VW Polo Facelift vs. Ford Fiesta & Renault Clio: Kleinwagen-Vergleich Zwei gegen einen

26.06.2014
Inhalt
  1. KAROSSERIE
  2. FAHRKOMFORT
  3. MOTOR/GETRIEBE
  4. FAHRDYNAMIK
  5. UMWELT/KOSTEN
  6. FAZIT
  7. Technische Daten & Gesamtbewertung als PDF zum nachlesen

Mit weitreichenden technischen Veränderungen und dezent aufgefrischter Optik geht der überarbeitete VW Polo auf Kundenfang. Wie deutlich machen sich die Modellpflegemaßnahmen bemerkbar?

Der VW Polo dominiert seit vielen Jahren das Kleinwagen-Segment in Deutschland. Und auch international ist er ein Bestseller. Allein im Jahr 2013 entschieden sich laut Hersteller weltweit 721.000 Kunden für den Wolfsburger.

Um den Fortbestand dieser Erfolgsgeschichte zu gewährleisten, erhielt die seit 2009 angebotene fünfte Generation jüngst ein umfassendes Facelift, das vornehmlich Auswirkungen auf die Technik hat. Sämtliche Motoren genügen nun den Anforderungen der Abgaseinstufung Euro 6. Zudem sorgen neue Assistenzsysteme für ein Plus an Sicherheit. Im Vergleichstest stellt sich der überarbeitete Polo mit 90 PS starkem 1.2 TSI-Motor dem Ford Fiesta 1.0 EcoBoost mit 100 PS sowie dem Renault Clio TCe 90 eco 2, der ebenfalls 90 PS unter der Haube hat.

 

KAROSSERIE

Ausreichend Platz für vier bietet jeder der drei Kleinen

Moderne Kleinwagen sind mittlerweile zu vollwertigen Alltagsbegleitern herangereift, die in Sachen Raumangebot nur selten Wünsche offen lassen. Das beweisen auch die hier versammelten Exemplare. So lassen sich in allen dreien vier Erwachsene durchaus kommod unterbringen – sofern es sich nicht ausschließlich um Zweimeter-Hünen handelt. Kleinere Unterschiede gibt es dennoch. Der Fiesta wirkt vorn trotz seines wuchtigen Armaturenträgers am luftigsten.

Der Renault stellt den Köpfen der Vornsitzenden etwas weniger Raum zur Verfügung, während der Polo etwas schmal geschnitten ist. Hinten wiederum lädt der Polo durch das großzügigste Platzangebot am ehesten zum Verweilen ein. Der Fiesta und erst recht der Clio schränken ihre Fondgäste schon etwas mehr ein. Wer auf einen größeren Kofferraum angewiesen ist, wählt den Renault. Sein Gepäckfach ist mit 300 bis 1146 Litern klar größer als das des Ford (295 bis 979 Liter) oder des VW (280 bis 952 Liter).

Der gradlinige Wolfsburger erarbeitet sich indes durch seine bessere Übersichtlichkeit Pluspunkte. Ansteigende Seitenlinien und erheblich kleinere Heckscheiben schränken bei der Konkurrenz die Übersichtlichkeit ein, sodass man hier auf eine Einparkhilfe nicht verzichten sollte.

Der Polo 1.2 TSI hat sie serienmäßig an Bord – für vorn und hinten, wohlgemerkt. Zum Thema Sicherheit: Neue Assistenzsysteme, wie die Müdigkeitserkennung für 270 Euro, ein Umfeldbeobachtungssystem mit Notbremsfunktion für 290 Euro oder die serienmäßige Multikollisionsbremse, die das Fahrzeug nach einem Unfall selbstständig zum Stehen bringt, kennzeichnen den überarbeiteten VW.

Damit sichert er sich einen klaren Vorsprung vor dem Clio, der nicht mit solchen Hilfen aufwarten kann. Der Fiesta, der serienmäßig sogar hinten Kopfairbags mitbringt, erreicht dagegen fast das Sicherheitsniveau des Polo.

VW Polo 1.2 TFSI BMT
Ford Fiesta 1.0 EcoBoost
Renault Clio Energy
TCe 90 Start&Stop eco2
90 PS 100 PS 90 PS
0-100 km/h in 11,1 s 0-100 km/h in 11,3 s 0-100 km/h in 13,0 s
Vorderradantrieb Vorderradantrieb Vorderradantrieb
Spitze 184 km/h Spitze 180 km/h Spitze 185 km/h
Grundpreis: 16.775 Euro* Grundpreis: 15.650 Euro* Grundpreis: 15.490 Euro
*Fünftürer

 

FAHRKOMFORT

Der Ford Fiesta ist agil und komfortabel zugleich

Dass eine gelungene Fahrwerksabstimmung immer noch zu den Leidenschaften der Marke Ford zählt, wird anhand des aktuellen Fiesta offensichtlich. Trotz seiner eher straffen Grundabstimmung bietet seine Federung auf groben Fahrbahnschäden die meisten Reserven. Dazu spricht sie auf kleinere Unzulänglichkeiten am sensibelsten an. Der etwas softer abgestimmte Clio ist ähnlich souverän unterwegs, reagiert allerdings auf Querfugen und Kanten nicht so feinfühlig. Der Polo verliert durch das hölzerne Ansprechverhalten seiner Hinterachsfederung ein paar Punkte. Fahrbahnschäden leitet sie recht trocken in die Karosserie weiter. Dafür liegt der Niedersachse beim Geräuschkomfort vorn. Wind-, Abroll- und Motorgeräusche blendet er am wirkungsvollsten aus.

Zum Sitzkomfort: Der VW bestreitet den Vergleichstest mit sehr bequemen Sportsitzen, die ab der Ausstattung Highline (650 Euro) zum Serienumfang gehören. Sie ermöglichen durch ihre gute Seitenführung und angenehme Polsterung auch auf langen Strecken ein ermüdungsfreies Reisen. Die Stühle des Renault sind groß geschnitten, aber weicher gepolstert. Unbequem sind sie deshalb aber nicht. Die zierlichen Sitze des Ford lassen hingegen etwas an Seitenhalt vermissen.

 

MOTOR/GETRIEBE

Der 1,2 Liter große VW-Vierzylinder besticht durch seine Laufkultur

Während Ford und Renault jeweils auf einen kleinvolumigen Dreizylinder setzen, sorgt im VW Polo ein 1,2 Liter großer Vierzylinder für Vortrieb, der in Sachen Kultiviertheit in diesem Testfeld ganz klar den Ton angibt. Kein Triebwerk ist leiser und laufruhiger. Der EcoBoost-Dreizylinder des Fiesta geht zwar engagiert, aber eben mit kernigem Sound seiner Arbeit nach. Der 0,9-Liter-Turbo des Clio erlaubt sich hingegen kräftige Vibrationen im Leerlauf – vor allem bei eingeschalteten Verbrauchern wie der Klimaanlage. Beim Gasgeben verschwinden diese jedoch umgehend wieder.

Obwohl der Ford Fiesta das mit 100 PS stärkste Triebwerk unter der Haube hat, kann er sich nur von dem deutlich langsameren Renault Clio absetzen. Der Polo schafft es trotz des ähnlich lang übersetzten Getriebes, am Kölner vorbeizuziehen und diesem bis 140 km/h immerhin 1,2 Sekunden abzunehmen.

Was den Kraftstoffkonsum angeht, liegen die Testkandidaten mit durchschnittlich 6,5 (Ford) beziehungsweise 6,4 Litern (Renault und VW) auf einem sehr ähnlichen, insgesamt niedrigen Niveau. Die Herstellerangaben für den EU-Verbrauch verfehlen sie jedoch allesamt deutlich.

 

FAHRDYNAMIK

Der Renault Clio glänzt mit sehr guten Bremswerten

Mit seiner ausgeprägten Handlichkeit, der gefühlvollen Lenkung, der verbindlichen Fahrwerksabstimmung und dem spritzigen Motor bereitet der Ford Fiesta viel Fahrfreude. Dazu wird sein Naturell von einer ausgeprägten Neutralität untermauert. Das schlägt sich auch auf die Performance auf unserem Handlingkurs nieder, den er in flotten 1:55,5 Minuten umrundet.

Der ebenfalls agile VW Polo ist abermals zwei Zehntelsekunden schneller. Die elektro-mechanische Servolenkung, mit der das Polo Facelift 2014 ausgeliefert wird, erweist sich durch ihre ausgeprägte Präzision und gute Rückmeldung als sinnvolle Neuerung.

Der Renault Clio ist nicht in der Lage, die Zeiten der Konkurrenz mitzugehen. Auf den Polo fehlen ihm 1,9 Sekunden. Dafür glänzt der Franzose mit seiner kräftig zupackenden und standfesten Bremsanlage. Verzögerungswege von 34,7 Metern im kalten beziehungsweise 34,4 Metern im warmen Betriebszustand (jeweils aus 100 km/h bis zum Stand) sind nicht nur für einen Kleinwagen hervorragende Werte.

 

UMWELT/KOSTEN

Der VW Polo ist teurer als die Konkurrenz, aber gut ausgestattet

Der Renault ist von den Anschaffungskosten her das günstigste Auto im Feld und sichert sich deshalb den Sieg im Kostenkapitel. Der VW Polo markiert das andere Ende der Fahnen-stange. Dafür fällt seine Ausstattung umfangreicher aus als die der Konkurrenz. So gehören Klimaanlage, Leichtmetallräder, CD-Radio oder höheneinstellbare Vordersitze beim 1.2 TSI Blue Motion Technology, der erst ab der Ausstattung Comfortline verfügbar ist, bereits zum Serienumfang.

 

FAZIT

Der VW Polo 2014 präsentiert sich ausgereifter und besser in Form denn je. Zu den bekannten Stärken wie die gute Raumausnutzung, das  tadellose Fahrverhalten oder die Verarbeitungsgüte bietet der modellgepflegte Bestseller Sicherheitstechnik, die weit über den Klassenstandard hinausgeht. Die Konsequenz:

Der Wolfsburger fährt einen weiteren souveränen Testsieg ein. Der zweitplatzierte Ford Fiesta empfiehlt sich als agiler Wegbegleiter für alle, denen Fahrspaß nicht unwichtig ist. Dazu bringt der Kölner den besten Federungskomfort mit.

Der Renault Clio wird Dritter – er punktet mit seinem günstigen Preis, tollen Bremsen und einem großen Gepäckraum. Zu seinen Schwächen zählen fehlende Assistenzsysteme und das geringer ausgeprägte Temperament.

 

Technische Daten & Gesamtbewertung als PDF zum nachlesen

Marcel Kühler

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