Fusion von Volkswagen und Porsche mit Stammaktien-Trick Ehe unter Dach & Fach

05.07.2012

Schneller als gedacht kommen VW und Porsche unter ein Dach. Zur Vermeidung von Steuer-Zahlungen findet ein teilweise kritisierter Trick Anwendung

Europas größter Autobauer Volkswagen will am heutigen Donnerstag die letzten Details zu seinem Porsche-Deal erläutern. Wie der Dax-Konzern bereits am Vorabend mitgeteilt hatte, holt er das Sportwagengeschäft der Schwaben nach einer monatelangen Blockade komplett unter sein Dach. Die Wolfsburger nutzen für den Deal eine gesetzliche Bestimmung, mit der sie eine milliardenschwere Steuerlast umschiffen können.

 

VW und Porsche: Eine Stammaktie kostet den Bund Milliarden

Das hatte ihnen aus den Reihen der Politik zuletzt viel Kritik eingebracht. Neben den Erklärungen dazu wird auch mit Spannung erwartet, ob die Partner Näheres zur Zukunft der Porsche-Dachgesellschaft Porsche SE (PSE) verraten. Sie bekommt im Zuge des Geschäftes rund 4,5 Milliarden Euro und will das Geld auch dafür nutzen, um in der Autowelt neue Beteiligungen zu erwerben. Auf ihrer Einkaufsliste könnten dabei etwa der Handel mit Rohstoffen oder Energie stehen.

Während der Pressekonferenz in Wolfsburg sollen unter anderen VW-Boss Martin Winterkorn und sein Kollege, Porsche-Chef Matthias Müller, Rede und Antwort stehen. Mit der Bekanntgabe des Deals beenden die zwei Autobauer mit einem beispiellosen Befreiungsschlag eine nervenaufreibende Hängepartie, die nicht zuletzt ihr Alltagsgeschäft bei der Pkw-Produktion nachhaltig belastet hatte.

Die Wolfsburger zahlen für die noch fehlenden 50,1 Prozent der Porsche AG rund 4,46 Milliarden Euro an die Porsche-Dachgesellschaft. Zudem übertragen sie parallel eine VW-Stammaktie, um mit dieser Kombination eine Milliarden-Steuerlast zu vermeiden. Diese Konstellation dürfte wohl Wirtschaftsgeschichte schreiben.

Die Umsetzung der Transaktion ist für den 1. August dieses Jahres geplant. Die Gremien beider Seiten hätten dem Vorhaben «nach dem Vorliegen aller erforderlichen verbindlichen Auskünfte der Finanzbehörden» am Mittwoch zugestimmt. Mit diesen Zusicherungen von den zuständigen Finanzämtern hatten sich VW und Porsche abgesichert, dass dank ihres juristischen Kniffes keine Riesensteuerlast droht.

Einige Länder wollen die Steuerlücke schließen lassen. Wie der VW-Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh erklärte, bringt der jetzt umgesetzte Deal dem Fiskus aber «Steuereinnahmen von über 100 Millionen Euro». Osterlohs Sprecher hatte am Mittwoch zunächst nicht aufschlüsseln können, welcher Art diese Steuern nun genau seien.

Mehr Auto-Themen: Der kostenlose Newsletter der AUTO ZEITUNG

Die PSE hatte vor rund vier Jahren vergeblich versucht, nach der Macht bei den Wolfsburgern zu greifen. Am Ende hatte sie 11,4 Milliarden Euro Schulden und ausgerechnet VW wurde zur letzten Rettung. Als erste Nothilfe einigten sich die einstigen Kontrahenten Ende 2009, dass knapp die Hälfte der Porsche AG für damals rund 3,9 Milliarden Euro an die Wolfsburger ging. Der nun übertragene zweite Teil ist rund 600 Millionen Euro teurer, weil zwischenzeitlich der Wert des hochprofitablen Porsche-Sportwagengeschäftes stieg und die Partner mehr Einsparungen umsetzen können als zunächst gedacht.
dpa/az

AUTO ZEITUNG

Tags:

Wirkaufendeinauto

So verkauft man Autos heute!

Copyright 2017 autozeitung.de. All rights reserved.