Volumen-Modelle Volumen-Modelle

23.10.2008
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Bisher mussten sich VW Passat Variant und Opel Vectra Caravan gegen den Ford Mondeo Turnier behaupten. Doch der neue Mondeo lässt noch auf sich warten. Bis er kommt, soll der S-MAX mit seiner Mischung aus Van und Kombi den Rivalen Paroli bieten. Ist dieser Ford ein Alleskönner, oder verlangt er zu viele Kompromisse?

Geht es nach den Marketingabteilungen der Automobilhersteller, muss ein Auto alles können. Crossover heißt neuerdings das Zauberwort. Waren früher die Grenzen der einzelnen Segmente klar definiert, sind sie heute nicht immer auszumachen. Sportwagen und Limousinen mischen sich genauso, wie Kombis sich mit Vans und SUVs kreuzen. Doch was hat der Kunde davon? Wird so aus einer Limousine wirklich ein Sportwagen oder aus einem Van ein Kombi? Ford stellt sich mit dem sportlichen S-MAX dieser Herausforderung. Das neue Modell rangiert unter dem eindeutig als Van erkennbaren Galaxy und über dem Kombi Mondeo Turnier. Dadurch potenziert sich natürlich auch die Anzahl der Konkurrenten, die aus beiden Segmenten kommen – nicht zuletzt aus eigenem Hause. Aber der neue Mondeo kommt erst Mitte 2007. Und so soll der S-MAX im Kombisegment Passat- und Vectra-Kunden zum Ford-Händler locken. Hat der mit bis zu sieben Sitzen ausgestattete S-MAX das Zeug dazu, die Konkurrenz hinter sich zu lassen, oder macht er doch zu viele Kompromisse, weil er beides sein möchte – Kombi und Van?

 

Karosserie

Der S-MAX wirkt groß und bullig. Tatsächlich ist er jedoch mit 4,77 Metern nicht länger als der Passat und im Vergleich zum Vectra sogar sieben Zentimeter kürzer. Der Kölner schöpft seine innere Größe aus mehr Breite und deutlich mehr Höhe als seine Konkurrenten. So finden Fahrer und Beifahrer geradezu üppige Platzverhältnisse vor. Klein oder eng sind der Opel und der VW zwar nicht, aber die Passagiere sitzen deutlich dichter an den Türen als im Ford. Ein weiterer Pluspunkt der breiten S-MAX-Karosserie ist, dass im Fond drei Personen auf Einzelsitzen Platz finden. In Vectra und Passat muss ein dritter Fahrgast auf den eher für zwei Personen ausgeformten Rückbänken Nehmerqualitäten zeigen. Auch dem Gepäck steht im neuen S-MAX reichlich Raum zur Verfügung. Bereits bei aufgestellter zweiter Sitzreihe offeriert der Kölner Kombi-Van 755 Liter Ladevolumen. Passat (603 Liter) und Vectra (530 Liter) bieten da deutlich weniger. Der Opel trumpft erst bei der Ausnutzung des maximalen Ladervolumens auf. Er fasst 120 Liter mehr als der VW, und die Lehne der hinteren Sitzbank klappt mit einem Handgriff zu einer ebenen Fläche vor. So entsteht eine Laderaumtiefe von gut zwei Metern. Im Passat müssen die Sitzflächen vorgeklappt werden, was die Tiefe des Gepäckabteils (1,76 Meter) verkürzt. Zwei Meter Tiefe und den Bestwert von 2000 Litern beim maximalen Volumen bietet der S-MAX. Allerdings verbleibt nach dem Umlegen der drei Fond-Sitze eine Stufe im Gepäckraum. Erst wenn man die dritte Sitzreihe (755 Euro) mitordert, füllt diese zusammengefaltet den Raum so aus, dass sperrige Gegestände problemlos bis zu den Vordersitzen durchgeschoben werden können. Sicherheitstechnisch sind die drei Raumgrößen auf dem neuesten Stand. Allerdings hat nur der VW hintere Seiten-Airbags gegen einen Aufpreis von 320 Euro an Bord. Ford schützt dafür den S-MAX-Fahrer besser mit einem Knie-Airbag. Große Unterschiede bei der Verarbeitung gibt es nicht. Der VW glänzt mit sehr ansprechenden Materialien, der Opel mit einer sehr soliden Verarbeitung. Eine gute Mischung aus beidem erhält der Kunde beim S-MAX.

KarosserieMax. PunkteVW Passat Variant 2.0 TDIFord S-Max 2.0 TDCIOpel Vectra Caravan 1.9 CDTI
Raumangebot vorn100778679
Raumangebot hinten100768280
Übersichtlichkeit70596562
Bedienung/ Funktion100867976
Kofferraumvolumen1008410077
Variabilität100465548
Zuladung/ Anhängelast80445540
Sicherheit150105103101
Qualität/ Verarbeitung200182180182
Kapitelbewertung1000759805745

 

Fahrkomfort

Mit seinen sehr gut konturierten und bequem gepolsterten vorderen Sportsitzen (ab Ausstattung Trend serienmäßig) leistet der Ford S-MAX Überzeugungsarbeit. Die gute Schenkelauflage und die angenehme Schulterunterstützung geben Halt, ohne einzuengen. Selbst lange Strecken kann man hier ermüdungsfrei absolvieren. Leider trägt die Abstimmung des Fahrwerks nicht dazu bei. Der Aufbau des straff gefederten S-MAX ist stets in Bewegung. Der Ford ist auf Sportlichkeit getrimmt, und das wird besonders auf schlecht gepflegten Teerdecken deutlich. Recht hölzern überfährt der Kölner Schlaglöcher und Querfugen. Selbst Fahrbahnmarkierungen werden spürbar weitergegeben. Das ist auch ein Tribut an die mit über 700 Kilogramm enorme Zuladung, die der Kombi-Van transportieren darf. Auf der anderen Seite stehen die hohen Reserven, die der Ford voll beladen bietet. Denn zum einen wird die Federung dann spürbar geschmeidiger, zum anderen bleibt ein Durchschlagen auch mit sieben Personen und deren Gepäck aus. Auch der Passat darf mit 576 Kilogramm viel Last auf den Buckel nehmen. Dann jedoch gelangt das Fahrwerk auf starken Bodenwellen an seine Grenzen. Mit leichtem Gepäck reagiert der VW indes fast so harmonisch wie der Opel. Die Karosserie bleibt ruhig, und das Zusammenspiel zwischen Federn und Dämpfern gelingt aus-reichend komfortabel. Andererseits sind die Sitze im Wolfsburger nur Sitzgelegenheiten. Gaukeln sie optisch eine gute Passform vor, muss man auf längeren und vor allem kurvigen Fahrten feststellen, dass sie zu wenig Seitenhalt bieten. Hinzu kommt, dass die Polsterung etwas zu schwach ist. Mängel, die dem Rüsselsheimer Kombi fremd sind. Seine Multikontursitze stützen und halten Fahrer und Beifahrer jederzeit fest und komfortabel. Ohnehin ist der Vectra ein für lange Reisen abgestimmter Kombi. Die Federung agiert feinfühlig und bleibt auch von härteren Schlägen unbeeindruckt. Zudem stören weder Wind- noch Motorgeräusche beim entspannten Gleiten. Der Passat mit seinem knurrigen Motor und der S-MAX mit seinen rauen Abrollgeräuschen lassen den Fahrer hier und da das Radio schon mal lauter drehen.

FahrkomfortMax. PunkteVW Passat Variant 2.0 TDIFord S-Max 2.0 TDCIOpel Vectra Caravan 1.9 CDTI
Sitzkomfort vorn1509011096
Sitzkomfort hinten100666072
Ergonomie150121114110
Innengeräusche50281828
Geräuscheindruck100716273
Klimatisierung50333433
Federung leer200138130140
Federung beladen200137135138
Kapitelbewertung1000684663690

 

Motor und Getriebe

Grundsätzlich zeigen sich Ford-Modelle beim Handling von ihrer besten Seite. Diese Feststellung trifft auch auf den S-MAX zu. Die Modellbezeichnung könnte auch für Sport-MAX stehen, so agil wetzt der Ford über den Handlingparcours. Schon beim ersten Einlenken gewinnt der Ford das Vertrauen seines Fahrers - Masse und Ausmaße sind da schnell vergessen. Nur mit geringer Untersteuertendenz folgt er den Richtungsvorgaben, die der Fahrer übers Lenkrad anordnet. Kleine Lenkwinkel und ein gutes Maß an Rückmeldung helfen nachhaltig beim zielgenauen Umrunden von Kurven. Vor allem in schnellen Biegungen und Wechselkurven begeistert das sichere Fahrverhalten. Hier zahlt sich die straffe Abstimmung aus. Obwohl wohl kaum jemand den S-MAX auf der Rennstrecke einsetzen wird, ist die Erfahrung im Grenzbereich wichtig und für die Bewertung aufschlussreich. Und der dynamische Ford bleibt auch am Limit jederzeit sicher beherrschbar bei eingeschaltetem ESP, aber auch bei ausgeschaltetem System. Der Opel Vectra gibt sich hier gelassen. Ohne das adaptive IDS-Plus-Fahrwerk lässt sich die elektronische Stabilitätskontrolle nicht deaktivieren. Dadurch bleibt der Opel stets weit unter seinen Möglichkeiten auf der sicheren Seite, ohne dabei seinen Fahrer zu stark zu bevormunden so soll es sein. Der Passat, der auf den breitesten der aufpreispflichtigen 17-Zöller steht, nimmt es mit beiden Kontrahenten locker auf. Er lenkt am gefühlvollsten ein, bietet die saubersten Übergänge in Wechselkurven, verfügt über ein sehr sanft regelndes ESP und zeigt zudem einen unbeirrbaren Geradeauslauf. Äußerst stabil bleibt der Passat auch beim Bremsen. Er steht nicht nur früher als seine Konkurrenten, seine Bremsen lassen sich obendrein besser dosieren. Der S-MAX bietet zwar ein ähnlich gutes Pedalgefühl, sein höheres Gewicht ist jedoch die Ursache für einen längeren Weg, bis er zum Stillstand kommt. Minuspunkte bekommt der Ford für seinen mit über zwölf Metern viel zu großen Wendekreis. Da wird das Einparken in engen Parkhäusern oder einfaches Wenden zur intensiven Rangierarbeit.

Motor und GetriebeMax. PunkteVW Passat Variant 2.0 TDIFord S-Max 2.0 TDCIOpel Vectra Caravan 1.9 CDTI
Beschleunigung150133129136
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150766680
Getriebeabstufung100807780
Kraftentfaltung50282730
Laufkultur100596265
Verbrauch325162160160
Reichweite25353428
Kapitelbewertung1000573555579

 

Fahrdynamik

Trotz ähnlicher Eckdaten sind die Charaktere der drei Zwei-Liter-Turbodiesel recht unterschiedlich. Nach wie vor vertraut Volkswagen auf die Pumpe-Düse-Technik. Die fördert durch die harten Verbrennungsgeräusche das typische Dieselnageln. Die beiden Vierzylinder von Opel und Ford arbeiten mit dem Common-Rail-Prinzip, was in beiden Fällen zu einer deutlich kultivierteren Arbeitsweise führt. Auch ihre Leistungsabgabe ist harmonischer. Zwar leiden alle drei Motoren unter einer leichten Anfahrschwäche, aber der Ford und besonders der Opel agieren dafür im weiteren Drehzahlverlauf mit einer spürbaren Drehfreude. Der Passat-TDI hingegen verliert oberhalb von 4000 Umdrehungen abrupt an Kraft und verlangt früher nach dem nächsten Gang. Bei der Getriebeabstimmung hat das Ford-Zahnradwerk gegenüber den ebenfalls mit sechs Gängen operierenden Schaltboxen von Opel und VW das Nachsehen, weil die Übersetzung des sechsten Gangs etwas zu lang gewählt wurde. Von seiner besten Seite zeigt sich der S-MAX beim Beschleunigen. Obwohl er die größte Masse nach vorn wuchten muss und die breiteste Stirn in den Wind stellt, kann ihn nur der zehn PS stärkere Opel deutlich abhängen. Der gleich starke, aber wesentlich leichtere und flachere Passat hingegen zieht erst oberhalb von 190 km/h Stück für Stück davon. Sehr erfreulich ist der Verbrauch des S-MAX. Gewicht und Größe scheinen sich auch hier nicht negativ auszuwirken. Mit genau acht Litern benötigt er die gleiche Menge Diesel wie der Vectra auf 100 Kilometern und nur 0,2 Liter mehr als der ohnehin als sparsam geltende Passat. Zudem verfügt der S-MAX wie der Passat über einen 70 Liter großen Tank, mit dem beide fast 900 Kilometer ohne Tankstopp unterwegs sein können.

FahrdynamikMax. PunkteVW Passat Variant 2.0 TDIFord S-Max 2.0 TDCIOpel Vectra Caravan 1.9 CDTI
Handling150868078
Slalom100475042
Lenkung100697461
Geradeauslauf50433638
Bremsdosierung30161413
Bremsweg kalt150127106115
Bremsweg warm150128114117
Traktion100434040
Fahrsicherheit150120120123
Wendekreis201017
Kapitelbewertung1000689635634

 

Umwelt und Kosten

Mit einem Grundpreis von 27475 Euro sortiert sich der Ford S-MAX genau in der Mitte zwischen dem günstigen Opel Vectra Caravan (27010 Euro) und dem teuren VW Passat Variant (27950 Euro inklusive Rußpartikelfilter) ein. Dennoch ist es der VW, der dieses Kapitel für sich entscheidet. Trotz des aufpreispflichtigen Partikelfilters, der ihn Punkte bei der Schadstoffeinstufung kostet, kann er sich beim Wertverlust, bei den Werkstattkosten und vor allem bei den Garantiebedienungen den entscheidenden Vorsprung gegenüber dem S-MAX und dem Vectra erkämpfen.

Kosten/UmweltMax. PunkteVW Passat Variant 2.0 TDIFord S-Max 2.0 TDCIOpel Vectra Caravan 1.9 CDTI
Bewerteter Preis675349350354
Wertverlust50676362
Ausstattung25464446
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50281818
Werkstattkosten20444042
Steuer10282828
Versicherung40414140
Kraftstoff55383838
Emissionswerte25828081
Kapitelbewertung1000723702709

 

Fazit

Hier über Sieg oder Platzierung zu entscheiden, ist nicht ganz so einfach. Sicher, der VW Passat Variant geht abermals als Gewinner aus einem Vergleichstest hervor. Die Ausgewogenheit, die der Volkswagen an den Tag legt, überzeugt nach wie vor. Aber sowohl der Opel Vectra Caravan als auch der neue Ford S-MAX sind mehr als nur gute Verlierer. Der Opel gefällt mit seinem einfachen Mechanismus der Rücksitzlehne: Sie ist im Handumdrehen vorgeklappt, wodurch ein zwei Meter tiefer Laderaum entsteht. Hinzu kommt, dass man mit dem Vectra sehr komfortabel unterwegs ist. Die Stärken des Ford liegen mehr in der Fahrdynamik und im üppigen Platzangebot. Grundsätzlich sollte der S-MAX mit sieben Sitzen ausgeliefert werden. Dann finden nicht nur zwei Personen mehr Platz als im Opel und im VW, sondern der Laderaum hat dann auch einen ebenen Boden.

Gesamtbewertung

Max. PunkteVW Passat Variant 2.0 TDIFord S-Max 2.0 TDCIOpel Vectra Caravan 1.9 CDTI
Summe5000342833603357
Platzierung123

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