Volvo XC90 2015 vs. BMW X5, Range Rover Sport & VW Touareg Neues Erfolgsmodell

03.08.2015
Inhalt
  1. Volvo XC90 vs. BMW, Range Rover & VW: KAROSSERIE
  2. Luxus-SUV im Vergleichstest: FAHRKOMFORT
  3. MOTOR/GERTRIEBE
  4. FAHRDYNAMIK
  5. UMWELT/KOSTEN
  6. FAZIT
  7. Technische Daten & Gesamtbewertung als PDF zum nachlesen

Mit hohem Entwicklungsaufwand und viel Liebe zum Detail ist in Schweden ein knapp fünf Meter langes SUV entstanden, das die deutsche und britische Elite staunen lässt: Der neue Volvo XC 90 startet durch

Bei all den Modellvariationen, Facelifts und Nischenvarianten der modernen Automobilindustrie sind von Grund auf neu entwickelte Autos tatsächlich selten geworden. Doch das dürfte nicht der einzige Grund sein, warum der jungfräuliche Volvo XC90 auf den vergangenen Automessen rund um den Globus so große Aufmerksamkeit erregte. Schließlich ist das taufrische schwedische Flaggschiff auch bildschön geformt, vollgestopft mit modernster Sicherheitstechnik – der selbst die deutsche Konkurrenz Respekt zollt – und was Platzangebot und Größe betrifft endlich wieder ein echter Volvo. Spätestens jetzt sollte die SUV-Oberklasse aufhorchen. Zumal Volvo auch auf der Antriebsseite mit dem doppelt aufgeladenen Zweiliter-Vierzylinder-Diesel und einer Achtstufen-Automatik genau den Nerv der Zeit trifft. Vorhang auf für den ersten Vergleichstest mit BMW X5, Range Rover Sport und VW Touareg.

 

Volvo XC90 vs. BMW, Range Rover & VW: KAROSSERIE

Mit einer Länge von 4,95 Metern ragt der neue Volvo XC90 etwas über das Gardemaß heraus. Das spürt man vor allem beim Heckabteil, wo sich mit umgeklappten Rücksitzen eine 2,11 Meter lange Ladefläche ausbreitet. Insgesamt nimmt es der Kofferraum des Schweden mit 721 bis 1886 Litern auf. Da kann selbst das 4,89 Meter lange Raumwunder BMW X5 nicht mithalten (650 bis 1870 Liter). Wie auch in VW und BMW genießt man auf allen fünf Sitzplätzen des XC90 ein großzügiges Raumangebot.

Der Range Rover ist mit seinen vier ausgeformten Sitzen dagegen nur eingeschränkt als Fünfsitzer geeignet. Und im Vergleich zur Konkurrenz sitzt man im Engländer relativ weit außen. Das vermittelt zwar das typische Range-Rover-Gefühl mit guter Übersicht und größtmöglicher Entfernung zum Beifahrer, schränkt aber die Bewegungsfreiheit spürbar ein.

Immerhin kann man das etwas eng wirkende Heck noch mit zwei extra Notsitzen bestücken und den Sport so zum Siebensitzer aufwerten (1700 Euro). Bei Volvo kostet die dritte Sitzreihe 1500 Euro, bei BMW 1980 Euro. Zudem protzt der Range Rover mit der größten Zuladung (784 Kilogramm) und einer Anhängelast von 3,5 Tonnen. Das schafft sonst nur der VW Touareg, BMW und Volvo dürfen mit ihren Vierzylinder-Dieselmotoren nur 2700 Kilogramm schwere Anhänger ziehen.

Dafür glänzen die beiden mit einer unschlagbaren Sicherheitsausstattung. Ein Notbremsassistent ist im Schweden ebenso Standard  wie  Spurhalter,  Verkehrsschild-Scanner und das Präventiv-Schutzsystem Run-off Road Protection. BMW entlässt jeden X5 mit Xenonscheinwerfern, Spurverlassens- und Auffahrwarner aus dem Werk. Bei Qualität und Verarbeitung hat allerdings weiterhin der VW das Sagen.

Zwar kann der Volvo mit seiner edlen Anmutung und den feinen Materialien gut mithalten, an den burgartigen, verwindungssteifen Karosserieeindruck des Touareg reicht er aber nicht heran. Allerdings erkauft sich der Wolfsburger diesen Umstand mit einem im Vergleich zum XC90 um gut 200 Kilogramm höheren Leergewicht (2265 Kilogramm). Der Einsatz von hochfesten  Bor-Stählen scheint sich für Volvo bezahlt gemacht zu haben, denn auch die Konkurrenten sind alle deutlich schwerer.

 

Luxus-SUV im Vergleichstest: FAHRKOMFORT

Ohne Zweifel bietet jeder dieser vier Dickhäuter dank Luftfederung (teilweise optional) gediegenen Langstreckenkomfort auf höchstem Niveau – und das auch mit voller Beladung und trotz teilweise gigantischer Raddimensionen. So trägt der Range beispielsweise optionale 21-Zoll-Räder mit 275 Millimeter breiten Reifen und schafft es dennoch, ein beeindruckendes Maß an Federungsreserven zu behalten. Selbst über wildeste Pisten fliegt der Engländer wie ein Rallye-Fahrzeug hinweg, ohne Grenzen zu zeigen. An das supersanfte Anfedern von BMW und VW kommt er aber nicht heran.

Überhaupt zeigen die Deutschen in dieser Disziplin keinerlei Schwächen. Kanten oder Bodenwellen bügeln sie unter die Wahrnehmungsgrenze und rollen auf ihren 19-Zöllern wie auf Samtpfoten ab. Das schafft der Volvo mit 20-Zoll-Rädern nicht ganz. Gerade bei Gullideckeln oder Bahnschienen würde man sich hier etwas mehr Sanftheit wünschen. Mit voller Beladung wirkt der dicke Schwede weniger nervös. Die lange Autobahnstrecke gehört aber auch im XC90 mit seinem knapp drei Meter langen Radstand zur Paradedisziplin, zumal die Fahrgeräusche klassenüblich leise in den Innenraum dringen und die Vordersitze mit der ausladend einstellbaren Beinauflage (90 Euro) überaus bequem sind.

Hinten darf man sich wie im VW und Range Rover Sport über einstellbare Lehnen freuen. BMW bietet immerhin gegen Aufpreis (500 Euro) einstellbare Komfortsitze im Fond an. Im Touareg lassen sich die Rücksitze serienmäßig sogar verschieben. Obendrein herrscht im VW subjektiv wie objektiv auch bei hohen Geschwindigkeiten absolute Ruhe im Auto. Taugliche Ablagen und Fächer gibt es bei allen vier Kandidaten reichlich.

 

MOTOR/GERTRIEBE

Während BMW neben dem zwei Liter großen Vierzylinder-Diesel des xDrive25d mit 218 PS (ab August: 231 PS) auch noch größere Sechszylinder-Diesel im Angebot hat, setzt Volvo vollends auf Downsizing. Den XC90 gibt es nur noch mit Vierzylindern. Beim Diesel wird dieser von zwei Turboladern unterstützt und leistet 225 PS. Damit kann man dem zwei Tonnen schweren Trumm schon ordentlich Beine machen.

Ganze 470 Newtonmeter holt Volvo aus dem Langhuber, was für Sprintwerte von 8,3 Sekunden auf Tempo 100 und eine Höchstgeschwindigkeit von 220 km/h sorgt. Schneller ist auch der BMW nicht. Dabei entfalten beide Bi-Turbodiesel ihre Leistung sehr gleichmäßig auch bis zu hohen Drehzahlen hinauf. Das BMW-Aggregat läuft sogar noch ein bisschen rauer als der gut gekapselte Volvo-Motor.

Auf keinen Fall sollte man beim XC90 auf den Drive-Mode-Schalter in der Mittelkonsole verzichten (110 Euro), der neben Motor, Lenkung, Bremsen und Fahrwerk auch den Charakter der Achtstufen-Automatik maßgeblich verändert. So können wie beim BMW (hier serienmäßig) im Eco-Modus auch im Alltagsverkehr sehr niedrige Verbräuche realisiert werden. Im Schnitt geben sich die beiden SUV mit 8,5 Litern (BMW) und 8,7 Litern (Volvo) Diesel auf 100 Kilometern zufrieden.

Gegen so viel Spartechnik wirken die beiden drei Liter großen Sechszylinder von Land Rover und VW auf dem Papier beinahe antiquiert. Dafür liefern sie aber auch einen unwiderstehlich souveränen Auftritt. Vor allem der Motor im Range Rover schiebt, untermalt von bärigem Grummeln, mächtig an. Gegen die 600 Newtonmeter starke Wuchtbrumme ist der auf 204 PS und 450 Newtonmeter gedrosselte V6 des VW, der hier als einziger mit einem Turbolader auskommen muss, machtlos.

Bei der Sprintwertung bis Tempo 100 nimmt ihm der Engländer eine ganze Sekunde ab – bis 140 km/h sind es schon drei Sekunden. Wer einen schnelleren VW Touareg sucht, der sollte zur Version mit 262 PS und 580 Newtonmetern greifen (3600 Euro Aufpreis). Dennoch liefert auch der Basisdiesel den unverkennbaren Sechszylinder-Sound sowie die typische kultivierte Erhabenheit. Und der Durchschnittsverbrauch von 9,3 Litern geht ebenso in Ordnung.

 

FAHRDYNAMIK

Bei der Fahrdynamik hatte bisher in Vergleichstests stets entweder der Touareg oder der X5 die Nase vorn. Die überragende Traktion des Münchners und die gefühlvolle Lenkung des Wolfsburgers haben den Takt bestimmt. Dass nun ausgerechnet der große Volvo vorneweg fährt, darf als absolute Sensation gesehen werden. Der Schwede setzt nicht nur den guten Grip der breiten ContiSport-Contact-Reifen in die beste Rundenzeit um, sondern wieselt auch trotz des langen Radstands am ottesten durch die enge Pylonengasse des Slalomparcours.

Dabei lässt er sich fast spielerisch über die gute Lenkung dirigieren, ohne ins Wanken zu geraten. Obendrein regelt das ESP so unbemerkt sanft und vorsorglich, dass kritische Situationen nicht einmal provoziert werden können. Lässt sich das Heck des Range Rover beispielsweise durch plötzliche Lastwechsel in Kurven zum Eindrehen überreden, ist dem Volvo jegliche Art von Ärger im Grenzbereich fremd.

Nicht zuletzt sorgt die überragende, extrem genau dosierbare Bremse (34,2/33,4 Meter kalt/warm) dafür, dass der XC90 das Fahrdynamik-Kapitel mit Pauken und Trompeten gewinnt. Denn an diese Top-Werte kommen selbst Touareg (35,8/35,0  Meter) und X5 (36,0/36,7 Meter) nicht heran. Der Range Rover büßt in dieser Disziplin einmal mehr für seine 4x4-Bereifung mit M+S-Kennung und lässt bei den Bremsmessungen (je 41,2 Meter) ein dickes Bündel Federn.

 

UMWELT/KOSTEN

Erwartungsgemäß kann der Range Rover auch bei den Kosten nicht unbedingt punkten – ein Auto der englischen Nobelmarke zu fahren, war noch nie billig. Für 61.900 Euro steht der günstigste Range Rover Sport TDV6 in der vergleichsweise spärlichen S-Ausstattung im Schaufenster – immerhin der einzige mit voller Drei-Jahres-Garantie. Das sind aber genau 8850 Euro mehr als für einen Touareg ausgegeben werden müssen, der hier auch unterm Strich das fairste Angebot darstellt.

Den neuen Volvo XC90 D5 gibt es ab 53.400 Euro und den BMW X5 xDrive25d ab 56.650 Euro. Doch wie gewohnt lassen sich alle Hersteller die für die Oberklasse üblichen Nobel-Extras teuer bezahlen. Da macht auch Volvo keine Ausnahme. Der zum Test angetretene XC90 Momentum in Magic-Blau-Metallic mit ultrahellen LED-Scheinwerfern (1750 Euro), einem Head-up-Display (1350 Euro), 20-Zoll-Rädern (1250 Euro) und Luftfederung (2560  Euro) steht inklusive aller Extras mit 81.095 Euro in der Preisliste.

Allerdings ist die Ausstattungslinie Momentum für 58.430 Euro schon sehr üppig bestückt. Musikfans sollten jedoch unbedingt die überwältigende B&W-Anlage mit 1400 Watt und 19 Lautsprechern für 4290 Euro Aufpreis einkalkulieren. Mit ihr lässt sich sogar der Klang der Göteborger Konzerthalle simulieren.

 

FAZIT

Was für eine Premiere für den neuen Volvo XC 90. In  seinem ersten Vergleichstest kann der geräumige Schwede dank hochwertiger Verarbeitung, guter Variabilität und beeindruckender Fahrdynamik den Alleskönner VW Touareg vom Thron stoßen. Der gewinnt zwar das Kosten- und Komfortkapitel, hat im spürbar moderneren Volvo aber seinen Meister gefunden.

Auch der rundum ausgereifte BMW X5 hat trotz ähnlich imposantem Platzangebot und ebenso vorbildlicher Sicherheitsausstattung das Nachsehen. Immerhin gewinnt der Bayer das Motor-Getriebe-Kapitel wegen seines effizienten Antriebs. Dem Range Rover Sport bleibt in diesem  stark besetzten Vergleichstest nur der vierte Rang. Sein herrschaftlicher Auftritt und der bärige Motor sprechen aber für den Briten.

 

Technische Daten & Gesamtbewertung als PDF zum nachlesen

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