VW Scirocco SL & Opel Manta 1.9 S im Vergleich: Bilder und technische Daten Zwei Wege - ein Ziel

12.11.2013

Mit VW Scirocco I und Opel Manta B treten zwei Coupés mit 85 und 90 PS, aber völlig unterschiedlicher Technik, zum Duell an. Teil I unseres Markenvergleiches

Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Sportcoupés waren in den 70er-Jahren groß in Mode. Opel Manta und Ford Capri lösten eine wahre Coupé-Euphorie aus und kämpften erfolgreich um die Käufer. 780.000 Capri der ersten Generation und rund 500.000 Manta A liefen von 1969 an vom Band. Da wollte VW nicht nachstehen. 1974 stellten die Wolfsburger parallel zum neuen Golf ein keilförmiges Coupé mit einem stürmischen Namen vor: Der Scirocco sorgte für frischen Wind im Coupé-Markt.

Und fortan folgte dem Duell Golf gegen Kadett der Zweikampf Scirocco gegen Manta. Das Wolfsburger Sportcoupé musste ab Ende 1975 nicht mehr gegen den optisch attraktiven Manta A, sondern gegen den erwachsen gewordenen Manta B antreten. Und der entwickelte sich nicht nur zu einem der erfolgreichsten Sportmodelle, sondern mit seiner Bauzeit von 1975 bis 1988 auch zum Opel-Typ mit der längsten Produktionsspanne. Scirocco und Manta waren direkte Konkurrenten in der Coupé-Klasse, doch unter dem attraktiven Blechkleid der beiden findet sich höchst unterschiedliche Technik. Während Opel auch beim Manta B auf die bewährte Konzeption Frontmotor, Heckantrieb und separater Kofferraum setzte, kleideten die VW-Techniker die völlig neue und noch nicht ausgereifte Golf-Technik – bestehend aus quer eingebautem Motor und Frontantrieb – mit einer von Star-Designer  Giugiaro  entworfenen und in Wolfsburg optimierten Coupé-Karosserie mit Kombiheck ein.

 

MEHR VON ALLEM FÜR DEN MANTA

Mehr Raum, mehr Glas, mehr Komfort lauteten die Vorgaben bei der Gestaltung des Manta B, der 1975 den heute schon legendären Manta A ablöste. „Rückzug aus der Kompaktklasse“ war damals in der AUTO ZEITUNG zu lesen. Der Manta B wurde größer, funktioneller, auch „limousiniger“. Was zunächst die eingefleischten Manta A-Fans enttäuschte, erwies sich aus Sicht der Modellplaner als richtig. Denn die Coupé-Konkurrenz wuchs Anfang der 80er-Jahre mit. Die Rechteckscheinwerfer und der geschlossene Grill ließen den Manta B etwas zahmer erscheinen und reduzierten die vom Vorgänger ausgestrahlte Dynamik. Auch innen geht es im Sportcoupé aus Rüsselsheim im Cockpit eher sachlich, aber dafür großzügig zu.

Die Verwandtschaft zum Ascona ist unübersehbar. Die feinen Velourspolster gehörten zum Lieferumfang der noblen Berlinetta-Ausstattung, die Opel beim Manta A unter dem Namen Berlina im Programm hatte und die 770 Mark Aufpreis kostete. Opel baute in den Manta B insgesamt 13 verschiedene Motoren von 55 bis 110 PS und von 1,2 bis 2,0 Liter Hubraum ein. Das populärste und ausgewogenste Aggregat war der bewährte 1,9 Liter S mit 90 PS. Damit war der Opel 169 km/h schnell und beschleunigte in 12,3 Sekunden auf 100 km/h. Als Testverbrauch ermittelte die AUTO ZEITUNG 13,5 l/100 km. Für Youngtimer-Freunde ist die im Manta verbaute und in vielen Modellen bewährte Großserientechnik heute ein Segen. Denn Reparaturen sind so erschwinglich und Ersatzteile aus dem Opel-Baukasten noch gut erhältlich. Der VW Scirocco war eine Sensation und deshalb schon als so genannter Erlkönig der AUTO ZEITUNG im Herbst 1973 ein Titelbild wert.

Die große und flache Motorhaube, die leicht ansteigende Keilform mit dem typischen Heckfenster und den breiten C-Säulen sowie das markante Heck mit der spoilerähnlichen Abrisskante verschaffen dem Scirocco I bis heute ein unverwechselbares Erscheinungsbild. So ein leicht wirkendes Sportcoupé hatte man den Wolfsburgern nach der Käfer-Lethargie nicht zugetraut. Innen ist der Scirocco mit dem Golf in vielen Details identisch, was aber bei Gestaltung und Funktion kein Nachteil ist. Die tiefere Sitzposition und die flachere Karosserie ergeben jedoch ein völlig anderes Fahrgefühl als im Golf. 1980 legte VW eine Sonderserie mit Namen Scirocco SL auf. Innen ist sie an den GTI-ähnlichen Sitzen und dem Sportlenkrad zu erkennen. Außen ist die „SL“-Folie nicht zu übersehen. Die Doppelscheinwerfer waren je nach Modell mit Halogen-Einsätzen bestückt. Der Scirocco wurde wie der Golf von modernen, zum Teil neu entwickelten Vierzylindern angetrieben, die vorne quer eingebaut waren. Die Leistungspalette begann bei 1,1 Liter und 50 PS. 70 PS, 75 PS und 85 PS starke Motoren mit 1,5 und 1,6 Liter Hubraum folgten. Als Topmodell brachte VW den Scirocco GTi mit dem 110-PS-Einspritzmotor. Der hier vorgestellte Scirocco SL ist mit einem 85-PS-Aggregat bestückt, was ihn 171 km/h schnell macht und eine Beschleunigung von null auf 100 km/h in 11 Sekunden ermöglichte.

Der seinerzeit von der AUTO ZEITUNG gemessene Testverbrauch betrug 10,4 l auf 100 Kilometer. Bis zur Vorstellung des Manta CC mit Kombiheck Ende 1978 gab es den Sport-Opel nur mit der klassischen Heckpartie mit Kofferraumdeckel. Der Scirocco mit seiner serienmäßigen Heckklappe war hier klar im Vorteil. Und noch etwas machte den Wolfsburger sehr attraktiv: Sein mit 830 Kilogramm extrem niedriges Gewicht. Damit war er dem 1000 Kilo schweren Manta in der Beschleunigung, beim Verbrauch, vor allem aber im Handling überlegen. Obwohl der Manta B ein souveräner, gutmütiger Quertreiber ist, bereitet der quirligere und leichtfüßigere Scirocco einfach mehr Fahrspaß. Der extreme Leichtbau des VW hat aber einen Nachteil: Die Opel Manta B sind insgesamt stabiler gebaut und weniger rostanfällig wie die Scirocco-Modelle der ersten Jahre. Und somit für Youngtimer-Fans die bessere Empfehlung. Wenn zwei sich streiten: Der VW Scirocco sorgte als Dritter im Bunde der massentauglichen Coupés nach Opel Manta und Ford Capri auch wirtschaftlich für Freude. Denn er wurde von 1974 bis Ende 1980 bei Karmann insgesamt 504.153 Mal produziert.

VW Scirocco SL: Daten und Fakten
Antrieb
R4-Zylinder; vorn quer eingebaut; 2-Ventiler; eine obenliegende Nockenwelle, Zahnriemenantrieb; ein Fallstrom-Registervergaser Solex 2B2;
Bohrung x Hub: 79,5 x 80 mm; Hubraum: 1588 cm3; Verdichtung: 8,2:1; Leistung: 63 kW/85 PS bei 5600/min; maximales Drehmoment: 125 Nm bei 3800/min; Viergang-Getriebe; Mittelschaltung; Vorderradantrieb
Aufbau und Fahrwerk
Selbsttragende Stahlblechkarosserie mit zwei Türen und Heckklappe; Radaufhängung vorn: Mc Pherson-Federbeine, Dreieckslenker, Stabilisator; hinten: Verbundlenkerachse, Federbeine, Längslenker; Zahnstangenlenkung; Bremsen: v./h.Scheiben/Trommeln; Reifen:175/70 SR 13; Aluräder: 5 x 13
Fahrleistungen¹
Beschleunigung: 0 auf 100 km/h in 11,0 s; Höchstgeschwindigkeit: 171 km/h; Verbrauch: 10,4 l / 100 km
Eckdaten
L/B/H: 3885/1625/1295 mm; Radstand: 2400 mm; Spurweite v./h.:1390/1358 mm; Leer-/Gesamtgewicht: 830/1210 kg; Tankinhalt: 45 l; Bauzeit: 1974 bis 1980 ; SL nur 1980; Stückzahl: (alle) 504.513; Preis SL (1980): ca. 16.500 Mark
¹ AZ 24/1979


MARKTLAGE

Zustand 2: 6500 Euro
Zustand 3: 3600 Euro
Zustand 4: 1500 Euro
Wertentwicklung: steigend

Opel Manta 1.9 S: Daten und Fakten
Antrieb
R4-Zylinder; vorn längs eingebaut; 2-Ventiler; eine hochliegende Nockenwelle (CiH), Kettenantrieb; ein Registervergaser Zenith 35/40 INAT; Bohrung x Hub: 93,0 x 69,8 mm; Hubraum: 1897 cm3; Verdichtung: 8,8 : 1; Leistung: 66 kW/90 PS bei 4800/min; maximales Drehmoment: 149 Nm bei 3800/min; Viergang-Getriebe; Mittelschaltung; Hinterradantrieb
Aufbau und Fahrwerk
Selbsttragende Stahlblechkarosserie mit zwei Türen; Radaufhängung vorn: Doppelquerlenker, Schraubenfedern, Stabilisator; hinten: Starrachse, Längslenker, Panhardstab, Schraubenf.; v./h. Stoßdämpfer; Zahnstangenlenkung; Bremsen: v./h. Scheiben/Trommeln; Reifen: 185/70 SR 13; Stahlräder: 5 1/2 x 13
Fahrleistungen¹
Beschleunigung: 0 auf 100 km/h in 12,3 s; Höchstgeschwindigkeit: 169 km/h; Verbrauch: 13,5 l / 100 km
Eckdaten
L/B/H: 4445/1670/1340 mm; Radstand: 2518 mm; Spurweite v./h.: 1384/1389 mm; Leer-/Gesamtgewicht: 1000/1370 kg; Tankinhalt: 50 l; Bauzeit: 1975 bis 1988; Stückzahl: 534.634; Preis (1977): 14.540 Mark
¹ AZ 7/1977


MARKTLAGE

Zustand 2: 6800 Euro
Zustand 3: 4500 Euro
Zustand 4:   900 Euro
Wertentwicklung: steigend

Werner Müller

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