VW 1500 Variant & Opel Rekord C 1700 Caravan: Vergleich Aufbruch in neue Zeiten

03.12.2013

Im Vergleich zu heutigen Kombis wirken die Oldtimer Opel Rekord C Caravan und VW 1500 Variant quadratisch, praktisch, nützlich. Dabei läuteten sie vor rund 50 Jahren den Trend zum Alltags- und Freizeittransporter ein

Rekord C Caravan und VW Variant: Die beiden Wegbereiter des praktischen Alltagsautos treten sehr unterschiedlich auf. Der Opel Rekord ist ein imposantes Gefährt mit Motor vorn und Hinterradantrieb. Der VW 1500 ist vom Design her schlicht und technisch ein „erwachsener“ Käfer mit luftgekühltem Boxermotor im Heck. Und doch haben die beiden Kombis vieles gemeinsam. So wurden beide etwa zeitgleich mit dem Produktionsbeginn der Limousinen als Kombimodell angeboten.


REKORD C UND VW 1500 AVANCIERTEN ZU KLASSEN-BESTSELLERN


Und beide hatten – vielleicht auch deshalb – großen Anteil am Erfolg der jeweiligen Baureihe. Angelehnt an amerikanisches Design, ausladend, viel Chrom: Der Rekord C avancierte von 1966 bis 1972 zum erfolgreichsten Mit-telklassemodell von Opel. Über 1,2 Millionen Fahrzeuge (Limousine, Coupé und Caravan) wurden in Rüsselsheim gefertigt. Der erfolgreiche Rekord sorgte mit dafür, das Opel zeitweise mehr Marktanteil hatte als VW. Den Caravan lieferte Opel zwei- oder viertürig aus. Das große Platzangebot, der bequeme Innenraum, das funktionelle, schnörkellose Cockpit, der riesige Laderaum und die problemlose Technik untermauerten den Werbeslogan: „Der Freizeit, Urlaubs-, Familien- und Geschäftswagen.“ Der Rekord C Caravan wurde mit Vierzylindern von 1,5 bis 1,9 Liter Hubraum, Leistungen von 58 bis 90 PS sowie einem Sechszylinder mit 95 PS angeboten. Der populärste Motor war der 1,7-Liter-Vierzylinder, zunächst mit 60, später 66 und wahlweise mit 75 PS. Das 60-PS-Triebwerk beschleunigt den 1080 Kilo schweren Kombi in 24 Sekunden auf 100 km/h. Als Höchstgeschwindigkeit erreicht der Rekord 1700 für damalige Verhältnisse beachtliche 136 km/h. Der Verbrauch liegt bei 12,0 l/100 km. Das große Lenkrad, die indirekte Lenkung und das an der Lenksäule geschaltete Dreigang-Getriebe nahm die angepeilte Zielgruppe, die aus Vertretern und Handwerkern bestand, in Kauf.

Schlichte Form, wenig Chrom, kein richtiges Gesicht: Der VW 1500 war trotzdem auf der IAA 1961 eine Sensation. Denn der als Limousine und Kombi (sprich Variant) vorgestellte VW Typ 3 war nach vielen Jahren Käfer-Monotonie die erste wirklich neue Modellreihe der Wolfsburger. Und der Variant war der erste VW Kombi. Das brachte viele Familienväter auf die Idee, sich statt einer Limousine dieses Universalauto für Alltag und Urlaub anzuschaffen.Der Variant entwickelte sich während seiner Bauzeit von Februar 1962 bis 1973 zu einem Erfolgsmodell, dass es als 1500, 1500 S und 1600 auf insgesamt 1.202.935 Stück brachte. Er lag bei insgesamt 2,58 Millionen gebauten VW Typ 3 fast gleichauf mit der Limousine. Von 1968 an überholte der Variant sogar jedes Jahr stückzahlmäßig die Limousine.

Unser Fotoauto ist eines der ersten Variant-Modelle von 1962. Damals wurde dem VW 1500 eine erstklassige Verarbeitung attestiert. Die Innenausstattung galt ebenfalls als makellos. Der extrem flache Vierzylinder-Boxermotor, der im Heck unter einer Klappe versteckt und so kaum zu hören ist, leistet im Variant 1500 aus 1,5 Liter Hubraum nicht gerade üppige 45 PS. Der 910 Kilogramm schwere VW-Kombi beschleunigte damit in 24,5 Sekunden auf 100 km/h und ist 125 km/h schnell. Der Verbrauch beträgt rund 10,0 l/100 km. Der schnörkellose VW 1500 Variant erscheint auch heute noch als typischer Volkswagen aus jener Epoche: Zuverlässig, unauffällig, vom Design her eher bieder. Der Laderaum mit je einem Kofferraum vorn und hinten erwies sich zwar als urlaubs-, aber nicht handwerkerfreundlich.

Der Variant war mehr für den Familientransport konzipiert. Denn dank des komplett ausgekleideten Kofferraums und der geräuschdämmenden Motorraumabdeckung war der VW 1500 auch auf langen Fahrten wohltuend leise. Das war beim Opel Rekord C Caravan schon anders. Die großen Blechflächen und die starre Hinterachse machen sich im Innenraum deutlich bemerkbar. Dafür hat der Opel einen üppigen Laderaum, der jeden Handwerker begeistert. 255.732 Caravan inklusive des geschlossenen Lieferwagens wurden von Malermeistern, Transporteuren und in der luxuriösen L-Version auch von Familienvätern gekauft. Im Fahrbetrieb mag es der Rekord eher gemütlich. Der VW Variant ist leichter zu handhaben, entwickelt aber im Grenzbereich ein etwas tückisches Fahrverhalten. Ursache ist die als Pendelachse konstruierte Hinterradaufhängung, die bis 1968 eingebaut wurde. Zwei Dinge haben die Kombis schließlich wieder gemeinsam: Ein Rekord C oder VW 1500 Variant setzt Geduld bei der Beschaffung von Ersatzteilen voraus. Und beide sind rare und kaum noch aufzutreibende Oldtimer.

Opel Rekord C 1700 Caravan: Daten und Fakten
Antrieb
R4-Zylinder, längs im Bug eingebaut; 2-Ventiler; eine hochliegende Nockenwelle (CiH);Kettenantrieb; 1 Fallstromvergaser Carter 36; Bohrung x Hub: 88 x 69,8 mm; Verdichtung: 8,2:1; Hubraum: 1698 cm3; Leistung: 44 kW/60 PS bei 4600/min; max. Drehmoment 118 Nm bei 2300/min; Dreigang-Getriebe; Lenkradschaltung; Hinterradantr.
Aufbau und Fahrwerk
Selbsttr. Stahlblechkarosserie mit zwei Türen, Heckklappe; Radaufh. vorn: Doppel-Querlenker, Stabilisator; hinten: Starrachse, Längslenker, Panhardstab; v./h. Schraubenfedern, Stoßdämpfer; Kugelumlauf-Lenkung; Bremsen: v./h. Scheiben/Trommeln; Reifen: 6.40 x 13; Räder: 5 x 13
Fahrleistungen¹
Beschleunigung: 0 auf 100 km/h in 24,0 s; Höchstgeschwindigkeit: 136 km/h; Verbrauch: 12,0 l / 100 km
Eckdaten
L/B/H: 4550/1754/1465 mm; Radstand: 2668 mm; Spurweite v./h.: 1412/1410 mm; Leer-/Gesamtgew.: 1135/1665 kg; Tankinhalt 55 l; Bauzeit 1966 bis 1971, Stückzahl Caravan: 255.732; Preis (1966, Zweitürer): 7990 Mark
¹ Werksangaben


MARKTLAGE

Zustand 2:   7600 Euro
Zustand 3:   4600 Euro
Zustand 4:   1500 Euro
Wertentwicklung: steigend

VW 1500 Variant: Daten und Fakten
Antrieb
4-Zylinder-Boxer, längs im Heck eingebaut; 2-Ventiler; zentrale Nockenwelle, Stirnrad-Antrieb; 1 Flachstromvergaser Solex 321 PHN-1;
Bohrung x Hub: 83 x 69 mm; Hubraum: 1493 cm 3 ; Verdichtung: 7,5:1; Leistung: 33 kW/45 PS bei 3800/min; maximales Drehmoment: 107 Nm bei 2000/min; Viergang-Getriebe; Mittelschaltung; Hinterradantrieb
Aufbau und Fahrwerk
Stahlblechkarosserie mit Zentralrohrrahmen und zwei Türen, Heckklappe; Radaufhängung vorn: Kurbellenker; hinten: Pendelachse, Längslenker; v./h. Drehstabfedern, Teleskopstoß-dämpfer; Schneckenrollen-Lenkung; Bremsen: v./h. Trommeln; Reifen: 6.00-15; Räder: 4 1/2 x 15
Fahrleistungen¹
Beschleunigung: 0 auf 100 km/h in 24,5 s; Höchstgeschwindigkeit: 125 km/h; Verbrauch: 10,0 l / 100 km
Eckdaten
L/B/H: 4225/1605/1465 mm; Radstand: 2400 mm; Spurweite v./h.: 1310/1346 mm; Leer-/Gesamtgewicht: 910/1360 kg; Tankinhalt: 40 l; Bauzeit: 1961 bis 1966 (1973); Stückzahl (Variant): 1.202.935; Preis (1962): 6700 Mark
¹ Werksangaben


MARKTLAGE

Zustand 2:    9300 Euro
Zustand 3:    5700 Euro
Zustand 4:    2300 Euro
Wertentwicklung: steigend

Markenvergleich VW vs. Opel

Teil 1: Scirocco vs. Manta
Teil 2: Käfer vs. Kadett
Teil 3: Karmann-Ghia vs. Opel GT

Unser Fazit

Erinnerungen werden bei den tollen VW- und Opel-Modellen wach. Erinnerungen an das Debüt des Opel GT 1969 beim Händler um die Ecke, an das graue Käfer Cabrio meines Vaters anno 1956, an den Rekord C als Urlaubsgefährt und die Testfahrten mit dem agilen Scirocco – an die Oldies von VW und Opel denkt wohl jeder gerne. Warum? Im Gegensatz zu modernen Konzepten und Designs haben Scirocco, Manta, Käfer Cabrio, Kadett Aero, der Rekord Caravan und der VW Variant, besonders jedoch der große Karmann 1500 und der legendäre Opel GT etwas Besonderes: Charakter und Eigenständigkeit. Im Vergleich Scirocco/Manta ist der VW der agilere Sportler. Der Opel GT überzeugt auch gegen den reizenden Karmann durch seine Form für die Ewigkeit. Das Käfer Cabrio ist jetzt schon unsterblich. Und der Rekord C Caravan bleibt für alle Zeiten das, was auf dem Fahrzeug steht: „Schnelldienst“. Für Old-timer-Fans sind die Opel wegen der leichteren Reparatur und der soliden Technik vielleicht vernünftiger als die drei VW-Heckmotor-Vertreter und der Fronttriebler Scirocco. Dafür sind Käfer, Karmann und Co. echte Hingucker.

Werner Müller

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