VW Beetle 2012: Neuer Käfer in Los Angeles, Hollywood Sterne & Staub

13.02.2012

Fiebrig zwischen Aufstieg und Absturz: zwei Tage im VW Beetle durch die (Alb)Traum-Stadt Los Angeles

Abenddämmerung am Sunset Boulevard. Los Angeles stellt um auf Neon. Mit dem Tageslicht geht aber auch die sonnige Leichtigkeit Kaliforniens, die letzten Touristen vorn am Walk of Fame werden nun sukzessive durch halbseidene Gestalten ersetzt. Schichtwechsel sozusagen.

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Ein drahtiger Latino stürmt vorbei. Handy am Ohr, wildes Gestikulieren, spanische Sprachfetzen. In der Tür des Tattoo-Ladens „Lucky-7“ bleibt er wie angewurzelt stehen, dreht sich dann langsam um und lässt das iPhone sinken: „Is that it?! Ist er das?“ Er kommt auf uns zu und bleibt dann wie gebannt vor dem roten Beetle stehen, der am hohen Bordstein gerade eine Pause macht. „Das ist er doch, der Neue, oder?“ Der über und über tätowierte Bursche fixiert uns mit zusammengekniffenen Augen und strahlt dann: „This one is mine!“ Er deutet auf den drastisch tiefergelegten Oldie-Käfer in glänzendem Metallic-Orange, der direkt hinter unserem 2012er-Beetle geparkt ist. „Was macht ihr hier?“ – „Wir fahren einfach nur rum. Malibu, Venice, Downtown, Hollywood. Und morgen früh dann den Mulholland Drive. L.A. im Schnelldurchlauf.“ Unser neuer Freund überlegt kurz, dann schüttelt er grinsend den Kopf: „Der Beetle passt einfach nach L.A. Und eurer ist ziemlich cool!“

LICHT- UND SCHATTENSEITEN IM EXTREM
Solche Reaktionen auf unseren feuerroten Reisegefährten sind wir mittlerweile gewohnt: Obwohl wir es sind, die irgendwo zwischen Hollywood und Beverly Hills einen Star erspähen wollen, werden nun gerade wir dauernd angesprochen und fotografiert. Die Kalifornier haben eben eine ungetrübte Einstellung zur Entertainment- und Pop-Kultur, die der VW Beetle so rotzfrech verströmt: Keine Diskussionen über Retro-Design und ob hier nun ein luftgekühlter Boxermotor im Heck brummen sollte. Gerade die Angelenos, also die Bewohner der 18-Millionen-Metropolregion, nehmen den Beetle wie er ist – als unterhaltsamen Straßenkünstler mit ungezwungenem Charme. Und genau das passt hervorragend zur Unterhaltungs-Kapitale, die wie keine andere Stadt Sehnsüchte und Lebenslust anzieht.

Vom Flughafen sind wir direkt ans Meer gefahren, vorbei an den exklusiven Yachthäfen bei Marina del Rey und dann in Venice Beach an den Strand. Was einmal mit künstlich ausgebaggerten Kanälen das Venedig Kaliforniens werden sollte, ist heute ein verwirrendes Konglomerat aus wirklich schlechten Nachbarschaften gleich neben entspannten Vierteln, in denen Künstler kleine Läden betreiben und Kinder auf der Straße spielen, sowie alternativem Lebensstil jeglicher Schattierung. Das Treiben auf der eigentlichen Küstenmeile hat jedoch bizarren Charakter: Niveauloser Touristen-Nippes wird hier ebenso verkauft wie allerhand Illegales, benebelte Vagabunden versuchen sich als Handlinienleser oder an naiver Kunst.

Nur wenige Meilen nördlicher sieht Los Angeles ganz anders aus. Am Strand von Santa Monica genießen Familien die Sonne, und auf den breiten Radwegen ziehen gutgelaunte Biker, Skater und Jogger vorbei. Wir strecken uns im Sand aus. Erst mal ankommen.

Vor uns rauscht der Pazifik, die Sonne zwinkert durch die dichten Kronen riesiger Palmen, im Norden erscheint im blauen Dunst die Gebirgskette hinter Malibu, im Süden ziehen gigantische Containerschiffe zum Hafen von Los Angeles, der – groß wie eine Stadt – eine ganze Küstenregion füllt. Hinter uns tobt, kocht, schwitzt Los Angeles. Das lässt uns keine Ruhe, der Moloch will erobert werden. Von Neugierde getrieben steigen wir wieder in den Beetle. Klimaanlage an und dann rauf auf den Pacific Coast Highway.

Als die Küstenlinie gerade hinüber nach Malibu wegdriftet, sehen wir rechts ein Straßenschild: „Sunset Boulevard“, darunter ein Pfeil mit magischer Aufschrift – Hollywood! Nach wenigen Minuten lockt weit über uns an den Hügeln der weltberühmte Hollywood- Schriftzug, er scheint aber ohne Insiderwissen unerreichbar zu sein. Fotograf Bernd greift nun tief in die Trickkiste, im Ernstfall navigiert der Kollege besser als ein Schwarm Brieftauben: Federleicht schnurrt der Kraftstrotzende Design-Studie: VW Beetle R Concept durch die verschachtelten Wohngebiete in den Hügeln über der Stadt und mogelt sich in die engsten Sträßchen, dank leichtgängiger Lenkung und blitzschnell schaltendem Doppelkupplungsgetriebe sind auch die hektischsten Navigationsbefehle vom Beifahrersitz verzögerungsfrei umsetzbar. Irgendwann landen wir in einer verschwiegenen Sackgasse – und Bingo: Nur wenige Meter über uns scheinen die 15 Meter hohen Buchstaben beinahe zum Anfassen nahe. Ein schnelles Erinnerungsfoto, dann trudeln wir wieder den Berg hinab.

Seitenfenster offen, hier oben in den Bergen duftet der lauwarme Nachmittag nach Lavendel und Staub. Kaum zu glauben, dass nur wenige Kilometer entfernt das Herz einer Millionenstadt pocht. Die Fahrt aus dem Laurel Canyon hinunter nach West Hollywood dauert wieder eine gefühlte Ewigkeit. Kurve reiht sich an Kurve, die schmale Straße windet sich um überhängende Felsnasen, durchquert regelrecht in die Schluchten geklebte Wohngebiete, und beinahe hätten wir dann – wortwörtlich – doch noch einen echten Hollwood-Star getroffen: Minnie Driver läuft uns unmittelbar nach einer Serpentine samt Hund vors Auto, Bernd brüllt noch „Achtung!“, als unser VW Beetle bereits den rettenden Schlenker um die verträumte Gassigängerin schafft. Wir schauen uns beim Weiterfahren groß an: „Das war doch …“

Nun haben wir aber genug von Hollywood, der Beetle rauscht durch das Highway-Gedärm der Riesenstadt bis nach Downtown. Im Figueroa Hotel, gleich gegenüber vom Staples Center, fallen wir müde ins Bett. Die für Los Angeles typische wilde Mischung aus mexikanischem Stil und unbekümmertem Exotik-Durcheinander schafft es nicht, gegen unseren bitterbösen Jetlag anzukommen.

SONNENSCHEIN STATT SCHÖNER SCHEIN
Die Zeitverschiebung hat aber auch ihr Gutes: Früh am nächsten Morgen stehen wir an der Walt Disney Concert Hall und sind gerade rechtzeitig hier für einen traumhaften Sonnenaufgang. Die Stadtmitte ist wie leergefegt, und die goldene kalifornische Sonne flirrt warm über die weltberühmte Edelstahl-Fassade.

Jetzt noch schnell an der Ecke einen Kaffee holen und dann hinaus auf den Mulholland Drive. Der Beetle ist in seiner jüngsten Auflage ein scharfer Flitzer geworden, also ideal für die kurvige, einsame Straße in den Santa Monica Mountains. Energisch beschleunigt der Zweiliter-Turbo die steilen Anstiege hinauf, wenige Minuten später haben wir uns im lustvollen Infight mit den Kurven verbissen. Und beinahe gefallen uns das Auto und die Stadt so am besten: ehrlich, ungeschminkt, intensiv.
Johannes Riegsinger

AUTO ZEITUNG

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