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Auf dem Gipfel

VW Passat CC

VW Passat CC V6 4Motion
Das neue Comfort-Coupé CC markiert die Spitze der Passat-Baureihe: Breiter, länger, und eleganter unterstreicht es den Anspruch der Wolfsburger auf die Premiumklasse
Eckdaten
PS-KW: 299 PS (220 kW)
Antrieb: Allradantrieb, permanent, 6 Gang manuell
0-100 km/h: 5.60 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
Preis: 40800 €

Der Anfang war bescheiden – zumindest aus heutiger Sicht: Im Mai 1973 startete der erste VW Passat mit 55 PS schwachem Vierzylindermotor. Die B1 genannte Baureihe war 4,20 Meter lang und kostete zur Einführung 8450 Mark. 35 Jahre und 15 Millionen produzierte Autos später, Anfang Juni 2008, rollt der neue Passat CC zu den deutschen Händlern: Das viertürige Coupé auf Basis der aktuellen B6-Reihe ist knapp 4,80 Meter lang, in der Topversion 300 PS stark und über 40000 Euro teuer – schließlich nimmt Volkswagen die Premiumklasse ins Visier.

Um hier einen Treffer zu landen, lehnt sich der Passat optisch am Mercedes CLS an, der bei den viertürigen Coupés die Vorreiterrolle spielt. Der CC ist nicht nur länger (plus 31 Millimeter) und breiter (plus 36 Millimeter), sondern auch deutlich schicker als die Limousine, die Formen wirken viel weicher, fließender. Technisch bietet der VW ebenfalls Premium-Niveau: Von der adaptiven Fahrwerksregelung DCC, die automatisch auf Fahrbahn, Geschwindigkeit und Situation reagiert, über einen verbesserten Allradantrieb bis zum Spurhaltesystem Lane Assist findet sich reichlich Feinkost im Comfort-Coupé. Die schon erwähnte Topversion V6 4Motion bietet das alles sogar serienmäßig.

Zur Markteinführung verfügt sie über die einzige standesgemäße Motorisierung. Denn als Alternativen stehen nur der zwei Liter große Common-Rail-Diesel mit 140 PS (30775 Euro) und der 1.8 TSI-Benziner mit 160 PS (30300 Euro) bereit. Erst ab Herbst sorgen ein 170-PS-TDI und ein 200-PS-Benziner für angemesseneren Vortrieb.

Also nichts wie rein in den großen CC. Ein stark konturierter Sportsitz, der in diesem Fall mit schwarzem Leder überzogen ist, empfängt den Fahrer. Seltsamerweise wird das aufpreispflichtige Gestühl nur in Verbindung mit beheizbaren Scheibenwaschdüsen angeboten – eine Paketlösung, die VW auch bei anderen Modellen praktiziert. Doch damit hören die Gemeinsamkeiten auch schon auf. Die Sitzposition im CC ist auffallend niedrig. Das und die hochgezogene Seitenlinie mit den relativ kleinen, rahmenlosen Seitenfenstern vermitteln ein Gefühl von Geborgenheit. Die Tür fällt satt ins Schloss, die Scheibe presst sich automatisch an die Dichtgummis, um bei hohem Tempo nervige Windgeräusche zu vermeiden. Die Holzeinlagen im Innenraum wirken edel, die Aluminiumapplikationen fühlen sich jedoch wie Kunststoff an. Neu sind die Bedienelemente für die Klimaautomatik und die Infotainment-Einheit mit Monitor – so wird es ab Herbst auch im kommenden VW Golf aussehen.

Vorn ist reichlich Platz vorhanden. Für den Fond, wo es statt einer Sitzbank zwei Einzelsitze gibt, gilt diese Aussage nur eingeschränkt: Die Beinfreiheit ist geradezu überwältigend, die Kopffreiheit zumindest für Sitzriesen konzeptbedingt aber nicht ausreichend. Großgewachsene müssen schon beim Einstieg aufpassen und sich durch die relativ schmale Fondtür schlängeln, um sich nicht den Kopf anzustoßen. Wer die hinteren Sitze ungenutzt lässt, kann die Rücklehnen umklappen und so das ordentliche Ladevolumen von 532 Litern weiter vergrößern.

Der 3,6-Liter-Motor mit Benzin-Direkteinspritzung hinterlässt ebenfalls einen zwiespältigen Eindruck. Beim souveränen Gleiten über Autobahn oder Landstraße harmoniert er ansprechend und leise mit dem serienmäßigen sechsstufigen Direktschaltgetriebe (DSG). Wer jedoch vom Motor energischen Einsatz verlangt, wird leicht enttäuscht sein. Beim Kickdown steigt zunächst nur der Geräuschpegel an, erst mit leichter Verzögerung setzt die Beschleunigung ein. Wie 300 PS fühlt sich die dann aber auch nicht an.

Die adaptive Fahrwerksregelung überzeugt hingegen. Je nach Fahrbahn, Tempo und Situation verändert sie die Dämpferkennung und die Abstimmung der elektro-mechanischen Servolenkung. Über Schalter auf der Mittelkonsole lässt sich manuell eine Vorauswahl der Programme Normal, Sport und Comfort treffen – ohne die automatischen Eingriffe ganz auszuschalten. Erster Eindruck: Das Zusammenspiel funktioniert, das Coupé liegt bei sportlicher Fahrweise sicher auf der Straße, ohne unkomfortabel zu erscheinen.

Sehr gewöhnungsbedürftig ist allerdings der Spurhalteassistent, der kameragesteuert recht massiv in die Lenkung eingreift, wenn man ohne zu Blinken die Fahrspur verlässt. Wer sich nicht in jeder leicht geschnittenen Kurve ins Lenkrad greifen lassen will, wird den Lane Assist genervt ausschalten. Das ist dann einer der Momente, wo man sich doch den Ur-Passat zurück wünscht.
Klaus Uckrow

Autos im Test


VW Passat CC
VW Passat CC V6 4Motion
PS/KW 299/220
0-100 km/h in 5.60s,
Allradantrieb, permanent, 6 Gang manuell
Spitze 250 km/h
Preis 40800 €
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