VW Scirocco 2.0 TSI BMT vs. BMW 228i Coupe: Kompaktsportler-Vergleich Volks-Sportler

30.09.2014
Inhalt
  1. KAROSSERIE
  2. FAHRKOMFORT
  3. MOTOR/GETRIEBE
  4. FAHRDYNAMIK
  5. UMWELT/KOSTEN
  6. FAZIT
  7. Technische Daten & Gesamtbewertung als PDF zum nachlesen

Sie suchen einen kompakten Sportler mit mehr als 200 PS für überschaubares Geld? Da gäbe es das BMW 228i Coupé und den VW Scirooco 2.0 TSI

Satte 220 PS arbeiten unter der Haube des frisch überarbeiteten VW Scirocco 2.0 TSI, 245 Pferde scharren im noch taufrischen BMW 228i Coupé mit den Hufen und wollen auf die Hinterräder losgelassen werden. Welcher der beiden Volkssportler bietet den größeren Fahrspaß und meistert gleichzeitig gekonnter den Alltag? Vergleichstest

 

KAROSSERIE

BMW pflegt im 2er die klassische Coupé-Linie

Dass der Scirocco ein Facelift verpasst bekam, dürfte nur absoluten Enthusiasten auffallen. Trotz neu gestalteter Schürzen und Scheinwerfer ist der Wolfsburger auf den ersten Blick ganz der Alte. Das neue BMW 2er Coupé lenkt hingegen schon eher die Blicke der anderen Verkehrsteilnehmer auf sich, besonders in Verbindung mit dem M Sportpaket sieht der kleine Bayer richtig knackig aus.

Im Innenraum belassen es die Münchner allerdings beim M Lenkrad samt extra dickem Kranz und einigen optischen Details, ansonsten gibt es hier bekannte 1er-Kost. Auch das Scirocco-Interieur kann mit dem rassigen Karosseriekleid des VW nicht ganz mithalten, da ändern die jetzt serienmäßigen Zusatzinstrumente als Hommage an den Ur-Scirocco wenig.

Leider hat es VW versäumt, im Zuge der Überarbeitung die neue Infotainment-Generation in den Scirocco einziehen zu lassen, denn mit dem bereits aus dem Golf VI bekannten System kommt er an den 2er nicht mal ansatzweise heran. Der bietet – wenn auch gegen Aufpreis – von der Online-Musiksammlung über aktuelle Nachrichten und unzählige Apps bis hin zum Concierge-Service alles, was man unter dem Begriff Konnektivität derzeit so versteht. Besser geht es nicht, und auch das iDrive-Bediensystem mit der praktischen Touch-Fläche macht deutlich, dass der BMW dem VW hier mindestens einen Schritt voraus ist.

Beim Blick auf die Sicherheitsausstattung und speziell auf die Assistenten wird ebenfalls klar, dass der 2er das neuere Auto ist. Spurhalteassistenten, Abstandswarner oder Tempolimit-Scanner, all das gibt es nur in der BMW-Aufpreisliste.Und wie ist es um die Platzverhältnisse und die Variabilität in den beiden Kompaktsportler bestellt?

Der 228i bietet den Insassen vorn und hinten einen Tick mehr Bewegungsfreiheit. Entscheidender ist aber das etwas bessere Raumgefühl im Bajuwaren, das beim VW speziell im Fond durch die hohe und stark ansteigende Fensterlinie geschmälert wird. Die Gepäckräume dürften im Alltag ausreichen.

Wer allerdings ab und an auch größere Gegenstände zu transportieren hat, ist mit dem Steilheck des Scirocco besser beraten, auch wenn im VW-Kofferraum eine unschöne Stufe stört. Sollten Sie aber mit dem Gedanken spielen, einen Anhänger zu ziehen, müssen Sie den Wolfsburger leider von Ihrer Liste streichen, diese bietet nur der BMW (770 Euro).

VW Scirocco 2.0 TSI BMT
BMW 228i Coupé
220 PS 245 PS
0-100 km/h in 6,3 s 0-100 km/h in 5,4 s
Vorderradantrieb Hinterradantrieb
Spitze 244 km/h Spitze 250 km/h
Grundpreis: 30.425 Euro*
*inkl. Doppelkupplungsgetriebe (1900 Euro)

Grundpreis: 37.100 Euro*
* inkl. Sport-Automatik

 

FAHRKOMFORT

Der BMW ist im Alltag das angenehmere Auto

Beide Testwagen sind mit der aufpreispflichtigen adaptiven Dämpferregelung ausgestattet, somit herrscht also Waffengleichheit. Dennoch gibt es in puncto Federungskomfort deutliche Unterschiede: VW hat das Scirocco-Set-up härter abgestimmt. Selbst im Komfort-Modus bleibt das Fahrwerk vergleichsweise straff, ohne dabei jedoch unkomfortabel zu sein.

Querfugen leitet die Hinterachse allerdings recht trocken weiter, und auf wirklich übler Piste neigt die Vorderachse mitunter zum Poltern. Eine ganze Ecke komfortabler präsentiert sich hingegen das 228i Coupé. Die Feder-Dämpfer-Elemente sprechen sensibler an und verdauen Fahrbahnschäden aller Art deutlich gekonnter.

Selbst auf echten Marterstrecken ist dem Fahrwerk kein Poltern zu entlocken, und die Karosseriebewegungen bleiben auch bei voller Zuladung im Rahmen. Hier haben die BMW-Fahrwerksentwickler ganze Arbeit geleistet.

Dass der Vorteil für den 2er in diesem Kapitel so deutlich ausfällt, dazu trägt auch der bessere Geräuschkomfort bei. Bereits die gemessenen Schalldruckpegel weisen den Scirocco als das klar lautere Fahrzeug aus. Verantwortlich dafür ist der deutlich präsentere Motorklang. Gibt man Gas, ist deutlich zu hören, wie der Turbo Ladedruck aufbaut, ehe der Motorsound zu einer kräftigen, basslastigen Klangkulisse anschwillt.  

Zwar kommt der BMW unter Komfort-Aspekten besser weg, dennoch bleibt ein großer Makel: Der Vierzylinder klingt absolut beliebig, Emotionen kommen dabei kaum auf, und wehmütig erinnern wir uns an den klangstarken Reihensechser im Vorgänger 125i.

 

MOTOR/GETRIEBE

Mit beiden Turbos ist man richtig flott unterwegs

Im Scirocco arbeitet jetzt der Motor aus dem Golf GTI, der satte 220 PS entwickelt. Wichtiger als der Leis-tungssprung um zehn PS ist der Anstieg des Drehmoments: Statt zuvor 280 schafft der Direkteinspritzer jetzt 350 Nm, womit er dem 245 PS starken BMW-Triebwerk Paroli bieten kann. Was bereits viel versprechend klingt, setzt der Münchner perfekt um:

In 5,4 Sekunden sprintet der 228i auf Tempo 100 und wird erst bei 250 km/h von den elektro-nischen Zügeln gebremst. Der 244 km/h schnelle VW hat zwar mit gemessenen 6,3 s auf den ersten Blick deutlich das Nachsehen, doch den Rückstand handelt er sich aufgrund der schlechteren Traktion fast vollständig auf den ersten Metern ein.

Ist er einmal in Fahrt, bleibt er am BMW dran, der erst jenseits der 140 km/h seinen Leistungsvorteil ausspielen kann.

Beim Verbrauch herrscht mit knapp neun Litern pro 100 km nahezu Gleichstand, die unauffällig arbeitenden Start-Stopp-Systeme helfen, den Spritkonsum im zähen Stadtverkehr zu senken. Die bewährte Achtstufen-Automatik von ZF kann auch im 228i überzeugen und punktet mit sanften Schaltvorgängen und der un-mittelbaren Reaktion auf manuelle Schaltbefehle.

Allerdings wirkt der Automat, sofern nicht der spritsparende EcoPro-Modus gewählt ist, speziell auf der Autobahn etwas nervös und schaltet bereits bei schwachen Beschleunigungwünschen eine oder gar mehrere Stufen zurück. Das Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe des VW agiert hier gelassener und hält den Gang. Und trotzt zweier Gänge weniger ist die höchste Fahrstufe ähnlich lang übersetzt.

 

FAHRDYNAMIK

Das 228i Coupé ist ein waschechter BMW

Dass BMW weiß, was Fahrdynamik heißt, stellt der 228i eindrucksvoll unter Beweis. Das glasklare, präzise Fahrverhalten im Verbund mit der präzisen Lenkung macht den BMW zu einer echten Fahrmaschine. Die Messwerte begeistern ebenfalls:

Der 2er braucht aus Tempo 100 mit warmer Anlage weniger als 33 Meter bis zum Stillstand, pfeilt mit über 70 km/h durch die Slalomgasse und nimmt dem Scirocco auf der Handlingstrecke fast eine Sekunde ab.

Doch auch der VW liefert eine blendende Vorstellung ab, findet im BMW allerdings stets seinen Meister. Er muss sich bei den Messwerten knapp geschlagen geben, doch auch er bietet großen Fahrspaß und speziell für einen Fronttriebler eine ausgezeichnete Fahrdynamik.

 

UMWELT/KOSTEN

Beim Preis trennen beide Sportler rund 6500 Euro

Der Begriff Volkssportler ist für den Scirocco die treffendere Bezeichnung. Er liegt bei der Anschaffung rund 6500 Euro unter dem BMW. Während die Kosten für Kraftstoff und Steuer auf vergleichbaren Niveau rangieren, schlägt der 2er bei der Versicherung sowie den Werkstattkosten einen größeres Loch in die Haushaltskasse.

Da der Wolfsburger obendrein den geringeren Wertverlust hat und eine unbegrenzte Mobilitätsgarantie bietet, geht dieses Kapitel klar an ihn.

 

FAZIT

Den Vergleich der beiden kompakten Sportler entscheidet der BMW 228i mit einem überraschend deutlichen Punktevorsprung für sich. Die Gründe liegen auf der Hand:

Das Fahrwerk bietet einen gelungenen Spagat aus beeindruckender Sportlichkeit und tollem Fahrkomfort. Die Antriebseinheit gibt mit Ausnahme der enttäuschenden Klangkulisse ebenso wenig Grund zur Klage wie das tolle Bedienkonzept und das hervorragende Infotainment-System.

Der ebenfalls überzeugende VW Scirocco ist sportlicher positioniert – was ihn in puncto Komfort einige Zähler kostet  –, am Ende aber nicht dynamischer als der BMW. Trotz des Facelifts ist ihm in einigen Bereichen anzumerken, dass er bereits seit sechs Jahren auf dem Markt ist. 

 

Technische Daten & Gesamtbewertung als PDF zum nachlesen

Alexander Lidl

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