VW Kombi 1.4 Do Brasil: Faszination Auto Die letzte Fahrt zum Strand

20.01.2014

Das Prädikat „Klassiker vom Fließband“ gibt nur unzureichend wieder, was der VW Kombi für Brasilien bedeutet, doch nun endet die Produktion. Auf Tour mit einer Legende

Joáo de Oliveira hat Tränen in den Augen. Seit er 19 ist, setzt er am Fließband den VW Kombi zusammen – 34 Jahre, mehr als sein halbes Leben für und mit „der alten Dame“, wie sie den VW Bus hier ehrfürchtig nennen. „Man muss das verstehen: So ein VW Kombi ist ein Familienmitglied. Nicht nur für die Arbeiter hier, sondern überall im Land“, erklärt Fabiano Severo aus der Presseabteilung von VW do Brasil und klopft Joáo auf die Schulter. Seine Zukunft ist gesichert.

Künftig werden sie den VW Gol in dieser ältesten Halle des VW Werks in Sao Bernardo do Campo bei Sao Paulo bauen, ein sehr erfolgreiches brasilianisches VW-Eigengewächs zwischen Polo und Golf. Doch es wird nicht dasselbe sein. Für niemanden.


DER VW BUS GING ALS „KOMBI“ IN BRASILIEN SEINEN EIGENEN WEG


1957 ging es los, damals begannen sie, den VW Bus in Brasilien zu bauen – natürlich noch mit der geteilten Scheibe vorn. Das „neue“ Modell folgte 1975, als diese zweite Bauform des Bulli in Deutschland schon fast wieder am Ende war. Doch in Brasilien baute man diesen Bulli anders. Der „Kombi“ hatte Seitenteile und Heckklappe vom Vorgänger mit geteilter Scheibe. Und er übernahm auch dessen Klapptüren auf der rechten Seite und die alte Vorderachskonstruktion. Die Schiebetür bekam der Brasilien-Bus erst 1997. Zur selben Zeit erhielt der nun grundlegend modernisierte Veteran auch das höhere Dach.

In Hannover wurde da schon längst der T4 mit Frontmotor gefertigt. Die „alte Dame“ ist ihren ganz eigenen Weg gegangen und hat sich einen wassergekühlten Motor im Heck verschafft, was ihr ein Facelift einbrachte, von dem einige sagen: Da ist was schiefgegangen. Aber egal – irgendwie musste vorn der Wasserkühler hinein. Und so kam es zu mit Plastik aufgespritzten Lippen.

1200 Exemplare einer Sonderserie, die „Last Edition“ nach 56 Jahren Kombi-Bau in Brasilien, versüßen das bittere Ende. Zweifarblackierung, Weißwandreifen, Radio mit CD und MP3, besondere Sitzpolster, Teppich, Vorhänge – ein Wagen für Sammler. Das macht sich beim Preis bemerkbar: Etwa 26.500 Euro muss man umgerechnet hinblättern. Heizung, Airbag oder ABS gibt es dafür allerdings auch nicht. Der Grund, warum der VW nicht nach Deutschland kommt: Er wäre nicht zulassungsfähig.

Dennoch ist der „Will-Haben-Faktor“ hoch, gerade auch nach unserer letzten Tour zur Guarujá Beach. Die zwei Handbreit Lenkspiel nehmen einem zwar erst den Atem, doch dann trumpft der Kombi auf: Eine sensationelle Federung – vor allem vorn –, der auch das dickste Schlagloch nichts anhaben kann. Durchaus bequeme Sitze, ein im Vergleich zu den deutschen T2-Bussen der 70er-Jahre leiser und drehfreudiger Motor, der zudem noch mit Ethanol läuft. Und das alles gepaart mit Zugschaltern für Licht und Warnblinkanlage wie damals im Käfer, dazu Aufstellfenster, die eine Klimaanlage auch bei über 30 Grad Celsius nicht vermissen lassen.

Klar: Die Schaltwege sind lang, die Verarbeitung ist im Detail nachlässig. Aber das kann das Fahrerlebnis nicht schmälern. Schnell ruhen die Unterarme auf dem Lenkrad, man beugt sich ein wenig vor und hat sofort wieder dieses Bulli-Feeling. Die stehenden Pedale ragen einen gefühlten Meter aus der Bodenplatte, und man muss kräftig zutreten. Immerhin: Die vorderen Scheibenbremsen machen einen guten Job. Mit diesem Wagen bis ans Ende der Welt fahren? Sofort! Jeder Dorfschmied kann ihn reparieren, jedes Kind versteht die Technik. Und dass der „Kombi“ robust ist, beweist jeder Meter entlang der Atlantikküste. Ständig kommen mir VW Busse entgegen. Mal komplett verbeult mit fehlenden Scheinwerfern, Möbeln auf dem Dach und Nutzvieh im Innenraum – überladen, geschunden, geliebt. Ein Stück Brasilien. Das Ende kommt am 20. Dezember. Dann laufen die letzten Kombis vom Band, als Standard-Version für umgerechnet etwa 14.000 Euro.

Einen Nachfolger gibt es nicht. ABS- und Airbag-Pflicht ab 2014 machen der alten Dame den Garaus. Zwar hat der brasilianische Finanzminister vorgeschlagen, die Einführung dieser Pflicht zu verschieben und so den Kombi vorerst zu retten, doch das ist vage. Asiatische Hersteller werden über kurz oder lang die Lücke auf dem brasilianischen Markt wohl schließen. Die in den Herzen bleibt.

VW Kombi 1.4 DO Brasil: Technische Daten und Fakten
Antrieb
4-Zylinder, 4-Ventiler, Flexfuel, wassergekühlt, hinten längs eingebaut; Bohrung x Hub: 76,5 x 75,6 mm; Verdichtung: 11,0 : 1; Hubraum: 1390 cm3; Leistung: 59 kW/80 PS bei 4800 /min; max. Drehmoment: 125 Nm bei 3500 /min; G-Kat; 4-Gang, manuell; Hinterradantrieb
Aufbau und Fahrwerk
Selbsttr. Ganzstahlkar. m. zwei Türen, Schiebetür, Heckkl.; vorn: Einzelradaufh. an Traghebeln; hinten: Einzelradaufh.
an Schrägl.; v./h: Torsionsstabf., Teleskopstoßd.; Bremsen: v. Scheiben, h. Trommeln; Reifen: 185/80 R 14
Eckdaten
L/B/H: 4505/1720/2040 mm; Radstand: 2400 mm; Leergewicht: 1300 kg; Zuladung: 1000 kg; Grundpreis: 85.000 Reais (ca. 26.500 Euro)
Fahrleistungen1
Beschleunigung: 0 auf 100 km/h in 16,1 s; Höchstgeschwindigkeit: 130 km/h
1Werksangaben

Thorsten Elbrigmann

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