW beträgt aber nur eher vernachlässigbare drei PS. Dementsprechend befindet sich der Asiate von den Fahrleistungen her auf Augenhöhe mit den deutschen Kontrahenten. Allerdings ist er mit einer Endgeschwindigkeit von 202 km/h der langsamste. Auf unserem Handlingkurs weist der Infiniti Q30 seine Gegner in die Schranken. Auf das bei dieser Prüfung langsamste Kompakt-SUV im Bunde, den VW Tiguan, fährt er einen Vorsprung von satten fünf Sekunden heraus, was freilich zum Teil auf das Konto des kraftvollen Motors geht. Aber auch sonst gibt der Q30 fahrdynamisch eine gute Figur ab, bremst auf dem gleichen hohen Niveau wie seine Wettstreiter und läuft nahezu stoisch geradeaus. Den Sieg im Fahrdynamik-Kapitel holt sich dennoch der Audi Q3. Neben dem kürzesten Bremsweg kalt sind dafür die angenehm direkte Lenkung sowie die ausgeprägte Fahrsicherheit verantwortlich. Letztere wird durch sanft eingreifende Regelsysteme sowie die hervorragende Traktion geprägt. Der VW Tiguan glänzt ebenfalls mit sicherem Fahrverhalten. Neutral durcheilt der Wolfsburger alle Arten von Kehren. Allerdings kommt angesichts des eher trägen Einlenkverhaltens und der um die Mittellage recht indirekten Lenkung nicht so richtig Fahrfreude beim Kurvenräubern auf. Mit seinem fast schon leichtfüßigen Handling begünstigt der Hyundai forsches Kurvenfahren – auch wenn seine leichtgängige Lenkung die größten Bewegungen vom Fahrer verlangt. Ansonsten glänzt auch der Koreaner mit ausgeprägter Fahrsicherheit.

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Der Test-Tucson überzeugt mit günstigem Preis

Das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bietet einmal mehr der Hyundai Tucson, der ab 29.550 Euro zu haben ist. Allerdings setzen einige Extras die deutlich teureren höheren Ausstattungslinien voraus oder sind nur in kostspieligen Paketen enthalten. Konkurrenzlos sind hingegen die Garantieleistungen der Koreaner. Am anderen Ende des Feldes rangieren die beiden Premium-Modelle von Audi und Infiniti. Doch während der Q30 für 40.290 Euro nahezu in Vollausstattung vorfährt, kann der Grundpreis des Q3 (36.700 Euro) durch viele interessante wie teure Optionen noch deutlich in die Höhe getrieben werden. Gleiches gilt für den VW Tiguan, dessen Grundpreis aber gut 2000 Euro niedriger liegt. Das Gesamt-Fazit finden Sie unterhalb der Tabellen mit technischen Daten und Messwerten.

Technische Daten Audi Q3
2.0 TFSI quattro
Hyundai Tucson
1.6 T-GDI 4WD
Zylinder/Ventile p.Z. R4/4; Turbo R4/4; Turbo
Nockenwellenantrieb Kette Kette
Hubraum 1984 cm³ 1591 cm³
Leistung
bei
132 kW/180 PS
4000 - 6200 /min
130 kW/177 PS
5500 /min
Max. Drehmoment
bei
320 Nm
1400 - 6200 /min
265 Nm
1500 – 4500 /min
Getriebe 7-Gang,
Doppelkupplung
6-Gang,
manuell
Antrieb Allrad,
permanent
Allrad,
permanent
L/B/H in mm 4388/1831/1590 4475/1850/1650
Gepäckraum 460 – 1365 l 513 – 1503 l
0-100 km/h 7,3 s 8,4 s
Höchstgeschw. 217 km/h 202 km/h
100-0 km/h
kalt/warm
34,3 / 33,8 m 35,0 / 34,9 m
Handling 1:51,3 min 1:52,7 min
Testverbrauch 9,5 l S/100 km 9,3 l S/100 km
Grundpreis 36.700 Euro 29.550 Euro
Platzierung 3 2
Technische Daten Infiniti Q30
2.0t AWD
VW Tiguan
2.0 TSI 4Motion
Zylinder/Ventile p.Z. R4/4; Turbo R4/4; Turbo
Nockenwellenantrieb Kette Kette
Hubraum 1991 cm³ 1984 cm³
Leistung
bei
155 kW/211 PS
5500 /min
132 kW/180 PS
3940 – 6000 /min
Max. Drehmoment
bei
350 Nm
1200 - 4000 /min
320 Nm
1500 – 3940 /min
Getriebe 7-Gang,
Doppelkupplung
7-Gang,
Doppelkupplung
Antrieb Allrad,
permanent
Allrad,
permanent
L/B/H in mm 4425/1805/1495 4486/1839/1643
Gepäckraum 368 – 1223 l 615 – 1655 l
0-100 km/h 7,2 s 7,6 s
Höchstgeschw. 235 km/h 208 km/h
100-0 km/h
kalt/warm
34,6 / 34,2 m 34,5 / 33,7 m
Handling 1:48,8 min 1:53,8 min
Testverbrauch 9,0 l S/100 km 9,0 l S/100 km
Grundpreis 40.290 Euro 34.450 Euro
Platzierung 4 1

Unser Fazit

Der neue VW Tiguan weist seine Kontrahenten in diesem Vergleichstest in die Schranken, weil er sich nirgendwo eine eklatante Schwäche erlaubt. Darüber hinaus sichern ihm die üppigen Platzverhältnisse sowie die besten Komforteigenschaften einen Vorsprung. Sehr guter Zweiter wird der Hyundai Tucson. Ein üppiges Platzangebot, tadellose Fahreigenschaften und die immer noch sozialverträglichen Preise kennzeichnen den Koreaner. Der Routinier im Quartett, der Audi Q3, kommt auf dem dritten Rang ins Ziel. Seine überragende Verarbeitungsgüte sowie das agile Handling machen ihn immer noch zu einem sehr begehrenswerten Kompakt-SUV. Der Infiniti Q30 wird zwar Letzter, dennoch ist er mehr als nur eine Alternative für Nonkonformisten. Er bereitet dank seines kraftvollen wie effizienten Antriebes viel Fahrfreude, und im Innenraum verströmt der Japaner elegantes Premium-Flair. Wenn er doch nur nicht so eng und teuer wäre ...

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