VW Golf GTI Pirelli/Fiat Ritmo 125 TC Abarth: Test GTI gegen Ritmo Abarth

27.01.2017
Inhalt
  1. Golf GTI Pirelli und Fiat Ritmo Abarth 125 TC
  2. Fiat Ritmo ist ein echter Temperamentsbolzen
  3. Marktlage
  4. Unser Fazit

Schon vor 30 Jahren brauchte es keine hellseherischen Fähigkeiten, um zu erkennen, dass diese Autos einmal gesuchte Klassiker werden würden. Kaufberatung und Vergleich

Rarität und Exklusivität wurden ihnen durch ihre kurze Produktionszeit und ihr markantes Auftreten förmlich in die Wiege gelegt. Warum kaum jemand auf die Idee kam, bereits damals ein gutes Exemplar aufzuheben, erscheint im Nachhinein schleierhaft. Besonders im Fall des Fiat Ritmo Abarth 125 TC. Er gehörte zu den Stars der IAA 1981 als eines der wenigen neuen Modelle, die der zweiten Ölpreiskrise zum Trotz mit unverhohlener Sportlichkeit antraten. Endlich kam der große Name Abarth im Serienbau wieder zu Ehren, und zwar richtig: Fiats Zweiliter-Doppelnocker mit 125 PS stellte den VW Golf GTI und die versammelte Konkurrenz in Leistung, Drehmoment und Hubraum klar in den Schatten. Sein Fahrwerks-Upgrade wurde direkt vom Renntourenwagen der Gruppe 2 abgeleitet, und auch die größeren Bremsscheiben und das ZF Fünfgang-Getriebe versprachen ein großartiges Fahrerlebnis. Fiat bot das Auto konsequent nur als Dreitürer in den sportlichen Signalfarben Silber, Rot und Schwarz mit kontrastierenden „Rallyestreifen“ über den Türschwellern an und zog serienmäßig den neuen Pirelli-Sportreifen P6 auf.

 

Golf GTI Pirelli und Fiat Ritmo Abarth 125 TC

Hier kam „ein Auto für Leute, die einen Sportwagen im Limousinen- Look schätzen – bestückt mit bewährter Technik“, urteilte der AUTO ZEITUNG-Tester Lothar Boschen 1982 und ahnte nicht, dass Fiat schon ein halbes Jahr später das prägnante Ur-Design des Ritmo im Rahmen eines missglückten Facelifts durch einen Allerweltsgrill im neuen Stil der Marke ersetzen würde. So blieb der 125 TC Abarth nicht einmal 12 Monate aktuell, auch wenn der Nachfolger 130 TC erst im Juni 1983 debütierte. Die kurze Bauzeit allein hätte alle Abarth-Fans alarmieren müssen. Denn wie kein anderer Hersteller brachte Fiat es beim Ritmo fertig, durch miserable Materialqualität, streikgestörte Produktion und liederlichen Rostschutz einen Millionseller mit extrem kurzer Lebenserwartung zu verkaufen. 1,3 Millionen Exemplare des ersten Ritmo mit hochgezogenen Kunststoff-Prallflächen wurden bis 1983 gebaut. Noch ehe das Jahrzehnt zuende ging, hatte die meisten von ihnen der Rost dahingerafft. Das hier gezeigte Auto überlebte wie durch ein Wunder im Erstlack. Etwa eine Handvoll weitere Ritmo Abarth sollen nördlich der Alpen heute noch existieren. Unter diesen Umständen erübrigt sich mangels Angebot jeder Versuch eine Kaufberatung. Beim Sparringspartner des Fiat, dem VW Golf I GTI, sieht das zum Glück anders aus, obwohl wir uns zur Erhöhung des Exklusivitätsfaktorsauf das Sondermodell Pirellikonzentrieren. Rund 10.500 Stück wurden 1983 gebaut, kurzbevor der Golf II in Wolfsburg ans Ruder kam.

Sage und schreibe 100 Exemplare sind heute allein in den Reihen der Golf I-IG registriert – ein Zeichen für die sukzessive verbesserte Produktionsqualität bei VW, aber auch für den guten Riecher der GTI-Fans, die sofort das Potenzial des letzten Ur-GTI als Liebhaberstück erkannten. Vielleicht spielte auch der Name „Pirelli“ eine Rolle dabei. Italiens Reifengigant erinnerte sich Anfang der 80er an seine große Zeit als erster Lieferant von Hochleistungsreifen für die Supersportwagen der späten 60er und erregte mit einer beispiellosen Imagekampagne enormes Aufsehen. Der Slogan „Schwarz – breit – stark“ färbte vom Reifen auf jedes damit ausgerüstete Auto ab. Als 1984 nach fast zehn Jahren erstmals wieder eine Ausgabe des schon damals legendären Pirelli-Aktkunst-Kalenders erschien, erfuhren „die Beine unserer Autos“ so viel Aufmerksamkeit wie nie zuvor. Der Golf I GTI trug also Pirelli-Reifen, und jeder konnte es anden Felgen erkennen. Es bedurfte nicht einmal einer Leistungssteigerung, um das Sondermodell an den Mann zu bringen. VW beließ es beim unspektakulären, aber effektiven 1,8-Liter-Motor mit nur einer obenliegenden Nockenwelle, nur zwei Ventilen pro Zylinder und verhaltenen 112 PS, wie er schon seit Ende 1981 beim Standardmodell angeboten wurde. Man setzte wie zur Abkühlung der Gemüter sogar noch eine längere Achsuntersetzung ein und reduzierte die Drehzahl und den Verbrauch bei hohen Geschwindigkeiten. Der Golf GTI war leicht genug, um auch diesen Tranquilizer ohne Einbußen in den Verkaufszahlen zu verdauen. Seine Fahrleistungen blieben im Spitzenfeld der schon damals nach ihm benannten Fahrzeugklasse, und die Allround-Eigenschaften sicherten ihm vordere Plätze in jedem Vergleichstest – egal, wer gegen ihn antrat.

 

Fiat Ritmo ist ein echter Temperamentsbolzen

Erst im Oldie-Alter kehren sich die eigenen Tugenden des GTI und die Weitsicht seiner Fans ein wenig ins Gegenteil um. Erste zu Lebzeiten unterlegene Konkurrenten ziehen im Marktwert vorbei, weil sie seltener geworden sind. Der Ritmo Abarth wird immerhin zu gleichen Konditionen gehandelt, sofern denn ein Exemplar auf dem Markt erscheint. Wer die Chance bekommt, beide Autos im direkten Vergleich zu bewegen, benötigt keine fünf Minuten, um seine Präferenz festzulegen: Der Fiat Ritmo ist ein Temperamentsausbruch auf Rädern, mit hakeliger Schaltung und mäßiger Traktion, aber ungeheuer unterhaltsam. Der Golf GTI ist dagegen unauffällig und fast emotionslos, doch selbst an heutigen Maßstäben gemessen ein effektives und sympathisches Auto für alle Tage und Gelegenheiten. Genauso wird der hier gezeigte Wagen – ein unrestauriertes Original mit 190.000 Kilometern auf der Uhr – auch eingesetzt.

FIAT RITMO 125 TC ABARTH (Bj.: 1981-83): Technische Daten und Fakten
R4-Zylinder; vorn quer eingebaut; 2-Ventiler; zwei obenliegende Nockenwellen, Zahnriemenantrieb; Gemischbildung: Fallstrom-Registervergaser Weber; Bohrung x Hub: 84,0 x 90,0 mm; Hubraum: 1995 cm3; Verdichtung: 9,5; Leistung: 92 kW/125 PS bei 5800/min; maximales Drehmoment: 172 Nm bei 3500/min; Fünfgang-Getriebe; Vorderradantr.
Aufbau und Fahrwerk
Selbsttragende Stahlblechkarosserie mit zwei Türen u. Heckklappe; Radaufhängung vorn: McPherson-Federbeine,
Stabi.; hinten: Querlenker, Querblattfeder, Teleskopdämpfer; Zahnstangenlenkung; Bremsen: v./h. innenbel. Scheiben/Trommeln; Reifen: v./h. 185/60 HR 14; Leichtmetall-Räder: v./h. 5,5 x 14
Eckdaten
L/B/H: 3937/1690/1370 mm; Radstand: 2432 mm; Spurweitev./h.: 1455/1420 mm; Leer-/Gesamtgewicht: 1010/1360 kg; Tankinhalt: 50 l; Bauzeit: 1981 bis 1983; Stückzahl: k.A.; Preis (1982): 19.500 Mark
Fahrleistungen1
Beschleun.: 0 auf 100 km/h in 8,8 s; Höchstgeschwindigkeit: 188 km/h; Verbrauch:11,6 l/100 km

1AZ Ausgabe 12/82

VW GOLF I GTI PIRELLI (Bj.: 1964-66): Technische Daten und Fakten
R4-Zylinder; vorn quer eingebaut; 2-Ventiler; eine obenl. Nockenwelle, Zahnriemenantrieb; Gemischbildung: Einspritzung KJetronic; Bohrung x Hub: 81,0 x 86,5 mm; Hubraum: 1781 cm3; Verd.: 10,0; Leistung: 82 kW/112 PS bei 5800/min; max. Drehm.: 153 Nm bei 3500/min; Fünfgang-Getr.; Vorderradantr.
Aufbau und Fahrwerk
Selbsttragende Stahlblechkarosserie mit zwei/vier Türen und Heckklappe; Radaufhängung vorn: McPherson-Federbeine, Stabilisator; hinten: Verbundlenkerachse, Feder-Dämpfer- Einheit, Stabi.; Zahnstangenlenkung; Bremsen: v./h. innenbel. Scheiben/Trommeln; Reifen: 175/70 HR 13; LM-Räder: 5,5 x 13
Eckdaten
L/B/H: 3815/1610/1410 mm; Radstand: 2400 mm; Spurweite v./h.: 1404/1372 mm; Leer-/Gesamtg.: 880/1310 kg; Tank: 40 l; Bauzeit: 1983; Stückzahl: 10.500; Preis (1983): 20.465 Mark
Fahrleistungen1
Beschleun.: 0 auf 100 km/h in 8,9 s; Höchstgeschwindigkeit: 190 km/h; Verbrauch: 9,2 l/100 km

1AZ Ausgabe 15/83

 


Marktlage

Zustand 2:  8200 Euro
Zustand 3:  4300 Euro
Zustand 4:  1900 Euro
Wertentwicklung: leicht steigend
Definition der Zustandsnoten

 

Unser Fazit

Golf bleibt Golf – ein zeitlos gutes Auto. der Ritmo 125 TC Abarth macht als "vergessener Held" posthum Karriere.

Karsten Rehmann

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