Volvo V50 2.4 Gepäckträger im Massanzug

30.11.2006

Nach dem Jaguar X-Type kommt mit dem neuen Volvo V50 nun der zweite Lifestyle-Kombi aus dem Ford-Konzern. Der V40-Nachfolger entsteht in Belgien und soll als Volumenmodell die Absatzzahlen der Marke beflügeln

Eckdaten
PS-kW140 PS (103 kW)
AntriebFrontantrieb, 5 Gang manuell
0-100 km/h9.6 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit220 km/h
Preis27.430,00€

Begriffe wie Sportlichkeit, Dynamik oder Fahrvergnügen werden seit jeher am meisten strapaziert, wenn es darum geht, ein neues Modell zu bewerben. Aufwändige Tests zeigen jedoch, dass Autos nicht immer halten, was ihre Pressetexte versprechen. Nun setzt auch Volvo, nach landläufiger Meinung bislang eher Spezialist für Solidität und Sicherheit, in der Kommunikation des neuen V50 verstärkt auf Sportlichkeit. Dies weckt Erwartungen, zumal die Ingredienzen des Schweden sich schon bewährt haben. So steht der Kombi auf der Plattform des neuen Focus und des Mazda3, der bereits unter Beweis gestellt hat, wie knackig sich heutzutage Kompaktwagen fahren lassen. Gleichwohl sind in diesem Segment keine Raumwunder zu erwarten. Das merkt man auch dem V50-Innenraum an, der vergleichsweise eng geschnitten ist. Dennoch sitzt man vorn wie hinten bequem. Die Bedienungselemente sind übersichtlich platziert. Das Angebot an brauchbaren Ablagen fällt indes sehr spärlich aus. Die schmalen Türfächer nehmen nur mit Mühe ein Sonnenbrillenetui auf, und die schwer erreichbare Mulde hinter der Mittelkonsole ist schlicht zu flach. Utensilien, die dort verstaut sind, purzeln bei Kurvenfahrt gar in den Fußraum. Auch das Kofferraumvolumen liegt mit 417 bis 1307 Litern unter dem eines VW Golf Variant (460 bis 1470 Liter). Damit wirkt der Schwede mit seiner wohlproportionierten Kombi-Karosserie wie ein Gepäckträger im Maßanzug. Versöhnlich stimmt die serienmäßig umklappbare Rückenlehne des Beifahrersitzes. Auf diese Weise verlängert sich der Laderaum um rund einen Meter, sodass auch der Transport sperriger Güter kein Problem darstellt. Die Trumpfkarte spielt der Schwede traditionell bei der Sicherheit aus: Außer den klassenüblichen sechs Airbags und einer Fahrdynamikregelung hilft ein weit oben im Armaturenbrett platzierter Zündschlüssel, Knieverletzungen bei einem Unfall zu verhindern. Das Whiplash Protection System (WHIPS) in den Vordersitzen wirkt einem Schleudertrauma entgegen. Die sprichwörtliche Volvo-Sicherheit ist auch beim Fahren spürbar, denn die Karosserie wirkt außerordentlich stabil und verwindungssteif. Knarzgeräusche sind nicht zu hören. Dass der Premium-Anspruch bei der Verarbeitung noch nicht ganz erfüllt ist, zeigen teils großzügige Passungen zum Beispiel an der Kunststoffabdeckung im Fußraum links oder in der Türverkleidung auf der Fahrerseite. Unter der Haube des Testwagens arbeitet ein 2,4-Liter-Fünfzylinder mit 140 PS, der sich als außerordentlich angenehmer Begleiter entpuppt. Spontane Gasannahme und genügend Durchzugskraft im mittleren Drehzahlbereich kennzeichnen seinen Charakter ebenso wie eine ausgeprägte Laufruhe. Die Höchstgeschwindigkeit von 205 km/h entspricht den Erwartungen an diese Leistungsklasse, doch der Volvo benötigt wegen der langen Übersetzung ein wenig Anlauf, um sie zu erreichen. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 9,6 Sekunden übertrifft die Werksangabe geringfügig. Der Testverbrauch von 9,6 Liter Super Plus auf 100 Kilometern setzt indes keine Maßstäbe. Dafür entschädigt der V50 mit einem gelungenen Klangbild. Über den gesamten Drehzahlbereich hinweg begeistert der Fünfzylinder unter Last mit einem kraftvoll klingenden, aber nie aufdringlich wirkenden sonoren Geräusch. Lob verdient darüber hinaus das Fünfgang-Getriebe, das mit kurzen Schaltwegen und präziser Führung begeistert. Diese lernt man insbesondere dann zu schätzen, wenn auf kurvigem Geläuf eine zügigere Gangart angeschlagen wird und häufigere Gangwechsel angesagt sind. Hier bereitet der Umgang mit dem V50 wahrhaft Vergnügen. Mithilfe der direkten Lenkung lässt sich der Schwede völlig frei von Trägheit in Biegungen aller Art geradezu "hineinwerfen". Überhaupt folgt er dem Fahrerbefehl buchstäblich aufs Wort. Dabei erweist er sich als ausgesprochen fahrstabil und verzichtet auf ungebührliche Seitenneigung. Ist das Tempo zu hoch, genügt Gaswegnehmen, und das Heck dreht ein, bevor die Volvo-eigene Fahrdynamikregelung DSTC eingreifen muss, um Schlimmeres zu verhindern. Solchermaßen bietet der V50 ein hohes Maß an Agilität und bestätigt damit die sportlichen Fahreigenschaften, die der Pressetext verspricht. Doch der Schwede kann auch anders - nämlich auf langen Autobahnetappen beachtliche Reisequalitäten entfalten. Hierfür zeichnet die sehr gute Geräuschdämmung ebenso verantwortlich wie die straffe, aber dennoch ausreichend schluckfreudige Federung. Sie informiert jederzeit über die Fahrbahnbeschaffenheit, ohne die Insassen über Gebühr zu belästigen. Der Preis für den ausgewogenen Nordländer beginnt bei 24350 Euro. Dafür bringt der Volvo V50 aber bereits eine Klimaanlage, ein Audiopaket mit Radio und CD-Player sowie eine Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung serienmäßig mit.

Fazit

Der neue Volvo V50 verkörpert eine gelungene Mischung aus Fahrspaß und Solidität. Die wohlgeformte Karosserie gefällt überdies mit inno-vativen Sicherheitsdetails. Hier fehlen nur noch die Seiten-Airbags im Fond. Das komfortable und gleichzeitig agile Fahrverhalten passt gut zum kultivierten Antrieb. Und eingefleischte Volvo-Fans dürften sich an dem begrenzten Raumangebot und dem Mangel an Ablagen nicht wirklich stören.

Technische Daten
Motor 
ZylinderR5
Hubraum2435
Leistung
kW/PS
1/Min

103/140
5000 U/min
Max. Drehmom. (Nm)
bei 1/Min
220
4000 U/min
Kraftübertragung 
Getriebe5 Gang manuell
AntriebFrontantrieb
Fahrwerk 
Bremsenv: innenbel. Scheiben
h: Scheiben
Bereifungv: 205/55 R 16
h: 205/55 R 16
Messwerte
Gewichte (kg) 
Leergewicht (Werk)1380
Beschleunigung/Zwischenspurt 
0-100 km/h (s)9.6
Höchstgeschwindigkeit (km/h)220
Verbrauch 
Testverbrauch9.6l/100km (Super Plus)
EU-Verbrauch8.5l/100km (Super Plus)
Reichweitek.A.
Abgas-Emissionen 
Kohlendioxid CO2 (g/km)k.A.

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