Drei Mittelklasse-Kombis im Vergleichstest BMW 3er - Mercedes C-Klasse - VW Passat

Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

VW Passat, BMW 3er und Mercedes C sind besonders als Kombis bei Familienvätern und Dienstwagenfahrern beliebt. Wir testen die drei Bestseller der Mittelklasse

Wenn es um die klassischen Kombi-Tugenden geht, gehört der brandneue VW Passat derzeit zu den besten Angeboten auf dem Markt. Das zeigte schon der erste Vergleichstest der AUTO ZEITUNG. Doch wie schlägt er sich, wenn es um emotionalere Dinge wie Anmutung, Fahrleistungen und Agilität geht? Hier liegen die Argumente traditionell bei der süddeutschen Konkurrenz, die mit Heckantrieb zu diesem Vergleichstest antritt. Mercedes C-Klasse und BMW 3er sind nicht nur eine halbe Nummer kleiner, sondern auch deutlich teurer als der VW Passat.

 

Karosserie

Wer einen Kombi kauft, braucht Platz, und davon bietet der Passat am meisten. Sogar auf den hinteren Sitzen lässt es sich bequem einige Stunden aushalten. Und das Heckabteil bietet dazu den passenden Stauraum. Ob Reisegepäck für fünf Personen oder ein kompletter Satz Sommerräder – der Kofferraum des Wolfsburgers scheint keine Limits zu kennen. Als Fünfsitzer stehen mehr als 600 Liter zur Verfügung, bei umgeklappter Rückbank passen bis zu 1731 Liter in den Frachtraum. Kleiner Nachteil: Die Ladung muss über eine hohe Kante in den tiefen Stauraum gehoben werden, sie kann nicht – wie bei der Konkurrenz – aufgesetzt und hineingeschoben werden. Dafür geht es in Mercedes und BMW wesentlich beengter zu. Sitzt man vorn ebenso herrschaftlich, müssen hintere Passagiere bei der Sitzhaltung einige Abstriche machen. Höchstens 1500 Liter schluckt das C-Klasse T-Modell, der 3er Touring sogar nur 1385 Liter. Allerdings kann man den Münchner auch durch die separat öffnende Heckscheibe beladen. Bei der Sicherheitsausstattung gibt der Mercedes den Ton an. Ein serienmäßiger Knie-Airbag für den Fahrer und das optionale Presafe-System lassen ihn in dieser Disziplin sogar am überdurchschnittlich üppig bestückten Passat vorbeiziehen. BMW bietet weder Seitenairbags für die hinteren Passagiere noch die Option integrierter Kindersitze im Fond. Dafür glänzt er mit einer überragenden Karosserie-Qualität – er wirkt solide wie aus einem Guss und ist verwindungssteif wie eine Burg.

KarosserieMax. PunkteVW Passat Variant 1.8 TSIMercedes C 180 CGI T-Modell Blue EfficiencyBMW 320i Touring
Raumangebot vorn100797472
Raumangebot hinten100766765
Übersichtlichkeit70323432
Bedienung/ Funktion100858485
Kofferraumvolumen100654844
Variabilität100484345
Zuladung/ Anhängelast80363931
Sicherheit15010911392
Qualität/ Verarbeitung200180184187
Kapitelbewertung1000710686653

 

Fahrkomfort

Wer trotz des höheren Einstiegspreises des BMW noch 940 Euro übrig hat, sollte unbedingt die Sportsitze mit einstellbarer Lehnenbreite, Oberschenkelauflage und Lordosenstütze bestellen. Genau auf den Körper und das eigene Wohlbefinden eingestellt, bieten sie perfekten Halt bei jedem Fahrzustand. Die Komfortsitze im Mercedes lassen sich ähnlich gut anpassen, nehmen einen aber nicht so angenehm fest in die Zange. Am Komfort der 945 Euro teuren Vordersitze des Passat ist zwar nichts aussetzen, doch mangelt es ihnen im Vergleich an Seitenhalt. Die zügige Gangart steht dem Wolfsburger ohnehin nicht so gut. Auch wenn sein adaptives Fahrwerk (DCC: 1070 Euro) im Sport-Modus arbeitet, bringt die 4,87 Meter lange Karosserie nichts aus der Ruhe. In der Comfort-Einstellung darf es dann sogar richtig harte Kost auf dem Untergrund sein, die Dämpfer schlucken sie genüsslich weg.

Auch der Komfort des C-Klasse-Fahrwerks kann sich sehen lassen. Spätestens bei groben Autobahnfugen spürt man aber, dass der Mercedes trotzdem ein wenig sportlich sein will. Ein Kompromiss, der gut funktioniert – kurvige Landstraßen räubert er fast ebenso gelassen wie sein bayerischer Mitstreiter. Der BMW gerät allerdings mit voller Beladung (444 Kilogramm) an seine Grenzen. Dann federt die Hinterachse hin und wieder durch. Auf langen und schnellen Autobahnetappen erweist sich die Abstimmung aber als ideal. Vor allem, weil der Geräuschkomfort ebenso vorbildlich gelungen ist wie bei den zwei anderen Kombis.

FahrkomfortMax. PunkteVW Passat Variant 1.8 TSIMercedes C 180 CGI T-Modell Blue EfficiencyBMW 320i Touring
Sitzkomfort vorn150100102106
Sitzkomfort hinten100676062
Ergonomie150121120120
Innengeräusche50434142
Geräuscheindruck100737472
Klimatisierung50383937
Federung leer200152142137
Federung beladen200152140132
Kapitelbewertung1000746718708

 

Motor und Getriebe

Auch in der Mittelklasse sind Turbomotoren auf dem Vormarsch. VW und Mercedes transportieren per Lader auf diese Art etwas von dem beliebten fülligen Drehmoment der Diesel in ihre Benziner. BMW bleibt hingegen beim klassischen Sauger. Wirkliche Nachteile hat der 320i dadurch aber nicht. Sicher, die beiden Turbos können schon bei niedrigen Drehzahlen ihr gesamtes Drehmoment in den Antrieb leiten, während der 3er seine zudem 40 Newtonmeter weniger erst bei 4250 Umdrehungen bereitstellt – Vorteile erfährt sich aber nur die C-Klasse. Zwar kommt der drehzahlgierige, quirlig am Gas hängende Vierzylinder des 320i aus dem Stand schneller auf Touren, bei höheren Geschwindigkeiten zieht der Mercedes dann allerdings mühelos davon. Dem Passat bietet der 3er dank seines gut auf den Motor abgestimmten Sechsganggetriebes zumindest beim spontanen Antritt im fünften oder sechsten Gang erfolgreich Paroli. Der VW hängt hier hinterher. Seine oberen Gänge sind zu lang übersetzt, sodass sich der beim Sprint noch so kraftvoll zupackende Triebsatz beim Durchzug nicht besser in Szene setzen kann. Die niedrigen Drehzahlen der langen Übersetzungsverhältnisse sollen aber den Verbrauch spürbar reduzieren. Allerdings zeigt sich auch hier vor allem die Motor-Getriebe-Kombination des 320i von ihrer besten Seite. Mit 8,3 Liter Kraftstoff pro 100 Kilometer ist er der sparsamste Mittelklasse-Kombi in diesem Vergleich.

Motor und GetriebeMax. PunkteVW Passat Variant 1.8 TSIMercedes C 180 CGI T-Modell Blue EfficiencyBMW 320i Touring
Beschleunigung150117114116
Elastizität100576763
Höchstgeschwindigkeit150666672
Getriebeabstufung100807782
Kraftentfaltung50252321
Laufkultur100656765
Verbrauch325213216224
Reichweite25151414
Kapitelbewertung1000638644657

 

Fahrdynamik

Die Zeiten, als Fahrzeuge mit Hinterradantrieb als Heckschleudern verschrien waren, sind endgültig vorbei. Vor allem die beiden deutschen Premium-Hersteller BMW und Mercedes beweisen eindrucksvoll, wie sicher ein Hecktriebler heutzutage ist. Sauber entwickelte Fahrwerke sind zudem der Grundstein für ein harmonisch agierendes ESP-System. Und das gilt sowohl für den 320i als auch für den C 180 CGI. Beide sind extrem sicher zu fahren. Zwar reagiert die Lenkung der C-Klasse nicht ganz so fein wie die des BMW, dennoch setzt auch der 180er Lenkbefehle ohne Verzögerung erfreulich zielgenau um. Allerdings lässt das ESP des Mercedes der C-Klasse deutlich weniger Spielraum, als es im 3er der Fall ist. Das ist aber nur auf abgesperrter Strecke ein klarer Vorteil für den BMW.

Der neue Passat leidet auf verwinkelten Straßen unter seinem Frontantrieb. Die beiden Hecktriebler bringen ihre Kraft mit deutlich weniger Verlusten auf die Straße. Obwohl die Vorderachse sowohl Lenkbefehle als auch die Antriebskräfte übertragen muss, bleibt der VW dennoch am Mercedes dran – ein Zeichen für die gute Abstimmung seines adaptiven Fahrwerks, das über einen knackigen Sportmodus verfügt. Allerdings sichert sich der quirlige 3er – ganz traditionell – dieses Kapitel, trotz seiner nicht ganz so überzeugenden Bremsleistungen.

FahrdynamikMax. PunkteVW Passat Variant 1.8 TSIMercedes C 180 CGI T-Modell Blue EfficiencyBMW 320i Touring
Handling150767787
Slalom100584763
Lenkung100707073
Geradeauslauf50404040
Bremsdosierung30201819
Bremsweg kalt150829680
Bremsweg warm15010110894
Traktion100404450
Fahrsicherheit150130130127
Wendekreis20111614
Kapitelbewertung1000628646647

 

Umwelt und Kosten

Klare Angelegenheit: Der VW Passat Variant 1.8 TSI ist unter dem Strich der wirtschaftlichste Mittelklasse-Kombi in diesem Vergleich. Günstig bei der Anschaffung, erfreulich wertstabil, gut ausgestattet sowie mit niedrigen Wartungs- und Versicherungskosten lassen weder dem BMW 320i Touring noch dem Mercedes C 180 CGI T-Modell eine Chance. Lediglich eine Einzelwertung sichert sich der BMW: Sein niedriger Verbrauch sorgt für günstige Kraftstoffkosten – in Anbetracht seines hohen Grundpreises aber nur ein sehr kleiner Trost. Dass es schon immer teurer war, einen Mercedes zu fahren, trifft auch auf das T-Modell der C-Klasse zu.

Kosten/UmweltMax. PunkteVW Passat Variant 1.8 TSIMercedes C 180 CGI T-Modell Blue EfficiencyBMW 320i Touring
Bewerteter Preis675191168173
Wertverlust50201718
Ausstattung25201617
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50282720
Werkstattkosten20171516
Steuer10999
Versicherung40343133
Kraftstoff55353637
Emissionswerte25888584
Kapitelbewertung1000442404407

 

Fazit

Dass der neue VW Passat den Vergleichstest gegen die süddeutsche Konkurrenz gewinnt, ist keine Überraschung. Der Wolfsburger bietet spürbar mehr Platz, erfreut mit gutem Komfort und belastet den Haushalt deutlich weniger als seine Rivalen von BMW und Mercedes. Zudem muss der Fahrer weder bei Anmutung, Leistung noch Agilität wirklich zurückstecken. Allerdings wird sich wohl kaum ein eingefleischter BMW-Fan deshalb zu einem VW-Händler verirren. Wer Agilität und Fahrspaß sucht, sitzt im 3er genau richtig. Auch Mercedes- Kunden schwören auf den gediegenen Auftritt und die Effizienz ihrer C-Klasse, selbst wenn man bei VW mehr Auto fürs Geld bekommt.

Gesamtbewertung

Max. PunkteVW Passat Variant 1.8 TSIMercedes C 180 CGI T-Modell Blue EfficiencyBMW 320i Touring
Summe5000316430983072
Platzierung123

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