Rückruf VW-Skandal: Kein TÜV ohne Umrüstung (Update!) Keine Umrüstung, keine TÜV-Plakette

von Lena Reuß 27.07.2017
Inhalt
  1. VW-Skandal: Kein TÜV für Diesel ohne Umrüstung
  2. Keine Garantie für VW-Umrüstungen
  3. Rückruf von VW-Diesel-Motoren

Kontinuierlich werden vom VW-Skandal betroffene Diesel-Fahrzeuge zurückgerufen, während mittlerweile EU-weit alle von VW angedachten Maßnahmen freigegeben sind. Insgesamt will VW vier Millionen Diesel-Autos freiwillig nachrüsten. Obwohl die Umrüstung nicht sicherheitsrelevant ist, könnte die Bundesregierung Autofahrer jetzt dazu zwingen: Durch Verweigerung der TÜV-Plakette.

Volkswagen hat kurz vor dem Diesel-Gipfel der Bundesregierung am 2. August 2017 Abgas-Nachbesserungen bei zusätzlichen Autos in Aussicht gestellt, die im Rahmen des VW-Skandals betroffen sind. Der Konzern werde anbieten, insgesamt vier Millionen Fahrzeuge nachzurüsten und damit die Emissionen deutlich zu reduzieren, sagte Vorstandschef Matthias Müller am Donnerstag, den 27.07.2017 nach einem Gespräch mit Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) in Wolfsburg. Nach Unternehmensangaben sind dies 1,5 Millionen zusätzliche Fahrzeuge. VW musste nach dem Skandal um manipulierte Abgaswerte bereits rund 2,5 Millionen Autos nachrüsten. Mittlerweile sind alle Hubraum-Varianten des vom VW-Skandal betroffenen Motors EA 189 zur Umrüstung freigegeben. Die Umrüstung durch VW soll vor allem Kunden, die der Benachrichtigung zur Umrüstung ihres Skandal-Diesels nicht binnen 18 Monaten nachkommen sind, dabei helfen, noch eine TÜV-Plakette bekommen. Denn genau den Entzug dieser hatten die Grünen im Vorfeld gefordert. So hieß es im Wortlaut: "Im Rahmen des Bund-Länder-Fachausschusses 'Technisches Kraftfahrwesen' wurde mit den Ländern ein Verfahren abgestimmt, bei dem im Rahmen der Hauptuntersuchung die fristgerechte Teilnahme der betroffenen Fahrzeuge an der VW-Rückrufaktion aufgrund der angeordneten Nebenbestimmung zur Typgenehmigung dieser Fahrzeuge überprüft wird.“ Die Umsetzung der Pläne könnte schneller gehen, als erwartet, denn dafür müsste kein neues Gesetz verabschiedet werden. Ein Prüf-Hinweis für bestimmte Fahrzeugtypen wäre ausreichend. Da die Umrüstung keine sicherheitsrelevanten Hintergünde hat, bedeutet dieses Vorgehen der Bundesregierung einen schweren Eingriff in das Privateigentum betroffener Autofahrer. Die Bürger würden gewissermaßen zu dem Software-Update gezwungen.

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VW-Skandal: Kein TÜV für Diesel ohne Umrüstung

Europaweit sind das insgesamt 8,5 Millionen Autos der Marken VW, Audi, Skoda und Seat. Allein in Deutschland sind rund 2,6 Millionen Fahrzeuge von den Rückrufen betroffen. Bis alle Genehmigungen vorlagen, mussten sich verschiedenen Behörden mit den Nachbesserungsmethoden auseinandersetzen. Dabei soll die Lösung keine Auswirkungen auf Verbrauch, Fahrleistungen oder den Geräuschpegel haben. Für die Marken VW und Audi ist das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) zuständig. Für die Typgenehmigung der Fahrzeuge der Marke Seat ist jedoch eine spanische Behörde zuständig und für Skoda eine britische. Bei letzterer fehlte bis zuletzt die Freigabe für 800.000 Autos. Insgesamt sind bei Skoda 1,2 Millionen Fahrzeuge vom VW-Skandal betroffen. Über anderthalb Jahre nach Auffliegen der Abgas-Manipulationen ist mit 4,7 Millionen Fahrzeugen in Europa seien jetzt etwa die Hälfte der betroffenen Motoren umgerüstet, sagte Konzernchef Matthias Müller auf der VW-Hauptversammlung. Um eine Überlastung der Werkstätten zu vermeiden und den Kunden größere Schwierigkeiten bei der Terminfindung zu ersparen, ruft Volkswagen die vom VW-Skandal betroffenen Fahrzeuge mit unzulässig hohem Stickoxid-Ausstoß nicht zeitgleich, sondern modellweise zurück. Die Kunden werden in einem zweistufigen Verfahren zuerst darüber benachrichtigt, dass ihr Fahrzeug vom VW-Skandal betroffen ist und schließlich darum gebeten, einen Termin in ihrer Werkstatt zu vereinbaren. Selbstverständlich bleiben die notwendigen Maßnahmen zur Verbesserung des Emissionsverhaltens für die Kunden völlig kostenlos und auch für einen Ersatzwagen ist gesorgt: Volkswagen bietet allen Kunden für den Zeitraum des Werkstattaufenthalts kostenlos eine angemessene Ersatzmobilität an. Zuletzt räumte der Konzern jetzt ein, dass die im Zuge des VW-Skandals erforderlichen Rückrufe und Umrüstungen wohl erst im Herbst 2017 abgeschlossen sein werden. In der letzten Rückruf-Welle hatte VW vom KBA die finale Freigabe zur Umrüstung der vom VW-Skandal betroffenen 1,6-TDI-Motoren erhalten. Die Autos sollen durch die Umrüstung jedoch keine Nachteile bei Kraftstoffverbrauchverbrauch, Leistung oder Geräuschemissionen erleiden. Die Umbaumaßnahmen dauern VW zufolge nicht länger als eine Stunde. Für die Umrüstungsmaßnahmen gibt es jedoch keine Garantie für die Besitzer.

 

Keine Garantie für VW-Umrüstungen

Der Konzern weigert sich, eine Garantie auszusprechen, dass es durch die Umrüstung der betroffenen Diesel-Modelle nicht zu Leistungseinbußen oder erhöhtem Spritverbrauch kommt. In einer Mitteilung wird lediglich davon gesprochen, dass es das Ziel von VW sei, weder Fahrleistung noch Spritverbrauch durch die Nachbesserungen zu beeinflussen. Auch über weitere Probleme bei technischen Komponenten wie Dieselrußpartikelfiltern oder Abgaseinrichtungen schweigt sich VW aus. Unabhängige Techniker halten aber genau dies im Zuge der Umrüstung für durchaus möglich. VW verweist darauf, dass alle Autos weiterhin technisch sicher und fahrbereit sind und dass dies vom KBA bestätigt sei. Verweigert VW weiterhin die Garantie, müssten VW-Kunden nachweisen, dass entstehende Defizite an ihren Wagen auf die Umrüstung zurückzuführen sind, was im Einzelfall sehr schwer bis unmöglich ist. Daher empfehlen die Anwälte betroffenen VW-Kunden mittlerweile, die Umrüstmaßnahmen zu verweigern und mit weiterhin deutlich höheren Schadstoffwerten unterwegs zu sein. Dadurch würde der VW-Skandal endgültig zum Politikum und Verkehrsminister Alexander Dobrindt sähe sich gezwungen, einzuschreiten. Mehr zum Thema: Abgasskandal bei Fiat

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Rückruf von VW-Diesel-Motoren

Die Rückrufwellen der vom VW-Skandal betroffenen Fahrzeuge starteten mit dem 2.0-TDI-Motor und den Modellen VW Passat und Amarok. Daran anschließend erhielt VW die Typengenehmigung für den VW Golf 2.0 TDI mit BlueMotion Technology. Im ersten Schritt des riesigen Diesel-Rückrufs wurden Fahrzeuge der Modelljahre 2011, 2012 und 2013 (Golf VI und Golf VII) mit dem 2,0 Liter großen Vierzylinder-Diesel EA 189 und manuellem Getriebe zurückgerufen, weitere Varianten folgten. Die von Volkswagen und dem KBA erarbeitete Lösung soll das Emissionsverhalten verbessern, ohne für Verschlechterungen bei Verbrauch, Fahrleistungen oder Geräuschniveau auszulösen. Anschließend folgten VW Passat CC oder EOS mit 2.0-TDI-Motor mit den Leistungsstufen 110 PS, 136 PS und 140 PS. Audi rief zeitgleich die Modelle A4, A5, A6 und Q5 mit 2,0l-TDI-Motoren des Typs EA 189 zurück. Nachdem das KBA alle Zweiliter-Diesel und damit auch VW Touran, Tiguan und Caddy zur Nachbesserung freigegeben hatte, folgten auch Motoren mit 1,2-Liter-Hubraum und damit auch Autos wie der VW Polo oder Seat Ibiza. Mit dem 1,6-Liter-TDI sind nun alle vom VW-Skandal betroffenen Motoren freigegeben. Bei dem Rückruf ist für Motoren mit 1,2 Litern und 2,0 Litern Hubraum nur eine Software-Änderung nötig. Für die 1,6-Liter-Diesel ist zur Behebung des Fehlers ein Softwareupdate der Motorsteuerung und der Einbau eines sogenannten Strömungsgleichrichters nötig.

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