VW Amarok im Fahrbericht Mit dem Wolf getanzt

12.09.2011

Amarok heißt Wolf, ein passender Name für den ersten ernsthaften Arbeits-Pick-up des VW-Konzerns. Probefahrt mit dem 163-PS-Diesel

Und jetzt“, sagt der Mann neben mir, „einfach auskuppeln, das Auto macht den Rest.“ Er muss wissen, wovon er redet, denn Wolfgang Schreiber ist Entwicklungsvorstand von VW-Nutzfahrzeuge und der VW Amarok sein Baby. Zusammen mit seinen Vorstandskollegen Stephan Schaller (Sprecher des Vorstands) und Harald Schomburg (Vertrieb und Marketing) ist er mit einer Gruppe von Ingenieuren und Journalisten auf Abnahmefahrt im argentinischen Hinterland.

Argentinien, weil der VW Amarok ab sofort in Pacheco bei Buenos Aires vom Band läuft. Und Argentinien auch, weil der Amarok bei der hier ausgetragenen Rallye Paris- Dakar seinen ersten großen Auftritt haben wird.

Die Bergabfahrhilfe, die Schreiber gerade erklärt, ist eines der technischen Highlights des VW-Pick-up, und die Entwickler sind zu Recht stolz darauf. Sie funktioniert ganz einfach: Wenn sich das optionale ESP und das ABS im Offroad- Modus befi nden, kann das Tempo bei steiler Bergabfahrt mit dem Gaspedal sehr feinfühlig geregelt werden – selbst wenn kein Gang eingelegt oder die Kupplung ausgerückt ist.

BERGABFAHRHILFE PER ESP
Die Demonstration gelingt überzeugend. Zentimeterweise schiebt sich der VW Amarok den steilen Abhang hinunter, ein Hauch Gas, der VW kriecht weiter, lässt sich millimetergenau um Felsbrocken zirkeln und taucht dann seine Nase tief in den argentinischen Bach. Wolfgang Schreiber lehnt sich zufrieden zurück.

Die restlichen Meter durch den Bach und über eine große Wiese zum Abschluss der Abnahmefahrt legt der Pick-up ebenso gelassen zurück wie die rasante Fahrt über üble Schotterpisten, die die Amarok-Kolonne gerade absolviert hat.

„Unser Auto sollte mindestens so robust werden wie die Marktführer in diesem Segment“, sagt Schreiber, ohne Namen zu nennen. „Das haben wir erreicht, denke ich.“ Die über 100 Offroad-Kilometer von Cordoba nach Ascochinga ließen keine Zweifel darüber aufkommen, dass die Hannoveraner es sehr ernst meinen.

Der Amarok ist alles andere als ein Promenier-Pick-up für Asphalt-Cowboys. Und er ist, anders als sein nicht ganz so glücklicher Vorgänger Taro, ein Kind des VW-Konzerns – von der blattgefederten Starrachse bis zum hochmodernen Biturbo-Diesel.

Den Amarok wird es zur Einführung ausschließlich mit dem Zweiliter-Common-Rail-Diesel mit 120 kW (163 PS) geben. Mitte nächsten Jahres kommt eine schwächere Version desselben Triebwerks mit 90 kW (120 PS) dazu. Mehr Auswahl gibt es bei den Antriebssträngen. Hier kann der Amarok-Käufer zwischen drei Versionen wählen: nur mit Hinterradantrieb, mit zuschaltbarem Allradantrieb über eine Klauenkupplung und eine Version mit permanentem Allradantrieb mit Torsen-Differenzial.

AB MITTE 2010 IN EUROPA
Der Pick-up wird in drei Ausstattungslinien lieferbar sein. Die Grundausstattung mit Stahlrädern und unlackierten Stoßfängern sowie ohne ESP und Klimaanlage richtet sich an hartgesottene Gauchos. Stadtmenschen erhalten mit den Linien Trend- und Highline etwas luxuriöser ausgestattete Varianten, die aber immer noch etwas herbes VW-Nutzfahrzeugaroma atmen. Das muss kein Fehler sein, wie der VW Bus mit jeder neuen Generation beweist.

Die guten Sitze, die solide Verarbeitung, die satt klackenden Schalter und die exakte Schaltung des VW Amarok erinnern dagegen stark an Golf, Passat und Co. – wie auch der druckvoll aus dem Keller schiebende Biturbo-Diesel. Wer jetzt unbedingt einen Amarok haben will, muss sich gedulden. Er kommt erst ab Mitte 2010 nach Europa, zu Preisen ab rund 30 000 Euro.
Heinrich Lingner

AUTO ZEITUNG

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