VW gegen Opel
Ungleiches Duell
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VW gegen Opel in allen Modellreihen: Während die Wolfsburger von Erfolg zu Erfolg fahren, muss die deutsche General-Motors-Tochter demnächst vor allem sparen. Ehrgeizige Zukunftspläne haben beide
Größer könnte der Unterschied wohl kaum sein. Während die Massenhersteller VW und Opel früher unter gleichen Bedingungen antraten, ähnelt der aktuelle Konkurrenzkampf einem Wettstreit zwischen der Goldmarie und dem tapferen, aber armen Schneiderlein. Auf der einen Seite die vor Finanzkraft strotzenden Wolfsburger, die im Konzern für 2008 ein operatives Rekordergebnis von mehr als 6,2 Milliarden Euro erwarten. Auf der anderen Seite die mit immer neuen Sparauflagen konfrontierten Rüsselsheimer, über deren amerikanischer Mutter General Motors nach Milliardenverlusten und Absatzeinbrüchen die Pleitegeier immer niedriger kreisen.
Während VW für die nächsten Jahre gleich eine ganze Armada neuer Modelle plant, bittet Opel um finanzielle Hilfe des Staates und muss den Rotstift ansetzen. Geplante Projekte werden überprüft oder sollen verschoben werden. Spannend bleibt das Duell der beiden Großserienhersteller trotzdem, zumal sich Opel bei wichtigen Trend-Fahrzeugklassen und Technologien der Zukunft gut aufgestellt sieht. Zum Beispiel bei preis- und verbrauchsgünstigen Kleinwagen und beim Hoffnungsträger Elektroauto Volt. Denn angesichts knapper Öl-Ressourcen und hoher Spritpreise werden kleine Sparautos und alternative Antriebe für beide Marken immer wichtiger. „Wir müssen die Kunden mit neuen, umweltfreundlichen Produkten begeistern“, fordert auch VW-Konzernchef Martin Winterkorn. Deshalb arbeiten die Wolfsburger mit Hochdruck an einem alten Prestigeprojekt – bis 2010 soll ein zulassungsfähiges Einliter-Auto rollen. Und das wird diesmal keine rollende Zigarre wie der Versuchszweisitzer aus dem Jahr 2002. Winterkorn: „Es wird anders sein – nicht so flach und komfortabler für die Passagiere.“
Basis für den aerodynamisch ausgefeilten Zweisitzer sind Technik-Bausteine des künftigen Konzern-Minis „up!“ – gepaart mit Cockpit und Karosserieteilen aus Karbonfaser, Magnesiumblechen, Leichtlaufreifen und Start-Stopp-Automatik. Den Antrieb dürfte ein rund 500 Kubikzentimeter großer Einzylinder-Common-Rail-Turbodiesel mit etwa 40 PS übernehmen. Ziel für die Spitze: 150 km/h. Allerdings ist statt einer Serienproduktion vom teuren Einliter-Auto zunächst nur eine kleine Flotte geplant, mit der das Interesse der Kunden getestet werden soll. Denn VW hat schlechte Erfahrungen gemacht: Der 1999 hochgelobteDreiliter-Lupo („3L“) war ein Ladenhüter, und bis heute weiß niemand in der Branche, ob die Kunden inzwischen bereit sind, für konsequente Ökoautos mehr zu zahlen und gleichzeitig PS- und Luxusverzicht zu üben. Außerdem, so die Gedanken bei VW, ist es viel kostengünstiger, ein Zweiliterauto zu bauen. Damit sind wir bei der Serienversion des Minis up!, den VW als Studie erstmals 2007 auf der Frankfurter IAA zeigte. Im Herbst 2010 wollen die Wolfsburger die dreitürige Serienversion zeigen, Verkaufsstart ist im Frühjahr 2011. Wenig später folgt der Fünftürer. Auch im Gespräch: eine SUV-ähnliche Cross-Version und ein kleiner Roadster. Für den Antrieb stehen zwei 1,2-Liter-Motoren zur Wahl. Den vierzylindrigen Turbo-Benziner (FSI) gibt es mit etwa 85 und 105 PS, später folgt eine Basis mit rund 60 PS. Der gleich große Common-Rail-Diesel ist ein Dreizylinder mit 55 und 80 PS. Und mit dem 55-PS-Diesel soll der nur rund 850 Kilo leichte up! dann in einer BlueMotion-Variante schon 2011 als Zweiliter-Auto antreten.
###PIC[268104]### Die für 2012 ins Auge gefasste Antwort aus Rüsselsheim ist der unterhalb des Agila positionierte „City“. Die Idee eines kleinen, sehr sparsamen Stadt-Minis gewinnt vor dem Hintergrund der aktuellen CO2-Diskussion zunehmend an Bedeutung. Ursprünglich als Viersitzer zum Zielpreis von gut 8000 Euro geplant, ist auch eine verkürzte zweisitzige Version in der Diskussion, die – bei absehbar sinkenden Beschaffungskosten für die derzeit noch enorm teuren Lithium-Ionen-Batterien – auch mit Plug-in-Technologie angeboten werden kann, also mit Strom aus der Steckdose fährt. Der Elektro-City dürfte deutlich teurer werden als das Modell mit zwei- oder dreizylindrigen Verbrennungsmotoren.
Eine Klasse höher fährt VW mit dem neuen Polo vor. Premiere ist auf dem Genfer Salon am 2. März nächsten Jahres, der Verkauf des Fünftürers beginnt Ende Juni, im Oktober folgt die dreitürige Version. Der Kleine wächst in Länge und Breite nur minimal, sein Fahrwerk wird in Details überarbeitet. Bei den Benzinern des Polo bleibt es erstmal beim bisherigen 1,2-Liter-Sauger mit 60 und 70 PS sowie dem 1,4-Liter mit nun 85 PS (vorher 80). Zum Jahresende 2009 erscheint der erste Vorbote der neuen 1,2-Liter-TSI-Generation: ein sparsamer Turbo-Vierzylinder mit 105 PS, der den betagten 1,6-Liter-Sauger ablöst. Später wird auch der 1.4er (85 PS) durch einen gleich starken 1,2-Liter-Turbo ersetzt. Bei den Dieseln startet sofort Neues: ein 1,6-Liter-Vierzylinder mit Common-Rail-Technik in drei Stufen: 75, 90 und 105 PS. Die 75-PS-Version ist die Basis für den BlueMotion-Sparer. CO2-Ausstoß? Nur 96 g/km. Und 2010 folgt ein noch sparsamerer Ersatz für die 1,6-Liter: eine 1,2-Liter-Riege mit ähnlichen PS-Daten, die den CO2-Ausstoß im BlueMotion sogar auf 87 g/km reduziert.
###PIC[268106]###Noch nicht bestätigt ist der Polo Van, bislang fürs zweite Halbjahr 2010 terminiert. Auch dem Polo SUV fehlt noch das endgültige Okay. Aber fest steht: Ab Anfang 2010 gibt es wieder einen smarten Cross-Polo mit rustikaler Showoptik und Höherlegung. Und natürlich einen Polo GTI. Für Vortrieb sorgt hierbei ein 170 PS starker 1,4-Liter-Vierzylinder mit Kompressor und Turbo. Spitze: 225 km/h.
Als Rivale im Zeichen des Blitzes hält der erst im Herbst 2006 komplett erneuerte Corsa dagegen. Seine Modellpalette ist mit fünf Benzinmotoren (60 bis 192 PS) und drei Dieseln (75 bis 125 PS) bestens sortiert. Klar im Vorteil ist Opel mit dem erfolgreichen Minivan Meriva. Während VW noch immer kein Gegenstück hat, ist in Rüsselsheim bereits die Entwicklung der zweiten Generation weit gediehen, die mit hinten angeschlagenen Fondtüren (FlexDoor) ein hohes Maß an Variabilität bieten soll. Das Problem: Wegen des verschärften Sparkurses wird die finale Entwicklungsphase später eingeläutet. Der für Ende 2009 geplante Serienanlauf findet erst im Jahr darauf statt. Auf der Kippe steht das geplante Corsa-SUV, das ursprünglich ab Mitte 2010 mit Front- und Allradantrieb im Werk Antwerpen vom Band laufen sollte. Die Entscheidung steht noch aus, doch stellen hohe Entwicklungskosten und die immer weiter nach unten korrigierten Absatzprognosen das Projekt in Frage. Sollte es gestrichen werden, wird der Bau von Chevrolet-Modellen geprüft, um das belgische Werk auszulasten.
Eine Klasse höher geht das traditionelle Duell Golf gegen Astra in die nächste Runde. Der neue Golf ist gerade gestartet, im Februar kommt die Autogas-Version (LPG) mit der Technik des 1,6-Liter-Benziners (102 PS). Im Juni rollen als Einstiegsdiesel die neuen 1,6 Liter großen Common-Rail-Diesel mit 90 und 105 PS ins Geschäft, 2010 ersetzt der erwähnte 1,2-Liter-Turbobenziner (TSI) die bisherigen Sauger mit 80 und 102 PS.
Übrigens: Der Golf VII, der bereits den neuen, hochflexiblen „modularen Querbaukasten“ nutzen wird, startet nicht schon 2012, wie mehrfach kolportiert wurde. Er kommt erst 2013, eventuell sogar erst 2014. „Mit dem neuen Golf VI müssen wir erst einmal Geld verdienen“, heißt es dazu bei VW. Der renovierte Golf Plus mit neuer Front debütierte auf der Bologna Autoshow, er ist im März beim Händler. Der Golf Variant steht auf der IAA 2009 und im Oktober in den Showräumen: mit neuer Front und aktuellen Golf-Motoren. Auch für den Kompaktvan Touran gibt es zum Herbst 2009 eine Karosserie- und Technik-Kosmetik. Und Mitte 2010 kommt der neue Golf-Stufenheckler Jetta mit frischem Design. Ein neues Golf Cabrio wird es nicht so schnell geben – nicht mehr in der Golf-VI-Generation. Der Nachfolger startet nun erst 2012, er nutzt dann quasi vorab den neuen modularen Querbaukasten. Cabrio-Trost soll solange der größere und teurere Eos spenden: Im Juni nächsten Jahres offeriert VW erst eine dynamische GT-Version – 2010 gibt es dann eine größere Eos-Kosmetik. Und die Sportler: Der neue, 210 PS starke Golf GTI startet mit 210 PS im Mai 2009. Der Verkauf des noch stärkeren neuen R-Golf – exakt 270 Turbo-PS, jetzt mit Audi S3-Vierzylinder, bis zu 250 km/h schnell – beginnt Ende November 2009.
Auch der Scirocco wird nachgeschärft. Die Sportversion R 20 T (265 PS) debütiert auf der IAA im nächsten Jahr, zwei Monate später beginnt der Verkauf. Eine Studie des R-Scirocco zeigt VW bereits am 4. Dezember in Bologna. Bleibt noch der New Beetle, der auch die Golf-Basis nutzt. Die Nachfolger erscheinen in zwei Etappen: Das Coupé kommt 2011, das Cabrio 2012.
###PIC[268107]### Den Golf-Varianten und -Derivaten will Opel mit dem neuen Astra entgegentreten. Als Speerspitze dient die fünftürige Schräghecklimousine, die auf der IAA 2009 Premiere feiert. Sie basiert wie alle Astra-Varianten auf der neuen Global-Delta-Plattform von GM. Moderne Common-Rail-Diesel von 90 bis über 200 PS und sparsame Benziner, die ein Spektrum von 90 bis 220 PS abdecken, sollen anfänglich angeboten werden. Ein 70 PS starker Basisbenziner und eine 250 PS kräftige OPC-Version werden nachgereicht. Ebenfalls im Programm ist ein auf Erdgas (CNG) ausgelegter 1,6-Liter-Turbo mit 150 PS, der Anfang 2009 bereits im aktuellen Zafira debütiert. Für die erste Jahreshälfte 2010 steht die im Coupé-Stil gezeichnete dreitürige Astra-Variante im Plan, die durchaus den berühmten Namen Calibra tragen könnte und den VW Scirocco ins Visier nimmt. Der Astra Kombi ist für Herbst 2010 avisiert, und für Ende 2011 wird der Zafira erwartet. Nicht vor Anfang 2012 kommt der Nachfolger des Astra TwinTop. Ihm folgt das Astra Cabriolet, das wieder ein klassisches Stoffverdeck statt des teuren Metallklappdachs tragen soll.
Dem sportlichen Opel GT (264 PS) kann VW noch nichts entgegensetzen. Mit der Studie eines leichten Mittelmotor-Roadsters, der im Januar auf der Detroit Motor Show gezeigt werden soll, wollen die Niedersachsen zunächst das Kunden-Interesse testen.
###PIC[268108]### In der Mittelklasse heißt das Duell VW Passat gegen den brandneuen Opel Insignia. Hier muss der Wolfsburger Liebling aller Dienstwagenfahrer noch etwas durchhalten, denn die Weltpremiere des Nachfolgemodells ist erst für September 2011 geplant. Es gibt rund zehn Zentimeter mehr Radstand und noch mehr Platz im Innenraum. Der 1,4-Liter-TSI-Benziner übernimmt den Einstieg mit 130 PS (bisher 122 PS) und ersetzt in einer Kompressor-Turboversion mit über 160 PS den gleich starken 1,8-Liter. Die Diesel: 1,6-Liter mit 90 und 105 PS, Zweiliter mit 140 und 170 PS. Damit die Zeit bis zum Neuen nicht zu lang wird, offeriert VW noch im Oktober 2009 ein Passat-Facelift mit neuen Motoren – die 1,6-Liter-Common-Rail-Diesel mit 90 und 105 PS. Dazu gesellt sich eine „EcoFuel“-Erdgasversion des Mittelklässlers mit einem 1,4 Liter großen und 150 PS starken TSI-Turbo, der nur 119 g CO2/km ausstoßen soll. Neu ist auch das Diesel-Sparmodell Passat BlueMotion II (Zweiliter-TDI mit 143 PS, Verbrauch: nur 5,2 Liter).
Opel kann mit dem neuen Mittelklasse-Star Insignia locker kontern, der in diesen Tagen als Stufen- und Schräghecklimousine zum Händler rollt (Heft 24/2008). Vier Benziner von 115 bis 260 PS und drei Turbodiesel von 110 bis 190 PS sind im Programm. Die Kombi-Version Sports Tourer folgt im März. Das neue Flaggschiff kann mit Technik-Finessen wie dem adaptiven Fahrwerkssystem FlexRide, dem neuen, intelligenten Lichtsystem AFL+, Frontkamera und Allradantrieb ausgestattet werden. Für August ist unter dem EcoFLEX-Signet eine besonders sparsame Diesel-Variante (160 PS) vorgesehen.
Neuheiten auch bei den Großen: Der Nachfolger des voluminösen Familienvans Sharan auf Passat-Basis rollt Mitte 2010 in die Showräume, der neue Phaeton kommt 2012. Ein Opel-Pendant ist nicht vorgesehen. Der neue VW Touareg startet im Mai 2010, wird mindestens zwei Zentimeter flacher und auch leichter als sein Vorgänger. Im Mittelpunkt stehen neue Diesel. Neu im Programm ist eine 190-PS-Version des V6-TDI mit Common-Rail-Einspritzung, die den bisherigen 174-PS-Fünfzylinder (Pumpe-Düse) ersetzt. Der V10-Diesel (313 PS) wird durch den 326 PS starken, sparsameren 4,2-Liter-V8-TDI von Audi ersetzt. Die Benziner: ein neuer V6 FSI mit 330 PS als Hybridversion mit 34-kW-Elektromotor und ein 4,2-Liter-V8 (von Audi) mit über 350 PS, der den W12 (450 PS) ablöst.
Opel hat mit dem Antara einen modernen Geländegänger im Angebot. Bei Wünschen nach noch größerem Gerät springen die GM-Konzernkollegen von Cadillac gern ein. Dort stehen die Modelle SRX und Escalade bereit.
Wolfgang Eschment, Stefan Miete
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