VW Arteon TDI/Audi A7 Sportback TDI/Jaguar XF 25d: Test Mischt der Arteon die Oberklasse auf?

von Michael Godde 15.09.2017
Inhalt
  1. Test: Der neue Arteon im Oberklassen-Vergleich
  2. Optik und Komfort beim Arteon im Einklang
  3. Die Vierzylinder verbrauchen mehr Sprit als der V6
  4. Der Arteon liegt satt auf der Straße

Test: Der neue VW Arteon ist deutlich mehr als ein Passat im edlen Zwirn und macht im ersten Vergleich mit dem etablierten Audi A7 Sportback und dem überarbeiteten Jaguar XF mit neuem Biturbo eine richtig gute Figur.

Design verkauft sich gut. Zumindest dringt diese These aus jeder Markentingzentrale. Versteht sich aber doch auch irgendwie von selbst. Wer will schon ein hässliches oder langweiliges Auto fahren? Niemand! Aber nicht immer steht dem ansprechenden Äußeren eines Autos auch eine inhaltliche Qualität gegenüber. VW bringt beim neuen Arteon allerdings gekonnt beide Aspekte zusammen. Damit sich das schicke, viertürige Coupé auf Basis des Passat erfolgreich in die anvisierte Oberklasse strecken kann, spendiert Volkswagen dem neuen Familienmitglied einen fünf Zentimeter längeren Radstand, den der Konzern auch beim Skoda Superb oder bei asiatischen VW-Produkten nutzt. Der Effekt ist beeindruckend. Zum einen wirken die Proportionen der äußerst attraktiven Karosserie deutlich ausgewogener als bei der Passat-Limousine: Bei jedem Stopp der Test-Mannschaft bleiben die Blicke der Passanten an ihm haften. Seine scharfen Linien stehlen Audi A7 Sportback und Jaguar XF die Show. Der Arteon gefällt. Aber das nur am Rande.

Der VW Arteon im Video:

 
 

Test: Der neue Arteon im Oberklassen-Vergleich

Zum anderen bietet der VW vor allem Platz. Davon profitieren in erster Linie die Fond-Passagiere. Weder der Audi noch der Jaguar können mit einer so üppigen Beinfreiheit aufwarten. Das kleine Dreieckfenster in der C-Säule des viertürigen Coupés schafft zudem einen Hauch Lounge-Ambiente. Lediglich die besser aufgepolsterten und mit guter Kontur geformten Sitze des Audi fehlen dem VW im Fond. Der gegen die beiden Schrägheck-Limousinen klassisch gezeichnete Jaguar wirkt in der zweiten Reihe dagegen nüchtern. Er bietet weder den Platz des Wolfsburger Oberklasse-Debütanten, noch den gediegenen Sitzkomfort des edlen Ingolstädters. Distanziert sich der Arteon im Fond deutlich vom Passat, finden Fahrer und Beifahrer hingegen dessen bewährte Architektur vor. Etwas Feinschliff an den Zierleisten über dem Handschuhfach und eine neue Multimedia-Einheit, mehr Aufwertung gibt es im Cockpit nicht. Eine klare Differenzierung zum Passat wäre hier wünschenswert, schließlich sieht der Besitzer sein Auto meist vom Fahrerplatz aus. Selbst das im Vergleich zu Passat, A7 sowie XF deutlich größere maximale Kofferraumvolumen von 1557 Litern ist kein Ausgleich für die fehlende Noblesse im Innenraum.

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Optik und Komfort beim Arteon im Einklang

Dass der Arteon in der Oberklasse dennoch für viel Wirbel sorgen wird, zeigt er auf der Straße. Während optionale 20-Zoll-Räder in den meisten Fällen die Optik aufwerten, aber den Komfort drastisch schmälern, hat VW diesen Konflikt gekonnt aufgelöst. Einseitige Kanten am Fahrbahnrand oder Querfugen über die ganze Spur, die beim Audi von der Vorderachse sehr ordentlich verarbeitet werden und vom Jaguar deutlicher, aber auch ohne Härte an die Insassen weitergereicht werden, spielen im Arteon keine Rolle. Sie werden nahezu vollständig vom feinen Fahrwerks-Set-up ausgeglichen. Der Volkswagen gleitet im Komfortmodus mit luxuriös sanfter Abstimmung durchs Land und bleibt dabei auch ausgesprochen leise. Weder Fahrwerksgeräusche noch Antriebsgeräusche stören die Fahrt. Hier spielt der Arteon in der Liga des bekanntermaßen gut gedämmten A7. Der Jaguar gibt sich bei Geräuschen und Fahrwerksdämpfung ein Quäntchen mitteilsamer. Insbesondere sein neuer 240-PS-Biturbo arbeitet mit einem härteren Verbrennungsgeräusch als der gleich starke Triebsatz im VW. Das klassisch-lässige Oberklasse- Motorengefühl vermittelt aber nur der kultiviert und laufruhig arbeitende V6-Turbodiesel im A7.

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Die Vierzylinder verbrauchen mehr Sprit als der V6

Ohnehin macht der große Motor im Bug des Audi trotz aller Downsizing- Euphorie neben den beiden Zweiliter-Vierzylindern eine gute Figur. Er verwöhnt neben seiner feinen Laufkultur und seinem bulligen, langanhaltenden Drehmomentschwung auch mit dem – laut technischen Daten – niedrigsten EU-Verbrauch von mageren 5,3 Liter Diesel auf 100 Kilometern. Der vor allem von unten satt anschiebende Selbstzünder im Jaguar verbraucht bereits 5,5 Liter Kraftstoff. Aber dass der Neuling in diesem Trio einen EU-Verbrauch von 5,9 Litern verspricht, ist verwunderlich. Schon der nach der ersten Testfahrt vom Bordcomputer abgelesen Verbrauch lag bei rund acht Litern – allerdings bei allen drei Limousinen. Hier muss ein harter Vergleichstest zeigen, wo sich die Verbräuche auf unserer Teststrecke wirklich einpendeln. Auf der Habenseite des 240-PS-Biturbos im Arteon steht das breite Leistungsspektrum. Er drückt den VW souverän aus niedrigen Drehzahlen voran, reagiert schnell auf Gaspedalbefehle und wirkt bei hohen Drehzahlen leichtfüßiger als die Motoren in Audi und Jaguar. Wie der Ingolstädter verteilt der Wolfsburger seine Kraft ausschließlich per Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe und Allradantrieb an die Räder. Der Jaguar nutzt eine Achtstufen-Automatik und Allradantrieb, lässt sich aber auch mit Heckantrieb ordern.

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Der Arteon liegt satt auf der Straße

Neben der komfortablen Gangart präsentiert sich der schicke Arteon auf der anderen Seite auch ausgesprochen dynamisch. Seine adaptiven Dämpfer (optional) lassen sich stufenlos per Fingerstrich über den neuen Touchscreen individuell anpassen. Sind alle Parameter von Lenkung, Fahrwerk und Antriebsstrang auf Dynamik getrimmt, wird der VW zum Sportwagen. Er lenkt spontan ein, bleibt dabei extrem präzise und vermittelt zudem ein tolles Feedback über seine Progressivlenkung. Der Audi trägt deutlich mehr Last auf der Vorderachse, und wirkt dadurch nicht ganz so leichtfüßig in Wechselkurven. Dem XF fehlt die Ausgewogenheit des Arteon. Er regiert nervöser auf Lenkbefehle und lässt sich von Unebenheiten stärker anregen als der satt liegende VW. Auch bei der Sicherheitsausstattung setzt sich der Wolfsburger ab. Der Arteon verfügt über die nächste Generation der automatischen Distanzregelung (optional). Das System blickt voraus und passt die Geschwindigkeit vor Kreisverkehren, Kreuzungen oder ganz simpel bei Tempolimits selbstständig an. Der neue Emergency Assist (optional) bremst den Wagen ebenfalls selbstständig ab und lenkt ihn – soweit es der Verkehr zulässt – an den rechten Fahrbahnrand, sollte der Fahrer aus gesundheitlichen Gründen ausfallen. Diese Features bietet die Konkurrenz so noch nicht an. Aber der Arteon 2.0 TDI SCR 4Motion kostet auch mindestens 51.600 Euro und ist damit definitiv in der Oberklasse angekommen. Der Jaguar ist nur 360 Euro teurer. Zum Audi bleibt dagegen noch ein Respektabstand von fast 8000 Euro.

Technische DatenJaguar XF 25d AWD
Motor4/4 Biturbodiesel
Hubraum1999 ccm
Leistung240 PS
Maximales Drehmoment500 Nm
Getriebe8-Stufen-Automatik
AntriebAllrad
0-100 km/h6,5 s
Höchstgeschwindigkeit246 km/h
Leergewicht1740 kg
Kofferraum505 - 885 l
L/B/H in mm4954/1880/1457
Verbrauch5,5 l D/100 km
Preis51.960 Euro
Technische DatenAudi A7 Sportback 3.0 TDI quattro S tronic
MotorV6, Turbodiesel
Hubraum2967 ccm
Leistung218 PS
Maximales Drehmoment500 Nm
Getriebe7-Gang, Doppelkupplung
AntriebAllrad
0-100 km/h6,8 s
Höchstgeschwindigkeit241 km/h
Leergewicht1825 kg
Kofferraum535 - 1390 l
L/B/H in mm4979/1911/1420
Verbrauch5,3 l D/100 km
Preis59.550 Euro
Technische DatenVW Arteon 2.0 TDI SCR 4Motion
Motor4/4 Turbodiesel
Hubraum1968 ccm
Leistung240 PS
Maximales Drehmoment500 Nm
Getriebe7-Gang, Doppelkupplung
AntriebAllrad
0-100 km/h6,5 s
Höchstgeschwindigkeit245 km/h
Leergewicht1753 kg
Kofferraum563 - 1557 l
L/B/H in mm4862/1871/1450
Verbrauch5,9 l D/100 km
Preis51.600 Euro

von Michael Godde von Michael Godde
Unser Fazit

Der VW Arteon überzeugt als Neuling in der Oberklasse mit seinem komfortablen sowie dynamischen Fahrwerks-Set-up, dem spritzigen Antriebsstrang und viel Platz. Das Interieur dürfte sich allerdings klarer von dem des Passat differenzieren.

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