VW-Konzern: Aufholjagd an die Weltspitze stockt Sand im Getriebe

13.01.2017

VW will bis 2018 der weltgrößte Autobauer werden. Lange sah es nach einem Durchmarsch aus: Toyota litt unter Rückrufen und Erdbeben, GM unter Insolvenz und Opel. Doch die Rivalen sind erstarkt. VW dagegen kämpft selbst mit einem Rückruf und Absatzproblemen

Als VW-Chef Martin Winterkorn kurz nach seinem Amtsantritt im Jahre 2007 ankündigte, den Konzern in eine "neue, höhere Umlaufbahn" bringen zu wollen, rollten nicht wenige in der Autobranche mit den Augen. Als "unrealistisch" und "anmaßend" wurden die Pläne bezeichnet, VW bis 2018 zum Autobauer Nummer eins zu machen.

 

Volkswagen-Konzern: Rückruf und Absatzprobleme

Winterkorn brachte die Zweifler allerdings rasch zum Schweigen. Die Verkäufe stiegen rasant dank der starken Stellung in Schwellenländern wie China und Brasilien. Dagegen schlitterten die Marktführer von einem Problem ins nächste: Opel-Mutter General Motors musste in der Wirtschaftskrise vom Staat vor der Pleite gerettet werden. Toyota ramponierte sich den Ruf durch klemmende Gaspedale und wurde später von der Erdbebenkatastrophe in Japan getroffen.

Doch die Aufholjagd von VW stockt. Die Marktschwäche in Europa und die Absatzprobleme in den USA bremsen den VW-Konzern. Jetzt kratzt auch noch ein millionenfacher Rückruf am Image. Nach jüngsten Berechnungen des Center of Automotive Management (CAM) aus Bergisch Gladbach dürfte Toyota das Kopf-an-Kopf-Rennen dieses Jahr mit 9,75 Millionen Autos ganz knapp vor GM mit 9,70 Millionen Wagen für sich entscheiden. VW bliebe mit rund 9,6 Millionen erneut nur Rang drei.

Verkaufszahlen sind dabei nur die eine Seite der Medaille. CAM-Chef Stefan Bratzel prophezeit für die "ansonsten gut aufgestellten deutschen Hersteller sinkende Gewinne und Renditen". So schlägt das Problem des siechenden Heimatkontinents bei Volkswagen erheblich ins Kontor. Während Toyota über die ersten drei Quartale des Jahres mit 9,6 Prozent fast eine zweistellige Umsatzrendite schaffte, liegen die Wolfsburger mit 5,9 Prozent weit dahinter.

Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen sieht das Problem vor allem bei der Massenmarke VW, wohingegen die Premiumschwestern Porsche und Audi "erheblich zum VW-Konzerngewinn beitragen". Toyota spiele bei der Ertragskraft schlicht in einer eigenen Liga, resümiert Dudenhöffer. Das habe zwei Gründe:

Zum einen sei Autobauen bei VW einfach teurer als beim Wettbewerb
- und das trotz der viel beschworenen VW-Baukastenstrategie, die immer mehr identische Teile in verschiedene Modelle bringt. Zum zweiten habe der VW-Konzern deutlich höhere Vertriebs- und Verwaltungskosten als Toyota. "Bei Toyota liegt der Anteil dieser Kosten am Umsatz bei 9,2 Prozent, im VW-Konzern bei 13,1 Prozent. Das sind Welten", sagt Dudenhöffer. Die hohen Vertriebskosten seien dabei auch Ausdruck hoher Rabatte, die VW einräumen müsse, um sich im Markt zu behaupten.

"VW gewinnt derzeit eigentlich nur durch China", gibt Dudenhöffer zu bedenken. "In China werden aber die Wettbewerber stärker." So sei der Ford Focus im Oktober meistverkauftes Auto in dem Land gewesen. Ziehe man die guten Nachrichten aus China einmal ab, bleibe wenig. "Das Ziel von VW, bis 2018 Weltmarktführer zu werden, steht aus wackeligen Füßen", sagt Dudenhöffer und verweist auf die Margen.

Das Margen-Problem haben auch die VW-Oberen erkannt. Der Vorstand schwenkt auf einen Sparkurs, will mehr denn je alles überprüfen. "Unser Fokus liegt auf einer konsequenten Kosten- und Investitionsdisziplin", gab Finanzchef Hans Dieter Pötsch jüngst die Losung aus. Kein Wunder, denn der Dax-Riese will spätestens 2018 nicht nur weltweit am meisten Autos verkaufen, sondern auch nachhaltig eine grundsolide Rendite von 8 Prozent schaffen.

Das dürfte nur mit Autos gelingen, die ohne groß mehr zu kosten besser sind als die der Konkurrenz. Bei den Anschubinvestitionen für dieses Ziel macht VW jedoch so schnell keiner etwas vor: Europas Branchenprimus steckt so viel Geld in Forschung und Entwicklung wie kein anderer Börsenkonzern der Welt. Das ergab jüngst eine Analyse der Beratung Booz & Company. Toyota und GM? Auf Rang sechs und elf.

Schon einmal haben die Wolfsburger bewiesen, dass mit ihnen zu rechnen ist. So verkaufte der VW-Konzern im ersten Amtsjahr von Winterkorn 2007 gerade einmal 6,2 Millionen Wagen. Das war gute Mittelklasse, aber keineswegs Weltklasse. Toyota und General Motors lagen meilenweit vorne mit jeweils fast 9,4 Millionen abgesetzten Wagen. Heute hängt Volkswagen den Rivalen direkt an der Stoßstange. Ob die Kraft auch zum Überholen langt, wird sich zeigen.

AUTO ZEITUNG

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