VW Beetle LSR: Fahrt im 600-PS-Käfer So brutal fährt der VW Beetle LSR

08.12.2016

Dass auch ein Käfer extrem aufregend sein kann, erleben wir bei einer Fahrt im VW Beetle LSR auf dem trockenen Salzsee El Mirage. So brutal haben sich 600 PS noch niemals angefühlt!

Mit rund 600 PS dürfte der knallgelbe VW Beetle LSR der stärkste Käfer der Welt sein! Sein Besitzer, der Amerikaner Tom Habrzyk, ist Land Speed Racer und hat für die legendären Hochgeschwindigkeitsfahrten auf den ausgetrockneten Seen im Westen der USA eine Kanonenkugel aus der Knutschkugel gemacht. Klar, dafür waren ein paar nicht unwichtige Modifikationen notwendig. Mit 205,122 Meilen pro Stunde ist Tom Habrzyk über die Bonneville Salt Flats gejagt und darf seit dem auch offiziell den schnellsten Beetle der Welt feiern. Das war im Herbst 2016. Jetzt, ein paar Wochen später, tritt der VW wieder an. Diesmal auf dem Dry Lake von El Mirage, wo das Land Speed Racing vor rund 80 Jahren seinen Anfang genommen hat. Am Steuer sitzt allerdings kein PS-Profi, sondern ein Journalist aus Good Old Germany.

Video: Rekord-Jagd im VW Beetle LSR

 

 

So heiß wie der VW Beetle LSR war noch kein Käfer zuvor

205,122 Meilen pro Stunde – das sind 330,112 km/h und für einen Beetle mag das schon ganz ordentlich sein. Erst recht in Amerika, dem Mutterland des Tempolimits. Doch so richtig imposant ist dieser Rekord jetzt auch wieder nicht. Denn erstens komme ich aus dem Mutterland der unbeschränkten Autobahn, und zweitens geht es hier doch nur gerade aus, denke ich noch in meinem jugendlichen Leichtsinn. Dann schickt mich Tom zur "Rookie-Orientation" und die Amis kaufen mir beim Anfänger-Training schon mal die erste Portion Schneid ab. Denn auf dem staubigen Grund eines ausgetrockneten Sees irgendwo in der Wüste hinter Los Angeles sieht die Sache mit dem Speed schon ganz anders aus. Und je mehr Rennzigarren, Streamliner, Hot Rods und Motorräder vor mir mit ohrenbetäubendem Lärm auf die Piste gehen, je dichter die Wand aus Staub und Dreck wird und je näher sie mich an die Startlinie schieben, desto mulmiger wird mir vor meiner Operation Dessert Storm. Dabei sieht mein Kampfwagen doch auf den ersten Blick noch ganz friedlich aus und zumindest von außen wirkt der gelbe VW Beetle LSR fast wie ein ganz normales Serienmodell. Die etwas weiter nach unten gezogene Frontschürze fällt kaum auf und die dünnen Rädchen mit den voll verkleideten Felgen könnte man noch als Styling-Sünde abtun. Nur die beiden Stoffwürfel am Heck sollten mich vielleicht skeptisch machen, schließlich stecken da die Bremsfallschirme drin.

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Im Innenraum ist der VW Beetle LSR ein echter Rennwagen


Und innen ist der VW Beetle LSR ein Rennwagen reinsten Wassers. Dort, wo früher mal die Rückbank war, hat Tom ganz tief unten auf dem Boden eine Rennschale hinein geschweißt, in der mich sein Team jetzt fixiert hat, wie in einem Schraubstock. Den Helm auf dem Kopf, Hans im Nacken, die Hosenträgergurte so stramm, dass ich kaum atmen kann und die Handgelenke mit Bändern an den Gurt gefesselt habe ich gerade noch so viel Handlungsspielraum, dass ich das weit in den Raum versetze Lenkrad und das verlängerte Schaltgestänge erreichen kann, die beiden Knöpfe für den Feuerlöscher und die Hebel, mit denen ich den Splint aus den Stoffsäcken ziehe, damit eine große Feder die Fallschirme herausdrücken kann. Als wäre das nicht schon kuschelig genug, wird das Auto gar vollends zum Backofen, sobald ich Zündung und Benzinpumpe anschalte und den Startknopf drücke – selbst wenn neben mir ein Tank mit Eiswasser thront, mit dem die Ladeluft um 20 Grad herunter gekühlt wird. Zusammen mit den beiden riesigen Turbos und ein paar "kleinen Modifikationen", für die Tom immerhin fünf Monate gebraucht hat, wird aus dem kreuzbraven 2,0-Liter-Motor des Serienmodells eine Höllenmaschine: Statt bislang maximal 220 PS kommt der Beetle jetzt fast auf die dreifache Leistung.

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600 PS machen den VW Beetle LSR zur Kanonenkugel


Warum sie mich hier drin festgeschnallt haben, merke ich ein paar Sekunden später, nachdem Tom auch noch das Schutzgitter hinter die Tür gespannt hat. Und all mein Hochmut ist weg, als mir der Starter das vereinbarte Zeichen gibt, ich den ersten Gang einlege, die Kupplung schnappen lasse und der Käfer tatsächlich zu einer Kanonenkugel wird. Die 600 PS lassen die schmalen Reifen sogar auf dem Sand quietschen und eine schwarze Spur zeichnet meinen Weg nach. Eisern kämpfe ich am Lenkrad gegen das Schlingern auf dem plötzlich gar nicht mehr so festen und ebenen Dreck-Track. Die Gerade fühlt sich da schon ziemlich krumm an, und erst im letzten Moment sehe ich die flackernd roten Lichter, mit denen sich kurz vor 8.000 Touren der Drehzahlbegrenzer ankündigt. Klack, zweiter, klack, dritter, klack vierter Gang. Der Auspuff röhrt, der ganze Wagen dröhnt und hinter mir spritzt Meterhoch der Staub. Mit zentnerweise Ballast irgendwie am Boden gehalten, jagt der VW Beetle LSR durch die Wüste, als hätte jemand auf fast forward gedrückt und noch nie haben sich die vier Sekunden von 0 auf 100 km/h so kurz angefühlt wie hier. Und da habe ich von der knapp zwei Kilometer langen Strecke gerade erst ein paar hundert Meter geschafft.

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Ein Bremsfallschirm bremst den VW Beetle LSR wieder ein


Dumm nur, dass der VW Beetle LSR eigentlich für den Salzsee in Bonneville gebaut wurde und mit dem Sand von El Mirage so seine Probleme hat. Das Auto wird zu einem rasenden Staubsauger und eine feine braune Wolke, die sich vom Kofferraum aus ausbreitet, vernebelt mir den Blick. Nach ein paar Sekunden ist die Sicht im Käfer deshalb so schlecht, dass ich das Lenkrad nur noch schemenhaft erkenne und am Ende des Rennens gar nicht weiß, ob ich es überhaupt ins Ziel geschafft habe. Geschweige denn, wie schnell ich dabei war. Als der Bordcomputer später im Ziel ein Spitzentempo von 198 km/h auswirft, bin ich nicht einmal eine Sekunde enttäuscht. Denn was auf der Autobahn etwas absolut alltägliches ist, wird auf einem trockenen Seegrund zu einem Höllenritt und schon der Kriechgang fühlt sich an wie Lichtgeschwindigkeit. Noch nie habe ich mich so schnell gewähnt wie hier und heute. Und noch nie hat mir ein VW so einen Nervenkitzel bereitet. Erst recht kein Beetle. Wer noch einmal sagt, der Käfer lasse ihn kalt, den schicke ich postwendend in die Wüste.

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