VW Scirocco vs. Ford Focus ST Ein Fall für Zwei

25.10.2008

Kaum dreht der neue 200-PS-Scirocco seine ersten schnellen Runden, hat er einen auffälligen Verfolger am Hals. Der Ford Focus ST kommt zum Sportfest

Nix mit ungestörter erster Ausfahrt, nix mit lockerer Runde in südlicher Sonne. Kaum ist der neue Wolfsburger Volkssportler auf der Piste, taucht dieser orangene Kracher von Ford auf. Kann kein Zufall sein, ist es auch nicht. Fertigmachen zum ersten Sportfest, Freund Scirocco.

Erste Disziplin: Glanz und Glimmer. Hier macht der Wolfsburger Flachmann – 9,3 Zentimeter niedriger als der Ford – mehr her: eindeutige Sportler-Proportionen, auffällige Muskelstränge, endlos langes Dach, schwarzglänzende Scheinwerfergehäuse, grimmig bespoilerter Abgang. Auch der giftige Metallic-Lack knallt gut, kostet allerdings 480 Euro extra.

Da muss sich der Ford kräftig aufpumpen, um davon abzulenken, dass er eigentlich eine dreitürige Kompaktlimousine ist. Mit fettem Gittergrill, Dachspoiler, krawalligem Heckdiffusor, Tieferlegung, abgedunkelten Seitenscheiben und einer Lackierung in aggressivem Electric-Orange (1230 Euro) gelingt ihm das aber ganz gut.
Drinnen ist die Lage ähnlich. Im Scirocco geht es zu wie im Sportstudio: Rundum schickes Styling, Instrumente in coolem Schwarz, abgeflachtes Sportlenkrad und herrlich passgerechte Sportsitze mit feinen Ziernähten.

Mit und ohne Startknopf
Sogar hinten gibt es sportlich-rustikal geformte Einzelplätze, deren Lehnen geteilt klappbar sind. Die geschmeidigen Lederbezüge in Titanschwarz kosten aber Aufpreis (2010 Euro), auch das Panorama-Ausstelldach (975 Euro). Die Kommandozentrale des Ford zeigt nicht ganz so viel Red Bull: Karbon-Optik in der Mittelkonsole, Aluminum-Optik und Alu-Pedale.

Nette Einlage: Auf dem Armaturenbrett gibt es drei zusätzliche, dem Fahrer zugewandte Rundinstrumente für Ladedruck, Öldruck und Öltemperatur. Behelfsmäßig wirkt nur der nachträglich für Sportsgeist implantierte Startknopf – er sitzt unten in der Mittelkonsole, das normale Focus-Schlüsselloch am Lenkrad überdeckt eine schnöde Kunststoffplatte. Dann lieber den klassischen Zündschlüssel wie im Scirocco. Aber die (Recaro-)Sportsitze des ST verdienen ein Loblied: große Flächen, beste Passform. Nur ist die Sitzposition für Großgewachsene trotz niedrigster Einstellung etwas unsportlich hoch.

Beim Platznehmen im VW fällt uns dann auf, dass dieses Auto spürbar körpernäher geschnitten ist als der ST: vorn passend und anschmiegsam, aber hinten reicht die Kopffreiheit nur für Mitfahrer bis gut1,80 Meter. Und der kleine Laderaum ist kein Fall für große Hartschalenkoffer. Muss ja auch nicht, Sportler tragen lieber bunte Trainingstaschen. Andererseits bietet der Focus ST wirklich überall mehr Bewegungsfreiheit, und sein Laderaum taugt notfalls auch für den Familienurlaub. Für Nichtsportler wäre noch zu erwähnen, dass im Scirocco die Sicht nach hinten, nun ja, gewöhnungsbedürftig ist. Das liegt an den schmalen hinteren Seitenfenstern, den breiten C-Säulen und seiner schicken flachen Heckscheibe. Nächste Disziplin: Sound und Power. Auch hier unterscheiden sich die beiden Dynamiker auffällig.

Oben mit Trompeten
Der Wolfsburger ficht mit feinerer Klinge: Er klingt bei niedrigen Drehzahlen noch sehr sittsam, erst ab 4500 Touren setzen die Trompeten ein. Sein moderner vierzylindriger Benzindirekteinspritzer verkörpert die neue, zeitgemäße Sportlinie, er läuft und schiebt sehr effektiv und geschmeidig – mit dem relativ leichten Auto hat er jederzeit leichtes Spiel. Gefühlte Power? Mehr als im Golf GTI.

Zum Zweiliter-Turbo passt das sechsgängige Doppelkupplungsgetriebe (DSG) unseres Testwagens, das die Gänge im Nullkommanichts-Stakkato, ohne Zugkraftunterbrechung und genau im richtigen Moment wechselt. Die 1750 Euro Aufpreis sind hier gut angelegt, zumal es ja auch die Chance zum Handeingriff gibt. Über griffige Wippen am Lenkrad oder per Schalthebel.

Für den EU-Normverbrauch dieses 200-PS-Autos machen die Wolfsburger eine ökologisch vorbildliche Ansage: nur 7,6 Liter Superbenzin pro 100 Kilometer. Der erste Test wird uns demnächst zeigen, wie dicht das an der Realität liegt.

Und Freund Ford? Sein fünfzylindriger klassischer Turbo, der mal von Volvo kam, grollt schon beim Anlassen ganz gewaltig. Ungefähr so, wie sich das klassische PS-Junkies immer vorstellen. Er könnte zwar etwas zügiger ansprechen, geht aber sonst wirklich gut, schon ab 1600 Touren gibt es hier das volle Drehmoment. Im Alltag dürfte den ST allerdings sein hoher Verbrauch (Werksangabe: 9,3 Liter Super) häufig zum teuren Boxenstopp zwingen. Was in diesem Fall nicht nur mit dem Motor, sondern auch mit dem Gewicht zu tun hat – der Focus ST liegt beim offiziellen Leergewicht 144 Kilo über dem Scirocco.

Auch bei der Disziplin Spaß und Sport sind die Unterschiede mehr als Geschmackssache: Zwar lieben beide Fronttriebler schnelle Kurven, und beide erlauben hohe Querdynamik. Zackiges Einlenken, heißes Handling, sichere Linien.

Sport macht Spaß
Doch beim Scirocco wirkt alles einen Tick schärfer, präziser, und das dürfte speziell an der größeren Spurweite und seinem tieferen Schwerpunkt liegen. Freude macht auch seine adaptive Fahrwerksregelung (DCC), die es für die Zuzahlung von 925 Euro gibt. Per Knopfdruck lassen sich die Programme Comfort, Normal oder Sport wählen, generell wird die Dämpfung ständig der Fahrbahn und Fahrsituation angepasst, und mit unserem Lieblingsprogramm Sport wird sie spürbar straffer. Parallel dazu sinkt die Servohilfe der sensiblen elektromechanischen Lenkung, die nun außerdem noch direkter arbeitet. Richtig, jetzt wird der Asphalt porentief abgetastet.

Doch der Kölner lässt sich nicht so leicht abhängen, sein ST-Sportfahrwerk ist über die Jahre gut gereift, auch die serienmäßigen 18-Zoll-Räder zeigen Wirkung. Die 18-Zoll-Ausstattung des Scirocco-Testautos mit den schicken Interlagos-Alurädern kostet 410 Euro Aufpreis – serienmäßig gibt es für den VW nur 17-Zöller.

Auf Wunsch und gegen 540 Euro Bares gibt es im Scirocco noch was Feines auf die Ohren: ein 300-Watt-Soundsystem vom dänischen Klangspezialisten Dynaudio mit acht Lautsprechern, acht Endstufen und digitalem Soundprozessor für Echtzeit-Aussteuerung. Was uns zur Disziplin Preis und Wert bringt. Für 25.550 Euro offeriert VW den Einstieg in den Top-Scirocco – mit Sechsgang-Schaltgetriebe, Lederlenkrad, Sportsitzen, halbautomatischer Klimaanlage, elektrischen Fensterhebern und mehr. Ein klarer Kampfpreis, denn – welch ein Zufall – der ähnlich ausgestattete Ford Focus ST (Dreitürer) kostet 25.500 Euro. Und jetzt dürfen Sie sich entscheiden.

Fazit

Das sind zwei ziemlich unterschiedliche Charakterköpfe. Der Scirocco spielt den schlanken und smarten, für alle Lebenslagen geeigneten Sportler. Besonders, wenn die adaptive Fahrwerksregelung an Bord ist. Der dynamische Flachmann passt wie ein Maßschuh, und seine Kurvenkünste sind vielversprechend.

Der Focus ST dagegen haut so drauf, wie seine Leuchtfarbe signalisiert. Sein hubraumgrößerer Fünfzylinder klingt aufregender und bietet etwas mehr Power, dürfte aber den monatlichen Kraftstoffetat deutlich mehr strapazieren. Klar: Auch der Kölner ist ein scharfes Messer, reizt ständig zum Gasgeben, optisches Understatement ist hier Fehlanzeige. Seine höhere Karrosse hat mehr Platz, aber auch mehr Limousinen-Stil.

Technische Daten
Motor 
Zylinder4-Zylinder, 4-Ventiler, Turbo
Hubraum1984
Leistung
kW/PS
1/Min

147/200
5100 U/min
Max. Drehmom. (Nm)
bei 1/Min
280
1700 U/min
Kraftübertragung 
Getriebe6 Gang manuell
AntriebFrontantrieb
Fahrwerk 
Bremsenv: innenbel. Scheiben
h: innenbel. Scheiben
Bereifungv: 225/45 R 17
h: 225/45 R 17
Messwerte
Gewichte (kg) 
Leergewicht (Werk)1298
Beschleunigung/Zwischenspurt 
0-100 km/h (s)7.2
Höchstgeschwindigkeit (km/h)235
Verbrauch 
Testverbrauchk.A.
EU-Verbrauch7.6l/100km (Super)
Reichweitek.A.
Abgas-Emissionen 
Kohlendioxid CO2 (g/km)k.A.

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