VW Golf 1.2 TSI BMT gegen 1.6 TDI BMT: Benziner vs. Diesel Spitzen-Duo im Antriebs-Vergleich

21.12.2016

Der Deutschen liebstes Auto ist der VW Golf. Doch bei der Motorisierung sind sich viele uneins. Die einen bevorzugen Benziner, die anderen Diesel. Der Vergleichstest klärt, welches Triebwerk im Golf die besseren Dienste leistet.

Wer einen VW Golf fährt, hat ohnehin eine gute Wahl getroffen. Nicht ohne Grund dominiert der Wolfsburger die Zulassungsstatistik seit Jahren nach Belieben. Und auch wenn es vom Golf zahlreiche Karosserievarianten und Motoren mit deutlich mehr als 200 PS gibt, bringt doch der klassische und leistungsschwächere Golf die großen Stückzahlen. Deshalb haben wir uns den derzeit schwächsten Diesel mit 105 PS sowie das passende Pendant auf der Benziner-Seite herausgepickt, um die Frage zu beantworten: Benziner oder Diesel – welcher Motor ist für den VW Golf die bessere Antriebsquelle? Der Ottomotor leistet trotz nur 1,2 Liter Hubraum beachtliche 105 PS und entwickelt ein maximales Drehmoment von 175 Newtonmetern, das bereits bei 1400 Kurbelwellenumdrehungen parat steht und bis 4000 Touren anhält. Möglich macht dieses Drehmomentplateau ein Turbolader, der den Hubraummangel egalisiert und für eine erstaunlich  gute  Durchzugskraft sorgt. Dass der Fahrer bei höheren Geschwindigkeiten zum Überholen dennoch öfters zum Schalthebel des knackigen Sechsgang-Getriebes greifen muss, liegt allerdings weniger am Motor als vielmehr am recht lang übersetzten Getriebe. Auf der anderen Seite sorgt diese Auslegung für angenehm niedrige Drehzahlen und ein entsprechend geringes Geräuschniveau.

Fakten zum VW Golf im Video:

 

VW Golf Benziner gegen Diesel

Der gleich starke, aber mit 250 Nm klotzende TDI-Motor fühlt sich im Fahrbetrieb spürbar kräftiger an. Beim Sprint auf Tempo 100 liegen beide mit 10,3 Sekunden noch gleichauf, die Elastizitätsmessungen erledigt der Diesel aber deutlich zügiger. Und das, obwohl das Getriebe trotz des fehlenden sechsten Gangs länger übersetzt ist als die Sechsgang-Box im Golf 1.2 TSI. Dennoch ist die Entscheidung von VW, beim Diesel auf den sechsten Gang zu verzichten, keine gute. Die Drehzahlsprünge fallen recht groß aus, weshalb die Anschlüsse speziell im Stadtverkehr nicht immer richtig passen. Hinzu kommt, dass sich das Getriebe nicht ganz so leichtgängig schalten lässt wie das des Benziners. Interessant: Der Spritspar-Golf 1.6 TDI BlueMotion (EU-Verbrauch: 3,2 l D/100 km) verfügt über ein Sechsgang-Getriebe. Bei Drehzahlen knapp über Leerlauf belästigt der Selbstzünder die Passagiere zudem mit einem vernehmlichen Brummen, während sich der drehfreudige und laufruhige Benziner über den gesamten Drehzahlbereich akustisch mehr zurückhält. Auf der Verbrauchsrunde fällt der Vorteil für den 1.6 TDI mit 5,1 zu 6,1 Litern pro 100 km kleiner aus als erwartet. Der Tank fasst jeweils 50 Liter, womit sich stattliche Reichweiten von 980 km für den TDI und 820 km für den TSI ergeben.

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TDI ist sparsamer, Benziner günstiger

TDI-Käufer müssen mit 21.875 Euro 2300 Euro mehr auf den Tisch des VW-Händlers legen. Einen Teil dieses Mehrpreises holen sich die Diesel-Fahrer beim Wiederverkauf zwar wieder zurück. Wegen der deutlich höheren Steuerabgabe sowie der teureren Haftpflichtkosten amortisiert sich der Mehrpreis aber erst bei rund 16.000 Kilometern pro Jahr.

Weitere Benzin/Diesel-Vergleiche:

Benziner vs. Diesel: Hyundai ix35
Benziner vs. Diesel: Opel Zafira

TECHNIK
 BENZINER  DIESEL
ANTRIEB
VW Golf 1.2 TSI BlueMotion Technology
VW Golf 1.6 TDI BlueMotion Technology
Zylinder/Ventile pro Zylin. 4/4; Turbo; Direkteinspr. 4/4; Turbodiesel; Partikelfilter
Nockenwellenantrieb Zahnriemen Zahnriemen
Hubraum 1197 cm³ 1598 cm³
Leistung
77 kW/105 PS bei 4500 - 5500 /min 77 kW/105 PS bei 3000 - 4000 /min
Max. Drehmoment 175 Nm bei 1400 – 4000 /min 250 Nm bei 1500 - 2750 /min
Getriebe 6-Gang, manuell 5-Gang, manuell
Antrieb Vorderrad Vorderrad
MESSWERTE
   
Leergewicht 1260 kg 1337 kg
Zuladung 470 kg 488 kg
Anhängelast gebr./ungebr. 1300 / 610 kg 1500 / 640 kg
0 - 100 km/h 10,3 s 10,3 s
60 - 100 km/h (5.Gang) 11,5 s 9,5 s
80 - 120 km/h (6.Gang) 17,4 s 13,8 s
Höchstgeschwindigkeit¹ 192 km/h 192 km/h
Bremsweg 100-0 km/h kalt 33,9 m 34,3 m
Bremsweg 100-0 km/h warm 33,4 m 33,4 m
Standgeräusch 37 dB(A) 45 dB(A)
Innen bei 50 km/h 3. Gang 56 dB(A) 58 dB(A)
Innen bei 100 km/h höchst. G. 64 dB(A) 64 dB(A)
Innen bei 130 km/h höchst. G. 67 dB(A) 66 dB(A)
VERBRAUCH    
Testverbrauch 6,1 l S / 100 km 5,1 l D / 100 km
CO2 (lt. Testverbrauch) 145 g/km 135 g/km
Tankinhalt 50 l 50 l
Reichweite 820 km 980 km
EU-Verbrauch¹ 4,9 l S / 100 km 3,8 l D/100 km
CO2-Ausstoß¹ 114 g/km 99 g/km
Abgasnorm Euro 5 Euro 5
KOSTEN    
Grundpreis 19.575 Euro 21.875 Euro
Werkstattkosten2 1356/1664 Euro 1344/1652 Euro
Haftpflicht2 1504/1680 Euro 1720/1924 Euro
Vollkasko2 1772/2156 Euro 1772/2156 Euro
Kfz.-Steuer 62 Euro 160 Euro
Kraftstoffkosten2,3 3928/7857 Euro 2917/5834 Euro
Restwert2 9709/7869 Euro 10.894/9341 Euro
Gesamtkosten2 17.198/25.191 Euro 17.998/24.708 Euro
KOSTEN PRO km2 43 / 32 CENT 45 / 31 CENT
¹ Werksangaben; 2 Werte für vier Jahre und 40.000/80.000 Kilometer; 3 berechnet mit Super 1,61 €/l, Diesel 1,43 €/l

Der Diesel rechnet sich ab 16.000 km im Jahr

SIEGER: DER BENZINER

Unser Fazit

Der Diesel lohnt sich beim VW Golf erst bei einer recht hohen Fahrleistung von rund 16.000 km. Zudem verbraucht der kleine Benziner nur einen Liter mehr und ist laufruhiger sowie drehfreudiger. Deshalb liegt hier der TSI-Motor vorn.

Alexander Lidl

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